In der älteren Forschung wird der Kampf eines Staates um Souveränität, Macht oder internationale Anerkennung meist nur unter der Rücksichtnahme von nationalen oder bilateralen Aspekten eurozentrisch beleuchtet. Mathias Stein wagt sich in seiner Dissertation Der Konflikt um Alleinvertretung und Anerkennung in der UNO - Die deutsch-deutschen Beziehungen zu den Vereinten Nationen von 1949 bis 1973, welche 2011 im Vandenhoek & Ruprecht Verlag erschienen ist, an die Thematik eines komplexen, globalen Geflechts von interdependenten Beziehungen. Ziel dieser Studie soll es sein, den Konflikt zwischen der BRD und der DDR bezüglich Anerkennung und Alleinvertretung innerhalb der Vereinten Nationen durch die Methodik einer historischen Analyse zu beleuchten. Darüber hinaus will er die Rolle und den Einfluss der Besatzungsmächte auf beide deutschen Staaten, sowie die Rolle der UNO, in wechselseitiger Beziehung zu diesen skizzieren . Seiner Fragestellung folgend wird geklärt, warum gerade zwei deutsche Staaten den Vereinten Nationen beigetreten sind, ob die Beziehungen zur UNO ein eigenes innerdeutsches Konfliktfeld darstellten und welche Rolle die Besatzungsmächte innerhalb des im Fokus stehenden Dreiecksverhältnisses (BRD, DDR & UNO) einnehmen. Stein rekonstruiert in seinem ersten Kapitel die historische Entwicklung des besetzten Deutschlands bis 1949 sowie die Entwicklung der Vereinten Nationen und deren Beziehungen dazu. Die folgenden drei Kapitel sind darauf aufbauend chronologisch angeordnet, sodass Stein die Gründe für die konträre Entwicklung der deutsch-deutschen Staaten und deren differente Beziehungen zur UNO, unter Berücksichtigung ausgewählter Ereignisse, skizzieren und erklären kann. In seinem letzten Kapitel behandelt Stein die doppelte Aufnahme der deutschen Staaten in das UN-System und bewertet darauf folgend die Deutschlandfrage, anhand der bisher gewonnenen Erkenntnisse. Um solche Schlussfolgerungen aussagekräftig ziehen zu können basiert diese Studie auf einer umfassenden Quellengrundlage. Es wurden unzählige Archivbestände in Deutschland und den USA gesichtet und ausgewertet. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stein‘s „Der Konflikt um Alleinvertretung und Anerkennung in der UNO“
2.1. Aufbau & Struktur der Studie
2.2. Methode, Archiv- & Quellengrundlage, Theoretischer Ansatz
2.3. Ergebnisse
2.4. Diskussion und kritische Würdigung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Dissertation von Mathias Stein auseinander, welche das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen der BRD, der DDR und den Vereinten Nationen im Zeitraum von 1949 bis 1973 untersucht. Ziel ist es, die methodische Herangehensweise, die Quellenbasis sowie die zentralen Schlussfolgerungen Steins zu analysieren und in den wissenschaftlichen Kontext einzuordnen.
- Historische Analyse der deutsch-deutschen Beziehungen zur UNO
- Untersuchung des Konflikts um Alleinvertretung und internationale Anerkennung
- Rolle der Besatzungsmächte im multilateralen Kontext
- Bewertung der Quellengrundlage und methodischen Vorgehensweise
- Diskussion der Auswirkungen der deutschen Teilung auf die Vereinten Nationen
Auszug aus dem Buch
2.2. Methode, Archiv- & Quellengrundlage, Theoretischer Ansatz
Aufgrund der äußerst großen Themenbreite seiner Dissertation, verwendet Stein notwendigerweise ein umfangreiches Quellenmaterial, zu welchem er durch internationale, multiarchivarische Forschung Zugang erhalten hat. Er geht dafür einen neuen, bisher in der Forschung unbeschrittenen Weg. Zusätzlich zu den bisherigen theoretischen Ansätzen, Staat und Staatsvertreter für die Analyse der deutsch-deutschen UN- und Außenpolitik heranzuziehen, erweitert Stein den Fokus auf weitere staatliche Akteure, sowie kleinere Politiker, Beamte oder Diplomaten. Zusätzlich werden diverse gesellschaftliche Vertreter für die Analyse herangezogen, da zum Beispiel Auslandskorrespondenten durch Nachrichten oder gezielte Fragestellungen politisch wirksam sein können. Grund dafür ist das zugrundliegende Verständnis vom Mehrebenenprozess, welches sich, laut Stein, in der Außenpolitik wiederfinden lässt, denn Interaktionen finden nicht nur zwischen Staaten, sondern auch zwischen Staaten und Organisationen, sowie Gruppen statt. Solche Interaktionen können fortan nicht mehr nur innerstaatlich, sondern auch bipolar, sowie international stattfinden.
