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Iatrogene Faktoren bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen

Title: Iatrogene Faktoren bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen

Bachelor Thesis , 2018 , 52 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sarah Sebesta (Author)

Sport - Sport Psychology
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Inzwischen wird davon ausgegangen, dass am Anfang der kausalen Kette von Rückenproblemen vor allem somatische Prozesse stehen, während im späteren Verlauf andere Faktoren an Bedeutung gewinnen und den Prozess der Chronifizierung beeinflussen. Neben den psychosozialen Faktoren, für dessen Einfluss es inzwischen hinreichend Belege gibt, kommen iatrogene Faktoren hinzu. Ein iatrogener Schaden ist ein durch den Arzt verursachter Schaden und somit kein Effekt eines bereits bestehenden Krankheitsverlaufs, sondern ein eigenes Krankheitsbild. Davon ausgehend kann auch im Stadion der Chronifizierung von einem eigenen Krankheitsbild ausgegangen werden, das nicht mehr nur auf somatische Ursachen zurückzuführen ist, sondern weitere ebenso, ja sogar einflussreichere Komponenten aufweist.

Ärzte und Therapeuten scheinen mit dem Phänomen Rückenschmerz immer noch überfordert zu sein. Es besteht eine Vielzahl an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, die häufig unkontrolliert zur Anwendung kommen und Beschwerden nicht immer lindern, sondern auch verschlimmern können. Pither & Nicholas haben bereits 1991 in ihrem Artikel „The identification of iatrogenic factors in the development of chronic pain syndromes – abnormal treatment be-havior“ auf die Überforderung des medizinischen Systems, geeignete Maßnahmen für chronische Rückenschmerzpatienten zu finden, aufmerksam gemacht. Behandler- und Systemfaktoren, die zur Chronifizierung von Rückenschmerzen führen können, wurde in der Literatur bis heute wenig Beachtung geschenkt. Es ist relevant, neben der Patientenebene auch der Therapeutenebene die Aufmerksamkeit zu widmen, um das Ausmaß der Problematik zu verstehen und Betroffene aufzuklären.

Diese Arbeit möchte in erster Linie auf die Existenz und die Folgen medizinischer Systemfehler bei der Behandlung von Rückenschmerzen hinweisen und auf die Problematik falscher Behandlungsansätze bei chronischen Rückenschmerzen hinweisen. Aus der diesbezüglichen Zielsetzung ergibt sich für diese Arbeit folgende Forschungsfrage: Welche Rolle spielen iatrogene Faktoren bei der Chronifizierung von Rückenschmer-zen und welche Interventionsmaßnahmen sind geeignet?

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

1.2 Zielsetzung und Forschungsstand

1.3 Vorgehen

2. Der Schmerz

2.1 Akuter versus chronischer Schmerz

2.2 Der chronische Rückenschmerz

3. Iatrogene Faktoren

3.1 Überdiagnostik

3.2 Informationsmängel

3.3 Vernachlässigung psychosozialer Faktoren

4. Zwischenfazit

5. Multimodale Schmerztherapie

5.1 Hintergrund

5.2 Anamnese

5.2.1 Fragebögen

5.2.2 Belastungstests

5.3 Körperliche Ebene

5.3.1 Graded Activity

5.3.2 Work Hardening

5.4 Psychologische Ebene

5.4.1 Entspannungsverfahren

5.4.2 Schmerztagebücher

5.5 Multimodale Interventionsprogramme im Vergleich

5.5.1 Göttinger Rücken-Intensiv-Programm

5.5.2 Münchner Rücken-Intensiv-Programm

5.5.3 Rückenfit-Programm

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Rolle iatrogener Faktoren bei der Entstehung und Chronifizierung von Rückenschmerzen und analysiert, wie durch systembedingte Fehlsteuerungen im medizinischen Bereich Schmerzverläufe negativ beeinflusst werden können, um darauf aufbauend geeignete, multimodale Interventionsmaßnahmen zu identifizieren.

  • Analyse iatrogener Schadensfaktoren (Überdiagnostik, Kommunikationsdefizite)
  • Bedeutung des bio-psycho-sozialen Modells bei chronischem Schmerz
  • Diagnostische und therapeutische Hürden in der Schmerzmedizin
  • Vergleich bewährter multimodaler Interventionsprogramme

Auszug aus dem Buch

3.1 Überdiagnostik

„Rückenschmerzen ohne Röntgenuntersuchung scheinen so wenig vorstellbar, wie Zahnarztbesuche ohne Bohren“ (Nilges, 2011, S. 256). Oft herrschen in den Köpfen der Ärzte und Schmerzkranken, bezogen auf die Behandlung chronischer Rückenschmerzen, immer noch veraltete Krankheitsmodelle. Derartige überholte Krankheitsverständnisse führen häufig zu mehr Schaden, mit dessen Folgen die Patienten ihr Leben lang zu kämpfen haben (Heger, 1999, S. 225).

