Migration ist ein Prozess, der sich auf der ganzen Welt abspielt. Es gibt kein Land ohne Ein- und Auswanderung. Schätzungsweise gibt es über 150 Millionen Menschen, die ihre Heimat verlassen um sich in einem anderen Land niederzulassen und dort ihren Lebensmittelpunkt weiterführen. Durch zunehmende Globalisierung hat auch die Migration zugenommen, sodass sie mit Hilfe der Mobilisierung auch in Zukunft anhalten wird. Die Zahl der Einwanderer aus ärmeren Ländern nimmt in den Europäischen Staaten zu und führt zu einer Vervielfachung verschiedener ethnischer Zugehörigkeiten innerhalb der europäischen Großstädte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat Deutschland eine Bevölkerungszahl von ca. 82 Millionen Menschen, darunter beträgt der Anteil der ausländischen Staatsangehörigkeit ca. 7 Millionen.
Den größten Anteil an der ausländischen Bevölkerung machen Migranten aus der Türkei mit ca. 1,7 Millionen aus, gefolgt von rund 500 000 italienischen und rund 385 000 polnischen Migranten. Insgesamt leben in Deutschland etwa 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Prognostische Faktoren sagen aus, dass die Anzahl an Ausländern in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten steigen wird. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Deutschland zu einem Einwanderungsland entwickelt, doch diese Tatsache blieb lange ignoriert, sodass Integrationsarbeiten keine größere Aufmerksamkeit geschenkt wurden, obwohl es schon länger bekannt war, dass die >Ausländer< bereits zu >Inländern< wurden. Zurückzuführen ist dies auf die benachteiligten Lebenssituationen der Migranten. Auch der Themenbereich Migration und Gesundheit wurde zunächst unterschätzt, da man von Migranten, vor allem in den Gastarbeiterländern, ein junges, gesundes Bild hatte.
In meiner Hausarbeit möchte ich in diesem Zusammenhang über die Auswertung der Fachliteratur den Gesundheitszustand bei Migranten im Allgemeinen, speziell bei Frauen, bei Migranten- und Flüchtlingskindern darstellen. Zudem weise ich auf die Barrieren hin, die zur schlechteren gesundheitlichen Versorgung der Migranten zu verantwortlich machen sind und gehe der Frage nach „Inwiefern ist es sinnvoll, Dolmetscher bei Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den medizinischen Versorgern und nichtdeutschsprachigen Migranten einzusetzen?“ Hieraus ergeben sich je nach Beantwortung der Fragestellung wichtige Aufgaben für die weitere Forschung und die Förderung einer Gesundheitsversorgung die auf die Bedürfnisse der Migranten abgestimmt ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesundheitlicher Zustand
2.1 Migranten allgemein
2.2 Frauen
2.3 Kinder mit Migrationshintergrund
2.4 Flüchtlingskinder
3 Zugang zu gesundheitlichen Versorgungseinrichtungen
4 Überbrückung von Sprachbarrieren durch Dolmetscher
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die gesundheitliche Situation von Migranten in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Kommunikationsbarrieren. Ziel ist es, die Notwendigkeit und den Nutzen von professionellen Dolmetschern in der medizinischen Versorgung zu analysieren, um eine qualitativ hochwertige Diagnosestellung und Patientenversorgung zu gewährleisten.
- Gesundheitszustand von Migranten, Frauen und Kindern
- Barrieren beim Zugang zu medizinischen Versorgungseinrichtungen
- Rolle der Sprache und interkulturelle Aspekte in der Patienten-Arzt-Interaktion
- Risiken durch informelle Übersetzungshilfen und Sprachdefizite
- Bedeutung von fachlich ausgebildeten medizinischen Dolmetschern
Auszug aus dem Buch
4 Überbrückung von Sprachbarrieren durch Dolmetscher
Wie wichtig es ist eine Kommunikation zwischen dem Patienten und dem Versorger herzustellen ist nicht zu bestreiten. Zu der primären Zugangsbarriere zum Gesundheitswesen bei Migranten gehören die Kommunikationsprobleme zwischen Patienten und dem Personal der Gesundheitseinrichtung. In diesem Abschnitt möchte ich hauptsächlich auf die Kommunikationsschwierigkeiten aufgrund von Sprachbarrieren näher eingehen. Mehrsprachige zielgruppenorientierte Broschüren und Informationen haben bereits gezeigt, dass die kommunikative Kompetenz deutlich verbessert wird (vgl. Fischer 2005:125). Allerdings ist dies in der Patienten-Arzt- Interaktion nicht ausreichend. Damit der Arzt eine Diagnose des geschilderten Erkrankungsverlaufs stellen kann, müssen Informationen über den Gesundheitsstand ausgetauscht „Vertrauen aufgebaut und Verständnis geschaffen“ werden.
