Gemäss den Schätzungen von Bundesamt für Migration ist jedes zehnte Sans-Papier in der Schweiz minderjährig. In den Medien sowie in der öffentlichen Diskussion bekommt man den Eindruck, dass es sich bei Sans-Papier ausschliesslich um Männer aus Afrika handelt, obwohl dies nicht der Realität entspricht. Sans-Papier-Kinder sind eine Realität und deshalb ist die Fragestellung dieser Proseminararbeit von sozialpolitischer, gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Relevanz. Es ist wichtig, die Problemfelder, welche Sans-Papier-Kinder konfrontiert sind, zu verstehen, um Ihnen bei ihren Problemlagen auch adäquat Unterstützung bieten zu können.
Insbesondere für Lehrpersonen ist es eine Herausforderung mit der prekären Situation der Schüler/-innen ohne legalen Aufenthaltsstatus umzugehen. Denn Kinder ohne legalen Aufenthaltsstatus haben es besonders schwierig. Einerseits ist ihr Aufenthalt illegal und sie müssen abgeschafft werden. Andererseits haben sie gemäss Artikel 19 der Bundesverfassung Anrecht auf unentgeltlicher Grundschulbildung und gemäss UN-Kinderrechtskonvention, welche Schweiz 1997 beigetreten ist, muss bei jeder Entscheidung, welche Kinder betreffen, das Kindeswohl vorrangig berücksichtigt werden. Dies hat zur Folge, dass Sans-Papier-Kinder in einem Spannungsfeld leben. Daraus ergeben sich diverse Problemfelder für die betroffene Zielgruppe.
Ziel dieser Proseminararbeit ist die Darstellung der sozialen Lebenssituation von Sans Papier-Kindern, welche in der Schweiz leben und deren Probleme, welche sich daraus ergeben. Der Untersuchungsgegenstand wird anhand folgender Fragestellung näher erforscht: Welche soziale Lebenssituation haben Sans-Papier-Kinder und welche Probleme ergeben sich für diese im Bezug auf zwischen illegalem Aufenthalt und Recht auf unentgeltliche Schulbildung?
In dieser theoretischen Arbeit werden zur Beantwortung dieser Fragestellung aktuelle wissenschaftliche Fachartikel herangezogen, welche sich insbesondere mit der Illegalität sowie Ausschaffung der Sans-Papiers befassen. Dabei wird der Fokus gestützt auf die Fragestellung auf kinderspezifische Aspekte gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangs- und Problemlage
1.2 Zielsetzung und Fragestellung
2. Situation der Sans-Papier-Kinder
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Zahlen
2.3 Rechte von Sans-Papiers-Kinder
3. Ilegalisierung und Ausschaffung
3.1 Staatsbürgerschaft
3.2 Produktion von Illegalität
3.3 Space of Nonexistence
3.4 Erwerbstätigkeit
3.5 Regularisierung
4. Konklusion
4.1 Schlussfolgerung mit Handelsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die soziale Lebenssituation von Sans-Papier-Kindern in der Schweiz und analysiert die Spannungsfelder zwischen ihrem illegalen Aufenthaltsstatus und dem grundgesetzlich sowie völkerrechtlich verankerten Recht auf unentgeltliche Schulbildung.
