Spätantike "Repaganisierungstendenzen" in der Mailänder Hofdichtung?

Zu Funktion und Gehalt der mythologischen Unterweltmotivik in Claudians "In Rufinum"


Bachelorarbeit, 2017
54 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Prolegomena

a) Fragestellung: Dient die mythologische Motivik in Claudians Dichtung dem Anliegen einer kulturellen Repaganisierung?
b) Motivgeschichtlicher Gehalt, intertextuelle Bezüge und erzähltechnisch-poetische Funktion der Unterweltmotivik in den beiden Büchern In Rufinum – Divergenz oder Konvergenz?
c) Zur Methode und zum Aufbau dieser Untersuchung

Kapitel 1: (Un-)Einheitlichkeit, Gattung und Stil von Ruf. 1 und 2
a) Argumente für die (Un-)Einheitlichkeit der beiden Rufinbücher
b) Zur Gattung
c) Zum Stil und zur Erzähltechnik

Kapitel 2: Die Unterweltmotivik in Ruf. 1
a) Rufin als neuer Python (pr.Ruf. 1)
b) Das concilium deforme der Furien (Ruf. 1,25–122)
c) Megaera als Instigatrix ihres Ziehsohnes Rufin (Ruf. 1,123–175)
d) Megaera als Gegenspielerin zu Iustitia (Ruf. 1,354–387)

Kapitel 3: Die Unterweltmotivik in Ruf. 2
a) Das Fehlen jeglicher Unterweltmotivik in Ruf. 2,1–455 sowie der prognostische Traum Rufins (Ruf. 2,327–335)
b) Die Katabasis Rufins in die Unterwelt (Ruf. 2,454–465)
c) Das Totengericht (Ruf. 2,466–Schluß)
d) Rufins Ausweisung aus der Unterwelt (Ruf. 2,520–527)

Kapitel 4: Die Verzahnung der Rufin-Gestalt des liber alter mit den Furien des liber prior
a) Zur Möglichkeit eines metaphorical twist zwischen den Furien und den epischen Akteuren
b) Inhaltliche Übereinstimmungen zwischen den Furiae in Buch I und Rufin in Buch II
c) Strukturelle Bezüge zwischen den Furiae im liber prior und Rufin im liber alter

Kapitel 5: Sinngehalte und Funktionen der Unterweltmotivik in den Rufinbüchern
a) Kein theologisch-metaphysischer Gehalt der Unterweltmotivik
b) Keine vorrangig apologetische Funktion der Unterweltmotivik
c) Die allegorische und narratologische Funktion der Unterweltmotivik
d) Die Geschichte übertrifft den Mythos (Ruf. 1,283: taceat superata vetustas) – und macht die Furien überflüssig (vgl. Theb. 11,537: nec iam opus est furiis)
e) Die produktionsästhetische und metapoetische Funktion der Unterweltmotivik
f) Rezeptionsästhetische Dimensionen der Unterweltmotivik bei Claudian

Literaturverzeichnis

Prolegomena: Fragestellung, Methode und Aufbau

a) Fragestellung: Dient die mythologische Motivik in Claudians Dichtung dem Anliegen einer kulturellen Repaganisierung?

Der Kirchenvater Augustinus nannte ihn a Christi nomine alienus (Civ. Dei 5,26), der Historiker Orosius reservierte ihm sogar die Bezeichnung paganus pervicacissimus (Hist. 7,35,21)[1] – und doch widmete der vor Bischof Theophilus aus Alexandrien geflohene spätrömische Hofdichter Claudius Claudianus nicht nur seinen ersten Panegyrikus ausgerechnet den christlich gewordenen Aniciern Olybrius und Probinus zu deren Konsulatsantritt, sondern dichtete für den christlichen Kaiser sogar den Osterhymnus des carmen minus 32 (De Salvatore), das die wichtigsten kirchenamtlichen Glaubenssätze zu Christus und Maria in eine ebenso hymnisch wie katechetisch wirkende Sprache gießt.[2]

Auffällig ist indes Claudians persönliche Vorliebe für mythologisch-pagane Stoffe, die teils ein allgemein bekanntes Narrativ originell verarbeiten (e.g. De raptu Proserpinae), teils aber auch Versatzstücke des Mythos zur Hintergrundfolie für Darstellungen der Zeitgeschichte machen (so etwa die beiden Invektiven In Rufinum). Gerade im ersten Buch gegen Rufin wollte H.-G. Nesselrath z.B. eine „manichäisch“ geprägte Unterwelt- bzw. Höllenvorstellung ausmachen[3] – und dies, obwohl der Mailänder Hof doch unter dem Einfluß des mächtigen Bischofs Ambrosius und seines Nachfolgers Simplicianus „den Manichäern offen feindselig gesinnt“ war.[4] Muß man sich Claudian demnach als einen subversiven Hofdichter vorstellen, der unter dem Deckmantel mythologischer Unterhaltung und farbenfroher Epideiktik insgeheim eine religionspolitische Agenda zugunsten des Heidentums verbarg – und dies unter der Ägide christlicher Auftraggeber (Honorius, Anicier, Stilicho), also ganz im Sinne eines von den Herrschenden unbemerkten oder zumindest geduldeten safe criticism [5] mithilfe einer Dicht- und Redekunst, die ihre wahre Absicht verbirgt (oratio figurata, λόγος ἐσχηματισμένος)? Insbesondere Isabella Gualandri hat sich für die Deutung Claudians als eines ernsthaften Verteidigers des Paganismus stark gemacht.[6] Allerdings ist ihre These, wie wir sehen werden, nicht unwidersprochen geblieben. So hat etwa Claudia Schindler gerade vor einer religionspolitischen Überinterpretation der claudianischen Mythologoumena gewarnt,[7] während Claudio Moreschini eine vermittelnde These vertritt, indem er zwar einerseits ausschließt, der Dichter habe (gegen seine eigenen Auftraggeber) die heidnische Aristokratie unterstützen wollen oder sogar noch selbst an die alten Götter geglaubt, andererseits aber einen allgemein populärphilosophisch interessierten, mithin synkretistischen Umgang Claudians mit mythologischen Motiven voraussetzt, worin sich die Vertrautheit mit hermetischen, orphischen, epikureischen und neuplatonischen Ideen widerspiegele.[8]

Die Herausgeber der Aetas Claudianea fassen die kontroverse Diskussion in dem schönen Satz zusammen: „Die Forschung ist […] geteilter Meinung, ob Claudian ein überzeugter Christ oder ein überzeugter Heide war.“[9] In diesem Aufsatz indes soll Claudian keineswegs die Gretchenfrage nach seiner persönlichen Glaubensüberzeugung gestellt werden, über welche seine nicht selten auftragsgebundenen Werke auch nur sehr bedingt Auskunft zu geben vermögen. Wohl aber soll am konkreten Beispiel der mythologischen Unterweltmotivik von In Rufinum überprüft werden, ob die von Gualandri und anderen aufgestellte These der „Repaganisierungstendenzen“ einer kritischen Befragung der narrativen Funktion und des motivgeschichtlichen Gehaltes dieser Mytholougemena standhält oder ob sich hinter diesem μυθοποιεῖν nicht vorrangig andere Funktionen und Dynamiken ausmachen lassen, die etwa rhetorisch-narratologischer, propagandistisch-politischer, literarästhetisch-intertextueller oder auch populärphilosophisch-allegorischer Natur sein können. Es ist nämlich zu wenig, das bloß materiale Vorhandensein mythologisch-paganer Motive zu konstatieren – es bedarf vielmehr einer genaueren poetologischen Untersuchung ihrer werkimmanenten und werktranszendenten Valenz.

