Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean


Bachelorarbeit, 2005
52 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

II. THEORETISCHER TEIL
1.) Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean
1.1.) Definition Tsunami
2.) Medienrealität
2.1.) Verzerrte Medienrealität
3.) Definition Nachricht
3.1.) Nachrichtenwert
3.2.) Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie
3.3.) Ansätze der Nachrichtenwert-Theorie
4.) Nachrichtenauswahl und Nachrichtenfaktoren
4.1) Nachrichtenfaktoren nach Schulz
4.2.) Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge

III. EMPIRISCHER TEIL
5.) Forschungsleitende Fragestellung
6.) Hypothesen
7.) Ziel der Untersuchung
7.1.) Untersuchungsmethode
7.2.) Untersuchungsmaterial
7.3.) Untersuchungszeitraum
7.4.) Bildung der Kategorien
8.) Darstellung der Ergebnisse

IV. CONCLUSIO

V. LITERATUR- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS

VI. ANHANG

I. EINLEITUNG

In der vorliegenden Arbeit geht es um die Berichterstattung der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean. Als Fallbeispiele wurden die beiden österreichischen Tageszeitungen „Kronen Zeitung“ und „Die Presse“ herangezogen.

Es soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich die Berichterstattung über die Katastrophe in den beiden ausgewählten Tageszeitungen voneinander unterscheidet. Vor allem welche Nachrichtenfaktoren nehmen dabei eine zentrale Rolle ein?

Da es sich bei der Kronen Zeitung um ein Boulevardblatt und bei der Presse um eine Qualitätszeitung handelt, liegt die Vermutung nahe, dass es einen Unterschied in der Berichterstattung über die Tsunami-Katastrophe gibt, da ein unterschiedliches Publikum angesprochen werden soll.

Um einen Überblick zu bekommen erfolgt eine kurze Schilderung der Tsunmai-Katastrophe vom 26.12.2004 in Kapitel 1. Da das Wort Tsunami in der Berichterstattung eine wesentliche Rolle spielt, wird in Kapitel 1.1 eine Definition des Wortes geliefert.

Wenn wir nicht direkt am Ort des Geschehens sind, sind wir auf Medienberichte angewiesen, um mehr über ein Ereignis zu erfahren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob Medien in der Lage sind Wirklichkeit zu repräsentieren. Dieser Frage wird in Kapitel 2 der Arbeit nachgegangen.

Da Journalisten sozusagen aus einem großen „Topf“ an Ereignissen auswählen kommt eine sogenannte „verzerrte Medienrealität“ zustande. Diese Verzerrung wird in Kapitel 2.1 näher beleuchtet.

Nach einer kurzen Definition des Wortes „Nachricht“ (Kapitel 3) wird in Kapitel 3.1 der Begriff Nachrichtenwert abgeklärt. Der Nachrichtenwert spielt insofern eine große Rolle, weil er mehr oder weniger die Publikationswürdigkeit eines Ereignisses bestimmt. In Kapitel 3.2 wird die Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie beschrieben und eine

Begriffsabklärung des realistischen- und konstruktivistischen Ansatzes, sowie des re-konstruktiven Ansatzes wird in Kapitel 3.3 geliefert.

Welche Selektionskriterien sind für die Nachrichtenauswahl entscheidend?

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Nachrichtenauswahl und Nachrichtenfaktoren wird dazu in Kapitel 4 geboten. Auf die Nachrichtenfaktoren nach Schulz wird in Kapitel 4.1 näher eingegangen und eine Darstellung der Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge folgt in Kapitel 4.2.

Den empirischen Teil der Arbeit leitet das Kapitel 5 ein, in dem die forschungsleitende Fragestellung vorgestellt wird.

In Kapitel 6 werden die Hypothesen beschrieben, die für die Untersuchung formuliert wurden.

Nach diversen Anmerkungen zum Ziel der Untersuchung (Kapitel 7), zur Untersuchungsmethode (Kapitel 7.1), zum Untersuchungsmaterial (Kapitel 7.2) und zum Untersuchungszeitraum (Kapitel 7.3) wird in Kapitel 7.4 schließlich die Bildung der Kategorien ausführlich beschrieben.

Abschließend folgt das Kapitel 8, in dem die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt werden und die Hypothesen verifiziert und falsifiziert werden.

