Einwanderung und ökonomische Integration von Einwanderern vor dem Hintergrund des demographischen Wandels

Kann der Fachkräftebedarf in Deutschland durch die Zuwanderung von hochqualifizierten Einwanderern gesichert werden?


Seminararbeit, 2014

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffsbestimmungen
1.1 Internationale Migration/ Migranten
1.2 Ökonomische Integration

2 Migrationsentwicklung und demographischer Wandel in Deutschland

3 Ökonomische Integration von hochqualifizierten Migranten
3.1 Zuwanderung als Humankapital
3.2 Gesetzliche Grundlagen
3.3 Migrationsmotive
3.4 Übertragbarkeit der Qualifikationen
3.5 Das Problem der Auswanderung

4 Volkswirtschaftlicher Nutzen der ökonomischen Integration
4.1 Arbeitsmarktbeteiligung von Migranten
4.2 Auswirkungen des Wanderungssaldos auf das Erwerbspersonenpotenzial

5 Arbeitsmarktgesteuerte Zuwanderung im internationalen Vergleich
5.1 Erfahrungen mit Punktesystemen in anderen Ländern
5.2 Handlungsmöglichkeiten für Deutschland

6 Diskussion

Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Projektion des Erwerbspersonenpotenzials

Abbildung 2 Qualifikation von Inlands- und Auslandsgeborenen (in %)

Abbildung 3: Verfahrensablauf im Drei-Säulen-Modell (IZA-Konzept)

Einleitung

„Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befindet sich Deutschland in einer historisch nie dagewesenen Situation. In einer Zeit, in der technischer Fortschritt und Globalisierung immer höhere Anforderungen an den Humankapitalbestand stellen, wird die Bevölkerung aufgrund der geringen Geburtenrate in den kommenden Dekaden erstmals aus natürlichen Gründen ohne die Einflüsse eines Krieges merklich sinken und aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung infolge des medizinischen Fortschritts altern“ (Berg, 2012: 70). Dieser Hintergrund stellt das Sozialsystem Deutschlands vor eine große Herausforderung und löst kontroverse Diskussionen in öffentlichen und politischen Rahmen aus. Immer wieder werden die Themen des demographischen Wandels und die Migrationspolitik auf die Tagesordnung von Politikern und Wissenschaftlern geschrieben und appelliert, dass sofortiger Handlungsbedarf besteht.

Vor diesem Hintergrund soll in der vorliegenden Arbeit durch die Auswertung der Fachliteratur der Frage nachgegangen werden, ob dem Fachkräftemangel in Deutschland durch die ökonomische Integration von hochqualifizierten Migranten entgegen gewirkt werden kann. Zur Beantwortung der Fragestellung wird zunächst eine einleitende Begriffsbestimmung vorangestellt. Im nächsten Abschnitt erfolgt eine kurze Herausarbeitung der Migrationsentwicklung in Deutschland im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel. Daraus ergibt sich die Untersuchung der Fachkräftesituation. Darauf aufbauend wird im nächsten Abschnitt näher auf die ökonomische Integration von hochqualifizierten Migranten unter den Gesichtspunkten des Humankapitals, gesetzlicher Rahmenbedingungen, Migrationsmotive, Übertragbarkeit der Qualifizierungen und das Problem der Auswanderung eingegangen. Folgend werden ausgewählte Aspekte aus gesamtwirtschaftlicher Sicht in Bezug auf den Arbeitsmarkt erarbeitet. Dabei wird der Schwerpunkt auf die Auswirkungen des Auswanderungssaldos auf das Erwerbspersonenpotenzials gelegt. Anschließend erfolgt eine arbeitsmarktgesteuerte Zuwanderung im internationalen Vergleich. Zunächst werden Zuwanderungssysteme anderer Länder in ihren wesentlichen Grundzügen dargestellt und davon ausgehend Handlungsoptionen für Deutschland abgeleitet. Darauf folgt die Diskussion der erarbeiteten Inhalte der vorliegenden Arbeit. Die Arbeit wird mit dem Ausblick abgeschlossen.

1 Begriffsbestimmungen

Nachfolgende soll eine grobe Definition der Begrifflichkeiten der Migration und ökonomischen Integration zur Einführung des Lesers in die Thematik vorgenommen werden.

