Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie


Hausarbeit, 2018

30 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nosokomiale Pneumonie
2.1 Definition
2.2 Epidemiologie
2.1 Pathomechanismen der beatmungsassoziierten Pneumonie
2.2 Risikofaktoren/Prädisposition
2.3 Diagnostik
2.4 Therapie

3. Prävention der nosokomialen Pneumonie
3.1 Maßnahmen der Basishygiene
3.1.1 Schutzmaßnahmen
3.1.2 Schulung von Personal
3.2 Surveillance
3.3 Apparativ-technische Maßnahmen
3.3.1 Beatmungsschläuche
3.3.2 Aktive und passive Atemgasbefeuchtung
3.3.3 Beatmungszubehör
3.4 Patienten bezogene Maßnahmen
3.4.1 Vermeidung von Intubation und Beatmung
3.4.2 Hygienische Mundpflege
3.4.3 Lagerung
3.4.4 Bündel von Präventionsmaßnahmen

4. Auszug aus der Praktischen Tätigkeit

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abstract

Nosokomiale Infektion haben in der Intensivpflege und Intensivmedizin eine große Bedeutung. Die beatmungsassoziierte Pneumonie stellt dabei die häufigste Komplikation in der Intensivtherapie dar und hat großen Einfluss auf das Outcome der Patienten und Patientinnen. Nur unter Berücksichtigung aller Risikofaktoren und unter Umsetzung geeigneter Präventionsmaßnahmen lassen sich nosokomiale Infektionen vermeiden.

Schlüsselwörter

Nosokomiale, Infektion, Pneumonie, Intensivstation, Präventionsmaßnahmen, Surveillance, Händedesinfektion

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Pathomechanismen der ventilatorassoziierte Pneumonie

Abbildung 2 Vorschläge des Autors zu Optimierung von Präventionsmaßnahmen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Pneumonieraten assoziiert zu invasiver bzw. nicht invasiver Beatmung nach Art der Intensivstation (jeweils pro 1.000 Beatmungstage)

Tabelle 2 Die häufigsten Erreger nosokomialer Infektionen

Tabelle 3 Diagnose und Definition der Pneumonie Erwachsener nach klinischen Kriterien der Centers of Disease Control and Prevention

Tabelle 4 Durchschnittliche nosokomiale Infektionsraten von mindestens 2 Jahre die ununterbrochen am Surveillance-System KISS teilnehmender Intensivstationen

Tabelle 5 Bündel von Präventionsmaßnahmen einer beatmungsassoziierten Pneumonie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprob nicht enthalten

1. Einleitung

Nosokomiale Infektionen sind eine häufige Komplikation in den Krankenhäusern; insbesondere auf den Intensivstationen haben sie einen erheblichen Einfluss auf Morbidität, Mortalität und damit verbundene Liegedauer. Die beatmungsassoziierte Pneumonie stellt die häufigste nosokomiale Infektion dar. Auf Intensivstationen in Deutschland infizieren sich jährlich etwa 11.300 Patienten, aufgrund maschineller Beatmung mit pathogenen Erregern (Dahlhoff et al., 2017, S. 14). Außerdem führen Nosokomiale Infektionen zu erhöhter Letalität, zur Verlängerung der Verweildauer und somit auch zu höheren Kosten. Die Kosten nosokomialer Infektionen werden bis zu 25000 € pro Behandlungsfall beschrieben (Gastmeier et al., 2005. o. S.). Somit ist die beatmungsassoziierte Pneumonie ein zentrales Problem der intensivmedizinischen Behandlung und stellt Arzt, Pflegepersonal und andere Akteure im Gesundheitswesen vor eine große Herausforderung bei der Infektionsprävention.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über Möglichkeiten der Prävention einer nosokomialen Pneumonie und die Probleme, die mit der Diagnosestellung, und Umsetzung der Präventiven Maßnahmen verbunden sind, zu geben. Zum besseren Verständnis sollen hier zuerst allgemeine medizinische Informationen zu nosokomialer Pneumonie gegeben werden. Im Anschluss werden Maßnahmen beschrieben, die den aktuellen Empfehlungen zur Infektionsprävention entsprechen. Außerdem werden alle wichtigen Maßnahmen sowie Probleme in der Umsetzung erläutert. Diese Arbeit richtet sich vor allem an das Pflegepersonal, um einen guten Überblick über die Prävention nosokomialer Pneumonien zu bekommen, aber auch an die Stationsleitungen und Krankenhaushygieniker, die für die Fort- Weiterbildung und Qualitätssicherung im Krankenhaus zuständig sind.