Daher soll im folgenden am besonders griffigen Beispiel der beiden Invektiven gegen Rufin nach der genaueren Funktion der mythologischen Bezugnahmen Claudians im Kontext politischer Dichtung gefragt werden – und zwar am Thema der Unterweltmotivik.

b) Motivgeschichtlicher Gehalt, intertextuelle Bezüge und erzähltechnisch-poetische Funktion der Unterweltmotivik in den beiden BüchernIn Rufinum – Divergenz oder Konvergenz?

Ob die beiden Bücher In Rufinum [10] nun eher nach Art von Invektiven den Gattungsnormen des γένος ἐπιδεικτικόν entsprechen mögen oder ob sie vielmehr als epische Kleinform zu werten seien,[11] über diese Frage läßt sich ebenso streiten wie über das im Text wirksame Ausmaß propagandistischer Überformung geschichtlich z.T. schwer greifbarer Vorgänge.[12] Deutlicher ist indes, daß Claudians carmina maiora 2–5 den zur Veröffentlichungszeit[13] des ersten Buches bereits gelynchten[14] praefectus praetorio Flavius Rufinus nicht nur in der rhetorischen Tradition eines ψόγος tadeln,[15] sondern ihn weit darüber hinaus zu einem die kosmische Ordnung bedrohenden prodigium / monstrum (Ruf. 1,89.291; 2,99) der Superlative stilisieren, für das nur noch mythologisch-universale Bilder aus dem Bereich des Unterweltlichen und Chthonisch-Chaoshaften die exemplarische Sprache liefern konnten. So tritt bereits in der praefatio des ersten Buches der Anti-Held Rufin dem Leser unter der allegorischen Gestalt des von Apoll besiegten Python[16] entgegen (pr.Ruf. 1,15: nunc alio … Pythone perempto), was dem literarischen Ich[17] der praefatio in metapoetischer Hinsicht[18] immerhin die Möglichkeit bietet, seinen Mäzen, nämlich den magister militum Stilicho, als einen neuen Apoll zu besingen,[19] während der poeta selbst in die Rolle der Musen schlüpft (pr.Ruf. 1,15–19).[20] Poetologisch gesehen postuliert Claudian damit bereits in der praefatio für sich die Lizenz, Rufins Charakter durch Anleihen bei der epischen Unterweltmotivik schildern zu dürfen.

Es ist dabei ein Charakteristikum nahezu aller Dichtungen Claudians, in der mythologischen Chiffre eines kosmischen Kampfes von Licht und Dunkel immer wieder die vom Chaos bedrohte römisch-politische Ordnung zu thematisieren,[21] die sich schließlich im Sinne eines Goldenen Zeitalters[22] gegen alle Gefährdungen durchsetzen werde (so lautet auch die Verheißung des Buchschlusses von Ruf. 1).

Wenn nun vor diesem Hintergrund im folgenden die mythologische Unterweltmotivik in Claudians In Rufinum 1 und 2 auf ihren motivgeschichtlichen Gehalt, ihre intertextuelle Vernetzung, ihre erzähltechnische Funktion[23] sowie auf ihren Ort in der Makrostruktur des Textes befragt werden soll, so kann dies allerdings nicht ohne einen deutlichen Seitenblick auf die umstrittene Frage nach der Einheitlichkeit der beiden Bücher geschehen.[24] Denn gerade in der äußerst kontrovers geführten Debatte um die strikte Zusammengehörigkeit oder aber die relative Eigenständigkeit der beiden Bücher rekurrierten sowohl die „Unitarier“ als auch die „Analytiker“ argumentativ u.a. auf den inhaltlich und strukturell je verschieden gedeuteten Umgang Claudians mit dem unterweltlichen Götterapparat. So fand S. Döpp (im Gefolge von P.L. Schmidt[25] ) seine These von der einheitlichen Konzeption und gemeinsamen Veröffentlichung (a. 397) beider Bücher strukturell dadurch bestätigt, daß das gesamte Werk von zwei großen Unterweltszenen gerahmt und somit gleichsam von einer mythologischen Klammer zusammengehalten werde (Ruf. 1: das Höllenkonzil / Ruf. 2: das Totengericht in der Unterwelt)[26]. G. Nesselrath sah hingegen gerade in diesen beiden Stellen ein inhaltliches Indiz für die unüberbrückbare Divergenz beider Bücher und eine mangelnde einheitliche Konzeption, liege doch dem Höllenkonzil zu Beginn des liber prior ein dualistisches Grundkonzept der Weltdeutung zugrunde (die absolut böse Unterwelt opponiert dem Guten), während das Totengericht am Ende des liber alter die Unterwelt ganz im Gegenteil als einen Ort der höheren Gerechtigkeit erscheinen lasse.[27] Buch I werde dagegen palindromisch („spiegelsymmetrisch“[28] ) dadurch gerahmt und in sich abgeschlossen, daß sowohl an dessen Anfang als auch an dessen Ende der epische Götterapparat in den Vordergrund trete (Eumeniden, Mars, Iustitia), wohingegen der dazwischenliegende Mittelteil sich in invektischer bzw. panegyrischer Weise ganz den irdischen Kontrahenten Rufin und Stilicho widme.[29] So gelangten die Forscher entweder zu einer völligen Paßgenauigkeit oder zu einer weitgehenden Disparatheit beider Bücher und der jeweiligen Funktion ihrer Mythologeme.

c) Zur Methode und zum Aufbau dieser Untersuchung

Die vorliegende Arbeit möchte demgegenüber von zwei komplementär aufeinander zu beziehenden Leseerfahrungen ausgehen und so zu einem differenzierten Gesamtbild gelangen, ohne sich in der komplizierten Frage nach der Einheit oder Eigenständigkeit der Rufinbücher a priori festlegen zu müssen. Einerseits läßt sich nämlich beobachten, daß die Furiae, denen im ersten Buch sowohl am Anfang als auch am Buchschluß die Schlüsselrolle für die Motivierung der Handlung zukommt (Furienkonzil, Erziehen und Instigieren des Rufin, Provozieren der Iustitia), im zweiten Buch nicht etwa nur in ihrer Relevanz zurückgetreten sind, sondern tatsächlich mit keinem einzigen Wort mehr erwähnt werden. Andererseits gibt es jedoch deutliche Belege dafür, daß die Rufin-Gestalt des liber alter ethopoietische Charaktereigenschaften und Verhaltensmuster der Furien aus dem liber prior fortschreibt und auch strukturell deren Stelle einnimmt.

Diesen beiden Beobachtungen entspricht eine doppelte methodische Blickrichtung, die sowohl die Unterschiede als auch die Verzahnung der Unterweltmotivik diesseits und jenseits der Buchgrenze herausarbeiten möchte: Nach einem einleitenden Kapitel, in dem kurz auf die literarkritische Frage nach der Zusammengehörigkeit beider Bücher, die Gattung, den Stil und die Erzähltechnik von Ruf. 1 und 2 eingegangen werden soll (= Kap. 1 a–c), sichten und analysieren die Kap. 2 und 3 in grundlegender Weise die verschiedenen Unterwelt-mythologeme in Ruf. 1 und 2 nach ihrem motivgeschichtlichen Gehalt, ihrer intertextuellen Vernetzung und ihrem Ort im narrativen Kontinuum. Die Reihenfolge der zu besprechenden Szenen hält sich dabei an die Reihenfolge im Quellentext selbst.

