Reflexion über die Umsetzung des Programms "Ich schaff's" in der Klassenstufe 1


Hausarbeit, 2018

43 Seiten


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Theoretische Hintergründe und Begriffe
1.1 Emotional-soziale Entwicklung
1.2 Verhaltensbeeinträchtigung
1.3 Lösungsorientierung
1.4 Vorstellung des Programms ״Ich schaff's“

2 Vorüberlegungen
2.1 Eigene Voraussetzungen für die Arbeit mit dem Programm
2.2 Vorstellung der Schule
2.3 Vorstellung der Klasse
2.4 Vorstellung der Schüler
2.5 Elternarbeit

3 Erfahrungsbasierte Reflexion über die Arbeit mit dem Programm
3.1 Vorbereitung, Einführung
3.2 Eingehaltenen Erwartungen und Abweichungen im Verlauf
3.3 Ausblick

Fazit

Literatur

Anhang

a KMK: Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung

b Die 15 Schritte des Programms ״Ich schaff's“

c Leitgedanken Singer

d Pädagogischer Förderplan Tom

e Toms Trainingsbuch

f Mucksmäuschen und Esli

g Ninja Kai

h Konzentrationshilfe

i Poster ״Ich schaff's“ XVIIEinleitung

Einleitung

Wir befinden uns im Sitzkreis: Die Klassenlehrerin, 1 Schüler und Schülerinnen der ersten Klasse und ich. Es ist mein erster Tag als Lehramtsanwärterin in dieser Klasse. Es läuft entspannende Musik. Die Atmosphäre ist angenehm. Jeder stellt sich nacheinander vor. Doch bei einem Schüler stoppt das Gespräch. Bis zu diesem Zeitpunkt war er mir als aufgeschlossenes, freundliches Kind aufgefallen. Doch jetzt ist er stumm. Er schüttelt immer wieder den Kopf und murmelt, dass er nicht will. Er verschränkt die Arme, steht auf und verlässt den Klassenraum.

Diese Situation ist meine erste Begegnung mit Tom1. Seine Klassenlehrerin meint, er habe immer wieder Probleme, sich am Unterricht zu beteiligen und sich an Regeln zu halten. Außerdem habe er ein stark negatives Selbstbild. In den folgenden Tagen und Wochen kann ich das selbst beobachten. Einige Zeit später besuche ich ein Seminar zum Thema Unterrichtsstörungen. Dort wird mir das Programm ״Ich schaff's“ vorgestellt. Sofort bin ich begeistert von dem Ansatz, eine Lösung zu finden. Denn wie oft sucht man nach Ursachen und am Ende findet man die sogenannte ״Nadel im Heuhaufen“ nicht. Somit ist es naheliegend, lösungsorientiert vorzugehen. Ebenso wird das Programm beschrieben. Ich finde toll, wie intensiv man mit dem Kind dabei arbeitet und wie aktiv das Kind selbst werden kann. Die 15 Schritte des Programms, die im Folgenden noch näher erläutert werden, sind leicht zu verstehen und eignen sich für die verschiedensten Arten von Problemen und Ängsten, die ein Kind oder Jugendlicher haben kann. Denn die Schwäche wird in diesem Fall in eine stärke gewandelt, das Problem wird zu einer positiven Fähigkeit. Ich möchte mich näher mit ״Ich schaff's“ auseinandsetzen, um Tom und einem weiteren Schüler der selben Klasse wirklich nachhaltig helfen zu können. Mir geht es darum, ein positives Denken zu schaffen und ein realistisches Selbstbild zu ermöglichen. Den Kindern soll auf ihrem Schul-, Arbeits­und Lebensweg geholfen werden, damit sie langfristig als gefestigte Persönlichkeit agieren und sich in Gemeinschaften einfügen können.