- Soziale und rechtliche Lebenssituation von Sans-Papier-Kindern
- Die theoretische Produktion von Illegalität durch den Nationalstaat
- Das Konzept des "Space of Nonexistence" im Migrationskontext
- Hürden beim Zugang zur postobligatorischen Ausbildung
- Diskrepanz zwischen Kinderrechtskonvention und nationaler Migrationspolitik
Auszug aus dem Buch
3.3 Space of Nonexistence
Coutin (Coutin 2003: S. 172ff.) spricht von einem ‹‹Space of Nonexistence››, in welchem Sans-Papiers gefangen sind. Dieser Raum wird als ein Grenzgebiet beschrieben, weil er Menschen in ‹‹Legale›› und ‹‹Illegale›› aufteilt. Jedoch existiert dieser Raum physisch nicht. Denn Personen ohne legalen Aufenthaltsstatus können sich überall aufhalten. Sobald sich Sans-Papiers an einem Ort aufhalten, wird dieser Raum zum Untergrund. Somit kollidiert die physische Dimension vom ‹‹Space of Nonexistence›› mit den Grenzen des Landes, welche den Aufenthalt von Sans-Papiers illegalisiert. Dieser Raum ist auf der einen Seite eingebildet, weil er wie andere Räume sozial konstruiert und markiert ist. Auf der anderen Seite ist dieser Raum real, weil er Auswirkungen auf das Leben von Sans-Papiers hat. So werden Sans-Papiers viele Rechte verweigert (Coutin 2003: S. 172f.). Insbesondere das Recht auf eigene Identiät ist für die Entwicklung eines Kindes von grosser Bedeutung. Mit einem eigenen Identiät wird einer Person ein Platz in der Gesellschaft gesichert. Für Sans-Papiers-Kinder wird eine eigene Identiät nicht nur bei Geburt ohne Registrierung missachtet, sondern auch in ihrem späteren Leben, wenn sie aufwachsen und als eine Gruppe nicht existierender Jugendlichen angesehen werden, obwohl sie physisch existieren (Lachat 2007: S. 113).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Ausgangslage ein und formuliert die zentralen Fragestellungen hinsichtlich der Lebenssituation von Sans-Papier-Kindern.
2. Situation der Sans-Papier-Kinder: Hier wird der Begriff definiert, statistische Daten präsentiert und die spezifische rechtliche Lage der Kinder beleuchtet.
3. Ilegalisierung und Ausschaffung: Dieses Kapitel analysiert theoretische Konzepte zur Entstehung von Illegalität, den Ausschluss von Rechten und die Hürden bei Ausbildung und Regularisierung.
4. Konklusion: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und leitet spezifische Handlungsempfehlungen aus der Untersuchung ab.
Schlüsselwörter
Sans-Papier-Kinder, Migration, Illegalität, Aufenthaltsstatus, Grundrecht, Schulbildung, Kinderrechtskonvention, Ausschaffung, Space of Nonexistence, Integration, Staatsbürgerschaft, Härtefallregelung, Kindeswohl, Prekarität, Identitätsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der prekären Lebenssituation von Kindern ohne legalen Aufenthaltsstatus (Sans-Papier) in der Schweiz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf das Spannungsfeld zwischen der gesetzlich geforderten Ausschaffung, dem Kindeswohl und dem verfassungsmäßigen Recht auf Schulbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung der sozialen Lebenssituation dieser Kinder und die Untersuchung der Probleme, die sich aus dem Widerspruch zwischen Illegalität und Bildungsrecht ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die aktuelle wissenschaftliche Fachartikel und Rechtsgrundlagen analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Illegalität, dem Konzept des "Space of Nonexistence", dem Zugang zu Bildung sowie den Schwierigkeiten bei der beruflichen Ausbildung und Regularisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Sans-Papier-Kinder, Illegalität, Kindeswohl, Schulbildung, Integrationshürden und Migrationspolitik.
Warum haben Sans-Papier-Kinder Schwierigkeiten beim Übergang in eine Ausbildung?
Aufgrund des fehlenden legalen Aufenthaltsstatus bestehen kaum Möglichkeiten für eine Berufslehre, da die Angst vor einer Entdeckung der Identität durch Behörden eine Ausweisung der gesamten Familie befürchten lässt.
Welche Rolle spielt die Kinderrechtskonvention bei der Argumentation?
Die Konvention dient als rechtliche Gegenposition zum Schweizer Ausländergesetz, da sie das Kindeswohl bei jeder behördlichen Entscheidung in den Vordergrund stellt.
- Citation du texte
- Soner Akkaya (Auteur), 2017, Sans-Papier-Kinder. Zwischen Illegalität und Grundrecht auf unentgeltliche Schulbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449085