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Polizeiarbeit im 19. Jahrhundert. Verbrecherprofile, Ermittlungsstrategien und Sicherheitsdiskurse

Title: Polizeiarbeit im 19. Jahrhundert. Verbrecherprofile, Ermittlungsstrategien und Sicherheitsdiskurse

Textbook , 2019 , 106 Pages

Autor:in: Franziska Völkel (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Die Polizeiarbeit verband im 19. Jahrhundert traditionelle Ermittlungsformen mit einem progressiven Ausbau der Verwaltungsstrukturen. So waren verschiedene staatliche, kommunale und zivile Ordnungskräfte an der Polizeiarbeit beteiligt. Sie verwendeten ein breites Spektrum an Ermittlungsmethoden.

Welche Möglichkeiten und Grenzen lokaler Ordnungsgewalten bestanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts? Welche Strategien wendeten Ermittler an und welche Personengruppen kamen als Verbrecher in Betracht? Franziska Völkel geht in ihrer Publikation auf Spurensuche.

Dazu untersucht sie Polizeihandbücher aus den Jahren 1818 bis 1837 und zeigt, wie die polizeiliche Arbeit Theorie und Praxis miteinander verwoben hat. Diesen Zusammenhang verdeutlicht sie anhand der Ermittlungen zu einer Mühlhäuser Räuberbande von 1834.

Aus dem Inhalt:
- Diskurs;
- Zeugenvernehmung;
- Beweissicherung;
- Kriminalistik;
- Kriminalitätsgeschichte

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Untersuchungsgegenstand, Fragestellungen und Thesen

1.2 Quellenmaterial

1.3 Theorien und Methoden

1.4 Forschungsstand

1.5 Aufbau

2 Die „Polizei“? Konfigurationen von Polizei im frühen 19. Jahrhundert

2.1 Von der Policey zur Polizei

2.2 Polizeiliches Personal: Spektrum lokaler Ordnungskräfte

2.3 Fremd- und Selbstverständnisse von Polizeibediensteten

3 Polizeiliche Ermittlungen

3.1 Rekonstruktion der Tatabläufe: Zeugenvernehmung und Beweissicherung

3.2 Prozesse der Administration

3.3 „Profiling“ – Erstellung von Verbrecherprofilen

3.3.1 Kriminalwissenschaftliche Erfassung von Verbrechern

3.3.2 Spezifische Tätergruppen

3.3.2.1 Vaganten

3.3.2.2 Räuber

3.3.3 Kriminelle Netzwerke: Organisationsform Räuberbande

3.4 Operative Maßnahmen

3.4.1 Fahndung mittels Steckbriefen

3.4.2 Patrouillen und Visitationen

3.4.2.1 Strategische Implikationen

3.4.2.2 Lokalisierung der Delinquenten

3.4.2.3 Problematiken der Ausführung

4 Diskurse um (Un-) Sicherheit

4.1 Öffentlichkeit und Delinquenz

4.1.1 Destruktion der sozialen Ordnung: Straftatbestand Raubmord

4.1.2 Berichterstattung im Spannungsfeld von Aufklärung und Unterhaltung

4.2 Topos „Im Wald da sind die Räuber…“: Der Naturraum Wald als Unort

4.3 Abwesenheit von Polizei – Praktiken des Selbstschutzes

5 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Polizeiarbeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Beispiel der preußischen Stadt Mühlhausen, um Möglichkeiten und Grenzen der lokalen Ordnungsgewalt sowie den Umgang mit Kriminalität zu analysieren.