II. THEORETISCHER TEIL

1.) Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean

Am 26. Dezember 2004 ereignete sich vor der Nordwestküste Sumatras um 7:58 Ortszeit ein Erdbeben, das mit der Stärke 9,3 auf der Richterskala[1] registriert wurde.

Bei dem Beben kam es zu einer Verschiebung der Indisch-Australischen Platte unter die Eurasische Platte.[2] Dadurch wurde der Meeresboden angehoben und somit eine gigantische Flutwelle, in der Fachsprache Tsunami genannt, ausgelöst.

Zu Tsunami-Wellen kommt es aber nur dann „wenn in senkrechter Richtung –also in- oder entgegen der Erdanziehung Massen in Bewegung geraten sind. Bei einem Erdbeben […] wo sich die Platten horizontal gegeneinander verschieben […] wäre es nicht zu diesen Auswirkungen gekommen.“[3]

Binnen weniger Stunden erreichten die Wellen die Küsten angrenzender Länder wie Indonesien, Indien, Sri Lanka, Thailand, Myanmar, Malaysia, Bangladesch und die Malediven.

Dörfer wurden überflutet und ganze Landstriche versanken im Meer. Die wirkliche Zerstörungswucht bekam man aber erst zu sehen, nachdem sich die Wassermassen wieder zurückgezogen hatten. Fast stündlich wurden die Zahlen der Opfer nach oben korrigiert.

Eine genaue Aussage darüber, wie viele Menschen bei dieser Weltkatastrophe ihr Leben lassen mussten, wird man wohl nie eindeutig treffen können.

Mitte Februar 2005 hat das Internationale Rote Kreuz von ungefähr 230 000 Toten in Indonesien, 31 000 in Sri Lanka, 16 400 in Indien und 5400 Toten in Thailand gesprochen.[4]

Sogar in Somalia, Kenia und Tansania gab es Tote zu beklagen, obwohl diese Länder der Ost-Küste Afrikas immerhin über mehr als 5000 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegen.[5]

„Die Reaktionen auf die Flutkatastrophe […] waren weltweit von Bestürzung geprägt“[6] und es folgten internationale Spenden- und Hilfsaktionen für die betroffenen Gebiete. Der Wiederaufbau der einstigen Touristen-Hochburgen könnte allerdings noch Jahre andauern.

1.1.) Definition Tsunami

„Tsunamis unterscheiden sich massiv von anderen Wellen.“[7] Das Wort kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „Hafenwelle“.[8]

Wahrscheinlich stammt die Namensgebung von japanischen Fischern, die während sie am Meer waren, keine größeren Wellen bemerkten. Bei der Rückkehr zum Hafen fanden sie allerdings zerstörte Dörfer vor, die von einem Tsunami heimgesucht wurden.[9]

Ein Tsunami wird „plötzlich durch Seebeben oder - viel seltener - durch Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge oder Unterwasserlawinen“ verursacht. Es werden dabei Strömungen hervorgerufen, „die bis zum Ozeanboden hinabreichen.“[10]

Die Welle „breitet sich mit hoher Geschwindigkeit (bis zu 800 km/h) über Entfernungen von bis zu 20.000 km aus und kann in Ufernähe […] auf eine Höhe von etwa 50 Meter ansteigen.“[11]

Die Geschwindigkeit eines Tsunamis richtet sich nach der Meerestiefe, denn „je tiefer das Meer, desto schneller und je flacher, desto langsamer.“[12]

2.) Medienrealität

Es soll nun der Frage nachgegangen werden, wie Medien Realität transportieren. Der Rezipient hat sozusagen die Qual der Wahl, welcher Berichterstattung er letztlich Glauben schenken möchte, denn schon Walter Lippmann erkannte: „Der Mensch ist kein aristotelischer Gott, der die gesamte Existenz mit einem Blick umfasst.“[13] Das bedeutet, dass wir nun mal nicht in der Lage sind die ganze Welt von oben betrachten und einen Blick auf jedes Geschehen, das sich auf diesem Erdball ereignet, werfen zu können. Wenn wir wissen wollen, was sich in dieser Welt ereignet, sind wir gewissermaßen auf die Medien angewiesen.

Wie aber werden Geschehnisse von den Medien an Rezipienten weitergegeben? Bekommt der Mediennutzer ein genaues Abbild der Wirklichkeit geliefert?