Weiterführend dazu untersucht Kap. 4, welche inhaltlichen und kompositorisch - strukturellen Querverbindungen es bei aller Unterschiedenheit zwischen Ruf. 1 und Ruf. 2 dennoch gibt. Dabei ist im Sinne eines close reading genauer zu prüfen, inwieweit die Rufin-Gestalt des zweiten Buches gerade jene Charakteristiken fortführt, die im ersten Buch dem infernalischen Götterapparat vorbehalten waren (Kap. 4 b). Auch im Bezug auf die strukturellen Bezüge zwischen Buch I und II und die jeweilige erzähltechnische Funktion Rufins bzw. der Furiae soll eine dementsprechende Verhältnisbestimmung versucht werden (Kap. 4 c). Während die Forscher sich aber bisher v.a. auf einen Vergleich zwischen dem Anfang von Buch I und dem Schluß von Buch I oder II konzentriert haben (e.g. Döpp und Nesselrath), sollen hier die beiden Buch schlüsse intensiver miteinander verglichen werden.

Kap. 5 wirft abschließend einen Blick auf mögliche Sinngehalte und Funktionen der claudianischen Verwendung des Mythos in einer zeitgeschichtlich-politischen Dichtung, wobei ebenso von produktions- wie von rezeptionsästhetischen Aspekten auszugehen sein wird. Dabei kann insbesondere der aus den Kapiteln 2–4 erhobene Erkenntnisgewinn, daß Claudian seine zeitgeschichtlichen Antagonisten und deren mythologische Vorbilder erzähltechnisch nach dem Muster der Überbietung miteinander verknüpft, plausibel machen, warum Claudian im liber alter auf die Furien verzichten kann, ohne damit seiner im liber prior zugrundegelegten Konzeption widersprechen zu müssen.

Kapitel 1: (Un-)Einheitlichkeit, Gattung und Stil von Ruf. 1 und 2

a) Argumente für die (Un-)Einheitlichkeit der beiden Rufinbücher

Es wäre verwegen, die Frage nach der Zusammengehörigkeit von Ruf. 1 und 2 im Sinne eines strikten aut–aut von Abhängigkeit oder Selbständigkeit beantworten zu wollen. Denn einerseits gibt selbst A. Cameron, der die Phalanx der „Analytiker“ anführt, zu bedenken, daß Buch I einen unabgeschlossenen Eindruck mache;[30] andererseits deuten sowohl das Vorhandensein einer zweiten praefatio, als deren terminus a quo sich die Rückkehr Stilichos vom Griechenlandfeldzug im Sommer 397 angeben läßt (pr. Ruf. 2,13 : immensis, Stilicho, succedant otia curis),[31] wie auch die große chronologische Lücke zwischen dem Schluß des liber prior (Stilichos Eingreifen gegen die Bastarner und Hunnen nach der gescheiterten Promotus-Expedition 391/392) und den im liber alter berichteten Ereignissen des Spätjahres 395 auf eine relative Eigenständigkeit von Buch II hin. Gleichwohl muß bedacht werden, daß Buch II ohne das Vorhandensein von Buch I wohl kaum so unvermittelt mit dem Tod des Theodosius hätte einsetzen können (die Einleitung Iam post edomitas… [ Ruf. 2,1] hört sich doch eher nach Fortsetzung einer früheren Erzählung an, wobei das zweifache iam in vv. 1 und 4 die chronologische Lücke zu Buch I zu überbrücken trachtet). Wenn von Rufin ausgesagt wird, er beginne „von neuem“ (Ruf. 2,9: iterum), den Erdkreis mit frevelhaften Kriegen zu entzünden, so ist dabei ein ähnliches früheres Tun als bekannt vorausgesetzt. Für Döpp erfüllt Buch I gerade in diesem Sinne die Funktion einer Buch II vorbereitenden διαβολὴ τοῦ παρελθόντος βίου,[32] wie sie rhetorisch für eine Invektive zu erwarten sei.

Daß Ruf. 2 somit das erste Buch voraussetzt und in gewisser Weise als dessen Fortsetzung erscheinen kann, schließt jedoch nicht aus, daß das zweite Buch strukturell und inhaltlich eine neue und unabhängige Konzeption verfolgt. G.M. Müller spricht in diesem Sinne von einer doppelten Rezeptionsmöglichkeit von Buch II, das zum einen der gewandelten politischen Situation von 397 Rechnung trage, indem es nach den verheerenden gotischen Plünderungen als Apologie für Stilicho erscheine,[33] zum anderen aber auch als Fortsetzung von Buch I gelesen werden könne.[34]

G. Nesselrath, der die ganze Diskussion zusammengefaßt hat, erwähnt als weitere Argumente für die Uneinheitlichkeit der beiden Bücher: die Diskrepanz zwischen der spiegelsymmetrisch in sich gerundeten Struktur von Buch I und der linearen Struktur von Buch II; das Fehlen der Erinnyen und jeglichen Götterapparates in Buch II, mit Ausnahme der Unterweltszene am Buchschluß; die uneinheitliche Konzeption des Göttlichen (man vergleiche das „Fallhöhengesetz“ in Ruf. 1,20–23 mit dem Vorwurf der Wankelmütigkeit an die Götter in Ruf. 2,441).

b) Zur Gattung

In welcher literarischen Tradition seine antiken Auftraggeber und Rezipienten den ursprünglich aus Alexandria stammenden, mithin die lateinische und griechische Kultur verbindenden[35] Claudius Claudianus († um 404) verorteten, ist aus der Inschrift ersichtlich, die sich auf dem erhaltenen Sockel jener Statue befindet, welche Honorius und Arcadius senatu petente dem Dichter auf dem Trajansforum aufstellen ließen.[36] Die lateinische Prosainschrift endet auf das griechische Distichon:

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Der Senat und die Kaiser bescheinigen also, daß Claudian auf sich allein den Geist Vergils und die Muse Homers vereine; der so Geehrte wird deutlich in die Tradition der epischen Poetik eingereiht. In Rufinum enthält indes nicht nur epische, sondern auch epideiktische Elemente.[37] Der epischen Erzähltradition lassen sich u.a. das Proöm und der Musenanruf (1,1–24), der Götterapparat (Eumeniden, Iustitia, Mars), das Furienkonzil (1,25–122), die Naturvergleiche (e.g. 1,269–272), die ekphrastischen Elemente (e.g. 1,323–331), die Kataloge (e.g. 2,108–114: Truppen des Stilicho), die Aristie des Stilicho (1,264–267; 1,350–353) und die auktorialen Erzählerkommentare zuordnen.[38] Die starke „Markierung der Persona“ des poeta (etwa in 1,1–23a) rechnet Döpp dabei insbesondere der von C.S. Lewis so benannten „secondary epic“ der Spätantike zu, in welcher der Ich-Erzähler zunehmend an Gewicht gewann.[39] Epideiktisches Gepräge haben hingegen die Topoi der ἀνατροφή, des γένος und der ἐπιτηδεύματα (1,89–115), der πατρίς und des ἔθνος (1,123–128: Elusa) sowie auch die verschiedenen συγκρίσεις mit historischen oder mythologischen Personen (1,196–219; 1,251–256: Rufino conlatus; 1,297–300); auch die Charakter- und Handlungsschilderungen von Ruf. 1 lassen sich als epideiktische Bedienung des Topos der πράξεις κατὰ εἰρήνην, die Kriegsvorbereitungen als πράξεις κατὰ πόλεμον interpretieren.[40] Desgleichen gehört die heftige Apostrophé an Rufin (1,196–219: Quo vaesane ruis…) zum Standard der Invektive.[41]

Das ausführlichste Schulprogramm epideiktischer Topoi (loci), die spiegelsymmetrisch sowohl auf das enkomiastische Herrscherlob (βασιλικὸς λόγος als Unterart des ἔπαινος, laus) wie auch auf den tadelnden ψόγος (vituperatio) Anwendung finden,[42] ist im Traktat Περὶ ἐπιδεικτικῶν unter dem Namen des Menander Rhetor überliefert (Men. 368–377).[43] Allerdings handelt es sich bei Menanders Zusammenstellung des panegyrischen Schemas „nicht um ein starres Korsett“[44]. Die vollständige Abarbeitung des Schemas wird auch im Falle Claudians nicht verlangt werden dürfen, um seinen Text als Epideiktik qualifizieren zu können.