„Kommunikationsstörungen dagegen können die Diagnosestellung verkomplizieren, notwendige Behandlungen verhindern oder unnötige medizinische Maßnahmen einleiten und damit die Effizienz einer Behandlung und die Patientenzufriedenheit maßgeblich beeinträchtigen“ (Borde et al. 2000:121). Hier entwickelt sich ein Bedarf an Dolmetschern. Patienten die über eine geringe Sprachkompetenz verfügen, nutzen sehr häufig ihre Familienangehörigen als Übersetzer oder nehmen die sogenannten Zufallsdolmetscher wahr. Zufallsdolmetscher birgen aber die Gefahr in sich, die Informationsvermittlung zwischen dem Arzt und dem Patienten nicht ordnungsgerecht aufgrund von unzureichender medizinischer Kenntnisse und Zusammenhänge zu vermitteln.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Migration und deren Einfluss auf die gesundheitliche Lage ein und stellt die zentrale Fragestellung nach der Bedeutung von Dolmetschern für die medizinische Versorgung.
2 Gesundheitlicher Zustand: Dieses Kapitel analysiert die gesundheitlichen Risiken und Belastungen von Migranten, wobei spezifisch auf Frauen, Kinder mit Migrationshintergrund und Flüchtlingskinder eingegangen wird.
3 Zugang zu gesundheitlichen Versorgungseinrichtungen: Hier werden die strukturellen, sprachlichen und kulturellen Barrieren untersucht, die den Zugang von Migranten zum deutschen Gesundheitssystem erschweren.
4 Überbrückung von Sprachbarrieren durch Dolmetscher: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit professioneller Dolmetscherdienste und vergleicht diese mit den Risiken informeller Übersetzungen durch Angehörige.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass der Einsatz medizinisch ausgebildeter Dolmetscher essenziell für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung ist.
Schlüsselwörter
Migration, Gesundheit, Migranten, Sprachbarrieren, Dolmetscher, Gesundheitswesen, medizinische Versorgung, interkulturelle Kommunikation, Patienten-Arzt-Interaktion, psychosomatische Erkrankungen, Integration, soziale Benachteiligung, Flüchtlingskinder, Frauengesundheit, Diagnosestellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den gesundheitlichen Herausforderungen von Migranten in Deutschland und der Rolle von Sprachbarrieren im medizinischen Versorgungskontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den Gesundheitszustand spezifischer Migrantengruppen, Zugangsbarrieren zu medizinischen Einrichtungen sowie die Bedeutung professioneller Sprachvermittlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von medizinisch ausgebildeten Dolmetschern bei Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Versorgern und Patienten zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung und Analyse der vorliegenden gesundheitswissenschaftlichen und soziologischen Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Gesundheitszustandes verschiedener Migrantengruppen, die Analyse von Zugangsbarrieren und die Diskussion über die Überbrückung von Sprachbarrieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Migration, Gesundheit, Dolmetscherdienste, Sprachbarrieren sowie die medizinische Versorgung von Risikogruppen.
Warum sind Angehörige als Übersetzer problematisch?
Zufallsdolmetscher oder Familienangehörige verfügen oft nicht über das notwendige medizinische Fachwissen und können durch kulturelle Schamgrenzen die Kommunikation verfälschen.
Welche besondere Rolle spielt die Gynäkologie bei Migrantinnen?
Aufgrund kultureller Tabus und der Geschlechtssegregation stellt der Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe eine besondere Herausforderung für die ärztliche Versorgung dar.
Warum ist die Integration für die Gesundheit entscheidend?
Eine effektive Integration ist die Voraussetzung dafür, dass Migranten bestehende Versorgungsstrukturen besser kennen, nutzen und soziale Benachteiligungen abbauen können.
- Citation du texte
- Fatma Özsari (Auteur), 2008, Migration und Gesundheit. Der Einsatz von Dolmetschern bei sprachbedingten Kommunikationsbarrieren zwischen medizinischen Versorgern und nichtdeutschsprachigen Migranten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449733