Die Mehrsprachigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund wird häufig als Ursache für mangelnde Deutschkenntnisse wahrgenommen. Studien beweisen allerdings das Gegenteil: Je höher das Niveau in der Erstsprache, umso besser erlernen Kinder weitere Sprachen.
Die Mehrsprachigkeit hat längst in den deutschen Klassenzimmern Einzug gefunden und findet durch die aktuelle Flüchtlingskrise einen aktuellen wissenschaftlichen Bezug. Die Anzahl der Migranten wächst stetig und damit auch der Ruf nach dem schnellstmöglichen Erlernen der deutschen Sprache. In dieser Arbeit wird zunächst die Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft, anhand des Beispiels der Schweiz, analysiert und im Folgenden auf den schulischen Kontext, speziell auf die Sprachförderung an deutschen Schulen eingegangen. Dabei wird sowohl auf Sekundärliteratur, wie auch auf eigene Erfahrungen aus dem Praxissemester zurückgegriffen. Im Anschluss wird prägnant herausgestellt, inwieweit eine effektive Sprachdiagnostik relevant ist.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Diagnoseinstrument Havas 5, umreißt die Grundzüge des Instruments und nennt ebenso seine Vor- und Nachteile. Der Kern der Arbeit umfasst die Anwendung von Havas 5 bei einem Kind mit Migrationshintergrund und stellt seine Ergebnisse vor. Zum Vergleich wird ein deutsch-muttersprachliches Kind herangezogen, um die beidem im Anschluss miteinander vergleichen zu können. Passend zu den Ergebnissen des Kindes, welches Deutsch als Zweitsprache erlernt, wird eine mögliche Fördereinheit, in Form eines Arbeitsblattes, erstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft
3 Mehrsprachigkeit in der Schule
3.1 Wie geschieht nach eigenen Erfahrungen die Sprachförderung in den Schulen?
3.2 Inwieweit ist die Sprachförderung in den Kernlehrplänen verankert?
4 Bedeutung und Relevanz der Sprachdiagnostik
5 Havas 5
5.1 Grundlagen: Der Auswertungsbogen
5.2 Vor- und Nachteile
5.3 Anwendung des Instruments am DaZ-Lerner
5.4 Anwendung des Instruments am deutsch-muttersprachlichen Kind
5.5 Vergleich der Ergebnisse
6 Fördereinheit für den DaZ-Lerner
7 Fazit
8 Anhang
8.1 Transkripte
8.2 Arbeitsblatt 1
8.3 Alle ausgefüllten Blätter des Auswertungsbogens
9 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit der Sprachstandsanalyse, insbesondere durch die Anwendung und den Vergleich des Diagnoseinstruments "Havas 5" bei einem DaZ-Lerner und einem deutsch-muttersprachlichen Kind. Dabei soll die Relevanz einer effektiven Sprachdiagnostik im schulischen Kontext herausgearbeitet und auf Basis der Ergebnisse eine zielgerichtete Fördereinheit konzipiert werden.
- Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft und im schulischen Kontext
- Sprachförderung und deren curriculare Verankerung in der Schule
- Bedeutung und theoretische Einordnung der Sprachdiagnostik
- Analyse des Diagnoseinstruments Havas 5 (Aufbau, Anwendung, Stärken/Schwächen)
- Vergleichende Fallanalyse von Sprachstandserhebungen
Auszug aus dem Buch
5 Havas 5
Das Hamburger Verfahren zur Analyse des Sprachstands Fünfjähriger, kurz Havas 5, ist ein Verfahren zur Sprachstandsanalyse von fünf- bis siebenjährigen Kindern, die sowohl Deutsch als Muttersprache erlernt haben, als auch von Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erlernen. Havas 5 ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Prof. Dr. Hans-Joachim Roth und Prof. Dr. Hans H. Reich, welche beide im Bereich der interkulturellen Bildung tätig sind. Ersterer doziert an der Universität zu Köln und ist mir durch ein Seminar bekannt.20
Havas 5 wurde im Jahr 2003 an allen Vorschulklassen der staatlichen Grundschulen und einigen Kindertagestätten eingeführt. Es zielt auf Kinder mit besonderem Förderbedarf, im speziellen auf Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erlernen.21 Initiiert wurde das Projekt von der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) Hamburg. Es ist für sieben Sprachen ausgelegt: Deutsch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Türkisch. Es handelt sich um eine standardisierte Profilanalyse, welches auf die Erfassung des individuellen Sprachstands des Lerners abzielt, um daraus eine bestmögliche Förderung zu entwickeln. Dabei geht Havas 5 nicht von den Schwächen, sondern von den Stärken des Lerners aus.22
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Mehrsprachigkeit und Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Sprachdiagnostik und der Anwendung von Havas 5.
