Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Chopin und seinen Polonaisen.
Chopin komponiert in seinem Leben über 100 Tänze, die somit die größte Gruppe innerhalb seines Schaffens darstellen. Sein Leben lang begleitet ihn das Thema Tanz, was auch in einigen Quellen überliefert ist. Dabei liegt der Hauptschwerpunkt auf den Mazurken, Walzern und den Polonaisen. Vor allem die Polonaisen und Mazurken werden durch das Chopin-Buch (Paris, 1852) von Franz Liszt sehr hervorgehoben. Auch für Chopin haben diese beiden Tanzformen eine besondere Bedeutung, da seine erste Komposition eine Polonaise und seine letzte eine Mazurka ist.
Im Mittelpunkt der Hausarbeit stehen seine wohl berühmtesten sieben Polonaisen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der genaueren Überprüfung der in der Sekundärliteratur dargestellten Charakteristika. Dem vorangestellt ist ein Definitionsversuch der Gattung, sowie ein kurzer historischer Überblick der Polonaise. Dieses Kapitel ist als Grundlage und geschichtliche Basis zu verstehen.
Weiterführend wird eine der sieben Polonaisen besonders beleuchtet und exemplarisch untersucht werden. Interessant ist insgesamt die Frage, inwiefern sich die Entwicklung innerhalb der Polonaisen Chopins vollzieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Polonaise
2.1. Zum Begriff „Polonaise“
2.2. Die Geschichte der Polonaise
3. Chopins Polonaisen
3.1. Polonaise in cis-Moll - op. 26, Nr. 1
3.2. Polonaise in es-Moll - op. 26, Nr. 2
3.3. Polonaise in A-Dur - op. 40, Nr. 1
3.4. Polonaise in c-Moll - op. 40, Nr. 2
3.5. Polonaise in fis-Moll - op. 44
3.6. Polonaise-Fantasie - op. 61
4. Analyse Op. 53 - Ein exemplarisches Werk
4.1. Gegenüberstellung mit den frühen Polonaisen Chopins
5. Persönliches Fazit
6. Quellenverzeichnis
6.1. Primärquellen
6.2. Sekundärquellen
6.3. Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung der Polonaisen von Frédéric Chopin, mit einem besonderen Fokus auf die sieben Meisterpolonaisen. Ziel ist es, die in der Sekundärliteratur häufig vereinfachten Charakterisierungen dieser Werke kritisch zu hinterfragen und die musikalische Transformation der Gattung durch Chopin sowie die individuelle Kompositionsweise exemplarisch an der „Heroischen“ Polonaise op. 53 zu analysieren.
- Historische Entwicklung der Gattung Polonaise
- Kritische Auseinandersetzung mit musikwissenschaftlichen Charakterisierungen (z.B. nach Rehberg)
- Analyse der sieben Meisterpolonaisen Chopins
- Detaillierte Untersuchung der Polonaise in As-Dur, op. 53
- Vergleich zwischen frühen Kindheitswerken und späten, ausgereiften Kompositionen
Auszug aus dem Buch
3.1. Polonaise in cis-Moll - op. 26, Nr. 1
Dieses Werk ist 1836 mit der Nr. 2 erschienen und wird ein Jahr zuvor von Chopin komponiert. Es weist eine große zweiteilige Form auf und hat als Besonderheit das Fehlen der Reprise.
Zu klären ist nun, ob das Adjektiv „romantisch-lyrisch“ als ein die Polonaise in ihrer Ganzheit gut beschreibender Begriff akzeptiert werden kann. Dafür sprechen in diesem Fall einige Merkmale. Die Einleitung ist durch einen hämmernden Rhythmus geprägt, der wiederholt erklingt und auf den die Bezeichnung „lyrisch“ nicht passt. Dafür entfaltet sich die anschließende erste Melodie sehr gesanglich über acht Takte, zunächst in einem Halbschluss mündend, dann zurückgehend und schließt auf der Moll-Tonika endend. Diese Melodie, mit einer vergleichsweise schlichten Begleitung, ist klar und durchscheinend im Klang und kann als „lyrisch“ bezeichnet werden. Die lyrische Melodie wird aber immer wieder von rhythmisch-markanten und lauten Stellen unterbrochen.
