Aus bewegungswissenschaftlicher Perspektive wird in dieser Hauptseminararbeit samt empirischer Ergebnisse aus drei Sportarten (Handball, Leichtathletik und Schwimmen) versucht, die wachsende Bedeutung der Sprache beim Bewegungslernen nachzuweisen. Die Arbeit richtet sich an Physiotherapeuten, Trainer und Sportstudenten, die mit unterschiedlichen Altersgruppen im Nachwuchs-, Leistungs- oder Reha-Sport arbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsgegenstand
2.1 Forschungshypothese
2.2 Theoretische Grundlagen
3 Erfahrungsberichte
3.1 Bewegungslernen im Windsurfsport
3.1.1 Eigenes Lernen – die Schülersichtweise
3.1.2 Bewegungen vermitteln – die Lehrersichtweise
3.2 Bewegungslernen im Schwimmsport
3.3 Bewegungslernen im Handball
4 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und dem steigenden Bedürfnis nach intensivierter verbaler Instruktion beim Erlernen motorischer Fertigkeiten im Sport, wobei insbesondere die Unterschiede zwischen der Vermittlung bei Kindern und Erwachsenen beleuchtet werden.
- Rolle der Sprache im sportmotorischen Lernprozess
- Vergleich der Lehrmethodik in verschiedenen Altersklassen
- Einsatz von metaphorischen und episodischen Instruktionen
- Praxisbeispiele aus Windsurfen, Schwimmsport und Handball
- Bedeutung von visueller versus verbaler Vermittlung
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Sprache beim Bewegungslernen mit zunehmendem Alter
Die Arme machen ein sorgenvolles Gesicht und sagen zu den Beinen: „Wir haben ein großes Problem, wir müssen den Körper durch das Wasser bewegen.“ Die Arme sagen zu den Beinen: „Wir machen einen Vorschlag. Wir legen uns gestreckt auf das Wasser...“
Diese stilistische Art des Umgangs mit der Sprache wird Personifizierung genannt. Natürlich haben die Arme kein Gesicht, aber bereits 1944 stellten Heider und Simmel in Untersuchungen fest, „dass die verbale Reproduktionsfähigkeit von visuell wahrgenommenen Bewegungsereignissen höher ist, wenn den an dem Ereignis Beteiligten Motive untergeschoben wurden.“ (Heider & Simmel, 1944, S. 253-259). So können „einzelnen Körperteilen oder auch Sportgeräten Motive, Emotionen und ein eigener Willen“ (Volger, 1990, S.99) unterstellt werden. Ein Beispiel wäre: „Sobald Du spürst, dass es Dich nicht mehr auf sich haben will, springe sofort herunter!“ (Tholey, 1988, S. 95 – 108). Erwirkt wird eine engere Bindung an die Bewegung oder das Gerät. So kommt die Sprache ihrem eigentlichen Ziel der Herstellung einer Verbindung zum Bewegungsgefühl näher, als ihr eigentlich serieller Charakter hergibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Forschungsfrage, ob ein Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und dem Bedarf an verbaler Instruktion besteht, und beschreibt die methodische Vorgehensweise anhand von Erfahrungsberichten.
2 Forschungsgegenstand: In diesem Kapitel wird die Hypothese aufgestellt und der theoretische Hintergrund der sportmotorischen Lernprozesse unter Einbeziehung der Sprachbedeutung beleuchtet.
3 Erfahrungsberichte: Dieser Teil analysiert durch eigene Praxisbeispiele aus Windsurfen, Schwimmen und Handball, wie sich die Vermittlungsmethoden zwischen Kindern und Erwachsenen unterscheiden.
4 Diskussion: Die Diskussion reflektiert die Ergebnisse, hinterfragt gegenteilige Lehrmeinungen und betont die Bedeutung des lernwilligen Sportlers für den Lernerfolg.
Schlüsselwörter
Bewegungslernen, verbale Instruktion, Sportpädagogik, Sprache im Sport, Altersklassen, motorische Lerntheorien, Sensomotorik, Metaphern, episodische Instruktionen, Bewegungsvermittlung, Trainingspraxis, Lehr-Lern-Prozess, Kinästhetik, Sportmotorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, inwiefern die Bedeutung der Sprache und der Bedarf an verbalen Instruktionen beim Erlernen von Bewegungen im Sport mit zunehmendem Alter der Lernenden zunimmt.
Welche sportlichen Schwerpunkte werden in der Arbeit analysiert?
Die Arbeit konzentriert sich auf Fallbeispiele aus den Sportarten Windsurfen, Schwimmsport und Handball.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Unterschied in der Bewegungsvermittlung bei Kindern (oft über Vormachen/Demonstration) und Erwachsenen (oft über sprachliche Reflexion und Metaphern) aufzuzeigen und die Hypothese eines steigenden Bedarfs an verbaler Anleitung zu stützen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine praxisorientierte Arbeit, die theoretische Grundlagen der Sportmotorik mit den persönlichen Erfahrungen der Autoren in ihren jeweiligen Sportvereinen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Erfahrungsberichte aus dem Windsurfen, Schwimmen und Handball ausgewertet, um die unterschiedlichen Lernzugänge von Kindern und Erwachsenen zu veranschaulichen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind verbale Instruktion, Bewegungskoordination, Sensomotorik, Lerngruppensprache und der Unterschied zwischen kindlichem und erwachsenem Bewegungslernen.
Wie werden Metaphern im Lernprozess eingesetzt?
Metaphern dienen als „Informationspakete“, die helfen, komplexe Bewegungsabläufe verständlich zu machen und eine Verbindung zwischen der Bewegung und dem Bewegungsgefühl herzustellen.
Warum spielt die Personifizierung bei der Bewegungslehre eine Rolle?
Die Personifizierung von Körperteilen oder Sportgeräten hilft laut der Arbeit dabei, die Aufmerksamkeit auf Bewegungsabläufe zu lenken und eine engere, emotionale Bindung zur Bewegung aufzubauen.
- Quote paper
- Karsten Görsdorf (Author), Ole Cordes (Author), Christoph Dreckmann (Author), 2002, Die Bedeutung der Sprache beim Bewegungslernen mit zunehmendem Alter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44975