Winfried Schulz meint dazu, dass „Nachrichten ´Realität´ eigentlich konstruieren.“[14] „Denn was ´wirklich´ geschah, welches das ´richtige´ Bild von Realität ist, das ist eine letztlich metaphysische Frage. Niemand ist in der Lage, darüber eine intersubjektiv verbindliche Auskunft zu geben.“[15]

Schulz zufolge können die Medien niemals als genaues Abbild der Wirklichkeit gesehen werden.

Ein weiteres Problem ist, dass es sein kann, dass Ereignisse von verschiedenen Personen verschiedenartig aufgefasst werden. Jeder Mensch macht sich über ein Ereignis eigene Gedanken. Dabei spielen Faktoren, wie die Tagesverfassung eines Menschen oder der Zugang zum Thema eine große

Rolle. Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass jeder Satz für jeden Menschen die gleiche Bedeutung hat.

Lippmann schreibt sehr passend: „Es gibt keinerlei Gewissheit darüber, ob dasselbe Wort im Kopf des Lesers genau denselben Gedanken beschwören wird wie im Kopf des Reporters. Wenn jede Tatsache und jede Beziehung eine einmalige Bezeichnung trüge und wenn jedermann dasselbe darunter verstünde, wäre es theoretisch möglich, sich ohne Missverständnisse miteinander zu verständigen.“[16]

Für Lippmann ist auch die Sprache keineswegs ein „vollkommenes Transportmittel für Sinngehalte. Wörter werden wie Münzen hin und her gewendet, um heute diese Bilderfolge, morgen jene hervorzurufen.“[17]

Man kann auch noch einen Schritt weiter gehen und sich wie Werner Früh einmal die Frage stellen: „[…] ob der Mensch mit seinen Erkenntnismöglichkeiten überhaupt einen direkten Zugang zur Welt außerhalb seiner selbst hat und damit eine gesicherte Aussage über deren Existenz und Aussehen machen kann […].“[18]

Früh beantwortet diese Frage folgendermaßen: „[…] es gibt eine Welt außerhalb unser eigenen Person […] eine völlig sichere, objektive Aussage über deren genaues Aussehen, die Modalität ihres Seins und ihren Umfang ist nicht möglich.“[19]

Seinen Aussagen zufolgen kann man also gar nicht erwarten und voraussetzen, dass Medien Realität objektiv wiederspiegeln. Man muss letztlich gewissermaßen hinnehmen, was in den Medien transportiert wird. Aber man muss nicht jeglicher Information „blind“ Glauben schenken.

2.1.) Verzerrte Medienrealität

Da, wie schon einmal erwähnt, verschiedene Personen verschiedenartige Realitätsauffassungen haben können, kommt auch eine gewisse Verzerrung zustande. So ist es möglich, dass zwei Journalisten über ein und dasselbe Ereignis etwas Unterschiedliches schreiben.

Die Realität wird schon allein dadurch verzerrt, wenn der Journalist beginnt Nachrichten zu selektieren. Es kommt bestimmten Meldungen mehr Aufmerksamkeit zu, als anderen und das entscheidet schließlich der Journalist.

Burkart schreibt dazu: „Die in den Medien dargebotene Wirklichkeit repräsentiert in erster Linie Stereotype und Vorurteile der Journalisten […].“[20]

Burkart meint weiters, dass wir es mit einer „verzerrten Medienrealität“[21] zu tun haben und stellt folgende Thesen auf:[22]

1.) Die verzerrte Medienrealität entspricht der objektiven Wirklichkeit bestenfalls in Ansätzen.
2.) Medien können als Weltbildapparate gesehen werden, mit denen Wirklichkeit von Journalisten konstruiert wird.
3.) Die Wirklichkeitskonstruktionen entsprechen sogenannten Nachrichtenfaktoren.
4.) Unter Nachrichtenfaktoren versteht man eher die Interpretation der Journalisten und nicht objektive Eigenschaften der Wirklichkeit.
5.) Nachrichten sind in der Regel Mittel zum Zweck.
6.) Der Zweck wird oft nicht von den Journalisten bestimmt, sondern wird durch außermediale Instanzen festgelegt.
7.) Außermediale Wirklichkeitskonstrukteure (Öffentlichkeitsarbeiter) kontrollieren bis zu einem gewissen Grad die journalistische Berichterstattung.

