Sind wir alle Individualisten? Lebensstile und soziale Orientierung


Hausarbeit, 2015
27 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

Abstract

1 Einleitung

2 Theorieteil
2.1 Soziale Orientierung
2.2 Lebensstile
2.3 Hypothesen

3 Methodenteil
3.1 Teilnehmer
3.2 Durchführung
3.3 Ring Measure of Social Values
3.4 Otte-Inventar

4 Ergebnisteil

5 Diskussion

6 Abbildungsverzeichnis

7 Tabellenverzeichnis

8 Literaturverzeichnis

Anhang A: Items des Ring Measure of Social Values

Anhang B: Items der Lebensführungstypologie von Otte (2005)

Zusammenfassung

In der vorliegenden Studie geht es um soziale Orientierungen und Lebensstile. Es werden Zusammenhänge zwischen Alter und sozialer Orientierung bzw. sozialer Orientierung und Lebensstil untersucht. Nach dem Social Value Model von McClintock (1988) gibt es vier soziale Orientierungen (altruistisch, kooperativ, individualistisch, kompetitiv), die mit dem Ring Measure of Social Values erhoben wurden. Die Einteilung in Lebensstile erfolgte anhand der Lebensführungstypologie von Otte (2005). 151 Probanden (39 Männer, 112 Frauen) nahmen an der Untersuchung teil; der größte Anteil waren Studenten. Beide Hypothesen müssen abgelehnt werden. Es konnte kein Zusammenhang zwischen Alter und sozialer Orientierung bzw. sozialer Orientierung und Lebensstil gefunden werden. Die mangelnde Validität der Items resultierte in einer nur sehr geringen Varianz bei der Verteilung der sozialen Orientierungen. Der Bericht soll motivieren, Gebrauch von selbst konzipierten Items zu machen, wenn keine vertrauenswürdige Literatur vorliegt.

Abstract

This study is about social value orientation and lifestyles. Correlations between age and social value orientation as well as correlations between social value orientation and lifestyles were examined. The Social Value Model by McClintock (1988) differentiates between four different social value orientations (altruistic, cooperative, individualistic, competitive) which were measured by means of the Ring Measure of Social Values. Subjects were classified into a certain lifestyle depending on their answers in the lifestyle typology by Otte (2005). There were 151 participants (39 men, 112 women); most of them were students. Both hypotheses have to be dismissed. Neither age and social value orientation nor social value orientation and lifestyle were significantly correlated. This may be due to the lacking validity of the items of the Ring Measure of Social Values which resulted in hardly any variance of the distribution of the four social value orientations. This report encourages to construct one’s own items if no reliable source is found.

1 Einleitung

Soziale Orientierung (prosozial vs. nicht prosozial) steht in Zusammenhang mit Umweltschutz bzw. umweltfreundlichem Verhalten. Prosoziale Menschen sind eher bereit sich in Initiativen zum Umweltschutz zu engagieren oder etwas mehr für Ökostrom oder umweltfreundliche Kleidung zu zahlen. Auch achten sie in ihrem Alltag eher darauf umweltfreundlich zu handeln, indem sie beispielsweise ihren Haushalt mit umweltfreundlichen Produkten (z. B. zweigeteilte Toilettenspülungen, energieeffiziente Kühlschränke) ausstatten.

Ziel dieser Untersuchung ist es zu überprüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen Lebensstilen und sozialer Orientierung gibt. Bei einem bestehenden Zusammenhang könnte somit beispielsweise durch die Erhebung der Lebensstile von Einwohnern einer Stadt herausgefunden werden welche Personengruppen verstärkt auf umweltfreundliches Verhalten aufmerksam gemacht werden müssen. Beziehungsweise könnten so Personen identifiziert werden, die sich am ehesten in Umweltschutz-Kampagnen engagieren würden.

Im Folgenden wird erst eine Einführung zu sozialen Orientierungen bzw. Lebensstilen gegeben. Die Hypothesen dieser Studie werden genannt. Anschließend werden Durchführung und Messexperimente vorgestellt. Es folgt eine Darstellung der Ergebnisse der Untersuchung, die sodann diskutiert und bewertet werden.