1.1 Internationale Migration/ Migranten

Migration ist ein Prozess, der sich auf der ganzen Welt abspielt. Es gibt kein Land ohne Ein- und Auswanderung. Schätzungsweise gibt es über 150 Millionen Menschen, die ihre Heimat verlassen um sich in einem anderen Land niederzulassen und dort ihren Lebensmittelpunkt weiterführen (vgl. Angenedt, 2005). Von Migration wird gesprochen, wenn eine Person seinen Lebensmittelpunkt räumlich verlässt. Internationale Migration bedeutet, dass dies über Staatsgrenzen hinweg passiert. Die Vereinten Nationen empfehlen von Migration zu sprechen, wenn die Person für mindestens ein Jahr auswandert. Die Migration lässt sich zunächst grob aber nicht trennscharf in die freiwillige und die unfreiwillige Migration abgrenzen. Zur freiwilligen Migration gehören die Arbeitsmigranten und Migranten, die im Rahmen des Familiennachzugs ausgewandert sind. Zu den Arbeitsmigranten gehören Gering- und Hochqualifizierte Migranten. „Die Migration der Hochqualifizierten und Fachkräfte, die auch die studentische Migration umfasst, hat durch die Globalisierung zwar seit Beginn der 90er Jahre zugenommen, macht aber nur 10-20% der weltweiten Migrationsbewegung aus“ (Schicklinski, 2009:27). Zu der nicht freiwilligen Migration gehören zum Beispiel Flüchtlinge, welche je nach Migrationshintergrund wie beispielsweise Krieg, Armut oder Umweltkatastrophen eingestuft werden und sich einander bedingen können. Die nicht freiwilligen Migranten und weitere Ausprägungen von Migrationsformen wie beispielsweise Kinder von Migranten die auch oft unter die Kategorie von Menschen mit Migrationshintergrund fallen obwohl sie im Aufnahmeland geboren und aufgewachsen sind spiele für die vorliegende Arbeit eine nachgeordnete Rolle, sodass an dieser Stelle auf weitere Ausführungen verzichtet wird.

1.2 Ökonomische Integration

Integration von Zuwanderern und ihren Kindern in die Aufnahmegesellschaft stellt eine wesentliche Herausforderung und notwendige Bedingung für das Funktionieren des sozialen Zusammenlebens im Aufnahmeland dar. Außerdem befähigt die Integration in die Aufnahmegesellschaft die Migranten zu einer selbstbestimmte Lebensweise und gibt ihnen die Chance, sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen. Dabei lässt sich die Integration in die soziale und die ökonomische Integration aufspalten. Unter ökonomischer Integration wird in dieser Arbeit die Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt verstanden. Der Aspekt der sozialen Integration wird nebensächlich behandelt.

