Diese Bachelorarbeit befasst sich mit dem Thema Lobbyismus insbesondere am Beispiel des Abgas-Skandals beim Automobilhersteller VW. Die Abschlussarbeit gibt einen umfassenden Einblick in die Strukturen und Zusammenhänge der legalen und illegalen Interessendurchsetzung und beschreibt, mit welchen Techniken Lobbygruppen Politik und Gesellschaft immer häufiger beeinflussen. Die Wirtschaft nimmt die Lobbyarbeit sehr ernst und lässt sich die Wahrung ihrer Interessen einiges kosten. Von der Öffentlichkeit wird Lobbyismus oft als etwas Negatives angesehen, was zum Teil auch berechtigt ist, jedoch wäre die Regierung ohne die Verbände und direkten Vertreter aus der Wirtschaft nicht in der Lage, realitätsnahe Entscheidungen zu treffen. Wie bereits erwähnt, hat der Lobbyismus auch seine negativen Aspekte. Diese bestehen u. a. darin, dass die Interessen von Minderheiten nicht ausreichend oder gar nicht berücksichtigt werden. Schwierigkeiten bereitet außerdem die Legitimation der Lobbyarbeit, da das Grundgesetz z. B. die Begriffe „Lobbyismus“ und „Verband“ nicht direkt erwähnt.
Besonders interessant ist die Fragestellung wie groß der Einfluss der Automobillobby auf Gesetzesbeschlüsse und Regulierungen ist. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie es der Automobilindustrie gelingt, die Interessen unterschiedlicher Akteure durchzusetzen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation und Relevanz des Themas
1.2 Zielsetzung, Aufbau und Quellenlage der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen zum Lobbyismus
2.1 Begriff des Lobbyismus
2.2 Abgrenzung des Lobbyismus
3 Interessenvertretung durch Lobbyisten
3.1 Kategorisierung der Akteure
3.2 Arten des Lobbyings
3.3 Vorgehensweise von Lobbyisten
3.3.1 Instrumente des Lobbyings
3.3.2 Methoden des Lobbyings
3.3.3 Strategien des Lobbyings
3.4 Lobbyismus in der Europäischen Union
3.4.1 Einflussnahme durch Lobbyisten auf die Gremien der EU
3.4.2 Positiver und negativer Einfluss von Lobbyismus in der EU
3.4.3 Reglementierung von Lobbyismus
4 Lobbyismus in der Automobilbranche
4.1 Anfänge der deutschen Automobilindustrie
4.1.1 Bedeutung der deutschen Automobilindustrie
4.1.2 Import und Export von deutschen Fahrzeugen
4.2 Interessenvertretung der Automobilindustrie
4.2.1 Verband der Automobilindustrie (VDA)
4.2.2 European Automobile Manufacturer’s Association (ACEA)
4.3 Vorgehensweise im Automobillobbying
4.4 Fallbeispiel: CO2-Regulierung der Klimaagenda 2020
5 Der VW-Abgas-Skandal
5.1 Der Volkswagen Konzern
5.2 Eine Chronologie des Skandals
5.3 Bisherige und weitere mögliche Konsequenzen des Abgas-Skandals
5.3.1 Folgen des Abgas-Skandals für den VW-Konzern
5.3.2 Auswirkungen des Abgas-Skandals auf den deutschen Markt
5.3.3 Folgen des Abgas-Skandals für VW-Kunden
5.3.4 Ausweitung des Abgas-Skandals
5.3.5 Konsequenzen für die weitere Arbeit der Lobbyisten
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Bachelorarbeit untersucht den Einfluss und die Gefahren des Lobbyismus am prägnanten Fallbeispiel des VW-Abgas-Skandals. Dabei wird analysiert, wie Lobbyisten die Politik beeinflussen, welche Mechanismen zur Interessenvertretung genutzt werden und welche spezifischen Folgen der Abgasskandal für den VW-Konzern, die Automobilbranche und das demokratische System hat.
- Grundlagen des Lobbyismus und Abgrenzung zu anderen Interessenvertretungen
- Strukturen und Methoden der Interessenvertretung in der Automobilbranche
- Analyse des VW-Abgas-Skandals als Fallstudie für politische Einflussnahme
- Untersuchung der Reglementierungsversuche von Lobbying in der EU und Deutschland
- Konsequenzen des Skandals für das Image und die künftige Lobbyarbeit der Automobilindustrie
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Methoden des Lobbyings
„Die Achillesferse des Lobbyismus sind seine Aktionsformen. Es liegt die Versuchung nahe, zur Durchsetzung eigener Interessen auch nicht akzeptable Methoden anzuwenden“ (Alemann/Eckert 2006: Heft 15-16).