Durch die Initiierung eines sozialen und emotionalen Lernprozesses bei den beiden Schülern sollen Selbstbewusstsein und stärken erarbeitet und gefördert werden. Dadurch bewegt sich diese Arbeit vorwiegend im Handlungsfeld 4: ״Lernen, Entwicklung und Sozialisation“. Fragen, die sich stellen, sind: Wie kann ich de individuellen Lernstände der Schüler und Schülerinnen2 ermitteln? - Welche Möglichkeiten der individuellen Förderung kann ich nutzen? Hier geht es vor allem um die Probleme im Verhalten und der Selbst- und Sozialkompetenzen allgemein und weniger um die fachspezifischen Sach- und Methodenkompetenzen der Schüler. Weiterhin stellt sich die Frage, welche entwicklungsspezifischen Besonderheiten beachtet werden müssen. Außerdem gilt es, das Sozialverhalten und die Sozialisation der Schüler in Betracht zu ziehen, denn nur so können die sich daraus ergebenden Probleme bearbeitet werden. (Vgl. Lehramt an Grundschulen s. 4) Die Handlungssituationen sind allerdings sehr komplex und vernetzt mit anderen Handlungsfeldern. Beispielsweise werden den Schülern Werte und Normen vermittelt. Außerdem ist das Begreifen der Klasse als heterogene Lerngruppe eine Voraussetzung für die Auswahl des Programms und das Verstehen der Handlungsnotwendigkeit bei den Schülern mit Problemen. Dieses lässt sich dem Handlungsfeld 1 zuordnen. (Vgl. ebenda s. 1)

Mit dieser erfahrungsbasierten Reflexion möchte ich zeigen, wie ich mit dem Programm gearbeitet habe und wie die Kinder darauf reagierten. Zunächst werde ich die theoretischen Hintergründe dieser Arbeit erläutern. Es geht um wichtige Begriffe wie emotional-soziale Entwicklung, Verhaltensbeeinträchtigung und Lösungsorientierung sowie um die Vorstellung des Programms ״Ich schaff's“. Daraufhin werde ich Vorüberlegungen,, wie die eigenen Voraussetzungen, die Vorstellung der Schule, der Klasse und der beiden Schüler, sowie die Arbeit mit den Eltern erläutern. Es folgt die Reflexion über die Arbeit mit Tom und Markus3 mit ״Ich schaff's“. In diesem Teil der Arbeit werde ich meine Erfahrungen darstellen, die Entwicklungen der beiden Schüler beschreiben und meine eigenen Planungs- und Handlungsschritte mit meinen vorherigen Erwartungen vergleichen. Die positiven und negativen Erfahrungen geben Auskunft über die Umsetzbarkeit und sollen für mich und andere einen konstruktiven Umgang ermöglichen. Einen großen Punkt in dieser Arbeit soll die Evaluation meiner eigenen Gedankenführung und den daraus resultierenden Kompetenzgewinn einnehmen. Eventuelle Abweichungen meiner eigenen Erwartungen werden erläutert und mögliche Alternativen zur besseren Umsetzung aufgezeigt. Am Ende dieser Arbeit gibt es einen Ausblick auf weitere Möglichkeiten, die sich eventuell bieten und die Vorhaben, die sich daraus ergeben. Ein Fazit fasst abschließend den Inhalt der schriftlichen Ausarbeitung zusammen.

1.Theoretische Hintergründe

Wenn sich mit dem Thema Verhalten befasst wird, steht ein breites Spektrum an Begrifflichkeiten bereit. Verschiedene Begriffe, Definitionen, Erklärungen und Erläuterungen werden in der Psychologie oder der Pädagogik verwendet. Der folgende Abschnitt befasst sich mit bestimmten Klassifikationen, Definitionen und Begriffen. Damit soll einen möglicher Erklärungsansatz der Thematik dargelegt und eine grobe Festlegung der Begrifflichkeit des Textes dargestellt werden. Insbesondere soll der folgende Text dem weiteren Verständnis für die individuellen Eigenschaften von Tom und Markus sowie dem Einsatz des lösungsorientierten Ansatzes dienen.

1.1 Emotional-soziale Entwicklung

Unter emotionaler Kompetenz wird die ״Selbstwirksamkeit in emotionsauslösenden sozialen Transaktionen“ verstanden (Saarn¡ 2002,10). Steiner teilt diese in drei Fähigkeiten ein: Verständnis über die eigenen Gefühle, anderen Personen zuhören und sich in die Gefühle anderer hineinversetzen zu können, sowie einem sinnvollem Gefühlsausdruck (Vgl. Steiner 1997 s. 21).