2 Migrationsentwicklung und demographischer Wandel in Deutschland

Deutschland ist mit der zentralen Lage in Europa schon seit dem 17. Jahrhundert von Migration betroffen. Während in dem 19. und 20. Jahrhundert mehrere Millionen Deutsche in die USA auswanderten, kamen zur Zeit der Industrialisierung hunderttausende von Menschen polnischer Herkunft nach Deutschland. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg fand in den Jahren 1944-1950 Migration statt, die vor allem durch die Rückkehr von Vertriebenen und Flüchtlingen aus Ostdeutschland gekennzeichnet war. In der Zeit von 1945-1961 wanderten bis zum Bau der Mauer mehr als 3,1 Millionen Flüchtlinge und Übersiedler aus der DDR in die Bundesrepublik ein und etwa 470.000 Menschen wanderten aus dem Westen in den Osten. Eine weitere Phase der Migration, stellt die Arbeitsmigration dar, welche 1961 begann und insbesondere bis 1974 stark anhielt. In dieser Zeit wurden sehr stark Arbeitskräfte aus anderen Ländern angeworben, da ein hoher Bedarf an Arbeitskräften existierte. Angeworben wurden Arbeitskräfte aus Italien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien. Die Gemeinsamkeit dieser Arbeitsmigranten lag darin, dass sie ungebildete Arbeitskräfte waren. So wurde in Deutschland bereits eine temporäre, arbeitsmarktgesteuerte Zuwanderung mit dem Ziel gering qualifizierte Arbeitskräfte zu attrahieren in der Vergangenheit bereits praktiziert (vgl. Zimmermann et al., 2005:206). In dieser Zeit stieg die Anzahl der Ausländer auf ca. 3,5 Mio. Menschen. Das Anwerben von Migranten wurde in dem Jahr 1973 unterbrochen, dennoch wanderten viele Migranten insbesondere im Rahmen des Familiennachzugs in Deutschland ein, sodass die Zahl an Ausländern in Deutschland im Jahr 1989 auf 4,85 Mio. Menschen angestiegen ist. In den Jahren 1983 und 1984 wurde sogar ein Rückkehrhilfegesetz verabschiedet und Rückkehrförderung bereitgestellt. In den darauffolgenden Jahren wurde Deutschland für Asylsuchende eine hoffnungsvolle Möglichkeit Zuflucht zu finden, sodass verstärkt Asylanten und auch Spätaussiedler in das Land einwanderten, welches die Zahl der Ausländer bis 1988 auf 6,7 Mio. Menschen ansteigen ließ. Im Jahr 2002 lag die Ausländerzahl dann bei über 7,3 Mio. Menschen. Heute leben rund 18 Mio. Migranten in Deutschland. Dazu werden auch Migrantenkinder gezählt. Anhand der Zahlen in Millionenhöhe lässt sich vermuten, dass die Migrationsbewegungen einen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Bevölkerung haben. „Betrachtet man für den Zeitraum 1992 bis 1999 allein die natürliche Bevölkerungsentwicklung (Geburten-Sterbefälle), so wäre die Einwohnerzahl in Deutschland um rund 700.000 gesunken.“ (Dresel, 2005:105). Allein aus dem Grund der rückläufigen Geburtenzahlen ist ein gewisses Maß der Einwanderung zur Gegensteuerung nötig, sodass Deutschland die Gesamtbevölkerung ohne Zuwanderung nicht konstant halten könnte (vgl. Dresel, 2005:103ff). Der Ausgleich der Gesamtbevölkerung ist insbesondere im Hinblick auf die sozialstaatliche Organisation Deutschlands von existenzieller Bedeutung. Die Bevölkerungsentwicklung mit abnehmender Geburtenraten und zunehmender Vergreisung stellt Deutschland vor eine gesellschaftliche Krise, dessen Auswirkungen auf den Sozialstaat und dessen Funktionalität als immens angesehen wird (Lipinski et al. 2006:14). Ausgeweitet auf die EU, wird in den kommenden Jahrzenten mit einem Rückgang von 60 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 65 Jahren gerechnet. Dies würde in Bezug auf die Generierung von hochqualifizierten Fachkräften aus dem Ausland bedeuten, dass Deutschland mit anderen Ländern in Konkurrenz um jene genannten Zuwanderer stehen würde. Schlussfolgernd entsteht das Problem, dass die Personen die in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden, heute bereits geboren sein müssten. „Das statistische Bundesamt schätzt, dass im Jahr 2050 in Deutschland nur noch 69 bis 74 Mio. Menschen gegenüber heute 82,5 Mio. Menschen leben werden. Dieser Rückgang wird mit einer starken Veränderung der Altersstruktur einhergehen: Im Durchschnitt müssten dann 100 Erwerbsfähige im Alter von 20 bis 65 Jahren für die Versorgung von 60 bis 64 Rentnern aufkommen, heute sind es 32 Renter.“ (Bormann, 2007:127). Dies würde sich negativ auf das System des Sozialstaates auswirken. Demzufolge bedeutet der demographische Wandel, dass im Rahmen des umlagefinanzierten Sozialsystems es zu geringeren Beitragseinnahmen auf der einen Seite und höheren Leistungsausgaben auf der anderen Seite kommen wird, sodass Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungen vor immense Herausforderungen gestellt werden. In diesem Zusammenhang ist die Sicherung der Einnahmen durch die Erwerbspersonen von großer Bedeutung damit Deutschland keine Schulden zur Kapitaldeckung der Rentenkassen aufnehmen muss. Während zum einen Fachkräfte gebraucht werden die durch die Wirkung des demographischen Wandels ersetzt werden müssen, werden zum anderen Fachkräfte gebraucht weil die Arbeitsnachfrage eine strukturelle Veränderung erfährt (Dresel…). Im folgenden Abschnitt soll auf die Thematik des Fachkräftemangels näher eingegangen werden.