Praktischerweise beleuchtet Stein in seiner Studie den Zeitraum um 1945 bis 1973 und umgeht so zusätzlich eine 30-jährige Sperrfrist der Archivbestände. Zum einen steht zu Beginn dieses Zeitraumes die Gründung der UNO und der Zerfall des Deutschen Reiches, zum anderen ist 1973 das Jahr in welchen die der doppelte Beitritt der BRD und der DDR in die Vereinten Nationen erfolgte. Diese drei Parteien bilden den Schwerpunkt seiner Forschung, weshalb er sich dafür entschied sich auf Archivbestände in Deutschland und den USA zu konzentrieren. Um verschiedene Perspektiven seiner Forschung beizumessen wurden zugängliche Aktenbestände Seitens der BRD, der DDR, der UNO und den USA beleuchtet. Laut Stein wäre der Zugang zu Aktenüberlieferungen seitens sowjetischer Provenienz ebenfalls bedeutsam gewesen, es war ihm jedoch nicht möglich Zugriff auf diese zu erhalten. Das zugängliche Schriftgut, welches sich unter anderen in Institutionen wie dem Bundesarchiv oder der National Archives Record Administration (NARA) befindet, weist nicht nur eine breite Quellengrundlage auf, sondern auch eine hohe Authentizität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Dissertation von Mathias Stein ein und erläutert die Forschungsziele sowie die methodische Vorgehensweise der Studie.
2. Stein‘s „Der Konflikt um Alleinvertretung und Anerkennung in der UNO“: Dieses Kapitel analysiert Aufbau, Struktur, Methodik und Ergebnisse der Studie von Mathias Stein und unterzieht sie einer kritischen Würdigung.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bewertet den wissenschaftlichen Beitrag sowie das Potenzial von Steins Werk.
Schlüsselwörter
Vereinte Nationen, UNO, BRD, DDR, Alleinvertretung, Anerkennung, Außenpolitik, Deutschlandfrage, Kalter Krieg, Souveränität, Geschichtswissenschaft, Besatzungsmächte, Diplomatie, Dissertation, Mathias Stein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine kritische Analyse der Monographie von Mathias Stein, die sich mit den deutsch-deutschen Beziehungen zu den Vereinten Nationen von 1949 bis 1973 befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Konflikt um Alleinvertretung, das Ringen um internationale Anerkennung der beiden deutschen Staaten sowie das Dreiecksverhältnis zwischen BRD, DDR und UNO.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Dekonstruktion der Argumentationsweise, Methodik und Quellenbasis von Steins Dissertation, um deren wissenschaftliche Relevanz zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-kritische Analyse angewandt, um die Struktur und die logischen Schlussfolgerungen des Autors zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Aufbau der Studie, die verwendete Quellengrundlage (Archivbestände, Zeitungsanalysen) sowie die zentralen Ergebnisse zur deutschen Teilung und Integration in das UN-System.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vereinte Nationen, Alleinvertretungsanspruch, Deutschlandfrage und diplomatische Anerkennung charakterisiert.
Wie bewertet der Autor Steins Umgang mit DDR-Argumenten?
Der Autor kritisiert den teilweise unkritischen Umgang Steins mit DDR-Quellen, weist jedoch gleichzeitig auf die akribische Faktenauflistung hin, die dem Leser eigene Interpretationen ermöglicht.
Was wird zur Struktur der Dissertation angemerkt?
Der Aufbau wird als in sich durchdacht und gelungen beschrieben, wenngleich eine stärkere Unterteilung in Absätze innerhalb der Kapitel die Übersichtlichkeit hätte erhöhen können.
Inwiefern beeinflusste die Quellenlage das Ergebnis?
Die breite Verfügbarkeit von Archivmaterial in Deutschland und den USA wird als maßgeblich für die hohe Authentizität und die neuen Erkenntnisse der Studie hervorgehoben.
Welches Fazit zieht der Autor über den „doppelten Beitritt“?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Analyse des doppelten Beitritts der beiden deutschen Staaten in die UNO einen bedeutenden Meilenstein der Forschung darstellt.
- Citar trabajo
- Sebastian Simbeck (Autor), 2018, Eine kritische Analyse zur Monographie von Mathias Stein "Der Konflikt um Alleinvertretung und Anerkennung in der UNO. Die deutsch-deutschen Beziehungen zu den Vereinten Nationen von 1949 bis 1973", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449840