Ein häufig vertretener Ansatz in der klinischen Psychologie definiert soziale Kompetenz als die Fähigkeit eines Individuums zur Realisierung persönlicher Ziele und Interessen in sozialen Interaktionen (vgl. Kanning 2009, 14).

Diese beiden Kompetenzen sind eng verbunden, somit wird häufig von sozial­emotionaler Kompetenz gesprochen. Emotionswissen und -regulation in der zwischenmenschlichen Interaktion und das Emotionsverständis anderer in Bezug auf das Erkennen von Gefühlen anderer, zeigt den Zusammenhang der sozialen und emotionalen Kompetenzentwicklung. In sozialen Situationen ist zu erkennen, wie schwer beide Kompetenzen voneinander trennbar sind, da soziale Interaktionen stets von Emotionen begleitet werden und zum Teil Voraussetzung für bestimmte Emotionen sind. Bei Kindern zeigt sich mit fortschreitender Kompetenzentwicklung die Erkenntnis, dass nicht jede Situation bei jeder Person die selben emotionalen Empfindungen hervorruft. (Vgl. Frank 2012, s. 8)

Schüler, die in diesem Bereich Defizite haben, sollen laut der KMK (Vgl. Anhang a KMK

Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung) besondere pädagogisch­psychologische Unterstützung und persönliche Zuwendung erhalten.

1.2 Verhaltensbeeinträchtigung

Das Verhalten wird in der Verhaltensbiologie als wahrnehmbare und mit technischen Hilfsmitteln erfassbare, aktive Veränderung eines Menschen oder Tieres definiert, die in irgendeiner Form der Verständigung dient (Vgl. Zimbardo 1995, 115ff).

Bach beschreibt eine ״Verhaltensstörung“ als ein bestimmtes Verhalten einer Person, das von den Erwartungen anderer negativ abweicht. Da diese Beurteilung von Verhalten subjektiv vom Beobachter abhängig ist, unterteilt Bach den Oberbegriff ״Verhaltensbeeinträchtigung“ in Verhaltensstörung, Verhaltensbehinderung und Pseudoverhaltensstörung. Dabei werden Pseudoverhaltensstörung als abweichendes Verhalten beschrieben, welches durch andere äußere Auslöser bedingt ist, zum Beispiel motorische Einschränkungen, intellektuelle Schäden oder Erkrankungen. Wenn das Verhalten im extremen Maße und dazu langfristig abweicht, welches in der Regel als Verhaltensstörung bezeichnet werden kann, wäre es laut Bach zweckmäßig, von einer Verhaltensbehinderung zu sprechen. (Vgl. Bachi 989, s.3ff)

In diesem Zusammenhang wäre auch der Begriff ״Verhaltensauffälligkeif als Oberbegriff möglich, da dieser weder eine positive noch eine negative Konnotation aufweist.

Die Klassifikation der Verhaltensstörungen durch die ICD -10 (International Classification of Diseases) umfasst: externalisierende Störungen wie Hyperaktivität, Aggression, Aufmerksamkeitsstörung, Negativismus und Tyrannei. Zudem beinhalten sie die internalisierenden Verhaltensstörungen wie Überängstlichkeit, Gehemmtheit, Depressivität, sozialer Rückzug, Minderwertigkeit und psychosomatische Störungen. Zum Dritten werden Enwicklungsverzögerungen wie Konzentrationsschwäche, altersunangemessenes Verhalten, Passivität, Lernschwierigkeit und Tagträumen beschrieben. Zur sozialisierten Delinquenz gehören Gewalttätigkeit, Reizbarkeit, Verantwortungslosigkeit, niedrige Hemmschwelle, Beziehungsstörungen, leichte Erregbarkeit und Frustration (Vgl. Myschker 1996, 43ff).