2 Theorieteil

Im Folgenden wird erst eine Einführung zu sozialer Orientierung und Lebensstilen gegeben. Anschließend werden die Hypothesen vorgestellt.

2.1 Soziale Orientierung

In der klassischen Nutzentheorie wird angenommen, dass Menschen in einer Entscheidungssituation allen vorhandenen Entscheidungsalternativen Werte zuweisen. Es wird dann diejenige Alternative gewählt, die am ehesten zu einem gewünschten Ergebnis führt, d. h. deren Wert höher ist als der Wert der anderen Alternativen. Werte sind hier zusammengesetzt aus dem subjektiven Nutzen einer Alternative und einem Erwartungswert. Der Erwartungswert beschreibt die Wahrscheinlichkeit mit der ein Ergebnis bei Wahl einer Alternative eintritt. Es wird nach Gewinnmaximierung gestrebt. Es wird angenommen, dass Menschen, wenn sie eine Entscheidung treffen nur an die Folgen der Entscheidung für sich denken, d. h. an ihren eigenen Nutzen (McClintock, 1972).

Menschliches Verhalten und Entscheidungen ereignen sich jedoch zum allergrößten Teil innerhalb von sozialen Netzwerken. Jeder Mensch ist mit mindestens einem anderen Menschen verbunden. Daraus ergibt sich eine gegenseitige Abhängigkeit bei Entscheidungen und deren Folgen (z. B. betreffend der Kontrolle von gemeinsam genutzten Ressourcen). Das erwartete Verhalten von anderen Personen muss in zu treffende Entscheidungen mit einfließen. Beim Abwägen zwischen mehreren Handlungsalternativen müssen also die Folgen der Entscheidung für sich selbst als auch für andere Personen bedacht werden. Die Werte der verschiedenen Alternativen und konkrete Handlungsstrategien zum Erzielen von gewünschten Ergebnissen sind also abhängig von den Werten und Strategien der anderen Personen innerhalb eines sozialen Netzwerkes (McClintock, 1972).

Es gibt also keine Garantie, dass eigene Gewinne aufgrund des eigenen Verhaltens maximal werden, weil sie abhängig sind sowohl von der eigenen Entscheidung als auch der Entscheidung des bzw. der Anderen. Die Ergebnisse einer Entscheidung sind eine Funktion beider (bzw. mehrerer) Entscheidungen. Die Annahme des Strebens nach Gewinnmaximierung ist jedoch nicht falsch. Innerhalb von sozialen Netzwerken muss nur bedacht werden, dass Entscheidungen (und demnach Gewinne) limitiert sind durch die gegenseitige Abhängigkeit von Personen. Jede Entscheidung wird nicht nur im Lichte der entstehenden Konsequenzen für die eigene Person, sondern auch der Konsequenzen für andere Personen betrachtet (McClintock, 1972).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Räumliches Modell sozialer Entscheidungen (McClintock, 1972)

Darauf aufbauend entwickelten Griesinger und Livingston (1973) ein räumliches Modell sozialer Entscheidungen („spatial model of social choice“). Entscheidungssituationen werden mit Hilfe eines zweidimensionalen Raumes dargestellt (siehe Abbildung 1). X- und Y-Achse sind Ergebnisse für Person A bzw. für Person B. Potentielle Ergebnisse einer Entscheidung werden mittels Vektoren (X, Y) dargestellt. Jeder Vektor setzt sich aus einer Ergebniskomponente von Person A (ax und ay) und einer Ergebniskomponente von Person B (bx und by) zusammen. Die beiden Personen sind hinsichtlich ihrer Gewinne voneinander abhängig. Entscheiden sich beide Personen beispielsweise für Option X, bekommen beide den Gewinn ax + bx (McClintock, 1972).