Zum besseren Verständnis lobbyistischer Aktivitäten in der EU, auf welche später in der Arbeit näher eingegangen wird, werden im Folgenden die wichtigsten Herangehensweisen des Lobbyings erläutert:
1. Frühzeitiges Lobbying findet während oder vor dem Agenda-Setting statt, somit können eigene Interessen Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess haben. Fischer beschreibt eine Art „Stand-by-mode“, einen ständig einsatzbereiten Zustand, der ständigen Kontakt und ununterbrochenes Monitoring der Interessengruppen gewährleistet (vgl. Teuber 2001: 135ff.).
2. Positives Lobbying ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreichen Lobbyismus. Damit ist gemeint, dass sich Entscheidungen zu eigenen Gunsten durch konstruktive und bedachtsame Vorgehensweise effektiv beeinflussen lassen. Versuche durch Blockade und Druck ein Interesse durchzusetzen, sind hingegen weniger erfolgsversprechend. Besonders in der Zeit einstimmiger Ratsentscheidungen gehörte Blockadepolitik zur gängigen Praxis (vgl. Coen 1997: 77f.).
3. Low-Profile Lobbying ist dem positiven Lobbying ähnlich. Im Gegensatz zum High-Profile Lobbying, das Ziele mit aggressiven Mitteln verfolgt, zeichnet sich das Low-Profile Lobbying durch „Sympathie, Integrität und die Berücksichtigung der jeweiligen kulturellen Voraussetzungen der Kontaktpartner“ (Teuber 2001: 138) aus (vgl. Pfeifer 1995: 82f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Lobbyismus ein und begründet die Relevanz der Untersuchung des VW-Abgasskandals für die heutige Politik und Gesellschaft.
2 Theoretische Grundlagen zum Lobbyismus: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Lobbyismus und grenzt ihn von allgemeiner Interessenvertretung ab, um ein wissenschaftliches Fundament zu schaffen.
3 Interessenvertretung durch Lobbyisten: Hier werden Akteure, Methoden und Instrumente des Lobbyings kategorisiert, wobei auch die Besonderheiten der europäischen Ebene sowie Reglementierungsversuche beleuchtet werden.
4 Lobbyismus in der Automobilbranche: Dieses Kapitel analysiert die spezifische Interessenvertretung der deutschen Automobilindustrie durch Verbände wie VDA und ACEA und nutzt die CO2-Regulierung als erstes Fallbeispiel.
5 Der VW-Abgas-Skandal: Den Kern der Arbeit bildet die detaillierte Chronologie und Analyse des Abgasskandals sowie dessen tiefgreifende Auswirkungen auf den Konzern, Kunden und die Branche.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und formuliert Forderungen an die Politik hinsichtlich Transparenz und Regulierung von Lobbyaktivitäten.
Schlüsselwörter
Lobbyismus, Interessenvertretung, Automobilindustrie, VW-Abgasskandal, politische Einflussnahme, Europäische Union, VDA, ACEA, Monitoring, Issue Management, Transparenz, Demokratiedefizit, Parteispenden, Regulierung, Gesetzgebungsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Lobbyismus auf politische Entscheidungsprozesse, insbesondere am Beispiel des deutschen Automobilsektors und des VW-Abgasskandals.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen des Lobbyings, die Methoden der Interessenvertretung durch Verbände und Unternehmen sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Beeinflussung staatlicher Regulierungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Zusammenhänge und Auswirkungen lobbyistischer Aktivitäten im Kontext des VW-Skandals offenzulegen und zu bewerten, inwieweit diese die demokratische Legitimität beeinträchtigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Literaturanalyse und die Auswertung von Fallbeispielen, um die Vorgehensweisen und Strukturen der Interessenvertretung zu erforschen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Akteure des Lobbyings, die verschiedenen Strategien und Instrumente sowie die spezifische Rolle der Automobilverbände und die Ereigniskette des Abgasskandals.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Lobbyismus, Interessenvertretung, Automobilindustrie, VW-Skandal, Transparenz und politische Einflussnahme sind zentrale Begriffe.
Wie unterscheidet sich "Positives Lobbying" von "High-Profile Lobbying"?
Positives Lobbying setzt auf Konstruktivität und Kooperation, um Entscheidungen zu beeinflussen, während High-Profile Lobbying aggressivere Mittel verwendet, um Ziele durchzusetzen.
Was ist die Rolle des "Monitoring" im Lobbying?
Monitoring ist ein zentrales Instrument, bei dem Lobbyisten Informationen systematisch sammeln, aufbereiten und auswerten, um politische Trends und Entscheidungsprozesse frühzeitig zu erkennen.
- Quote paper
- Juliane Neumann (Author), 2016, Einfluss und Gefahren von Lobbyismus. Der Abgas-Skandal beim Automobilhersteller Volkswagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449774