Ruf. 1 und 2 unterscheiden sich gattungstypologisch aber nicht geringfügig voneinander: Während der liber prior sich deutlich besser dem epideiktischen Schema einfügt, insofern er Rufins Charakter im Sinne einer rhetorischen amplificatio [45] ohne klare chronologische Struktur mit entsprechenden colores illustriert (Ruf. 1,176–258),[46] hält sich der liber alter an eine lineare Handlungsfolge, die dem Ganzen das Gepräge eines Kurzepos verleiht, das vom Tod des Theodosius bis zum Totengericht über Rufin führt. So geht C. Ware, im Gefolge von A. Cameron, J.-L. Charlet und Fl. Garambois-Vasquez[47], davon aus, daß Ruf. 1 grundlegend als Invektive zu lesen sei, in die eine Vielzahl epischer Topoi eingelagert werde, wodurch zwar reich ausgeschmückte, aber narratologisch nicht immer stringent miteinander verbundene Einzelszenen gestaltet würden.[48] Ein Weiteres kommt hinzu: Wenn Claudian mit seiner Epideiktik einerseits die entschiedene Nähe zum heroisch-epischen Stil sucht, so muß er andererseits als Panegyriker und Hofpoet die Historizität (statt Fiktionalität) seiner Darstellung unterstreichen. Aus diesem Grunde sei die Epideiktik, so folgert etwa Charlet, in der claudianischen Gattungskreuzung stets das „genre dominant“.[49]

In bewußter Absetzung von dieser Sicht will G.M. Müller in Ruf. 1 ein grundlegend episches (weil dem Antagonismus zwischen Rufin und Stilicho verpflichtetes) Schema ausmachen, in dem allerdings das episch-prolixe Narrativ durch topisch-epideiktische Abbreviaturen ersetzt sei.[50] Ruf. 1 sei von seinem Grundanliegen her keine Invektive, sondern „Claudian bedient sich des verstorbenen Rufin, um einen … Konflikt zu konstruieren, der zum grandiosen Einstand Stilichos in das ihm von Theodosius übertragene Amt stilisiert werden kann“[51]. Anders als bei der „unübersehbaren epischen Gestaltung“[52] von Buch I komme Claudian in Buch II hingegen zunächst ganz ohne epischen Götterapparat aus, um erst zum Schluß diese „rein auf den Nachvollzug von Rufins unseligem Treiben abzielende historische Erzählung“[53] um eine Totengerichtsszene zu erweitern.

Unabhängig von der teils müßigen Frage, ob es sich bei den vorliegenden Texten nun um epideiktische Epik oder epische Epideiktik handele, liegt auf der Hand, daß Claudian als Hofpoet mit seiner hexametrischen Verspanegyrik und den praefationes im elegischen Versmaß eine stilbildende Gattungsmetamorphose[54] geschaffen hat, welche viele ältere Elemente sowohl aus der Prosapanegyrik als auch aus den enkomiastischen Aspekten des Epos[55] in sich aufnimmt. Wenngleich für diesen Kunstgriff einer Panegyrik im heroischen Versmaß[56] wichtige griechische und lateinische Vorbilder (u.a. Statius’ Silvae) benannt werden können,[57] so muß die offiziell an einem Hof akkreditierte hexametrische Epideiktik in dieser solennen Form dennoch als das später oft nachgeahmte[58] Alleinstellungs- und Qualitätsmerkmal der Dichtung Claudians angesehen werden.[59]

Obschon Claudians Rufinbücher übrigens stets den Tod ihres Anti-Helden voraussetzen, so gibt es darin dennoch keine eigentlichen Anklänge an die satirische Kontrafaktur einer Grabrede (ἐπιτάφιος), wie dies etwa in Senecas Apocolocyntosis der Fall ist.

c) Zum Stil bzw. zur Erzähltechnik

Wenngleich sowohl der liber prior als auch der liber alter in Rufinum aus der Sicht eines allwissenden auktorialen Erzählers[60] vorgetragen werden, der als poetisches Ich auch seine eigene Sicht der Dinge kommentierend ins Spiel bringt, gibt es einen wichtigen, von den Auslegern meist übersehenen Unterschied: Während Rufinus im ersten Buch so gut wie nie in direkter Rede spricht,[61] sondern im Grunde nur als das ausführende Werkzeug der Furien erscheint, versucht der Erzähler des zweiten Buches Rufin als ein psychologisches Ich zu konstruieren und sich durch die verschiedenen direkt oder indirekt wiedergegebenen Reden, Selbstgespräche und sogar Träume Rufins empathisch in dessen Psychologie einzufühlen (Ruf. 2,11–21.130–168.297–316.324–335).[62] Nur in Buch II kommt Rufin als ein Ich vor. Stilicho hingegen figuriert von Anfang an als selbstsicher und magnanimus (Ruf. 1,259); lediglich angesichts des unerwarteten Abzugsbefehls für die Truppen des Ostreiches wird ein dubitatives und deliberatives Selbstgespräch des Helden angedeutet (2,197–204). Seine direkten Reden sind auf rollengerechte Gebete (1,334–339; 2,206–216) und Feldherrenreden (2,217–219.247–251) beschränkt.

M. Roberts hat in seiner bekannten Abhandlung über den „jeweled style“ der spätantiken Kunst und Dichtung auch für Claudians Werk die Bedeutung der Ekphraseis mit ihrer anschaulichen enargeia herausgestellt.[63] In den zeitgeschichtlichen Dichtungen Claudians scheint die farbenfrohe Ausmalung des Mythos allerdings kein Selbstzweck zu sein. Vielmehr verfremden, deuten und beleben sich die zeitgeschichtliche und die mythologische Erzählfolie wechselseitig durch ihre metaphorische Interaktion, die im folgenden noch genauer zu bestimmen ist.