Das Social Value Model von McClintock (1972) baut auf den Überlegungen von Griesinger und Livingston (1973) auf. Die Nutzenfunktion eines Individuums bezieht sowohl das Nutzen einer Entscheidung für sich selbst als auch für jemand anderen als Gewichte (w1 und w2) ein. Sie lautet: U = w1 (Ergebnis für sich) + w2 (Ergebnis für anderen). Je nach Größe der beiden Gewichte w1 und w2 können acht Nutzenfunktionen bzw. soziale Orientierungen differenziert werden. Davon wurden vier als relevant für menschliche Entscheidungsprozesse erkannt (Kuhlmann & Marshello, 1975; Liebrand & van Run, 1985):

Menschen mit einer altruistischen sozialen Orientierung wollen das Ergebnis des anderen maximieren auf Kosten des eigenen (w1 = 0, w2 = 1). Bei der kooperativen sozialen Orientierung wird das gemeinsame Ergebnis maximiert (w1 = 0, w2 = ­­­-1). Es werden Entscheidungen getroffen, die den größtmöglichen gemeinsamen Gewinn erzielen. Individualistisch orientierte Personen streben nach maximalem Gewinn für sich selbst unabhängig von den Gewinnen anderer Personen (w1 = 1, w2 = 0). Kompetitiv orientierte Menschen wollen den relativen Gewinn einer Entscheidung für sich selbst maximieren, d. h. der Unterschied zwischen eigenen und fremden Gewinnen soll maximal zu eigenen Gunsten ausfallen (w1 = 1, w2 = 1). Der absolute Gewinn ist nicht das Entscheidende, sondern mehr zu gewinnen als der andere (Liebrand & McClintock, 1988).

Diese Nutzenfunktionen können als motivationale Vektoren in einem zweidimensionalen Raum dargestellt werden (siehe Abbildung 2). X- und Y-Achse stellen die beiden Dimensionen „Nutzen für sich selbst“ (own outcome) und „Nutzen für den Anderen“ (other’s outcome) dar. Die vier relevanten sozialen Orientierungen sind halbkreisförmig um den Ursprung angeordnet (Liebrand, 1984).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 : Die vier sozialen Orientierungen (Liebrand, 1984)

Jeder Mensch besitzt einen motivationalen Vektor bzw. er hat entweder eine altruistische, kooperative, individualistische oder kompetitive soziale Orientierung (je nachdem in welchen Bereich der motivationale Vektor fällt). Es wird die Entscheidungsmöglichkeit ergriffen, die dem motivationalen Vektor am nächsten ist (McClintock, 1972). In Abbildung 2 ist der motivationale Vektor einer Person (kompetitive soziale Orientierung) durch den dicken Pfeil dargestellt. r und s sind zwei Entscheidungsmöglichkeiten. Aufgrund ihres motivationalen Vektors wird sich die Person für Option s entscheiden (Liebrand & McClintock, 1988).

Mittels experimenteller Spiele kann eine Einordnung von Personen zu einer der vier sozialen Orientierung vorgenommen werden. Eine Möglichkeit – das Ring Measure of Social Values (Liebrand, 1984) – wird im Methodenteil dieser Arbeit vorgestellt.

2.2 Lebensstile

Es gibt viele verschiedene Kategoriensysteme zur Zuordnung von Personen zu Lebensstilen. Das allgemein bekannteste sind wohl die Sinus-Milieus von Sinus Sociovision. Aufgrund finanzieller Überlegungen wird für die vorliegende Untersuchung die Lebensführungstypologie von Otte verwendet (Otte, 2005).

Es gibt zwei Hauptdimensionen, die jeweils drei Abstufungen haben: Ausstattungsniveau (vertikale Achse) und Modernität/biographische Perspektive (horizontale Achse) (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 : Die neun Lebensführungstypen (Otte, 2005)

Das Ausstattungsniveau kann „niedrig“, „mittel“ oder „gehoben“ sein. Unter dem Begriff versteht Otte (2005) nicht die Ausstattung mit verfügbaren Ressourcen, sondern welche Aktivitäten und Besitztümer die Ressourcenausstattung ermöglicht und die damit korrespondierenden Werte. Ein niedriges Ausstattungsniveau weist beispielsweise auf eine kalkulierend-bescheidene Wertorientierung hin. Es muss überlegt werden für welche Aktivitäten/Objekte die zur Verfügung stehenden Ressourcen ausgegeben werden.

