Über die Komödie als Filmgenre am Beispiel von "Brust oder Keule"


Term Paper, 2015
15 Pages, Grade: 1,7

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. KOMÖDIE ALS FILMGENRE
2.1. Theorien des Komischen
2.2. Das Komische und das Kino

3. ״BRUST ODER KEULE“ - EINE ERNSTHAFTE KOMÖDIE

4. GESELLSCHAFTLICHE PROBLEME IM FILM

RESÜMEE

Quellen- und Literaturverzeichnisse

1. EINLEITUNG

Es hat sich geschichtlich entwickelt, dass der Komödie als Literatur- und Filmgenre ganz oft eine untergeordnete Rolle wegen ihrer mangelnden Seriosität gegeben wurde. Sie wurde und wird meistens als ein Mittel zum Amüsieren gesehen, mit Hilfe dessen man sich gut entspannen kann, ohne um bestimmte im Film präsentierte Themen kritisch nachzudenken. Kritische Einstellungen Komödien gegenüber lassen sich auf die Theorien des Komischen zurückführen: zum Beispiel verfechtet der britische Psychologe Alexander Bain die Position, dass das Komische die Degradation von dem Großartigen und Ernsthaften zu dem Armseligen und Niedrigen sei.1

Das Ziel meiner Arbeit ist es zu belegen, dass die Komödie ״Brust oder Keule“ nicht nur ein amüsanter Film ist, sondern ein Film, der wichtige soziale Themen aufgreift und Menschen einen kritischen Blick auf bestimmte Probleme der Gesellschaft verleiht. Das Komische kann auch ernsthaft sein.

Das erste Kapitel beschäftigt sich allgemein mit dem Thema ״Das Komische“ als Phänomen und präsentiert unterschiedliche Theorien über das Komische. Des Weiteren analysiert das zweite Kapitel die Komödie unmittelbar als Filmgenre. In diesem Kapitel wird es konkret auf den Film ״Brust oder Keule“ eingegangen und die Mittel des Komischen und ihre Funktionen mithilfe von verschieden Beispielen in dieser Komödie analysiert. Das dritte Kapitel dient zur Verdeutlichung der gesellschaftlichen Probleme, die in diesem Film aufgegriffen wurden.

2. KOMÖDIE ALS FILMGENRE

2.1. Theorien des Komischen

Das Komische ist ein Phänomen, das viele Menschen, vor allem Wissenschaftler, schon seit Jahrhunderten umtreibt. Bereits in Homers Werken (um 800 V. Chr.) war dieses Thema präsent.2 In dem berühmten Werk von Aristoteles finden wir seine Behauptung, dass das Lächerliche eine Abweichung vom Richtigen und Schönen sei. Im Gegensatz zu der Tragödie nimmt Aristoteles die Komödie nicht ernst und definiert sie als ״Nachahmung einer Ab Weichhandlung, mit der ein Mensch sich in einen Gegensatz zu einer Norm bringt und damit ethische Fragen berührt“.3

Zu den Wissenschaftlern, die sich mit dem Thema ״Das Komische“ beschäftigt haben, gehört auch der große Philosoph Emmanuel Kant. Für ihn war das Lachen ein Affekt, der aus einer getäuschten Erwartung entstehe: wir erwarten etwas völlig Anderes als das, was wirklich geschieht, aber es wird eine angenehme Überraschung, die bei uns Vergnügen auslöst.4 Der Mensch lacht so zu sagen über eine enttäuschte Erwartung. Seine Theorie verdeutlicht der Philosoph anhand mehrerer Beispiele: z. B. der Erbe eines reichen Verwandten wolle für ihn eine festliche Beerdigung organisieren und stelle dafür professionelle Trauernde ein. Er beschwere, ״je mehr Geld ich ihnen gebe, damit sie traurig aussehen, desto glücklicher sehen sie aus.“5

Eine andere Theorie des Komischen, die von dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer aufgestellt wurde, heißt ״Theorie der Inkongruenz“. Das Komische bzw. das Lächerliche besteht in einer unangemessenen Unterordnung eines Gegenstandes unter einem, ihm nicht adäquaten Begriff; in der Inkongruenz zwischen dem Gedachten und Angeschauten.6 Als Beweis für diese Ansicht dient ein Witz über eine Maus und einen Elefant.7

Die Theorie der Normabweichung, derer Initiator Karl Groos war, besagt, dass alles, was von der allgemein akzeptierten Norm abweicht und deswegen überflüssig wirkt, komisch sein solle.8

Für Henri Bergson besteht das Komische in der Entlarvung des Automatischen/Mechanischen dort, wo etwas Lebendiges erwartet wird: in unseren Bewegungen, Handlungen, Gesten oder Sprache. ״Es gibt keine Komik außerhalb dessen, was wahrhaft menschlich ist“: die Landschaft kann z. B. schön, langweilig oder gräulich sein aber nie komisch, weil es in der nichts Menschliches gibt. Tiere können für uns witzig sein, da sie uns an uns selber, unsere Handlungen, Gesichtsausdrücke, Bewegungen usw. erinnern9. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Theorie von Bergson ist, dass die Gefühlslosigkeit für das Komische von großer Bedeutung ist: einfacher gesagt, wir unterdrücken unseren Impuls zu lachen, wenn wir für das Subjekt, über das wir lachen, Mitleid, Sympathie oder andere Emotionen empfinden. Der Philosoph hat auch betont, dass wir entweder mit anderen oder über andere lachen, was darauf hinweist, dass das Komische bzw. das Lustige ein gesellschaftlicher Affekt ist.10

Das Komische als Phänomen ist in vielen Kunstbranchen präsent aber als eines der wichtigsten Kunstmittel fungiert es in dem Film, am häufigsten in der Filmkomödie.

