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Kirche und Staat im Mittelalter und heute. Religiöse Institutionen als Ko-Produzenten von Staatlichkeit

Titre: Kirche und Staat im Mittelalter und heute. Religiöse Institutionen als Ko-Produzenten von Staatlichkeit

Livre Spécialisé , 2019 , 60 Pages

Autor:in: Martin Thomaschütz (Auteur)

Histoire de l'Europe - Moyen Âge, Temps modernes
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Résumé Extrait Résumé des informations

Gab es einen Staat im Mittelalter? Geht man vom klassischen Nationalstaatsbegriff von 1900 aus, kann man diese Frage wohl schnell verneinen. Doch müsste dann nicht auch zahlreichen modernen Staaten ihre Staatlichkeit aberkannt werden? Denn diese lagern einen Teil ihrer Aufgaben zum Beispiel an die Europäische Union oder an NGOs aus.

Martin Thomaschütz bringt deshalb einen weniger restriktiven Begriff von Staatlichkeit ins Spiel. Diesem nähert er sich über die Frage, inwieweit religiöse Institutionen Ko-Produzenten von Staatlichkeit waren und immer noch sind. Ausgehend vom europäischen Mittelalter setzt er sich vor allem mit der katholischen Kirche auseinander.

Doch wie sieht es in zeitgenössischen Räumen begrenzter Staatlichkeit aus? Thomaschütz beschäftigt sich dazu mit Pakistan als einem vom Islam geprägten Staat der Gegenwart. Wo finden sich Parallelen, wo Unterschiede zwischen dem modernen Staat und den Staatsformen des Mittelalters? Vielleicht gibt das Mittelalter ein Vorbild ab für neuzeitliche Staatskonzepte jenseits des klassischen Nationalstaates.

Aus der Begründung der Beurteilung dieser Arbeit: "Die Arbeit stellt in doppelter Weise eine innovative Leistung dar: Zum einen wird die Governance-Forschung auf das Mittelalter übertragen und die Kirche nicht als Gegensatz, sondern als Ko-Produzent von Staatlichkeit gesehen (Regierung, Verwaltung, Rechts- und Bildungswesen). Zum anderen wird die gleiche Fragestellung auf das heutige Pakistan übertragen und mit den Ergebnissen zum Mittelalter verglichen. In formaler, sprachlicher und gedanklicher Hinsicht eine reife Leistung!"

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Staat, Staatlichkeit und Governance – eine kurze Begriffsklärung

3 Die katholische Kirche im Mittelalter als Ko-Produzent von Staatlichkeit

3.1 Mitwirkung der Kirche an der Regierung

3.2 Mitwirkung der Kirche an der Verwaltung

3.3 Mitwirkung der Kirche am Rechtswesen

3.4 Mitwirkung der Kirche am Bildungswesen

3.5 Mitwirkung der Kirche am Sozial- und Gesundheitswesen

4 Moderne Staaten und ihre religiösen Ko-Produzenten von Staatlichkeit am Beispiel Pakistans

4.1 Ist Pakistan ein Staat?

4.2 Geschichte Pakistans

4.3 Der Islam als Ko-Produzent von Staatlichkeit in Pakistan

5 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

6 Literaturverzeichnis

6.1 Monographien und Sammelbände

6.2 Aufsätze in Fachzeitschriften und Beiträge in Sammelbänden

6.3 Internetquellen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit religiöse Institutionen in historischen sowie zeitgenössischen „Räumen begrenzter Staatlichkeit“ als Akteure auftreten, die staatliche Funktionen übernehmen und somit als Ko-Produzenten von Staatlichkeit agieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sowohl die katholische Kirche des Mittelalters als auch der Islam im modernen Pakistan Governance-Aufgaben erfüllen und wie sich ihr jeweiliger Einfluss auf staatliche Strukturen legitimiert.