2. Nosokomiale Pneumonie

2.1 Definition

„Bei einer Pneumonie handelte es sich um eine Entzündung des Lungengewebes, meist als Folge einer mikrobiellen Infektion“ (Bergen, 2014, S. 191). Im Gegensatz zu der ambulant erworbenen Pneumonie, einer der häufigsten Einweisungsdiagnosen für einen stationären Krankenhausaufenthalt, ist die nosokomiale Pneumonie eine Infektion der Atemwege, die im Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt steht. (Dettenkofer, Frank, Just, Lemmen, & Scherrer, 2018, S. 46). Das RKI definiert die nosokomiale Infektion wie folgt: „Eine Infektion wird als nosokomial bezeichnet, wenn der Infektionstag (= Tag mit dem ersten Symptom) frühestens der Tag 3 des Krankenhausaufenthaltes ist. Dabei gilt der Aufnahmetag in das Krankenhaus als Tag 1 und der Tag mit dem ersten (spezifischen oder unspezifischen) Infektionszeichen als Infektionstag“ (Robert- Koch Institut, 2017). Eine nosokomiale Infektion liegt dann vor, wenn die ersten Zeichen für eine Pneumonie auftreten nachdem der Patient mehr als 48 Stunden stationär aufgenommen wurde. (Dettenkofer et al., 2018, S. 46). Auf der Intensivstation werden nosokomiale respiratorische Infekte meistens durch die invasive Beatmung eines Patienten ausgelöst. Tritt die Pneumonie nach mehr als 48-stündiger Beatmungsdauer ein, wird diese als ventilatorassoziierte Pneumonie (VAP) bezeichnet. Diese Infektion ist aufgrund maschineller Beatmung im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung entstanden und lässt sich klar von der HAP (hospital aquired pneumonia) abgrenzen. Diese ist ebenfalls eine Infektion der Atemwege und steht auch im direkten Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt jedoch ist sie nicht durch ein Device (Gerät), in diesem Fall die maschinelle Beatmung, ausgelöst (ebd., S. 46). Infektionen, bei denen die ersten Infektionszeichen bereits vor Aufnahme in das Krankenhaus, an Tag eins oder Tag zwei des Krankenhausaufenthaltes vorhanden sind, werden nicht als nosokomiale, sondern als mitgebrachte Infektionen klassifiziert (Robert Koch-Institut, 2017).

2.2 Epidemiologie

Nosokomiale Infektionen ziehen sich Patientinnen und Patienten im Zusammenhang mit medizinischen Maßnahmen im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes zu. Bei der Häufigkeit von nosokomialen Infektionen gibt es je nach Krankenhaus und Fachrichtung große Unterschiede. Auf Intensivstationen konnte bisher die höchste Infektionsgefahr für Patienten festgestellt werden. Dies hängt damit zusammen, dass die Patientinnen und Patienten einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Zum einen sind diese Patienten schwer erkrankt und multimorbide, zum anderen spielt die Vielzahl an invasiven Maßnahmen, wie zum Beispiel eine künstliche Beatmung, eine große Roll (Gastmeier & Geffers, 2008, S 1111 ff.). In Deutschland infizieren sich jährlich ungefähr 400.000 bis 600.000 Patientinnen und Patienten im Krankenhaus mit Erregern. Von diesen Krankenhausinfektionen führen ungefähr 10.000 bis 15.000 zum Tod. „Eine Hochrechnung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene e. V. geht sogar von 800.000 bis 1,2 Millionen nosokomialen Infektionen und 20.000 bis 30.000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland aus“ (Walger, Popp & Exner, 2013, S. 329ff.).

