Ziel dieser empirischen Proseminararbeit ist es gestützt auf die Sekundärliteratur und bestehende Daten von Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen UNHCR, ob das Flüchtlingsabkommen sein Ziel erfüllt und unerwünschte Migrationsströme aus Syrien in die EU verhindert. Dafür wird die Zahl der Asylanträge syrischer Staatsbürger/-innen vor und nach der Implementierung des Flüchtlingsabkommens in verschiedenen Staaten der Europäischen Union verglichen und graphisch dargestellt. Zusätzlich wird mithilfe der Befunde in der Literatur erläutert, ob es zu sogenannten Substitutionseffekten kam. Die eingegrenzte Fragestellung lautet wie folgt:
„Wie wirkungsorientiert ist das Flüchtlingsabkommen der Europäischen Union mit der Türkei zur Prävention unerwünschter Migrationsströme aus Syrien nach Europa?‘‘
Diese Fragestellung ist von wissenschaftlicher, sozialpolitischer und gesellschaftlicher Relevanz. Da das Thema zurzeit sehr aktuell und wenig erforscht ist, gibt es dazu nur beschränkte wissenschaftliche Literatur. Des Weiteren zeigt das Thema auf, wie die EU ihre Grenzen auf Drittstaaten ausweitet, um unerwünschte Flüchtlingsströme zu unterbinden, und dass Migration nicht nur im regionalem, sondern auch stärker im globalem Kontext abläuft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangs- und Problemlage
1.2 Zielsetzung und Fragestellung
2. Theoretische Grundlage
2.1 Effektivität der Immigrationspolitik
2.2 Externalisierung der Grenzen der EU
3. EU-Türkei-Abkommen und ihre Wirkungen
3.1 Inhalt der EU-Türkei-Abkommen
3.2 Implementierung des Abkommens
3.3 Wirkungen des Abkommens
3.3.1 Zahl der Flüchtlingsströme aus Syrien in die EU
3.3.2 Räumlicher Substitutionseffekt
3.3.3 Schlissung der Balkanroute
4. Schlussfolgerung
4.1 Schlussfolgerung mit weiterführenden Gedanken
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, auf Basis von Sekundärliteratur und UNHCR-Daten zu analysieren, ob das EU-Türkei-Abkommen tatsächlich unerwünschte Migrationsströme aus Syrien nach Europa wirksam verhindern konnte. Dabei steht die Untersuchung der Effektivität der getroffenen Maßnahmen sowie das Aufzeigen möglicher Substitutionseffekte im Zentrum der empirischen Analyse.
- Wirkungsanalyse des EU-Türkei-Abkommens auf Flüchtlingszahlen
- Theoretische Grundlagen zur Effektivität von Migrationspolitik
- Externalisierung europäischer Grenzkontrollen
- Substitutionseffekte (zeitlich und räumlich) bei Migrationsbewegungen
- Folgen der Schließung der Balkanroute
Auszug aus dem Buch
3.2 Implementierung des Abkommens
Die Menschenrechte und die Richtlinien der Europäischen Union sehen vor, dass für die Flüchtlinge gesorgt wird und ihnen die Menschenrechte gewährleistet werden, sobald sie sich auf dem Territorium der Europäischen Union befinden. Daraus stellt sich die Frage, inwiefern bei den Flüchtlingen, welche in die Türkei überführt werden, diese Verpflichtungen erfüllt werden.
Denn die Türkei weist in den letzten Jahren Defizite in Sachen Menschenrechte und Pressefreiheit. Dem ist hinzuzufügen, dass regierungskritische Medien mundtot gemacht werden und die Türkei sich auf dem Platz 151 von 180 Staaten auf der Rangliste der Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen befindet (Güney 2016: S.5). Gemäss den qualitativen Forschungsergebnissen von Ulusoy und Battjes (Internetseite Nr. 5) zur rücküberwiesener irregulärer Migrant/-innen von Griechenland in die Türkei kommt es nach der Rücküberweisung zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Überführte Flüchtlinge sind oftmals Opfer vom willkürlichem Haft und ihnen droht aufgrund des geänderten Asylgesetzes in der Türkei die Möglichkeit der Rücküberweisung zum Herkunftsort (Internetseite Nr. 5).