  • Rolle religiöser Institutionen bei der Ausübung staatlicher Funktionen (Governance).
  • Vergleichende Analyse zwischen dem mittelalterlichen Europa und dem modernen Pakistan.
  • Die katholische Kirche als Akteur in Regierung, Verwaltung, Rechts- und Sozialwesen im Mittelalter.
  • Die Rolle des Islams als Ko-Produzent von Staatlichkeit in der modernen Islamischen Republik Pakistan.
  • Herausforderungen und Spannungsfelder zwischen religiöser Legitimation und moderner Staatlichkeit.

Auszug aus dem Buch

3.3 Mitwirkung der Kirche am Rechtswesen

Für das Rechtsverständnis des mittelalterlichen Menschen spielte die Religion und somit die Kirche eine entscheidende Rolle. Im Frühmittelalter, nach dem Niedergang des römisch geprägten Rechtswesens, war diese Rolle eine indirekte, indem die Kirche Einfluss nahm auf das von Stammesrechten geprägte Rechtswesen und „elementare rechtliche Normen in einen religiösen Begründungskosmos rückte“47. Im Hoch- und Spätmittelalter gelang der Kirche dann eine Wiederbelebung römischer Rechtstraditionen und damit eine wesentlich direktere Einflussnahme auf die weitere Entwicklung gerade auch der weltlichen Gerichtsbarkeit.

Im Frühmittelalter ging die römisch geprägte Rechtskultur in vielen Teilen des ehemaligen Imperium Romanum zunehmend verloren. In weiten Bereichen des späteren Reichsgebietes überwogen durch germanisches Stammesrecht geprägte Rechtstraditionen. Als ‚Gericht‘ diente hier das Thing, die Versammlung der wehrkräftigen Männer unter wechselndem Vorsitz. Dieses wurde von den Streitparteien angerufen, oder es lud diese zur Teilnahme ein (und nicht etwa vor, denn die Teilnahme war freiwillig.) Ziel des Things war es, in einer Fehde zwischen den Streitparteien zu vermitteln. Das Thing konnte seine Entscheidungen nicht durchsetzen, ob die Streitparteien den Vorschlag zur Schlichtung (meist in der Form von Zahlung von ‚Wergeldern‘) annahmen, blieb ihnen überlassen.48

Das frühmittelalterliche Rechtssystem war also eher ein durch Ehrbegriffe und Konsenssuche geprägtes ‚Gewohnheitsrecht‘ statt ein ‚Gesetzesrecht‘.50 Die Verhandlungen vor einem Thing ließen daher einige Grundsätze vermissen, die ein modernes Gerichtsverfahren prägen. So galt das Prinzip: ‚Wo kein Kläger, da kein Richter!‘51 War der Geschädigte ums Leben gekommen und hatte keine Verwandten, die für ihn Klage führten, oder war der Prozessgegner zu mächtig, um eine Klage zu riskieren, durfte man nicht auf eine ‚staatliche Instanz‘ hoffen, die das Klagsrisiko übernehmen würde. In der Verhandlung ging es weniger um Tatsachenaufklärung und Wahrheitsfindung, sondern vielmehr um verletzte Ehre, Rache oder Buße und Friedenswiederherstellung.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob religiöse Institutionen als Ko-Produzenten von Staatlichkeit fungieren können, indem sie die historische Rolle der Kirche im Mittelalter mit der aktuellen Lage in Pakistan vergleicht.

2 Staat, Staatlichkeit und Governance – eine kurze Begriffsklärung: Dieses Kapitel klärt die theoretischen Grundlagen der Begriffe Staat und Governance, um eine methodische Basis für die Untersuchung der mittelalterlichen Verhältnisse zu schaffen.

3 Die katholische Kirche im Mittelalter als Ko-Produzent von Staatlichkeit: Die Untersuchung zeigt, wie die katholische Kirche in Bereichen wie Regierung, Verwaltung, Recht sowie Bildungs- und Sozialwesen zentrale staatliche Funktionen übernahm und damit die gesellschaftliche Ordnung des Mittelalters maßgeblich prägte.

4 Moderne Staaten und ihre religiösen Ko-Produzenten von Staatlichkeit am Beispiel Pakistans: Dieses Kapitel analysiert am Fallbeispiel Pakistan, wie der Islam heute in die politischen und gesellschaftlichen Prozesse eingebettet ist und welche parallelen Dynamiken zu vormodernen Staatskonzepten existieren.