Tabelle 1 Pneumonieraten assoziiert zu invasiver bzw. nicht invasiver Beatmung nach Art der Intensivstation (jeweils pro 1.000 Beatmungstage)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(entnommen aus: ITS-KISS 2011-2015)

Vergleicht man die verschiedenen Studien und Auswertungen des Krankenhaus-Infektion-Surveillance-System (KISS), so stellt die beatmungsassoziierte Pneumonie die häufigste nosokomiale Infektion dar. Auf Intensivstationen in Deutschland betrug die Inzidenzdichte 9,1 pro 1000 Patienten. Das sind jährlich etwa 11.300 Patienten, die sich aufgrund maschineller Beatmung mit Erregern infizieren (Dahlhoff et al., 2017, S. 14). Auch in der Nationalen Punktprävalenzstudie von 2011 zeigte sich, dass 37,8% aller dokumentierten Pneumonien in Deutschland beatmungsassoziiert sind (Dettenkofer et al., 2018, S. 46 zit. nach Kohlberg et al., 2010). Betrachtet man die Literaturangaben zur Mortalitätsraten von VPA, so lassen sich keine genauen Angaben machen, da sich die verschiedenen Studien in ihren Zahlen erheblich unterscheiden. Nach Angaben der KRINKO beträgt die Mortalitätsrate bei VAP in Deutschland 13%. „Es muss aber berücksichtigt werden, dass bei der hohen Mortalität oftmals die vorhandene Grundkrankheit eine entscheidende Rolle spielt und der Patient nicht notwendigerweise an der Pneumonie, sondern mit der Pneumonie verstirbt“ (Schulz-Stübner, 2017, S. 433). Die beatmungsassoziierte Pneumonie stellt somit ein zentrales Problem der Intensiv-Medizinischen und -pflegerischen Behandlung auf Deutschlands Intensivstationen dar.

2.1 Pathomechanismen der beatmungsassoziierten Pneumonie

Bei der ventilatorassoziierten Pneumonie ist zwar die maschinelle Beatmung Hauptfokus, jedoch ist das Beatmungsgerät selbst nicht der Auslöser einer Atemwegsinfektion. Vielmehr sind der Endotrachealtubus oder die Trachealkanüle zur Sicherung der Atemwege für die Infektion verantwortlich. Durch den künstlichen Atemweg kommt es zu Kontamination, Kolonisation und schließlich zur Mirkoaspiration von Erregern (Perl & Quintel. 2011, S. 236). Pathogene Keime gelangen entlang des Tubus Richtung Cuff, dieser soll vor Aspiration schützen, jedoch kommt es immer wieder vor, dass Sekret zwischen Trachea und Cuff vorbei in die Atemwege gelangt. Es kommt zum Eintritt pathogener Keime in die Lungen, deren Vermehrung schlussendlich zur Entstehung einer Pneumonie führt (Schulz-Stübner, 2017, zit. nach Dembinski & Rossaint, 2008).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Pathomechanismen der ventilatorassoziierte Pneumonie

(entnommen aus: Dembinski & Rossaint, 2008, S. 828)

Außerdem kann sich ein Biofilm auf der Tubuswand bilden, der zur Entstehung multiresistenter Keime beiträgt. Zudem folgt durch die maschinelle Beatmung die Abnahme der mukozilliären Clearance in der Lunge. Hierbei spielt vor allem die nicht ausreichende Atemgasbefeuchtung, und die damit einhergehende Verlangsamung der Transportfunktion des Flimmerepithels eine Rolle. Sekret kann somit nicht nach außen befördert werden. Die einzige Möglichkeit, Sekret aus den unteren Atemwegen zu entfernen, ist die endotracheale Absaugung, bei der jedoch bei nicht fachlich korrekter und hygienischer Durchführung weitere Keime in die Lunge gelangen können. (Schulz-Stübner, 2017, S. 433). In der folgenden Abbildung werden die häufigsten Erreger nosokomialer Infektionen dargestellt.