Claudian erweist sich überdies als Epigone der großen lateinischen Epik, wenn er eine Vielzahl bekannter Zitate (etwa aus der Aeneis, aus der Thebais oder aus Ovids Metamorphosen) abwandelt und neu kombiniert, um sie als literarische Pretiosen in den „Schrein“ seiner Dichtung einzufügen (wie ja die Spätantike ganz allgemein als das Zeitalter der Centonen und des Zitates gilt).[64] Wenn aber einerseits außer Frage steht, daß Claudians Werk durch seine stark markierte Intertextualität einen palimpsestartigen Charakter annimmt,[65] so ist mit einer solchen Feststellung andererseits noch gar nichts ausgesagt über den spezifischen poetologischen Sinn und erzähltechnischen Zweck von Claudians konkreter Bezugnahme auf die römische Literaturtradition und ihre mythologische Unterweltmotivik. Die Frage, wie Claudian sich auf diese mythologisch-literarische Tradition bezieht, wird in den Kapiteln 2 und 3 untersucht; die Frage, welchen Sinngehalt diese Bezugnahmen transportieren, wird in Kapitel 5 näher darzustellen sein. Von der Rezeptionsästhetik her kann an dieser Stelle vorerst nur so viel gesagt werden, daß Claudians Dichtung nicht bloß auf eine (immerhin auch mögliche) naive Lektüre des politischen bzw. mythologischen „Inhaltes“ oder auf eine rein ästhetische Schwelgerei zielte, sondern auf die Rezeption durch ein gelehrtes Publikum[66], das die intertextuelle Vielzahl der literarischen Bezüge erkennen und in ihrer originellen Abwandlung werten kann.

Kapitel 2: Die Unterweltmotivik in Ruf. 1

a) Rufin als neuer Python ( pr.Ruf.1)

Die Idee, den Sieg Apollos über die Python-Schlange[67] auf zeitgeschichtliche Zusammen-hänge zu beziehen, konnte der Dichter bereits in Lukans De bello civili vorgeprägt finden (Lucan. 6,406–9; 7,148). Die claudianische Übernahme des Motivs inspiriert sich überdies deutlich an Statius’ Thebais.[68] Claudian selbst verwendet den Mythos außerdem noch an zwei weiteren Stellen (Prob. 186–189; 4cons. Hon. 532–538), aber nirgends mehr so ausführlich wie in der praefatio zum liber prior in Rufinum.

Für den christlichen Hof in Mailand war diese mythologische Chiffre in ihrer Übertragbarkeit auf den Kampf zwischen den Erben des christianissimus imperator Theodosius[69] und den das Reich bedrohenden Mächten (hier Rufin) ohne weiteres durchsichtig, hatte doch bereits Eusebius von Cäsarea in seiner Vita Constantini auf ein Bildnis über dem Eingang des Kaiserpalastes hingewiesen, das Konstantin als Schlangenbezwinger allen vor Augen führte (vit. Const. 3,3,1):

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten[70]

Im Bezug auf den Python wird besonders dessen bedrückende und vergiftende Wirksamkeit hervorgehoben (Ruf. 1,3.5: tegeret; nexuque soluto; 1,9: vipereo veneno). Im Rekurs auf den Mythos, wonach die delphische Orakelhöhle vor dem Sieg des Apoll mit Themis, der Göttin der Gerechtigkeit, verbunden war, verweist pr. Ruf. 1,14 bereits auf die Rolle der Iustitia am Ende von Ruf. 1 und den dort evozierten Mythos vom Goldenen Zeitalter.

Festzuhalten bleibt die bereits in der praefatio postulierte Permeabilität zwischen Mythos und Zeitgeschichte und hier wiederum insbesondere die Fähigkeit der Rufin-Gestalt, Metamorphosen in Richtung unterweltlicher Charakterzüge einzugehen. Was jedoch in der praefatio noch deutlich metaphorisch und vergleichend war (alioPythone), das wird im folgenden Gedicht in mythologisch-epische Narrative transponiert.

b) Das concilium deforme der Furien ( Ruf. 1,25–122)

α) Allgemeine Beobachtungen: Im Musenanruf, mit dem das Proömium schließt (Ruf. 1,24), wird als ausdrückliches Thema des liber prior die aitiologische Bestimmung des ortus der „so gewaltigen Seuche“ (tanta lues = Rufinus) genannt. Die Frage nach diesem kosmologisch aufgefaßten Ursprung motiviert den Beginn der Handlung in der Unterwelt, wobei Claudian sich auf kreative Weise bei der traditionellen Unterwelttopik bedient, wie sie v.a. aus Hom. Od. 11, aus Verg. Aen. 6, Ov. met. 4,432sqq. und 10,1sqq., aus Val. Fl. 1,827sqq., Stat. Theb. 4; 8 und 11 sowie aus Sil. 13,381sqq. bekannt ist. Dabei gibt es trotz der vielen Topik gleichwohl originell claudianische Erzählmuster zu beobachten, die sich auch in anderen seiner Schriften wiederfinden. Wie z.B. in Claudians rapt. Pros. 1,30–47 der Unterweltgott Pluto, so begehrt hier in Ruf. 1,25–67 die Erinnye Allecto gegen die Weltordnung auf, indem sie damit droht, die Welt ins Chaos zu stürzen (v. 65: rerum vexare fidem). Doch wie in rapt. Pros. 1,48–75 durch die Vermittlung der Parze Lachesis der Zorn des Pluto von vornherein in diplomatischere und geordnetere Bahnen umgelenkt wird,[71] so wird in Ruf. 1,74–117 durch Megaera ein Vorschlag gemacht, der das unterweltliche Aufbegehren gleich zu Beginn dämpft und mit der unumstößlichen Weltordnung konziliiert (v. 86sq.: signa quidem, sociae, divos attollere contra / nec fas est nec posse reor). Damit ist der Wirkungsbereich des Bösen in der Perspektive von Ruf. 1 von vornherein auf einen partiellen innergeschichtlichen Bereich eingeschränkt und von einer größeren kosmologischen Ordnung gebändigt. Das unterweltlich Böse in Ruf. 1 erweist sich nicht so sehr als ein der Weltordnung absolut opponierendes manichäisches Prinzip, wie Nesselrath meinte,[72] es scheint vielmehr Teil einer umfassenderen Ordnung zu sein. Man wird demnach Vorsicht walten lassen, von Allectos Aufbegehren her einen weltanschaulichen Gegensatz zwischen dem liber prior und dem liber alter konstruieren zu wollen.

[...]


[1] Christiansen / Christiansen (2009), 141, bemerken sowohl für das Zeugnis Augustins als auch für jenes des Orosius: „They do not explain how the defeated pagan poet became a spokesman for the victorious Christian leader Theodosius.“

[2] Moreschini (2004), 59-61, referiert die extrem divergierende Forschungsdiskussion zur Deutung dieses carmen, das von manchen (C. Lo Cicero, J.L. Sebesta) als Ausdruck einer Bekehrung Claudians zum Christentum gewertet wurde, während andere Gelehrte vorsichtiger urteilten. Vor eiligen Rückschlüssen aus diesem Auftragsgedicht auf eine persönliche Haltung des Dichters, etwa gar im anachronistischen Sinne unseres nachkantianischen Begriffs von Religion und Glauben, haben insbesondere CAmeron (1970), 215sqq., und Charlet (1984), 273sqq., eindringlich gewarnt.

[3] Nesselrath (1991), 228: Im ersten Rufinus-Buch sei die Unterwelt, „in der Tat eine ‚Hölle‘, d.h. eine manichäisch böse Macht, die der Menschenwelt alles Mögliche an Leid zufügen möchte“. In seinem liber alter in Rufinum orientiere Claudian sich dagegen in der Darstellung der Unterwelt mehr am platonischen Gedanken eines Ortes höherer Gerechtigkeit, wie er aus dem Totengerichts-Schlußmythos des Gorgiasdialogs bekannt ist. So stellt sich die Frage, ob Claudian hier mit Rücksicht auf seine platonisierend-christlichen Leser sein paganes oder manichäisches Gedankengut bewußt „entschärft“ hat.

[4] Flasch (2013), 35.

