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Schuldenerlass für die Dritte Welt: Eine ethische Sicht

Titre: Schuldenerlass für die Dritte Welt: Eine ethische Sicht

Dossier / Travail de Séminaire , 2005 , 23 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Fabian Barthel (Auteur)

Ethique
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„Nach Verlauf von sieben Jahren musst Du einen Erlass veranstalten, und folgende Bewandtnis hat es mit dem Erlass: jeder Gläubiger erlasse sein Darlehen, das er seinem Nächsten geliehen hat; er soll es bei seinem Nächsten und Bruder nicht eintreiben, denn man hat für Jahwe einen Erlass aufgerufen.“ Das alte Testament fordert in Kap. 15 im fünften Buch Mose zu einem Schuldenerlass in jedem siebten Jahr und in der Genesis Kap. 25 zur Wiederherstellung der ursprünglichen Verteilung des Besitzes an Grund und Boden in jedem 50. Jahr auf. Aber nicht nur aus christlichen-religiösen Motiven heraus wird der Ruf nach einem Schuldenerlass für die ärmsten Länder lauter: die Jubilee Debt Campaign, der sich über 60 Organisationen und Kirchen angeschlossen haben, sammelte im Jahr 2000 weltweit über 24 Mio. Unterschriften, um auf die Verschuldungsproblematik aufmerksam zu machen und um den IWF und die Weltbank zum Handeln zu bewegen. Die Verschuldung der Länder der Dritten Welt wuchs in den 70er Jahren drastisch an und entwickelte sich mit der Zahlungsunfähigkeit von Mexiko im Jahr 1982 zu einer internationalen Verschuldungskrise. Auch wenn die Gefahr eines Zusammenbruchs des internationalen Finanzsystems abgewendet werden konnte, so gilt das Problem aus Sicht der Schuldnerländer bis heute als nicht gelöst.Die Konditionalität weiterer Kredite des IWF fordert Sanierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit. Diese führen oftmals zu wirtschaftlicher Rezession, zum Streichen von Sozialmaßnahmen und zum Verzicht auf dringend benötigte Investitionen und damit zur weiteren Verelendung der untersten Schichten der Bevölkerung. Diese Tatsache macht die internationale Verschuldung nicht nur auf ökonomische Aspekte beschränkbar, sondern wirft auch ethische Fragestellungen auf. Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Schuldenerlass für die Länder der Dritten Welt ethisch zu bewerten ist. Dazu werden zunächst die Ursachen, das Ausmaß und die Folgen der heutigen Verschuldung dargestellt. Nach der Behandlung des grundlegenden Zusammenhangs zwischen Ethik und Entwicklung (III.) folgt im vierten Gliederungspunkt eine Diskussion sozialethischer Kriterien für den Umgang mit Schulden. Den fünften Punkt bildet die kurze Vorstellung von Lösungsansätzen und von präventiven Maßnahmen um künftig die Gefahr einer Krise zu vermindern. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Die aktuelle Verschuldungssituation

1. Die Ursachen der aktuellen Verschuldungssituation

2. Das Ausmaß der Verschuldung in Entwicklungsländern

3. Die Folgen einer hohen Verschuldung

III. Ethik der Entwicklung

IV. Sozialethische Kriterien für den Umgang mit Schulden

1. Grundlegende Maßstäbe

1.1. Vertragsverpflichtung vs. Menschenrechte

1.2. Die Bedeutung von Eigenanstrengungen

1.3. Die Notwendigkeit einer Armenorientierung

1.4. Die globale Dimension des Verschuldungsproblems

2. Die Verantwortung der Vertragsparteien und des IWF

V. Lösungsansätze und präventive Maßnahmen

VI. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Seminararbeit untersucht aus einer wirtschaftsethischen Perspektive, inwieweit ein Schuldenerlass für die Länder der Dritten Welt ethisch begründbar ist und wie eine gerechte Gestaltung solcher Maßnahmen aussehen kann.

  • Ursachen und Auswirkungen der internationalen Schuldenkrise
  • Ethische Begründungen für den Schuldenerlass (u.a. Ethik des Überlebens)
  • Sozialethische Kriterien im Umgang mit Gläubiger-Schuldner-Beziehungen
  • Die Rolle internationaler Finanzinstitutionen wie des IWF
  • Verantwortung von Industrienationen und Schuldnerländern
  • Ansätze für präventive Maßnahmen und künftige Schuldenpolitik

Auszug aus dem Buch

1.1. VERTRAGSVERPFLICHTUNG VS. MENSCHRECHTE

Die Ethik des Überlebens verbietet es, Schulden und Zinsforderungen einzutreiben oder Forderungen zu stellen, die den Ärmsten ein menschenwürdiges Leben oder gar das Überleben unmöglich machen. Hier entsteht ein Konflikt mit dem fundamentalen Rechtsprinzip ‚pacta sunt servanda’, nach dem eine Person, die die vertragsmäßige Leistung erbracht hat, auch Anspruch auf die vereinbarte Gegenleistung hat. Im Falle von Kreditverträgen hat der Gläubiger damit das Recht, die Rückzahlung und die vereinbarten Zinsen einzufordern.