2 Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft: Definition von gesellschaftlicher und individueller Mehrsprachigkeit sowie Abgrenzung der Spracherwerbstypen.
3 Mehrsprachigkeit in der Schule: Darstellung der Konzepte von Mehrsprachigkeitsdidaktik und kritische Reflexion der Sprachförderung im schulischen Alltag.
3.1 Wie geschieht nach eigenen Erfahrungen die Sprachförderung in den Schulen?: Einblick in die Praxissemester-Erfahrungen und die Situation von Vorbereitungsklassen.
3.2 Inwieweit ist die Sprachförderung in den Kernlehrplänen verankert?: Analyse der Curricula hinsichtlich der Integration von Deutsch als Zweitsprache.
4 Bedeutung und Relevanz der Sprachdiagnostik: Theoretische Begründung der Notwendigkeit professioneller Sprachdiagnosen zur Vermeidung von Fehlklassifikationen.
5 Havas 5: Detaillierte Beschreibung des Hamburger Verfahrens zur Analyse des Sprachstands Fünfjähriger als Diagnoseinstrument.
5.1 Grundlagen: Der Auswertungsbogen: Erläuterung der Struktur und der Bewertungskategorien des elfseitigen Havas 5-Auswertungsbogens.
5.2 Vor- und Nachteile: Kritische Würdigung des Instruments hinsichtlich seiner Durchführbarkeit, Validität und Objektivität.
5.3 Anwendung des Instruments am DaZ-Lerner: Darstellung und Interpretation der Ergebnisse bei einem Kind mit Migrationshintergrund.
5.4 Anwendung des Instruments am deutsch-muttersprachlichen Kind: Darstellung und Interpretation der Ergebnisse bei einem Kind ohne Migrationshintergrund zum Vergleich.
5.5 Vergleich der Ergebnisse: Synthese der Beobachtungen aus beiden durchgeführten Fallbeispielen.
6 Fördereinheit für den DaZ-Lerner: Konzeption konkreter Übungsmaterialien auf Basis der diagnostischen Befunde.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Sprachförderung und des Instruments Havas 5 sowie Plädoyer für verbesserte Lehrerfortbildung.
8 Anhang: Bereitstellung der Transkripte, Arbeitsblätter und ausgefüllten Diagnosebögen.
9 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Deutsch als Zweitsprache, DaZ-Lerner, Sprachdiagnostik, Havas 5, Sprachstandsanalyse, Sprachförderung, Migrationshintergrund, Sprachdiagnose, Bildungsgerechtigkeit, Profilanalyse, Förderplan, Zweitspracherwerb, Diagnoseinstrument, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Sprachdiagnostik für DaZ-Lerner und evaluiert das Diagnoseinstrument "Havas 5" anhand eines praktischen Vergleichs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen gesellschaftliche Mehrsprachigkeit, schulische Sprachförderung, die theoretische Einordnung der Sprachdiagnostik und die praktische Anwendung eines standardisierten Testverfahrens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Erprobung von Havas 5 an zwei unterschiedlichen Kindern Stärken und Defizite in der Sprachverwendung aufzuzeigen und daraus gezielte Fördermöglichkeiten abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Fallanalyse, bei der ein standardisiertes Diagnoseinstrument (Havas 5) zur Erhebung des Sprachstands von zwei Probanden genutzt und anschließend ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Hintergründe von Sprachdiagnosen, stellt das Verfahren Havas 5 detailliert vor und dokumentiert die Anwendung sowie den Ergebnisvergleich beider Testpersonen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Mehrsprachigkeit, Sprachdiagnostik, Havas 5, DaZ-Förderung und Zweitspracherwerb charakterisieren.
Wie bewertet die Autorin die Objektivität von Havas 5?
Die Autorin äußert Kritik an der Objektivität des Instruments, da die Bewertung der Eigeninitiative des Kindes stark vom subjektiven Empfinden des Interviewers abhänge und keine Normen zur Validierung existierten.
Warum ist der Vergleich zwischen DaZ-Lerner und muttersprachlichem Kind sinnvoll?
Der Vergleich dient dazu, die Spezifika des Zweitspracherwerbs gegenüber dem Erstspracherwerb innerhalb desselben Diagnoseverfahrens besser sichtbar zu machen und individuelle Stärken der Kinder zu identifizieren.
- Arbeit zitieren
- Alina Willkomm (Autor:in), 2018, Interkulturelle Bildung. Eine kritische Sprachstandsanalyse eines deutsch-muttersprachlichen Kindes und eines Deutsch als Zweitsprache-Lernenden Kindes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449913