[5] Zu diesem Begriff verschlüsselter Kritik in der Literatur vgl. Ahl (1984), 174-208.

[6] Gualandri (2013), 144sq.: „As to Claudian, after many years I am still persuaded that not everything in his poetry so rich in mythological allusions has to be considered as purely litterary and without pagan meanings […] In my view here as elsewhere Claudian’s poetry has an unmistakble pagan flavour.“ Ebenso nennt die Autorin Claudians Dichtung „gratifying and flattering the surviving pagan aristocrats“ (ibidem, 145). Gleichwohl ist Gualandri (1989), 26, vorsichtig, wenn es darum geht, Rückschlüsse auf die persönliche Glaubensüberzeugung Claudians zu ziehen: „non si tratta di chiarirsi le idee sulle convinzioni personali di Claudiano: […] non sapremo mai se fosse cristiano soltanto di facciata, per opportunismo […] o se nascondesse una sincera fede pagana, o se addirittura apertamente professasse il paganesimo.“

[7] Schindler (2015), 21; ausführlicher dazu weiter unten.

[8] Moreschini (2004), 57-77; bzgl. der epikureisch-lukretianischen Terminologie in Ruf. I, 4sqq. (numina … vel nulla … vel nescia nostri) bemerkt der Autor (67): „Il motivo è topico …“, zu Ruf. I,196sqq.: „È un motivo di Popularphilosophie “ (ibidem).

[9] Ehlers / felgentreu / Wheeler (2004), V.

[10] In der hier zugrundegelegten Teubneriana-Ausgabe Claudians durch Hall (1985) werden die beiden Bücher und ihre praefationes als carmina (maiora) 2–5 gezählt, welche Zählung sich auch im Index des ThlL wiederfindet. Der Einfachkeit halber sollen hier jedoch die in der Claudian-Forschung üblichen Siglen (z.B. Ruf. 1 bzw. 2 sowie pr. Ruf 1 und 2) verwendet werden, wie sie von Müller (2011), 15, aufgelistet werden. Auch die kritische Edition nach Charlet (2000) wurde berücksichtigt.

[11] Müller (2011), 19, spricht insgesamt von einer „hybriden Signatur“ der zeitgeschichtlich-politischen Dichtungen Claudians.

[12] Döpp (1980) nennt die beiden Hauptquellen, sc. die Historia nea des Zosimos und eben Claudians In Rufinum, in historiographischer Hinsicht „durchaus trübe“ (61). Vgl. die Debatte um Cameron (1970), der sich von der älteren Forschung absetzt, indem er Claudian weitgehende Geschichtsfälschung zugunsten Stilichos vorwirft.

[13] Unter „Veröffentlichung“ ist hier der öffentliche Vortrag durch den Dichter am Mailänder Hof zu verstehen. Der liber prior könnte dort Anfang 396 in Abwesenheit Stilichos vorgetragen worden sein, kurz nachdem Claudian seinen Panegyricus auf das dritte Konsulat des Kaisers Honorius, der damals erst elf Jahre alt war, fertiggestellt hatte (vgl. dazu Nesselrath [1991], 230). Der liber alter wurde nach der heutigen communis opinio erst im Sommer 397 vorgetragen, als Stilicho vom Feldzug gegen die in Griechenland plündernden Goten Alarichs zurückkehrte. Zur Werkchronologie vergleiche man die übersichtliche Darstellung bei Charlet (2000), XXI–XXIV. Döpp (1980), 89–94, geht indes davon aus, daß beide Bücher „in einem Zuge niedergeschrieben“ (94) und im Jahr 397 zweimal zu je verschiedenen Anlässen vorgetragen worden seien, wofür Claudian eine je eigene praefatio verfaßt habe.

[14] Vgl. den terminus post quem in Ruf. 1,20: Rufini poena, sowie das vaticinium ex eventu in Ruf. 1,369: Iam poenas dabit iste tuus. Am 27. November 395 war Rufin von den widerwillig nach Konstantinopel zurückkehrenden Truppen des Ostreiches ermordet worden.

[15] Levy (1946) hat bereits Mitte der 40er Jahre darauf hingewiesen, daß in einem traditionellen ψόγος für narrative Elemente wie ein Furienkonzil kein Platz wäre (58): „There is no place in the traditional scheme of the ψόγος for such a narrative“. Vgl. Cameron (1970), 256.

[16] Zur Topik des Python-Motives vgl. Garambois (2007), 83sq.; 250–252. Charlet (2000), 183, bemerkt zu der Stelle: „La lutte entre Apollon et Python, c’est le conflit entre le dieu de la lumière et une puissance chtonienne, infernale.“ Ähnlich äußern sich Levy (1971), 2 (zu pr. Ruf. 1,1), und Ware (2012), 51. Zum mythologischen Hintergrund vgl. Türk, s.v. Python, in: Roscher III,2 (1902–1909), Spp. 3400–3412.

[17] Wenngleich hinter dem literarischen Ich der praefatio (pr.Ruf. 1,16: ad nostramlyram) und des Proöms von Ruf. 1 zweifellos der das Gedicht in Mailand ja persönlich vortragende Claudian steht, so muß dennoch bedacht werden, daß es sich im Text immer um die literarisch-topisch stilisierte Selbstrepräsentation des Hofdichters handelt, wobei nach Felgentreu (1999) der Grad an epischer Stilisierung bei Claudian so hoch ist, daß selbst das Ich der praefationes „kaum jemals mit dem Ich des Autors zu identifizieren ist“ (217). Ebenso ist im folgenden zu bedenken, daß im Rahmen dieser Abhandlung „Rufin“ und „Stilicho“ als literarische Personen der claudianischen Dichtkunst behandelt werden, die mit den historischen Personen nicht ohne weiteres gleichgesetzt werden dürfen.

[18] Unter „Metapoetik“ wird hier verstanden, was der Dichter im Medium der Dichtung implizit oder explizit über das poetologische Selbstverständnis seines Dichtens aussagt. Daß sich Claudians Dichtung durch eine hohe poetologische Autoreflexivität auszeichnet, erhellt auch aus anderen seiner praefationes, etwa aus dem Motiv der kühnen Seefahrt, die in pr. rapt.Pros. 1 zur Metapher für immer gewagtere poetische Projekte wird, wie auch aus dem Vergleich der Hofdichtung mit der Sonnenprobe des jungen Adlers in pr.3 cons. Hon. Zum poetologischen Charakter der claudianischen praefationes vgl. Felgentreu (1999), 215–218.

[19] Nach Charlet (2000), 185, n. 2, wird durch den Vergleich mit Ruf. 2,305 deutlich, daß es in der Vorstellung Claudians Stilicho ist (und nicht etwa Kaiser Honorius), der als dominus den neuen Python tötet.

[20] Zu Apollo und den Musen in den anderen praefationes (e.g. pr. Get. 2.4.10) vgl. Felgentreu (1999), 201.

[21] Vgl. dazu Ware (2012), 4sq.; 128–131; 172. Die Auseinandersetzung zwischen den romfeindlichen Chaosmächten und der Rom-Idee des imperium sine fine (Verg.Aen. 1,279) sei die episch-mythologische Hintergrundfolie des gesamten claudianischen corpus. Vgl. die Fragmente von Claudians griechischer Gigantomaci,a bei Hall (1985), 429–433. Daß die Idee einer durch die überstandene Gigantomachie gestärkten Machtposition Jupiters auch zur politischen Metapher für die sich durchsetzende Macht des Kaisers werden konnte, zeigt Lucan. 1,33–45 (vgl. dazu Schindler [2009], 27). Charlet (2000), 190sq., nennt das Sujet der Gigantomachie sogar ein „thème obsessionnel chez Claudien“. Zur politischen Valenz auch der lateinischen Gigantomachia Claudians (carm.min. 53) vgl. Kirsch (1989), 221–225.