1.3 Lösungsorientierung

In einer spiralförmigen ansteigenden Entwicklungsbeinträchtigung ist es so gut wie unmöglich zu bestimmen, was den Anstoß gab. Verhaltensauffälligkeiten führen zu Lernschwierigkeiten, das wiederum führt zu Verhaltensauffälligkeiten und so weiter. Im komplexen Menschenleben herrscht selten Eindeutigkeit, in der es sicher scheint, was der Anfang war und was zu einer Sekundärsymptomatik führen könnte. Diese wird eventuell mit der Zeit das primäre Symptom und dann ist die Entwicklung oft nicht mehr eindeutig zurückverfolgbar. Je länger so eine schwierige Situation ohne die objektive Einsicht in die Natur der Problematik andauert, desto mehr beeinflussen innere und äußere Reaktionen auf das Lernversagen des Kindes die Gesamtentwicklung, (vgl. Klasen 1971, s.126ff)

Die Lösunsorientierung bietet die Möglichkeit, sich auf einen Ausweg zu konzentrieren. Der Schwerpunkt der Beobachtung und Intervention wird hierbei bewusst auf die Lösungen gelenkt. Dabei gilt es darauf zu achten, Problemsprache zu vermeiden und somit den Fokus vom Problem auf die Lösung zu lenken. Durch geschicktes Befragen, sollen Lösungen selber entdeckt werden. Im Laufe der Zeit wird untersucht, welche Varianten funktionieren, wobei die eigenen stärken und Ressourcen mit einbezogen werden. (Vgl. Lindemann 2008, s. 45f)

Im Zusammenhang mit Lösungsorientierung steht oft auch der systemische Ansatz. Eine Einzelperson, eine Familie, ein Freundeskreis, eine Schulklasse oder ähnliches können als eigenständige Systeme bezeichnet werden. Im Bezug darauf, bedeutet "systemisch", dass die Einzelteile eines Systems auf eine bestimmte Art und Weise Zusammenwirken und so eine Einheit bilden und miteinander vernetzt sind. Die Sichtweisen eines Beobachters über ein bestimmtes System hängt von dessen Vorerfahrungen und Prägungen ab, wobei sich viele Möglichkeiten aufzeigen, auf ein System einzuwirken. Somit ist ein System mit seinen Eigenschaften immer eine Beschreibung eines Beobachters . (Vgl. ebenda s. 6ff)

Im Hinblick auf löungsorientiertes Flandeln bedeutet dies, dass die Einbeziehung von Systemzusammenhängen eine Fülle an Flandlungsmöglichkeiten aufzeigt. Es werden zunächst die Komponenten eines Systems betrachtet, wobei dann entschieden wird, welche für das Problem als relevant gelten. Daraus leiten sich Problemfaktoren ab, die zur Verschlechterung beitragen und es leiten sich Lösungs- und Förderfaktoren ab, die dem Problem entgegenwirken. Die Flandlungsfaktoren beschreiben dann, welche Veränderungen durch pädagogisches Handeln erreicht werden und wie und auf welche Faktoren eingewirkt werden soll. (Vgl. ebenda, s. 43 f)

1.4 Vorstellung des Programms ״Ich schaff's“

Die Methode zielt auf individuelle stärken und Ressourcen. Der Grundgedanke ist es, ein Kind oder einen Jugendlichen als Person mit stärken zu sehen, bei dem es aber noch Fähigkeiten gibt, die er oder sie noch nicht erlernt hat. Die Methoden des Programms sollen helfen, sich diese Fähigkeiten anzueignen. Hierbei wird auf einen lösungsorientierten Ansatz gesetzt, damit der Fokus von der Problematik zu Chancen und Möglichkeiten verschoben wird.