Aus den in Punkt III. erläuterten ethischen Grundsätzen zur Entwicklung folgert sich ein Verbot, Schuldforderungen zu stellen, die zu einer Lebenssituation führen, die sich nicht mit den Grundprinzipien der Menschenwürde vereinbaren lässt. In vielen Ländern wird durch das Prinzip des Pfändungsschutzes sichergestellt, dass dem Schuldner ein ausreichender Teil seines Einkommens und Vermögens zum menschengerechten Leben verbleibt. Auf internationaler und zwischenstaatlicher Ebene fehlt jedoch eine solche Vereinbarung. Die Vorrangigkeit der Menschenrechte vor den Vertragsprinzipien wird durch die internationale Erklärung der Menschenrechte von 1948 verstärkt, nach der jeder „das Recht auf eine soziale und internationale Ordnung [hat], in der die in dieser Erklärung angesprochenen Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die historische und religiöse Herkunft der Idee des Schuldenerlasses und skizziert die Verschuldungskrise als ein Problem, das weit über ökonomische Aspekte hinausreicht.

II. Die aktuelle Verschuldungssituation: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen, das Ausmaß und die schwerwiegenden Folgen der Verschuldung für Entwicklungsländer, wobei externe Marktmechanismen und interne Wirtschaftspolitik beleuchtet werden.

III. Ethik der Entwicklung: Der Abschnitt begründet ethische Ansprüche auf Hilfe durch das Solidaritätsprinzip und die Notwendigkeit, menschliches Leid als zentralen Maßstab der Entwicklungspolitik anzuerkennen.

IV. Sozialethische Kriterien für den Umgang mit Schulden: Hier werden Prinzipien wie Tausch- und Bedarfsgerechtigkeit angewandt, um die Verantwortung von Gläubigern, Schuldnern und dem IWF kritisch zu bewerten.

V. Lösungsansätze und präventive Maßnahmen: Das Kapitel diskutiert Strategien zur künftigen Krisenvermeidung, einschließlich Reformen der Finanzinstitutionen und der Notwendigkeit einer Armutskonditionalität.

VI. Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung plädiert für einen ethisch verantwortbaren, an Bedingungen geknüpften Schuldenerlass, der die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.

Schlüsselwörter

Schuldenerlass, Dritte Welt, Ethik, Weltwirtschaft, IWF, Verschuldungskrise, Menschenrechte, Solidaritätsprinzip, Armutskonditionalität, Entwicklungspolitik, Sozialethik, Gläubiger, Schuldner, Gerechtigkeit, Finanzsystem.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit?

Die Arbeit untersucht die ethischen Aspekte und Begründungen für einen Schuldenerlass für die Länder der sogenannten Dritten Welt angesichts ihrer prekären ökonomischen Lage.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Felder sind die Ursachen der Verschuldungskrise, die ethische Verantwortung der beteiligten Akteure (Gläubiger, Schuldner, IWF) und die Frage nach gerechten Lösungsstrategien.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit widmet sich der zentralen Frage, wie ein Schuldenerlass für die Länder der Dritten Welt aus ethischer Sicht zu bewerten ist und an welche Kriterien dieser gebunden sein sollte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung erfolgt auf Basis einer wirtschaftsethischen Analyse, unter Einbeziehung sozialethischer Prinzipien und der Auswertung bestehender ökonomischer Daten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Fakten zur Verschuldung dargestellt, gefolgt von einer ethischen Fundierung der Entwicklungshilfe sowie einer detaillierten Diskussion sozialethischer Kriterien für den Schuldenschnitt.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Gerechtigkeit, Menschenwürde, Schuldenerlass, Konditionalität und globale Verantwortung aus.

Warum wird ein "auflagenfreier" Schuldenerlass kritisiert?

Der Autor argumentiert, dass ein undifferenzierter Erlass die korrupten Eliten in den Schuldnerländern belohnen könnte und keine Garantie dafür bietet, dass die Mittel tatsächlich den ärmsten Bevölkerungsschichten zugutekommen.

Welche Kritik übt die Arbeit am IWF?

Dem IWF wird vorgeworfen, mit seinen restriktiven Strukturanpassungsmaßnahmen einseitig die Interessen der Gläubiger zu vertreten und oftmals soziale sowie ökologische Folgen der Austeritätspolitik zu ignorieren.

Was bedeutet "Armutskonditionalität"?

Dies bezeichnet die Forderung, dass jeder Schuldenerlass zwingend mit konkreten Verpflichtungen zur Armutsbekämpfung verknüpft sein muss, um sicherzustellen, dass die freiwerdenden finanziellen Mittel den Bedürftigen zugutekommen.

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Résumé des informations

Titre
Schuldenerlass für die Dritte Welt: Eine ethische Sicht
Université
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Volkswirtschaftliches Institut)
Cours
Hauptseminar Wirtschaftsethik
Note
1,0
Auteur
Fabian Barthel (Auteur)
Année de publication
2005
Pages
23
N° de catalogue
V44902
ISBN (ebook)
9783638424097
ISBN (Livre)
9783638657747
Langue
allemand
mots-clé
Schuldenerlass Dritte Welt Eine Sicht Hauptseminar Wirtschaftsethik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Fabian Barthel (Auteur), 2005, Schuldenerlass für die Dritte Welt: Eine ethische Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44902
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Extrait de  23  pages
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