[22] Zum vergilischen Hintergrund (Aen. 1,257–296 und Ecl. 4) sowie zur politischen Dimension dieses Topos des Goldenen Zeitalters vgl. Garambois (2007), 252–254, und Ware (2012), 171–230.

[23] Unter „Funktion“ soll hier im Sinne von Fricke, s.v. Funktion, in: RLW I (1997), 643–646, die „potentielle Wirkung […] eines Textelementes“ verstanden sein.

[24] Von Albrecht (1994), 1060, weist darauf hin, daß es bei der Datierung einiger carmina maiora Claudians schwer falle, die „historisierende Annahme sukzessiver Entstehung“ ihrer einzelnen Bücher „mit der philologischen Beobachtung einer einheitlichen Konzeption in Einklang zu bringen“, wobei Döpp (1980) als Kronzeuge für die Stimme der „Unitarier“ genannt wird, während Funke (1984) und Cameron (1970) als Vertreter des „analytischen“ Ansatzes zitiert sind. Vgl. auch die absprechende Rez. Camerons durch Gnilka (1977). Nesselrath (1991) hat die ganze Diskussion übersichtlich zusammengefaßt (218–223) und um einige wichtige Argumente bereichert (siehe unten Kap. 1 a).

[25] Schmidt (1976), v.a. Anhang 1: „Zur Struktur von Ruf. und Eutr.“, 59sq.

[26] Döpp (1980), 88: „Die Handlung der Invektive endet dort, wo sie mit der Versammlung der Furien begonnen hatte“; vgl. ibidem, 93.

[27] Nesselrath (1991), 228.

[28] Nesselrath (1991), 226, unterscheidet bei dieser spiegelsymmetrischen Anordnung „sechs Hauptab-schnitte“ des ersten Buches: die beiden transzendenten Eckszenen des Höllenkonzils (1,25–122) und des Streitgesprächs von Megaera und Iustitia (1,354–387), sodann die „jeweils nach ‚innen‘ an diese Eckszenen anschließenden“ Abschnitte, wo die göttliche Sphäre mit der menschlichen in Kontakt tritt bzw. vice versa (1,123–175: Megaera bei Rufin; 1,323–353: Stilicho betet zu Mars), und schließlich das Kernstück der beiden epideiktisch gestalteten Mittelszenen der Invektive gegen Rufin (1,176–256a) und des Enkomiums auf Stilicho (1,256–322). In diese beiden Kernszenen ist jeweils eine 24 Verse umfassende Apostrophé an Rufin (1,196–219) und an Stilicho (1,273–296) eingelagert, was die Spiegelsymmetrie von invektivischem und panegyrischem Anliegen zusätzlich unterstreicht.

[29] Zudem scheint der Buchschluß mit Iustitias Verheißung eines Goldenen Zeitalters unter Honorius (Ruf. 1, 372–387) eine klare Antwort auf Allectos Plan zu geben, den Anbruch eines ebensolchen Zeitalters unter Theodosius (Ruf. 1,51–54) zu vereiteln.

[30] Cameron (1970), 79: „The fact that Ruf. i, ending as it does with a prophecy of Rufinus’ fall, is obviously unfinished and looks forward to Bk. ii, is no argument against the suggestion that Bk. ii did not appear till eighteen months after Bk. i.“

[31] Allerdings kann Claudians carm. 4 nicht eindeutig dem carm. 5 zugeordnet werden; viele Handschriften lesen carm. 4 als praefatio zu carm. 15 (= Gild.); cfr. Hall (1985), 29; Felgentreu (1999), 71.

[32] Döpp (1980), 93; Döpp (2000), 79.

[33] Die bis 397 über anderthalb Jahre währenden Plünderungen der Goten in Griechenland werden in Ruf. 2,193 aus der erzählten Situation heraus als futurum … scelus in den Blick genommen. Der umfängliche Hauptteil von Ruf. 2 (vv. 130–277) gipfelt in der Aussage, daß diese späteren Plünderungen niemals stattgefunden hätten, wenn Rufin den im Spätjahr 395 unmittelbar bevorstehendem Sieg über die Goten nicht vereitelt hätte (v. 186: si tunc his animis acies conlata fuisset…; v. 192: illa dies potuit nostris imponere finem / cladibus).

[34] Wenn Müller (2011), 138 und 141, jedoch behauptet, mit Ruf. 1 habe Claudian im Januar 396 ein am Mailänder Hof herrschendes „Informationsdefizit“ bezüglich der genauen Umstände von Rufins Tod ausnutzen wollen, um zwar den „Sieg“ Stilichos über Rufin zu verklären, die wenig rühmlichen Details aber zu „unterschlagen“ – eine Strategie, die im Sommer 397 für Buch II nicht mehr in Frage gekommen sei – , so ist dieses temporäre „Informationsdefizit“ reine Spekulation.

[35] Dazu Kirsch (1989), 153.

[36] CIL VI, 1710; vgl. Ware (2012), 1.

[37] Ware (2012), 40: „The first book of In Rufinum illustrates how skilfully Claudian combines rhetorical and epic features.“

[38] Zu den stilbildenden Elementen der Epik vgl. etwa Kirsch (1989), 22, und Schindler (2009), 25.

[39] Döpp (2000), 76; vgl. Lewis (1942), 12–50. Zu den poetologisch-narrativen Differenzen zwischen der epischen Dichtung Claudians und der frühkaiserzeitlichen Epik vgl. Hofmann (1988), 116 und 125 (v.a. unter Nr. 3).

[40] Vgl. zur epideiktischen Tradition bei Claudian: Garambois (2007), 68–74; Ware (2012), 23sq.; Levy (1946), 60-65; Cameron (1970), 83sq.; 253–260.

[41] Garambois (2007), 72.

[42] Rhet.Her. 3,10 bestimmt: quibus ex rebus laudem constituerimus ex contrariis rebus erit vituperatio comparanda.

[43] Vgl. dazu Schindler (2009), 16–21.

[44] Schindler (2009), 19.

[45] Zu den Stilfiguren der amplificatio und der hyperbolé bei Claudian: Garambois (2007), 90sq.

[46] Garambois (2007), 73, weist darauf hin, daß die rhetorische inventio sich bei der Abfassung einer Invektive nicht allein aus historischen, sondern ebenso aus rein fiktiven Elementen speist, die im Sinne des εἰκός einfach zur Schilderung des kritisierten ethos passen. Ebenso Hofmann (1988), 129.

[47] Vgl. Cameron (1970), 83: „Bk. i, if not a full-blown formal ψόγος in its entirety […], is both in conception and treatment strongly influenced by the pattern of the rhetorical ψόγος. Whereas Bk. ii is conceived and treated as a straightforward epic.“ Charlet (2000), XXXVIII, Anm. 48, schließt sich diesem Urteil an: Buch I sei eine Invektive „sans préoccupation chronologique“, während Buch II eine „structure narrative et chronologique, donc de tonalité épique“ aufweise. Vgl. Garambois (2007), 110sq.