Zusammengefasst bedeutet das, dass die Realität nichts mit dem zu tun hat, was wir von den Medien vorgesetzt bekommen. „Medienberichte sind Surrogate ziel- und zweckbestimmter Interpretationsleistungen von Journalisten und PR-Leuten, die Wirklichkeit bloß entwerfen – eben: konstruieren.[23]

3.) Definition Nachricht

Um die Nachrichten im Fall der Tsunami-Berichterstattung zu analysieren, muss der Begriff Nachricht näher erläutert werden.

Walther von La Roche schreibt: „Eine Nachricht ist also die um Objektivität bemühte Mitteilung eines allgemein interessierenden, aktuellen Sachverhalts in einem bestimmten formalen Aufbau.“[24]

Als „punktuelle Veränderung“[25] und eine „Information, nach-der-man-sich-richten-kann“[26] charakterisiert Hans-Joachim Schlüter eine Nachricht. Zwischen harten Nachrichten (hard news) und weichen Nachrichten (soft news) wird im Fischer Lexikon[27] unterschieden.

Harte Nachrichten werden „knapp und prägnant formuliert […] und informieren - soweit möglich – unpersönlich und sachlich.“[28] Leichte Nachrichten hingegen sind „nicht immer sachlich formuliert“ […] und schlagen oft einen persönlicheren, farbigeren, affektiveren Ton an.“[29]

Im Fischer Lexikon wird die Stärke der Nachrichten auch gleichzeitig als Schwäche bezeichnet, denn Nachrichten „informieren nämlich in der Regel nur über das, was sich aufdrängt.“[30]

3.1.) Nachrichtenwert

„Unter Nachrichtenwert (news value) versteht man die Publikationswürdigkeit von Ereignissen, die aus dem Vorhandensein und der Kombination verschiedener Ereignisaspekte resultiert.“[31]

Der Nachrichtenwert kann auch gewissermaßen als Ranking gesehen werden, denn laut Eilders[32] nimmt die Publikationswürdigkeit zu, je höher der news value ist.

Der Nachrichtenwert entscheidet auch, wie stark ein Ereignis durch Platzierung, Umfang und Aufmachung in den Medien hervorgehoben wird.[33]

Der Nachrichtenwert kann also als jener Faktor angesehen werden, der bestimmt, ob ein Ereignis und eine Information überhaupt berichtenswert sind.

Aber wer bestimmt das schlussendlich? Auch Lippmann beschreibt große Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Zeitpunktes, wann ein Ereignis überhaupt einen berichtenswerten Zustand erreicht hat.[34]

Ein wenig bedeutsames Ereignis wird natürlich hinten angestellt, wenn die Möglichkeit besteht, über ein relevantes, Thema zu berichten. Angenommen es findet aber kein „weltbewegendes“ Ereignis statt, kann auch das oben genannte „wenig bedeutsame“ Ereignis einen hohen Nachrichtenwert

erlangen. Die Quantität der Ereignisse spielt also hier immer auch eine große Rolle.

3.2.) Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie

Ausgangspunkt der Nachrichtenwert-Theorie ist der Versuch Erklärungen zu liefern, wie und nach welchen Kriterien Nachrichtenauswahl in den Medien vorgenommen wird.

Wenn man auf die Entstehung und Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie zurückblickt, kann man sagen, dass Walter Lippmann sozusagen als Urgroßvater der Nachrichtenwert-Theorie gesehen werden kann, denn erste Grundüberlegungen zur Nachrichtenwert-Theorie wurden von ihm bereits im Jahr 1922 in seinem Buch „Public Opinion“[35] geliefert.

Er schreibt: „[…] die reale Umgebung ist insgesamt zu groß, zu komplex und auch zu fließend, um direkt erfasst zu werden. Wir sind nicht so ausgerüstet, dass wir es mit so viel Subtilität, mit so großer Vielfalt, mit so vielen Verwandlungen und Kombinationen aufnehmen könnten.“[36]

Hauptsächlich beschäftigte er sich in seinem Buch mit Merkmalen und Kriterien, die Ereignisse zu erfüllen haben, damit sie überhaupt publikationswürdig werden.