2.1 Fachkräftemangel in Deutschland

Die Frage ob Fachkräftemangel in Deutschland besteht wird in der öffentlichen Diskussion kontrovers diskutiert. Dabei ist eine Begriffsabgrenzung zur Annäherung an die Begrifflichkeit des Bedarfs unabdingbar. Mit Fachkräften sind in Deutschland Personen gemeint, die über eine akademische Ausbildung oder auch teilweise über eine Berufsausbildung verfügen. So geht es bei Fachkräften um Personen, die ein gebündeltes Qualifikationsniveau aufweisen. Im Gegensatz hierzu wird von einem Arbeitskräftemangel gesprochen, wenn es unabhängig von Qualifikation und Einsatzgebiet einen Mangel an aktiven Erwerbspersonen gibt. Von Personalmangel spricht man lediglich dann, wenn es Mangel an Arbeitskräften innerhalb eines Unternehmens gibt, obwohl dies nicht an einem aktuellen Arbeitskräfte- oder Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt liegt. Gerade diese Differenzierung der genannten Begriffe erschwert aufgrund des hohen Verwechslungspotenzials die Entwicklung von Indikatoren für einen tatsächlichen Mangel. Auch „eine hohe Zahl offener Stellen spiegelt nicht unbedingt Arbeits- oder Fachkräfteknappheit wider, sondern kann ebenso ein Indikator schlechter Arbeitsbedingungen sein.“ (Bosch, 2011:584). Demnach können Unternehmen Schwierigkeiten bei der Personalsuche haben, wenn sie bei verbesserter wirtschaftlicher Gesamtsituation Arbeitsbedingungen wie in Krisenzeiten anbieten und ihre Geschäftsmodelle nicht an den Aufschwung anpassen. Aus makroökonomischer Perspektive könnte ein Mangel an Fachkräften liegen, sofern die Löhne steigen. Aktuell sind jedoch keine überdurchschnittlichen Lohnerhöhungen für Fachkräfte zu verzeichnen. Während in der kurzen Frist lediglich einzelne Bereiche von dem Fachkräftemangel betroffen sind, stellt der zukünftige Mangel, der durch den demographischen Wandel ausgelöst auf langfristiger Perspektive eine Herausforderung für Deutschland dar. Der zukünftige Fachkräftebedarf auf dem Gesundheitsmarkt stellt dabei im gesundheitsökonomischen Kontext eine wesentliche Herausforderung dar. Ähnlich wie in anderen Bereichen auch, müssen beispielsweise in Pension gehende Ärzte durch Nachwuchs ersetz werden. Aufgrund des demographischen Wandels und der konstant bleibenden Zahl der Aufnahme eines Medizinstudiums wird es in Zukunft zu einem Mangel an Ärzten kommen. Im Gegensatz zu anderen Bereichen schlägt sich ein solcher Mangel jedoch stärker auf die Bevölkerung aus, da die alternde Gesellschaft zunehmend Zugang zu medizinischen Leistungsanbietern benötigen wird, sodass die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen steigen wird. Ein ähnlicher Bedarf besteht an Pflegekräften , sodass Fachkräfte aus dem Ausland benötigt werden (vgl. Yamamura, 2009:197f).

Weiterhin lässt sich aufgrund der Strukturänderungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt voraussagen, dass in Zukunft weniger unausgebildete Arbeitskräfte und mehr qualifizierte Fachkräfte benötigt werden. So werden beispielsweise bis 2020 1,3 Mio. Menschen über der erwarteten Nachfrage an unausgebildeten Kräften liegen, sofern keine bildungspolitischen Veränderungen eingeleitet werden. Zusätzlich wird erwartet, dass einige Ausbildungsberufe durch die Bachelor-Abschlüsse der Hochschulabsolventen verdrängt werden. Für die bisher am Arbeitsmarkt tätigen Fachkräfte muss bereits jetzt Nachwuchs gefördert werden um die in Rente gehenden Kräfte zu ersetzen. Bis zum Jahr 2020 werden 27 % aller Fachkräfte aufgrund der Pensionierung ersetzt werden. Dies entspricht einer absoluten Zahl von etwa 1,8 Mio. Menschen.