Nach der Unterzeichung des Flüchtlingsabkommens wandelten sich die Flüchtlingsregistrierungslager in Griechenland in Internierungslager, in denen irreguläre Migranten/-innen festgehalten werden sollten. In diesen Lagern solle überprüft werden, so war die Idee, ob eine Abschiebung in die Türkei rechtlich einwandfrei sei (Kasparek 2017: S. 107f.). In Wirklichkeit aber fanden kaum Abschiebungen statt. Zwischen April 2016 und Juni 2017 wurden insgesamt 178 syrische Staatsbürger/-innen abgeschoben (Internetseite Nr. 5). Das einzige funktionierende Element des Abkommens ist die Verhinderung von Abfahrten durch die türkische Gendarmerie und Grenzwache. Die Weiterführung des Abkommens ist abhängig vom Willen der autokratischen Regierung der Türkei (Kasparek 2017 S. 108).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Ausgangslage der Flüchtlingskrise seit 2011 dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Effektivität des Flüchtlingsabkommens.
2. Theoretische Grundlage: Hier werden Konzepte zur Wirksamkeit von Migrationspolitik sowie die theoretischen Ansätze zur Externalisierung der EU-Außengrenzen erläutert.
3. EU-Türkei-Abkommen und ihre Wirkungen: Dieses Kapitel analysiert den inhaltlichen Kooperationsplan, die Implementierungsprobleme sowie die empirischen Daten zu Flüchtlingsströmen und Substitutionseffekten.
4. Schlussfolgerung: Die Arbeit resümiert, dass das Abkommen seine primären Ziele verfehlt hat und die Externalisierungspolitik mit grundlegenden demokratischen Werten kollidiert.
Schlüsselwörter
Flüchtlingsabkommen, EU, Türkei, Migration, Asylanträge, Externalisierung, Grenzschutz, Substitutionseffekt, Balkanroute, Menschenrechte, Syrien, Migrationspolitik, Effektivität, Flüchtlingskrise, Grenzkontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Flüchtlingsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei hinsichtlich seiner Effektivität bei der Unterbindung irregulärer Migration aus Syrien.
Welche Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Migrationspolitik, den Mechanismen der Externalisierung von EU-Grenzen sowie den empirischen Auswirkungen des Abkommens auf die Flüchtlingsströme.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Studie?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie wirkungsorientiert das Flüchtlingsabkommen zur Prävention unerwünschter Migrationsströme aus Syrien nach Europa tatsächlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin stützt sich auf eine empirische Analyse unter Verwendung von Sekundärliteratur und offiziellen Daten des UNHCR, um Trends in Asylantragszahlen grafisch darzustellen und zu bewerten.
Welche Kerninhalte werden im Hauptteil thematisiert?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Inhalt und der Implementierung des Abkommens sowie einer detaillierten Analyse von räumlichen und zeitlichen Substitutionseffekten bei Migrationsrouten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Flüchtlingsabkommen, Externalisierung, Substitutionseffekt, Balkanroute und Migrationspolitik.
Welche Rolle spielt die „Gap-Hypothese“ im theoretischen Teil?
Sie dient dazu, die Diskrepanz zwischen der politischen Rhetorik bzw. Gesetzgebung und der tatsächlichen, oftmals ineffizienten Implementierung der Migrationspolitik zu erklären.
Zu welchem Schluss kommt der Autor in Bezug auf die Schließung der Balkanroute?
Es wird festgestellt, dass die Schließung der Balkanroute eine wesentliche Ursache für den Rückgang der Asylanträge in Mitteleuropa darstellt, welche oft fälschlicherweise ausschließlich dem EU-Türkei-Abkommen zugeschrieben wird.
- Citation du texte
- Soner Akkaya (Auteur), 2017, Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei. Eine effiziente Lösung zur Prävention unerwünschter Migrationsströme aus Syrien?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449080