Lippmann zufolge ist jede Zeitung „im Augenblick, wo sie den Leser erreicht, das Endergebnis einer ganzen Reihe von Auswahlvorgängen, die bestimmen, welche Artikel an welcher Stelle mit wie viel Raum und unter welchem Akzent erscheinen sollen.“[37]

Allerdings merkt er an: „Es ist zweifelhaft, ob ein großer Meister des Stiles in der Lage wäre, alle die Wahrheitselemente, die einer Sache Gerechtigkeit widerfahren ließen, in einen Bericht […] zu packen, der aus nur hundert Wörtern besteht.“

Lippmann nennt folgende Aspekte von Ereignissen, die den Nachrichtenwert eines Ereignisses bestimmen:[38]

1. Ungewöhnlichkeit eines Ereignisses (Überraschung, Sensationalismus)
2. Bezug des Ereignisses zu bereits eingeführten Themen (Etablierung)
3. zeitliche Begrenzung (Dauer)
4. Einfachheit (Struktur)
5. Konsequenzen eines Ereignisses (Relevanz, Schaden, Nutzen)
6. Beteiligung einflußreicher oder bekannter Personen (institutioneller Einfluss, Prominenz)
7. Entfernung des Ereignisortes zum Verbreitungsgebiet eines Mediums (räumliche Nähe)

Einar Östgaard hingegen versuchte 1965 die Ursachen der Verzerrung des Nachrichtenflusses herauszufinden.

Er nannte folgende drei Faktorenkomplexe, die den Journalisten seiner Ansicht nach zwar als Entscheidungsgrundlage bei der Nachrichtenselektion dienen, welche aber auch gleichzeitig eine Verzerrung ausmachen:[39]

1. Vereinfachung
2. Identifikation
3. Sensationalismus

Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge griffen in weiterer Folge den Forschungsansatz von Östgaard noch im Jahr 1965 auf.

Sie untersuchten die internationale Nachrichtenberichterstattung in Bezug auf die Präsentation der Konflikte im Kongo, in Kuba und Zypern.

Daraus entwickelten Galtung und Ruge einen Faktorenkatalog mit insgesamt 12 Nachrichtenfaktoren, auf die im Verlauf der Arbeit noch näher eingegangen wird.

Ungefähr 10 Jahre nach dem Forschungsansatz von Galtung und Ruge überarbeitete und ergänzte Winfried Schulz den Faktorenkatalog.

Schulz entwickelte insgesamt 18 Nachrichtenfaktoren Auch diese Faktoren werden im Zuge der Arbeit noch besprochen.

Joachim Staab erstellte im Jahr 1990 einen Nachrichtenfaktorenkatalog mit folgenden 22 Dimensionen:[40]

Räumliche Nähe, politische Nähe, wirtschaftliche Nähe, kulturelle Nähe, Status der Ereignisnation, Status der Ereignisregion, institutioneller Einfluss, persönlicher Einfluss, Prominenz, Personalisierung, Kontroverse, Aggression, Demonstration, Überraschung, Reichweite, tatsächlicher Nutzen/Erfolg, möglicher Nutzen/Erfolg, tatsächlicher Schaden/Misserfolg, möglicher Schaden/Misserfolg, Zusammenhang mit Themen, Etablierung der Themen, Faktizität.

Die Ergebnisse einer Studie von Staab zeigten, dass „bessere Plazierungen von Beiträgen mit höherer Gesamtintensität der Nachrichtenfaktoren vor allem auf ihren größeren Umfang zurückzuführen waren.“[41]

[...]


[1] URL: http://www.northwestern.edu/univ-relations/media_relations/releases/2005/02/sumatra.html

[2] URL: http://www.wissenschaft-online.de/artikel/776534

[3] URL: http://www.zamg.ac.at/dyn/geophys/seis2004122700.htm

[4] vgl. SCHWELIEN, Michael: Tsunami. Die Schicksalsflut. Eine Katastrophe und die Folgen für die Welt. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2005, S.15.

[5] vgl. SCHWELIEN, Michael: Tsunami. Die Schicksalsflut. Eine Katastrophe und die Folgen für die Welt. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2005, S.24.

[6] ebenda, S.15.

[7] GONZÁLEZ, Frank I.: “Tsunami“. In: Spektrum der Wissenschaft Dossier 2/2001. S.42.

[8] ebenda, S.43.