3 Ökonomische Integration von hochqualifizierten Migranten

Im folgenden Abschnitt soll die ökonomische Integration von hochqualifizierten Migranten unter der Betrachtung verschiedener Kriterien erarbeitet werden.

3.1 Zuwanderung als Humankapital

Aus dem vorangehenden Kapitel lässt sich die logische Schlussfolgerung ziehen, dass es in Zukunft einen hohen Bedarf an Fachkräften geben wird sofern keine Maßnahmen zur Gegensteuerung eingeleitet werden. Wie bereits erwähnt unterliegt der deutsche Arbeitsmarkt neben den Auswirkungen des demographischen Wandels einer strukturellen Veränderung, welche diesen Bedarf verstärken werden. Diese Entwicklung lässt erwarten, dass eine Abnahme des Erwerbspersonenpotenzials resultiert, sodass die Generierung von Humankapital notwendig ist. Neben der Ausschöpfung des inländischen Potenzials wie beispielsweise die Steigerung der Geburtenrate, die Steigerung der Frauenerwerbsquote, die Erhöhung des Renteneintrittsalter oder die Reduktion der Arbeitslosenquote wird eine weitere Möglichkeit in der Zuwanderung von hochqualifizierten Fachkräften als eine Möglichkeit zum Aufbau eines Humankapitalbestandes angesehen. Als allgemeine Besonderheit lässt sich für hochqualifizierte Migranten die besonders hohe Leistungsorientierung und hohe Motivation kennzeichnen. Auch können Migranten im Gegensatz zu Einheimischen als risikofreudiger angesehen werden und stellen ein besonderes Potenzial für deutsche Unternehmen dar. So sind etwa 20 % der russischen und türkischen Einwanderer hochqualifiziert. Zusätzlich zu den Kenntnissen der Landessprache kann eine Anstellung von russischen und türkischen Migranten einen Wettbewerbsvorteil beim Eintritt in die jeweiligen Märkte für deutsche Unternehmen darstellen und den Aufbau von Kooperationen erleichtern (Koppel/ Plünnecke, 2009:56f). Im Rahmen des Aufbaus und der Aufrechterhaltung des Humankapitalbestandes spielt die Abwanderung eine zentrale Rolle. Durch die Abwanderung von in Deutschland ausgebildeten Ärzten geht zum Beispiel wichtiges Humankapital verloren, das in Deutschland zwar produziert wurde, aber nicht genutzt werden konnte. Im Fall der Abwanderung von Ärzten ist zusätzlich eine hohe Kostenbelastung jeder Abwanderung auf die Gesellschaft zu erwähnen, denn die Finanzierung eines Medizinstudiums beläuft sich auf eine Summe von rund 300.000 €, die von den Steuerzahlern aufgebracht wird. An dieser Stelle werden weitere Aspekte der Abwanderung in einem späteren Abschnitt behandelt.