Im D-Teil, der mit Meno mosso überschrieben ist, ist eine breite Des-Dur Kadenz angelegt, die durch pendelnde Harmonik, Dominantketten und Trugschlüsse erweitert wird. Die durch enharmonische Verwechslung geprägte Harmonik, aber auch der Einsatz des neapolitanischen Sextakkordes in T. 11/23 lassen das Werk vielleicht etwas romantisch erscheinen, dennoch können harmonische Merkmale nicht ausreichend für eine solche Bezeichnung sein, da bekanntlich der neapolitanische Sextakkord schon in Carissimis Oratorium Jephte auftaucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der thematischen Ausrichtung des Seminars und Definition der Forschungsfrage bezüglich der Entwicklung von Chopins Polonaisen.
2. Die Polonaise: Erläuterung der etymologischen Herkunft und der historischen Entwicklung des Tanzes von volkstümlichen Anfängen zur artifiziellen Kunstform.
3. Chopins Polonaisen: Übersicht über das Gesamtwerk und Diskussion der verschiedenen Einteilungsversuche und Charakterisierungen der sieben Meisterpolonaisen.
4. Analyse Op. 53 - Ein exemplarisches Werk: Detaillierte Untersuchung der Polonaise in As-Dur, op. 53, inklusive formalsymmetrischer Analyse und Vergleich mit dem Frühwerk.
5. Persönliches Fazit: Reflexion über die Schwierigkeit, Musik sprachlich präzise zu erfassen, sowie ein Hinweis auf die teils veraltete Quellenlage.
6. Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär-, Sekundär- und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Frédéric Chopin, Polonaise, Klavierwerke, Musikwissenschaft, Gattungsgeschichte, op. 53, Heroische Polonaise, romantisch-lyrisch, Musiktheorie, Formanalyse, Klaviermusik, Polonaise-Fantasie, 19. Jahrhundert, Tanzformen, pianistische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Polonaisen von Frédéric Chopin, insbesondere mit der Entwicklung der Gattung innerhalb seines Schaffens und der kritischen Analyse seiner sieben Meisterpolonaisen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Gattungsgeschichte der Polonaise, die formale Analyse der Klavierwerke Chopins sowie die Hinterfragung tradierter, oft vereinfachender Charakterisierungen der Musik durch Musikwissenschaftler.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu untersuchen, wie Chopin die Tanzform Polonaise im Laufe seines Lebens transformiert hat, und dies durch eine detaillierte Analyse der Polonaise op. 53 als exemplarischem Werk zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine formale Analyse auf Basis der Urtext-Gesamtausgabe durchgeführt, ergänzt durch einen Vergleich mit existierender Sekundärliteratur, um bestehende Zuschreibungen zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Gattungsgeschichte, eine Übersicht der sieben Meisterpolonaisen mit Diskussion ihrer Charakterisierungen und eine tiefgehende Analyse der Polonaise As-Dur op. 53.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Chopins Polonaisen, Gattungstransformation, op. 53, formale Analyse, historischer Kontext und kritische Musikwissenschaft.
Warum wird die Polonaise op. 53 als "exemplarisches Werk" gewählt?
Op. 53 gilt allgemein als Höhepunkt dieser Gattung bei Chopin und eignet sich aufgrund seiner weiten Verbreitung und komplexen Struktur ideal für eine detaillierte Analyse.
Welche Rolle spielt die Sekundärliteratur in dieser Arbeit?
Die Sekundärliteratur wird kritisch betrachtet, da viele Beschreibungen der Werke als zu oberflächlich empfunden werden und die Forschungslage zum Teil als veraltet gilt.
- Citation du texte
- Ludger Donath (Auteur), 2016, Chopins Polonaisen. Analyse Op. 53 als exemplarisches Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448737