Entwickelt wurde das Konzept von Ben Furman, einem finnischen Psychiater , der mit der lösungsorientierten Kurzzeittherapie, also einem Ansatz aus der systemischen Beratung und Therapie arbeitet. Er legt sich nicht fest, wer dieses Konzept nutzen kann. Ob Eltern, Pädagogen oder Therapeuten, ״Ich schaff's“ lässt sich vielseitig Umsetzen. In fünfzehn Schritten sollen die vermeintlichen Probleme, wie Ängste, schlechte Angewohnheiten oder Verhaltensprobleme in Fähigkeiten ״verwandelt“ werden. Diese Schritte dienen als Orientierung und es ist dabei nicht wichtig, wirklich alle Schritte umzusetzen oder die Reihenfolge exakt einzuhalten. Es ist wichtig, durch positives Denken Selbstbewusstsein aufzubauen, Systeme wie Familie, Freunde und Schule als Ressourcen zu verstehen und sie als helfendes Umfeld mit in den Prozess einzubeziehen. (Vgl. Furman 2017, s. 13 ff)

Problemorientierte Sprache ist hierbei vollkommen zu vermeiden und wirkt beispielsweise gegenüber Familie und vor allem beim Kind als kontraproduktiv (Vgl. ebenda s. 23f). Es ist somit besser zu sagen, dass ein Kind momentan noch lernen sollte, sich selbst besser zu kontrollieren und zum Beispiel ruhig zu sitzen, als zu sagen, dass sich das Kind nicht benehmen und immer nur zappeln würde.

Das Programm ist so angelegt, dass über einen längeren Zeitraum mit einem oder auch mehreren Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird. Sie bekommen Personen aus ihrem Umfeld an die Seite, die ihnen helfen sollen, gemeinsam besprochene Fähigkeiten zu erlernen. Es wird Motivation aufgebaut, ein Verständnis für die Notwendigkeit der Fähigkeit geschaffen und Strategien entwickelt, wie die Fähigkeit entwickelt und geübt werden kann. Positive Verstärker und Transparenz kennzeichnen die Arbeit und die Kommunikation miteinander. Erfolge sollen gefeiert werden. All diese Schritte können auf verschiedene Weise und individuell umgesetzt werden (Vgl. Anhang b Die 15 Schritte des Programms ״Ich schaff's“).

Eine einfache Struktur und leicht verständliche Formulierungen helfen bei der Umsetzung. Verschiedene Materialien (Buch, Trainingsbuch, Poster und weiteres) können helfen Motivation aufzubauen und manches anschaulicher zu gestalten, sind aber für die Umsetzung nicht zwingend notwendig. Die Durchführung mit einem oder mehreren Schülern kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Dadurch sind Geduld und Empathie notwendige Voraussetzungen. Spielerische und praktische Methoden helfen den Kindern, ihre Fähigkeiten zu üben (Vgl. Furmann 2017, s. 82 ff).

2 Vorüberlegungen

Im zweiten Bereich dieser Arbeit beschäftige ich mich mit den Voraussetzungen, die für die Überlegungen zur Umsetzung von ״Ich schaff's“ wichtig sind.

2.1 Eigene Voraussetzungen für die Arbeit mit dem Programm

Voraussetzungen für Lösungen sind die Überlegungen zur Ausgangslage. Damit ist gemeint: Was habe ich beobachtet? Was will ich erreichen? Und welche Möglichkeiten, welche Ressourcen zur Erreichung meiner Ziele habe ich zur Verfügung?

In meinem Fall war die Beobachtung: Zwei Schüler mit besonderem Bedarf an Förderung. Ich möchte eine Verbesserung des Selbstbildes, der Selbstreflexion, sowie das Erlernen gewünschten Verhaltens der beiden erreichen. Meine eigenen Ressourcen waren zunächst beschränkt. Es blieben die Erfahrungen des Kollegiums, die wiederum sehr verschieden sind. Um mir eine eigene Meinung bilden zu können, war die Beschäftigung mit pädagogischen psychologischen Ansätzen zur Förderung zwingend notwendig. Am wichtigsten erschien mir die Einstellung. Wie stehe ich zu individuellen Voraussetzungen? Meine Motivation ist es, mit positiven Gedanken und einer Orientierung auf stärken und Fähigkeiten der Schüler an die Arbeit zu gehen und stets zu versuchen, die besten Voraussetzungen für alle zu schaffen. Dieses Ziel ist hoch gegriffen und sicher nicht immer umzusetzen. Jedoch sollte diese Gesinnung meine pädagogischen Entscheidungen und Flandlungen leiten, damit ich Konzepte wie ״Ich schaff's“ sinngerecht Umsetzen kann.