Tabelle 2 Die häufigsten Erreger nosokomialer Infektionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(entnommen aus: Gastmeier, 2008, S. 265)

2.2 Risikofaktoren/Prädisposition

Das Auftreten einer nosokomialen Pneumonie wird durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt. Besonders gefährdet sind Patienten, die invasiv beatmet werden und zudem noch weitere endogene Risikofaktoren aufweisen. Hierzu gehören unter anderem ein sehr niedriges oder hohes Lebensalter, kardiopulmonale oder andere schwere Grunderkrankungen, Beeinträchtigungen des Immunsystems durch Immunsuppression, fehlende Schutzreflexe und COPD. (Bergen, 2014, S: 192). Als exogene Risikofaktoren werden Langzeitbeatmung (Beatmungsdauer Länger als 95 Stunden) Intubation und Reintubation, die Verabreichung von Sedativa, sowie thorakoabdominelle Operationen beschrieben. Mit zunehmender Beatmungsdauer und infolge von Mikroaspirationen steigt das Risiko einer nosokomialen Pneumonie kommutativ an. „Das Risiko, eine nosokomiale Pneumonie zu entwickeln, ist bei invasiv beatmeten Patienten um das 6- bis 20-fache erhöht. Dabei korreliert das Risiko mit der Beatmungsdauer“ (Schulz-Stübner, 2017, S. 434). Auch kann eine Übertragung von pathogenen Erregern durch das ärztliche und pflegerische Personal zustande kommen. Hierbei ist meistens die mangelnde Händehygiene verantwortlich (Dettenkofer et al., 2018, S. 48 zit. nach Torres und Carlet, 2001).

2.3 Diagnostik

Aufgrund dessen, dass es bis heute keinen Goldstandart zur Diagnostik von nosokomialen Pneumonien gibt, gestaltet sich die Diagnosestellung einer HAP kompliziert. Durch die nicht eindeutigen klinischen Symptome in Kombination mit anderen Grunderkrankungen lässt sich auch durch den Einsatz moderne diagnostischer Maßnahmen nicht immer eindeutig feststellen, ob es sich um eine HAP handelt (Dettenkofer et al., 2018, S. 46-47). Auch die lange Reihe von Differenzialdiagnosen könnten für die Verschlechterung eines Patienten verantwortlich sein. Differenzialdiagnostisch sind Sekretverlegungen, Herzinsuffizienz, Lungenarterienembolien, interstitielle Lungenerkrankungen zu beachten. Besteht der Verdacht auf eine HAP oder VAP, muss sofort mit der Therapie begonnen werden. Je mehr Zeit vergeht, desto schlechter ist der Outcome des Patienten, und die Mortalitätsrate steigt signifikant (Dahlhoff et. al. 2017, S. 4).

Das Krankenhausinfektions-Surveillance System (KISS) fordert für die Diagnose eine Kombination aus radiologischen und klinischen Befunden. Auch (Dahlhoff et. al. 2017 S. 4ff.) beschreibt in der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin die Kombination verschiedener Befunde, die auf eine nosokomiale Pneumonie hinweisen. In der folgenden Abbildung werden die klinischen Kriterien einer Pneumonie dargestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie
Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Veranstaltung
Hygienemanagement
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
30
Katalognummer
V449122
ISBN (eBook)
9783668835726
ISBN (Buch)
9783668835733
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hygeine, Infektion, Präventionsmaßnahmen, Surveillance, Händedesinfektion, Pneumonie, Nosokomial Infektion
Arbeit zitieren
Hanno Lüttmann (Autor), 2018, Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449122

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