Modernität betrifft die kohortenspezifische zeitliche Dimension und hat die drei Abstufungen „traditional“, „teilmodern“ und „modern“. Sie ist stark beeinflusst durch die Sozialisationsbedingungen, z. B. unter welchen Umständen ein Mensch aufgewachsen ist. Biographische Perspektive betrifft die lebenszyklische zeitliche Dimension und wird aufgeteilt in „biographische Offenheit“ (erlebnisorientiert, innovationsfreudig), „biographische Konsolidierung“ (Familie, berufliche Karriere) und „biographische Schließung“. Da die beiden Konzepte subjektiv schwer voneinander zu trennen sind, wurden sie zu einer Dimension zusammengefasst.

Personen können neun verschiedenen Lebensführungstypen zugeordnet werden. Sie sind in Tabelle 1 näher beschrieben. Wie die Zuordnung von statten geht ist im Methodenteil dieser Arbeit näher beschrieben.

Tabelle 1: Beschreibung der neun Lebensstile (Otte, 2005)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Hypothesen

Gefundene Zusammenhänge zwischen Alter und sozialer Orientierung sollen repliziert werden (Lowe & Ritchey, 1973; van Lange, Otten, Bruin & Joireman, 1997). Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Alter und prosozialer Orientierung (altruistisch und kooperativ). Und einen negativen Zusammenhang zwischen Alter und kompetitiver und individualistischer Orientierung.

Gefundene Zusammenhänge zwischen Geschlecht und sozialer Orientierung sollen repliziert werden (van Lange et al., 1997). Demnach gibt es unter Frauen einen höheren Prozentsatz prosozialer Orientierungen als unter Männern. Individualistische und kompetitive Orientierungen haben eher Männer.

Bisher unerforscht ist der Zusammenhang zwischen Lebensstil und sozialer Orientierung. Aufgrund dessen können im Vorfeld keine Annahmen über einen möglichen Zusammenhang von bestimmten sozialen Orientierungen und Lebensstilen gemacht werden.

3 Methodenteil

Im folgenden Abschnitt wird das empirische Vorgehen der Untersuchung erläutert. Dabei werden Informationen über die Stichprobe, das Versuchsmaterial, die konkrete Durchführung, und das Versuchsdesign gegeben.

3.1 Teilnehmer

Insgesamt nahmen an dieser Untersuchung 151 Probanden teil, davon waren 39 männlich und 112 weiblich. Die Stichprobe bezog sich auf Studenten der Universität Kassel, ebenso auf Nicht-Studenten aus dem Freundeskreis der Autoren. Die Durchschnittsalter war M = 27, dabei war der jüngste Proband 16 Jahre und der älteste 78 Jahre alt. Abbildung 4 zeigt die Altersverteilung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 : Die Altersverteilung

3.2 Durchführung

Das Experiment wurde mittels einer online-Untersuchung durchgeführt.

Die Probanden wurden zur Beginn der Untersuchung über die allgemeinen Rahmenbedingungen und über die Vorgehensweise der Befragung
informiert. Im nächsten Schritt wurde die soziale Orientierung mit Hilfe des Ring Measure of Social Values von Liebrand & McClintock (1988) erhoben (siehe Anhang A). Für die Feststellung der Lebensstile wurde die Lebensführungstypologie von Otte (2005) verwendet (siehe Anhang B). Am Ende der Untersuchung wurden demographische Daten wie Alter, Geschlecht und Beschäftigung erhoben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Sind wir alle Individualisten? Lebensstile und soziale Orientierung
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V448870
ISBN (eBook)
9783668832299
ISBN (Buch)
9783668832305
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sind, individualisten, lebensstile, orientierung
Arbeit zitieren
Marie-Rose Degg (Autor), 2015, Sind wir alle Individualisten? Lebensstile und soziale Orientierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448870

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