2.2 Vorstellung der Schule

Die Grundschule ist eine kleine Dorfschule. Sie liegt neben der Ortsdurchfahrtsstraße am Ortseingang. Der Pausenhof befindet sich auf der straßenabgewandten Seite, sodass die Schüler diesen uneingeschränkt nutzen können. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Freibad, ein kleiner Park sowie Anglerteiche, was zur Nachmittagsgestaltung oder Unterrichtsgänge genutzt werden kann. Durch einen Umweltraum, eine Bibliothek, die Projektküche, und weitere räumliche Gegebenheiten bieten sich Rückzugs- und Gestaltungsmöglichkeiten für Schüler, Lehrer, Unterricht und Hort. Die Grundschule trägt den Titel der Umweltschule. Das bedeutet, dass mit verschiedenen Themen und Projekten den Schülern Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit nahegebracht wird. Die Schule soll ein Haus des Lernens und Wohlfühlens sein.

Ein wichtiger Grundsatz ist die individuelle Förderung der Schüler, welche sich nach den Leitgedanken von Prof. Dr. Kurt Singer richtet. Hierbei steht die Individualität des Kindes im Vordergrund. Es geht unter anderem darum, Freude am Lernen zu schaffen und zu unterstützen, Interessen zu fördern, Selbstvertrauen aufzubauen und den Schülern selbstbestimmtes und kooperatives Lernen zu ermöglichen. (Vgl. Anhang Leitgedanken Singer)

Wichtig für die Arbeit mit Konzepten zur Förderung der emotionalen und sozialen Entwicklung sind die Kernideen, welche die Schule ermöglichen will: Der Schüler fühlt sich anerkannt, das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen wird gestützt. Den Schülern wird mit positiven Erwartungen entgegengekommen. Gegenseitige Hilfe wird angeboten und Angstfreiheit geschaffen. Die Aufgabe des Lehrers ist, die stärken der Schüler zu fördern und eine haltgebundene Beziehung zu den Schülern aufzubauen. (Vgl. ebenda)

2.3 Vorstellung der Klasse

In der Klasse 1b gibt es 5 Schüler und 12 Schülerinnen. Es ist eine sehr leistungsstarke Klasse. Allgemein betrachtet können 2 Jungen und 7 Mädchen als leistungsstark

eingestuft werden, 2 Jungen und 2 Mädchen befinden sich im Mittelfeld und ein Junge und 3 Mädchen sind eher leistungsschwach einzuordnen. Die leistungsstarken Mädchen arbeiten meist sehr konzentriert und sind verlässlich. Sie sind sozial und hilfsbereit. Vor allem Tom bekommt immer wieder durch viele der Mädchen Zuspruch und aktive Hilfe.

Der Großteil der Klasse stammt aus [Ortsname aus Gründen des Datenschutzes von der Redaktion entfernt] und kennt sich schon aus dem Kindergarten. Auch Markus und Tom gehören dazu.

In der Klasse herrscht oft Unruhe. Vor allem bei offeneren Aufgaben, Gruppenarbeiten, Stundengelenken, Pausen oder frontalem Unterricht wird unerlaubt geredet, aufgestanden, gespielt oder anderweitig gestört. In stiller Einzelarbeit sind sie jedoch oft ruhig und können einige Zeit konzentriert arbeiten.

Im Klassenraum stehen Gruppentische. Es gibt aber auch Einzeltische, die die Schüler im Bedarfsfall als Rückzugsort oder ״Konzentrationsinseln“ nutzen können. Das wird häufig von Tom genutzt.

Der Klassenraum befindet sich direkt neben dem Lehrerzimmer. Dieser Raum bietet die Möglichkeit, sich mit einem Schüler abzusetzen und einzeln zu arbeiten, sofern die Türen der beiden Räume geöffnet bleiben, sodass die Aufsichtspflicht gewährleistet werden kann.

2.4 Vorstellung der Schüler

Die hier beschriebenen Eigenschaften der Schüler ergeben sich aus den in mehreren Gesprächen gemeinsam besprochenen Einschätzungen der Klassenlehrerin, der Förderpädagogin, der Eltern, sowie meinen eigenen Beobachtungen.