[9] vgl. SCHWELIEN, Michael: Tsunami. Die Schicksalsflut. Eine Katastrophe und die Folgen für die Welt. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2005, S.40f.

[10] ebenda, S.43.

[11] URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Tsunami

[12] URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Tsunami

[13] LIPPMANN, Walter: Die öffentliche Meinung. Aus dem Amerikanischen von Hermann Reidt. Rütten + Loening Verlag GmbH. München 1964, S.27.

[14] SCHULZ, Winfried: Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Analyse in der aktuellen Berichterstattung. Verlag Karl Alber Freiburg/München 1976, S.28.

[15] ebenda, S.27.

[16] LIPPMANN, Walter: Die öffentliche Meinung. Aus dem Amerikanischen von Hermann Reidt. Rütten + Loening Verlag GmbH. München 1964, S.51.

[17] ebenda.

[18] FRÜH, Werner: Realitätsvermittlung durch Massenmedien. Die permanente Transformation der Wirklichkeit. Westdeutscher Verlag. Opladen 1994. S.21.

[19] ebenda, S.22

[20] BURKART, Roland: Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Böhlau Verlag. Wien 2002, S. 272.

[21] ebenda, S. 272.

[22] vgl. ebenda, S. 303.

[23] BURKART, Roland: Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Böhlau Verlag. Wien 2002, S. 303.

[24] LA ROCHE, Walther von: Einführung in den praktischen Journalismus. Mit genauer Beschreibung aller Ausbildungswege. Deutschland Österreich Schweiz. List Verlag. München 2003. 16., völlig neu bearbeitete Auflage. S. 68.

[25] SCHLÜTER, Hans-Joachim: Zeitungsjournalismus: Darstellungsformen. In: Pürer, Heinz, Meinrad Rahofer, Claus Reitan (Hg.): Praktischer Journalismus. Presse, Radio, Fernsehen, Online. 5., völlig neue Auflage. UVK 2004, S.140.

[26] ebenda, S.140.

[27] NOELLE-NEUMANN, Elisabeth (Hg.)/Schulz, Winfried/Wilke, Jürgen: Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2003, S.129.

[28] ebenda, S.129.

[29] ebenda, S.136.

[30] NOELLE-NEUMANN, Elisabeth (Hg.)/Schulz, Winfried/Wilke, Jürgen: Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2003, S.138.

[31] LIPPMANN, Walter: Public Opinion. New York. 1922, S.330ff., zit. nach: Staab, Joachim Friedrich: Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und empirischer Gehalt. Alber Verlag. München 1990, S.41.

[32] vgl. EILDERS, Christine: Nachrichtenfaktoren und Rezeption. Eine empirische Analyse zur Auswahl und Verarbeitung politischer Informationen. Studien zur Kommunikationswissenschaft. Band 20. Westdeutscher Verlag. Opladen 1997, S.19.

[33] vgl. NOELLE-NEUMANN, Elisabeth (Hg.)/Schulz, Winfried/Wilke, Jürgen: Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2003, S.355.

[34] LIPPMANN, Walter: Die öffentliche Meinung. Aus dem Amerikanischen von Hermann Reidt. Rütten + Loening Verlag GmbH. München 1964, S.232.

[35] LIPPMANN, Walter: Die öffentliche Meinung. Aus dem Amerikanischen von Hermann Reidt. Rütten + Loening Verlag GmbH. München 1964.

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel „Public Opinion“ bei The Macmillan Company. New York. 1922.

[36] LIPPMANN, Walter: Die öffentliche Meinung. Aus dem Amerikanischen von Hermann Reidt. Rütten + Loening Verlag GmbH. München 1964, S.18.

[37] ebenda, S.241.

[38] STAAB, Joachim Friedrich: Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und empirischer Gehalt. Alber Verlag. München 1990, S.41.

[39] SCHULZ, Winfried: Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Analyse in der aktuellen Berichterstattung. Verlag Karl Alber Freiburg/München 1976, S.13.

[40] vgl. STAAB, Joachim Friedrich: Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und empirischer Gehalt. Alber Verlag. München 1990, S.120.

[41] ebenda, S.214.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
52
Katalognummer
V44910
ISBN (eBook)
9783638424141
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tsunami-Katastrophe, Indischen, Ozean
Arbeit zitieren
Eva Steinbauer (Autor), 2005, Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44910

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