3.2 Gesetzliche Grundlagen

Für Einwanderer gab und gibt es in Deutschland eine Menge von rechtlichen Aufenthaltstiteln. Mit dem Zuwanderungsgesetz aus dem Jahr 2005 wurden der „Status der Aufenthaltsbefugnis, der Aufenthaltsbewilligung, der (un-) befristeten Aufenthaltserlaubnis und der Aufenthaltsberechtigung“ (Weiß et al. 2010:21) zur Aufenthalts- und Niederlassungserlaubnis zusammengefasst. Trotzdem existieren in der genaueren Betrachtung jedoch weiterhin differenzierte Bedingungen für die Zugangsberechtigungen zum Arbeitsmarkt. Mit dem Zuwanderungsgesetz wurden in Deutschland erstmals die Weichen für eine gesteuerte Zuwanderungspolitik für Hochqualifizierte gestellt. Nach dem neuen Zuwanderungsgesetz gemäß §19 erhalten hochqualifizierte Migranten wie Wissenschaftler und Fachspezialisten mit besonderen Berufserfahrungen eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis wenn sie ein Einkommen von mindestens der doppelten Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung nachweisen. Dies wurde in dem Jahr 2009 verabschiedet. Zuvor war die Bedingung, dass mindestens ein Einkommen nachgewiesen werden muss, dass mindestens der doppelten Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Durch die Änderung wurde das nachzuweisende Einkommen um etwa 25 % gesenkt. Für Personen, die im Rahmen eines Personalaustausches im internationalen Konzernen nach Deutschland geschickt werden, bestehen Sonderregelungen wie die Anwerbestoppausnahmeverordnung in §4 Abs. 7 und die Beschäftigungsverordnung nach §31, sodass diese Personen für zwei oder drei Jahre unter vereinfachten Bedingungen einreisen und arbeiten können. Des Weiteren bekommen Selbstständige Personen zunächst eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis wenn sie ein ökonomisches Interesse mit ihrer Einwanderung bekunden können, wobei die Person nicht älter als 45 Jahre alt sein darf und ein Investitionsvorhaben von einer Million € vorhat und bzw. oder 10 Personen beschäftigen wird. Mit Ablauf der drei Jahre erhalten diese Personen dann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Zu den Selbstständigen Personen gehören unter anderem Ärzte, Architekte oder Rechtsanwälte. „Von Januar 2005 bis zum 31. Dezember 2006 erhielten insgesamt lediglich 1123 hochqualifizierte Ausländer eine Niederlassungserlaubnis in Deutschland“ (Koppel/ Plünnecke, 2009:48). Für Akademiker und gering qualifizierte, die die Kriterien innerhalb des Zuwanderungsgesetzes nicht erfüllen herrscht weiterhin Anwerbestopp. Um den hochqualifizierten Zuwanderern die Einwanderung zu erleichtern und den so genannten ‚brain waste‘ zu entgehen, sollten die Bedingungen zum Zugang in den deutschen Arbeitsmarkt aufgelockert werden. So lässt sich beispielsweise im Ingenieursbereich eine Auswanderung von bildungsausländischen Hochschulabsolventen verzeichnen, die Deutschland unmittelbar nach dem Abschluss ihres Studiums verlassen. Zu erwähnen ist, dass jene Absolventen eine Frist von einem Jahr bekommen eine Arbeitsstelle in Deutschland zu finden. Die Bedingung ist hierbei jedoch, dass das Vorrangprinzip gilt. D.h., dass für die Stelle qualifizierte Deutsche und Bewerber aus der EU bevorzugt behandelt werden. Vor allem angesichts der rund 4 Mio. Arbeitslosen in Deutschland, die die Stellen faktisch besetzen könnten, stellt das Vorrangprinzip eine zentrale Hürde für die Einwanderung dar. Dies ist ein beachtlicher Verlust an Erwerbspersonenpotenzial, vor allem vor dem Hintergrund, dass in den Jahren von 2000 bis 2009 ein Anstieg von Bildungsausländern gemessen wurde, welche zu einem großen Anteil aus China, der Türkei und weiteren nicht EU-Staaten stammten. Dabei sind gerade diese Bildungsausländer besonders einfach in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, da sie bereits qualifizierte Studieninhalte aufweisen, die den Arbeitgebern gute Voraussetzungen für eine Beschäftigung geben und die deutschen Sprachkenntnisse schon umfassend sind Gleichzeitig ist auf langfristiger Sicht ein überdurchschnittlicher Anstieg der Aufnahme eines Studiums von Bildungsinländern mit der Ausnahme der doppelten Jahrgänge durch die Einführung des Abiturs nach dem 12. Schuljahr nicht zu erwarten, sodass der Verzicht auf jene genannte Bildungsausländer an dieser Stelle überdacht werden sollte (vgl. Koppel, 2011:592).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Einwanderung und ökonomische Integration von Einwanderern vor dem Hintergrund des demographischen Wandels
Untertitel
Kann der Fachkräftebedarf in Deutschland durch die Zuwanderung von hochqualifizierten Einwanderern gesichert werden?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V449730
ISBN (eBook)
9783668834439
ISBN (Buch)
9783668834446
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einwanderung, integration, einwanderern, hintergrund, wandels, kann, fachkräftebedarf, deutschland, zuwanderung
Arbeit zitieren
Fatma Özsari (Autor), 2014, Einwanderung und ökonomische Integration von Einwanderern vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449730

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