[48] Ware (2012), 53: Die enkomiastische und episodische Grundstruktur des (Gesamt-)Werkes Claudians gehe zu Lasten des episch-narrativen Kontinuums; der Gebrauch epischer Topoi mache das „lack of any real epic action“ nicht wett; ibidem, 36: „(A) poem by Claudian leaves the impression of a series of epic tableaux, linked by rhetorical passages. In Rufinum, for example, although following the structure of the basilikos logos …, is a series of tightly knit episodes with little rhetorical linkage.“

[49] Charlet (2000), XL; als Ausnahmen von dieser Regel nennt Charlet die eigentlich episch-politischen Werke Claudians: Gild., Get., Ruf. 2 und Eutr. 2.

[50] Müller (2011), 142: In Ruf. 1 bilde das epische Narrativ den strukturellen Rahmen, „in den die beiden in der Regel eigenständig formulierten Grundformen epideiktischer Sprechweise Lob und Tadel zu einer kontinuierlichen epischen Erzählung integriert werden“; eine „epideiktische Grundstruktur“ sieht Müller für Ruf. 1 nicht gegeben; vgl. ibidem, 143sq.; 153.

[51] Müller (2011), 142.

[52] ibidem, 122.

[53] ibidem.

[54] Ware (2012), 16: „Claudian was experimenting with genre…“.

[55] Daß Epik und Panegyrik einander mitnichten fremd sind, belegt nicht zuletzt die Aussage des Servius (Serv. Aen.praef. 4), wonach Vergil mit seiner Aeneis der rhetorischen Aufgabe eines Augustum laudare a parentibus entsprochen habe (vgl. Ware [2012], 27; Suerbaum [1999], 108–110; 125sq.; Kirsch [1989], 25).

[56] Vgl. Kirsch (1989), 12.

[57] Eine Übersicht dazu bei Kirsch (1989), 161sq. Schindler (2009), 44, betont, daß die klassisch-antike Verspanegyrik im Unterschied zur spätantiken Dichtung Claudians stets dem „eher privaten Bereich“ zugehörte.

[58] Bis ins 6. Jhd. findet diese neue Form so viele Nachahmer (z.B. Merobaudes, Sidonius Apollinaris; vgl. Hofmann [1988], 110–116), daß sie schließlich der Prosapanegyrik „als Mittel der Herrschaftslegitimation den Rang abläuft“, so Schindler (2009), 45.

[59] Vgl. Hofmann (1988), 141; Schindler (2009), 44: „Eine offizielle und institutionalisierte Panegyrik in Versen, die an feste Anlässe gebunden ist oder als Auftragsdichtung das Sprachrohr der herrschenden Gruppe darstellt, ist in der klassischen Antike und in der Spätantike vor Claudian nicht nachweisbar.“ Ebenso Charlet (2000), XXXVII: „Avant Claudien, les panégyriques officiels latins sont pratiquement toujours écrits en prose et c’est une innovation importante dont la littérature latine lui est redevable que d’avoir imposé l’usage du panégyrique en hexamètres…“. Vgl. von Albrecht (1994), 1065.

[60] Hofmann (1988), 121, gibt allerdings zu bedenken, daß die „Omniszienz“ des auktorialen Erzählers im Epos von den Musen her inspiriert ist; so auch noch bei Claudian, Ruf. 1,23b sq.: vos pandite vati… .

[61] Die einzige Ausnahme bildet die äußerst knappe Antwort Rufins an Megaera in Ruf. 1,170sq.: Sequimur…

[62] Zur Funktion der persönlichen Rede in der Dichtung Claudians vgl. auch Kirsch (1989), 167.

[63] Roberts (1989), 39. Insbesondere in dem nicht vollständig überlieferten De raptu Proserpinae legt Claudian größten Wert auf die anschauliche Schilderung der Blütenpracht am Ätna (Häufung von Farbadjektiven), während die einzelnen epischen Szenen oft nur durch eine sehr summarisch wirkende narrative Verbindung miteinander verknüpft sind. Ware (2012), 34sq., unterstreicht, daß die mosaikhaft-ornamentale Ausgestaltung von Einzelszenen typisch sei für die spätantike Dichtung, in welcher die Ausschmückung der einzelnen Episode gegenüber der narrativen Kontinuität privilegiert werde: „Like mosaic, poetry of the period rejected movement in favour of static positioning and delighted in patterning and colour.“ Vgl. Hofmann (1988), 125; Cameron (1970), 269–273; Gualandri (1968), 8sq.

[64] So Micozzi (2013), XVI; nach Gualandri (1968), 49, löst Claudian seine Vorlagen, z.B. Vergil, in kleine Versatzstückchen auf („lavoro estremamente analitico“) und verwendet sie, mit Formeln anderer Autoren vermischt, an opportuner Stelle.

[65] Vgl. Genette (1982), 2, zu den verschiedenen Dimensionen von Trans- bzw. Intertextualität.

[66] Ware (2012), 10: „people … who would welcome the challenge of a complicated network of intertextual allusion.“

[67] Zur mythologischen Kontextualisierung des Python-Motivs vgl. etwa Fontenrose (1959); Türk, s.v. Python, in: Roscher III,2 (1902–1909), Spp. 3400–3412.

[68] Theb. 1,562–569: Adrast stellt den Python-Mythos an den Beginn jener Aitiologie, durch die er seinen beiden Gästen Polynices und Tydeus den argivischen Apollo-Kult erklärt. Überdies gibt es bei Claudian Anklänge an Theb. 5,531–533 und 7,349sq., besonders auch was die topographische Verortung des Mythos angeht: Delphi, der Parnaß, der vom Schlangengift verunreinigte kastalische Quell bzw. der im Rachen des Python verschwindende Kephisos-Fluß, das Feld von Cirrha (Theb. 1,568). In Theb. 4,222 schmückt der besiegte Python den Helm des Amphiaraus.

[69] Zur Christianisierung des Reiches unter Theodosius vgl. Schindler (2008), 331sq.

[70] Vgl. hierzu Gualandri (2008), 72–75; Schindler (2015), 27sq.

[71] In Stat.Theb. 8,27–29 ist es Minos, dem die Rolle zufällt, den Zorn Plutos zu mäßigen.

[72] Nesselrath (1991), 228; auch Charlet (2000), 189 unten, ist der These von einer Inspiration Claudians durch den in Rom verbreiteten und in Mailand bekämpften Manichäismus, wie Augustinus ihm zeitweilig anhing, nicht abgeneigt; vgl. zur indirekten Wirkung des neoplatonischen Dualismus und des Manichäismus auf Claudian ebenfalls Ware (2012), 51. Da aber der Kaiserhof in Mailand dezidiert antimanichäisch eingestellt war (vgl. Flasch [2013], 35), ist es wenig wahrscheinlich, daß der Hofpoet eine manichäische Grundkonzeption habe festhalten wollen. Im Totengericht am Ende von Buch II ist denn auch für eine dualistische Unterweltvorstellung kein Platz mehr.

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Spätantike "Repaganisierungstendenzen" in der Mailänder Hofdichtung?
Untertitel
Zu Funktion und Gehalt der mythologischen Unterweltmotivik in Claudians "In Rufinum"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
54
Katalognummer
V449816
ISBN (eBook)
9783668848085
ISBN (Buch)
9783668848092
Sprache
Deutsch
Schlagworte
spätantike, repaganisierungstendenzen, mailänder, hofdichtung, funktion, gehalt, unterweltmotivik, claudians, rufinum
Arbeit zitieren
Cyprian Thomas Krause (Autor), 2017, Spätantike "Repaganisierungstendenzen" in der Mailänder Hofdichtung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449816

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