2.2. Das Komische und das Kino

Die Komödie als Filmgenre scheint sehr beliebt zu sein: sowohl unter den Zuschauern, sowie auch unter den Filmproduzenten. Wenn man die Geschichte des Films betrachtet, sieht man, dass bis 1908 etwa 70 Prozent aller fiktionalen Filmproduktionen Komödien waren.11 Heutzutage stimmt diese Zahl nicht mehr aber die Komödie bleibt immer noch eines der präsentesten und beliebtesten Filmgenre. Im Bereich der Preisverleihungen und der Prämierungen ist die Situation aber anders: z. B. in der Kategorie ״Best picture“ (Filmpreis ״Oscar“) wurden bis heute nur 3 Komödien ausgezeichnet. Dieses Ergebnis könnte man auf die mangelnde Seriosität dieses Genres zurückführen, was bereits schon Aristoteles behauptete. Man könnte diese Problematik noch tiefer gehend analysieren: vielleicht liegt der Kern des Problems in unserer Wahrnehmung bzw. in unserem Verhalten zum Humor als Phänomen? Diese Frage war und bleibt immer noch offen und diskutierbar.

Wie kann man die Filmkomödie definieren? Bei Lorenz Engeil finden wir eine weitere Definition: ״Das Komische ist vor allen Dingen erst einmal selber ein Medium, und die Komödie ist eine der Formen zu diesem Medium“.12 Wenden wir uns dem Werk ״Film comedy“ von Geoff King zu: ״A comedy might initially be defined as a work that is designed in some way to provoke laughter or humour on the part of a the viewer. [...] It is a relative rather than an absolute phenomenon, dependent on a range of specific contextual factors.“13 Der Autor behauptet, dass es sinnvoller sei, die Filmkomödie als Modus und nicht als Genre zu betrachten: z. B. ein Western könnte Elemente der Komödie beinhalten, ohne seine Hauptdefinition als Western zu ändern.

Es gibt unterschiedliche Untergenres der Komödie: romantische Komödie, ״gross-out“ Komödie, Satire, Parodie usw. Die in dieser Arbeit analysierte Komödie ״Brust oder Keule“ stellt eine Parodie und Satire auf die Industrialisierung der Lebensmittelherstellung und auch auf die Welt der französischen Feinschmeckerküche dar.

Satire has its own specific effect as a way of representing sources of absurdity or oppression. Its comic dimension offers a considerable degree of latitude - or protection - for the representation of aspects of life that might otherwise be prevented from reaching the screen by industrial or political factors.14

Der Unterschied zwischen der Parodie und Satire liegt in ihren Zielen: die Satire verfolgt ein gesellschaftliches oder ein politisches Ziel, bei der Parodie ist es formell oder ästhetisch.15 In dem analysierten Film treten Elemente beider Untergenres der Komödie auf.

[...]


1 Dziemidok, Bohdan. The Comical. Dordrecht, The Netherlands: Kluwer Academic Publishers 1993, s. 13

2 Texte zur Theorie der Komik. Stuttgart: Philipp Reclam jun. Stuttgart 2005, s. 9

3 Aristoteles. Poetik. Griech./Dt. übers. Und hrsg. von Manfred Fuhrmann. Stuttgart: Reclam 1994, s. 17

4 Dziemidok, Bohdan. The Comical. Dordrecht, The Netherlands: Kluwer Academic Publishers 1993, s. 17

5 Berger, Peter L. Redeeming Laughter. The comic dimension of human experience. Berlin; New York: de Gruyter 1997, s. 24

6 Texte zur Theorie der Komik. Stuttgart: Philipp Reclam jun. Stuttgart 2005, s. 44

7 Berger, Peter L. Redeeming Laughter. The comic dimension of human experience. Berlin; New York: de Gruyter 1997, s. 26

8 Dziemidok, Bohdan. The Comical. Dordrecht, The Netherlands: Kluwer Academic Publishers 1993, s. 35-40

9 Bergson, Henry. Das Lachen. Frankfurt am Mein: Luchterhand Literaturverlag 1988, s. 14

10 Ebenda

11 Bowser, Eileen. The Transformation of cinema: 1907-1915. New York: Scribner 1990, s. 179

12 Engeil, Lorenz. ״Medium und Philosophie in Woody Aliens Filmkomödie Annie Hall", in: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung, 2/2010, Felix Meiner Verlag, Hamburg 2010, s. 149-166, online verfügbar unter: https://books.google.de/books?id=GUoMAAAAQBAI&pg=PA151&lpg=PA151&dq=Lorenz+Engell+komödie&source=bl&ots=luzhbgXNS5&sig=- gkqm0hSKd8qfdU0p3C4cm0HxC0&hl=uk&sa=X&ei=faD9VKnYD9įnas0QgIgD&ved=0CEcQ6AEwBQ#v=onepage&q=Lorenz':/:.20Engell':/:120kom0die&f=false , Stand: 9.03.2015.

13 King, Geoff. Film comedy. London: Wallflower press 2002, s. 2

14 Ebenda, s. 107

15 King, Geoff. Film comedy. London: Wallflower press 2002, s. 107

Excerpt out of 15 pages

Details

Title
Über die Komödie als Filmgenre am Beispiel von "Brust oder Keule"
College
University of Freiburg
Grade
1,7
Author
Year
2015
Pages
15
Catalog Number
V448678
ISBN (eBook)
9783668855588
ISBN (Book)
9783668855595
Language
German
Tags
über, komödie, filmgenre, beispiel, brust, keule
Quote paper
Julia Konchakivska (Author), 2015, Über die Komödie als Filmgenre am Beispiel von "Brust oder Keule", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448678

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