5 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse werden synthetisiert, wobei Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der mittelalterlichen Kirche und dem Islam als Akteure in heutigen Räumen begrenzter Staatlichkeit kritisch gegenübergestellt werden.

6 Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen, Monographien und Internetquellen zur wissenschaftlichen Nachvollziehbarkeit gelistet.

Schlüsselwörter

Staatlichkeit, Governance, Mittelalter, Katholische Kirche, Pakistan, Islam, Rechtsprechung, Verwaltung, Bildungswesen, Sozialwesen, Governancekollektiv, Herrschaftslegitimation, Ko-Produzent, Institutionen, Religion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische und aktuelle Rolle religiöser Institutionen als Ko-Produzenten von Staatlichkeit. Dabei wird analysiert, wie Kirche und Islam in Räumen begrenzter Staatlichkeit staatliche Funktionen wie Regierung, Verwaltung und Rechtswesen mitgestalten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf den Governance-Funktionen der katholischen Kirche im europäischen Mittelalter und der Rolle des Islams im modernen Staat Pakistan.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu hinterfragen, inwieweit religiöse Akteure in unterschiedlichen historischen Epochen und geographischen Kontexten als notwendige oder prägende Faktoren für die Stabilität und Funktion von Staatlichkeit fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Untersuchung, die politikwissenschaftliche Governance-Konzepte auf historische mittelalterliche Strukturen anwendet und diese mit modernen Fallbeispielen aus Pakistan kontrastiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der katholischen Kirche im Mittelalter als Governance-Akteur sowie in eine Fallstudie zu Pakistan, welche die Rolle des Islams in Regierung, Verwaltung, Rechtswesen, Bildung und Sozialwesen untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Staatlichkeit, Governance, Ko-Produzent, Mittelalter, Pakistan, Islam, Herrschaftslegitimation und Institutionen.

Warum wurde Pakistan als Fallbeispiel gewählt?

Pakistan dient als Vergleichsobjekt, da es einerseits international als Nationalstaat anerkannt ist, andererseits aber deutliche Spannungsfelder zwischen demokratischer Verfassung, militärischem Einfluss und islamischer Staatslegitimation aufweist, die eine Governance-Analyse interessant machen.

Inwiefern hat die Kirche im Mittelalter zur Modernisierung beigetragen?

Laut der Arbeit war die Kirche ein Motor der Rechtsmodernisierung, da sie beispielsweise den Inquisitionsprozess einführte, der eine systematische Sachverhaltsaufklärung und Instanzenwege ermöglichte, die bis heute prägend sind.

Wie unterscheidet sich der Einfluss des Islams in Pakistan von der mittelalterlichen Kirche?

Ein wesentlicher Unterschied ist laut Autor, dass es im Islam keine vergleichbar einheitliche Institution wie die „Kirche“ gibt, was den direkten institutionellen Einfluss begrenzt, während in Pakistan zusätzlich das Militär eine zentrale Rolle bei der Machtausübung spielt.

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Résumé des informations

Titre
Kirche und Staat im Mittelalter und heute. Religiöse Institutionen als Ko-Produzenten von Staatlichkeit
Auteur
Martin Thomaschütz (Auteur)
Année de publication
2019
Pages
60
N° de catalogue
V449723
ISBN (ebook)
9783956877612
ISBN (Livre)
9783956877629
Langue
allemand
mots-clé
Governance Kirche im Mittelalter Regieren im Mittelalter Pakistan Islam Verwaltung im Mittelalter Rechtswesen im Mittelalter Bildungswesen im Mittelalter Sozialwesen im Mittelalter Governance-Forschung Regierung Verwaltung Rechtswesen Bildungswesen Sozialwesen Gesundheitswesen
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GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Martin Thomaschütz (Auteur), 2019, Kirche und Staat im Mittelalter und heute. Religiöse Institutionen als Ko-Produzenten von Staatlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449723
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