Die erste Schwierigkeit bei der frühzeitigen Erkennung von chronischen Schmerzen liegt an der Diagnostik. In der schmerztherapeutischen Untersuchung hat die biomedizinische Diagnostik besonderen Vorrang. Es gilt in erster Linie, mögliche somatische Schmerzursachen zu analysieren. Dabei kommt nicht selten eine große Auswahl an Verfahren zur Anwendung, wie z. B. Röntgen, Kernspintomographie (MRT) oder Computertomographie. Dabei kann der Einsatz von Verfahren, wie Röntgen oder MRT, trotz fehlender Befunde für ernsthafte Schädigungen, weitreichende negative Folgen für den Patienten haben. Oft ist die Nutzung solcher Verfahren bloß eine überdiagnostische Reaktion des Behandlers, der davon überzeugt sein könnte, eine somatische Ursache übersehen zu haben (Hasenbring & Pfingsten, 2007, S. 110).

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2017 (Abs. 2,4,5) hat aufgedeckt, dass die Zahl der Rückenoperationen stark angestiegen ist. Zwischen 2007 und 2015 gab es einen Anstieg von 71 %. Besonders auffällig dabei die regionalen Unterschiede, denn in einigen Gebieten wurde bis zu 13-mal häufiger operiert, was deutlich macht, dass sich Diagnostik und Therapie in Deutschland regional noch immer stark unterscheiden und viele Klinikaufenthalte, bei richtiger Operation, vermeidbar sind. Problematisch wird es, wenn durch die Betrachtung radiologischer Befunde nichtzutreffende Ursachenzuschreibungen resultieren und aufgrund dessen anschließend falsch angelegte Behandlungsmaßnahmen herangezogen werden (Hasenbring & Pfingsten, 2007, S. 110).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beschreibt die epidemiologische Relevanz des Rückenschmerzes als Volkskrankheit und definiert die Forschungsfrage bezüglich iatrogener Faktoren.

2. Der Schmerz: Erläutert neurophysiologische und psychologische Grundlagen des Schmerzverständnisses, insbesondere die Abgrenzung zwischen akutem und chronischem Schmerz.

3. Iatrogene Faktoren: Analysiert medizinische Systemfehler wie Überdiagnostik und Informationsmängel, die wesentlich zur Chronifizierung beitragen können.

4. Zwischenfazit: Fasst die Schwachstellen der aktuellen medizinischen Versorgung zusammen und leitet zur Notwendigkeit multimodaler Therapieansätze über.

5. Multimodale Schmerztherapie: Präsentiert Methoden zur Anamnese sowie spezifische körperliche und psychologische Therapiebausteine und vergleicht drei etablierte Interventionsprogramme.

6. Fazit und Ausblick: Beantwortet die Forschungsfrage und resümiert, dass eine multidimensionale Behandlung zur erfolgreichen Bewältigung chronischer Rückenschmerzen unumgänglich ist.

Schlüsselwörter

Iatrogene Faktoren, Chronifizierung, Rückenschmerz, Überdiagnostik, Bio-psycho-soziales Modell, Multimodale Schmerztherapie, Schmerzbehandlung, Patientenschulung, Fear-Avoidance-Modell, Patientenkommunikation, Gradualisierte Aktivierung, Work Hardening.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie das medizinische System selbst durch inkorrekte diagnostische oder therapeutische Ansätze dazu beitragen kann, dass Rückenschmerzen chronifizieren.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?

Der Fokus liegt auf der Wechselwirkung zwischen ärztlichem Handeln (iatrogene Faktoren) und dem psychologischen sowie sozialen Erleben des Schmerzpatienten.

Was ist das primäre Ziel der Bachelor-Thesis?

Ziel ist es, die Rolle von systembedingten Faktoren bei der Chronifizierung zu identifizieren und aufzuzeigen, wie multimodale Interventionsprogramme diese Fehlentwicklungen abfedern können.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und fachmedizinischer Standards zum Thema Schmerzmanagement.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Fundierung des Schmerzbegriffs die negativen Einflüsse ärztlicher Fehldiagnosen und mangelnder Kommunikation beleuchtet sowie konkrete moderne Therapiekonzepte verglichen.

Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?

Schlüsselbegriffe sind Iatrogene Faktoren, Chronifizierung, multimodale Therapie und das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell.

Was genau ist laut Autor unter "iatrogenen Faktoren" zu verstehen?

Iatrogene Faktoren sind laut der Arbeit Einflüsse, die „durch den Arzt verursacht“ werden – also negative Auswirkungen von diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen auf den Krankheitsverlauf des Patienten.

Welche Rolle spielen die vorgestellten multimodalen Programme?

Sie dienen als Best-Practice-Beispiele, die den Patienten nicht mehr nur rein somatisch betrachten, sondern ihn durch Interaktion von Physiotherapie, Psychologie und Sozialarbeit befähigen, die Eigenverantwortung für seinen Schmerz zurückzugewinnen.

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Details

Title
Iatrogene Faktoren bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen
College
Technical University of Darmstadt  (Institut für Sportwissenschaft)
Grade
1,7
Author
Sarah Sebesta (Author)
Publication Year
2018
Pages
52
Catalog Number
V448855
ISBN (eBook)
9783668832954
ISBN (Book)
9783668832961
Language
German
Tags
iatrogene faktoren chronifizierung rückenschmerzen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarah Sebesta (Author), 2018, Iatrogene Faktoren bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448855
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