Zunächst möchte ich erwähnen, dass in der erste Klasse für Tom und Markus noch keine sonderpädagogischen Gutachten vorliegen. Dabei gilt es zu überlegen, ob das für die Zukunft ein Thema sein sollte oder ob es eventuell nicht notwendig sein wird.

Tom ist 7 Jahre und ein Schüler der ersten Klasse. Seine Leistungen bewegen sich in der Leistungsspitze und im Mittelfeld. Tom ist anerkanntes Mitglied der Klassengemeinschaft. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder verbringt er nach dem Schulhort viel Zeit bei seinen Großeltern, bis die alleinerziehende Mutter von der Arbeit kommt. Tom hat einen pädagogischen Förderplan (Vgl. Anhang c Pädagogischer Förderplan Tom). In Situationen, in denen er genervt oder wütend wird, lässt sich Tom sehr von seinen Emotionen leiten. Er hat Probleme seine Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten und sich an Regeln zu halten.

Ebenfalls in dieser Klasse ist Markus. Er kommt aus einem gut situierten Elternhaus und hat eine ältere Schwester. Auch er ist 7 Jahre alt und ein guter bis sehr guter Schüler. Er ist einer der größten Kinder der Klasse und wirkt körperlich häufig hypoton. Markus möchte sich permanent mitteilen. Er will im Mittelpunkt stehen und erzählt oft Dinge, die in diesem Moment nicht zum Thema passen. Ganz prägnant ist seine negative Einstellung zu Wettbewerbssituationen. Durch Tagträumen und Unaufmerksamkeit weiß er oft nicht, was er tun soll. In diesen Situationen weint er häufig und ist frustriert, wenn er Aufgabenstellungen nicht versteht oder nicht weiß, woran gerade gearbeitet wird.

2.5 Elternarbeit

Bevor mit dem Programm gearbeitet werden werden konnte, wurden die Eltern von Markus und die Mutter von Tom zu jeweils einem Gespräch eingeladen. Es ist sehr wichtig, die Eltern und gegebenenfalls weitere Familienmitglieder in den Prozess mit einzubeziehen. Ihre Unterstützung ist notwendig, damit das Kind in seinem Umfeld verschiedene Ansprechpartner hat. Es soll sich aufgefangen und verstanden fühlen.

Um subtil und angemessen im Gespräch vorzugehen, ist es von großer Bedeutung sich auf viele positive Eigenschaften des Schülers zu konzentrieren. Ich versuchte den Eltern zu verdeutlichen, welche Vorteile es mit sich bringt, lösungsorientiert vorzugehen und Stärken hervorzuheben und gab ihnen Hinweise, wie Problemsprache vermieden werden kann. Dabei hielt ich mich an die Empfehlungen von Furman.4.

3 Erfahrungsbasierte Reflexion über die Arbeit mit dem Programm

3.1 Vorbereitung, Einführung

Um das Programm zeitlich umzusetzen, stellte ich mir die Frage: Wann arbeite ich mit einem Kind und wie oft? Da beide Schüler leistungsstark sind, überlegte ich mir, dass ich vorausgeplant aber auch situativ handeln wollte. Somit beschloss ich, mir den

[...]


1 Aus Respekt vor Privatsphäre wurde ein erfundener Name zur Anonymisierung gewählt.

2 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden auf geschlechtsspezifische Formulierung verzichtet. Es sind jedoch immer beide Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung angesprochen.

3 Siehe Fußnote 1

4 Siehe 1.3 Vorstellung des Programms ״Ich schaffs“

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Reflexion über die Umsetzung des Programms "Ich schaff's" in der Klassenstufe 1
Autor
Jahr
2018
Seiten
43
Katalognummer
V449749
ISBN (eBook)
9783668857599
ISBN (Buch)
9783668857605
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reflexion, umsetzung, programms, klassenstufe
Arbeit zitieren
Evelyn Bäumler (Autor), 2018, Reflexion über die Umsetzung des Programms "Ich schaff's" in der Klassenstufe 1, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449749

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