  • Praxis lokaler Ordnungsgewalt und deren Akteure
  • Methoden der polizeilichen Ermittlung und Verbrechensbekämpfung
  • Diskurs um (Un-) Sicherheit und die Rolle des Waldes als „Unort“
  • Konstruktion von „Verbrecherprofilen“ und Kategorisierung von Tätergruppen
  • Einfluss der Berichterstattung auf das Sicherheitsempfinden

Auszug aus dem Buch

3.1 Rekonstruktion der Tatabläufe: Zeugenvernehmung und Beweissicherung

Der Kaufmann Habbicht wurde von einer in den Akten nicht mit Namen benannten Person am 16. Juni 1834 in einem Teil des Mühlhäuser Stadtwaldes namens Kringel verletzt aufgefunden und anschließend in seine Wohnung in Mühlhausen geschafft. Alsbald wurden die Bediensteten der Mühlhäuser Polizeiverwaltung verständigt. Wenn irgend jemand durch Gewaltthätigkeit getödtet oder lebensgefährlich verwundet worden ist, sollte gemäß dem Polizeihandbuch von Merker durch die Ordnungskräfte zuerst für die etwa noch mögliche Lebensrettung des […] Verwundeten gesorgt werden. Sodann sollten Vorkehrungen getroffen werden, um den Thatbestand einer etwa vorgefallenen verbrecherischen Handlung nicht verdunkel[n] zu können und um die Entweichung der muthmaßlichen Verbrecher zu verhindern. Zudem sollten die Polizeibediensteten mit möglichster Schonung, [den Verletzten] über den Thäter […] befragen. Wer die Befragung von Habbicht vornahm, ist nicht klar ersichtlich. In Betracht würde der Bürgermeister als leitender Ermittler in Polizeiangelegenheiten kommen, da auch er den Bericht dazu verfasste. Aufgrund der Befragung des Verwundeten ergab es sich, dass er Räubern zum Opfer gefallen war.

Es stellte heraus, dass der Kaufmann Habbicht heute früh [16. Juni 1834] vor 5 Uhr […] in Geschäfte von hier weg [von Mühlhausen] [ritt] und wenige Stunden nachher […] an der rechten Schläfe durch einen Schuß schwer blesiert in Grindel aufgefunden [wurde], wo er erzählte, wie er von 4 Kerls, deren einer eine kurze Flinte und ein anderer ein kurzes Seitengewehr gehabt, überfallen, verwundet und seiner Geldkatze beraubt [worden] sey.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung legt den Untersuchungsgegenstand fest, stellt die zentralen Fragestellungen zur Polizeipraxis im frühen 19. Jahrhundert vor und erläutert die methodische sowie quellenkritische Herangehensweise.

2 Die „Polizei“? Konfigurationen von Polizei im frühen 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel erörtert die historische Entwicklung des Polizeibegriffs von der frühneuzeitlichen „guten Policey“ zur staatlich organisierten Polizei und analysiert das Personal sowie dessen Selbstverständnis.

3 Polizeiliche Ermittlungen: Hier werden die konkreten administrativen und operativen Vorgehensweisen, wie die Rekonstruktion von Tatabläufen, die Erstellung von Verbrecherprofilen und die Nutzung von Fahndungsmitteln, detailliert untersucht.

4 Diskurse um (Un-) Sicherheit: Das Kapitel befasst sich mit der medialen Berichterstattung, der Konstruktion des Waldes als gefährlicher „Unort“ und den von der Bevölkerung praktizierten Formen des Selbstschutzes bei Polizeimangel.

5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse hinsichtlich der Polizeiarbeit und Sicherheitsarchitektur zusammen und gibt einen Ausblick auf weiterführende kriminalitätshistorische Fragestellungen.

Schlüsselwörter

Polizeiarbeit, 19. Jahrhundert, Mühlhausen, Kriminalitätsgeschichte, Sicherheitsdiskurs, Verbrecherprofile, Räuberbanden, Vaganten, Ermittlungsstrategien, Preußen, Polizeihoheit, Kriminalistik, Social Profiling, Wald, Selbstschutz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Polizeiarbeit und Sicherheitsarchitektur in der preußischen Stadt Mühlhausen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Zentral sind die Ermittlungsmethoden der Polizei, die Konstruktion von Verbrecherbildern, die mediale Berichterstattung über Kriminalität und der Umgang der Bevölkerung mit wahrgenommener Unsicherheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen lokaler Ordnungsgewalt aufzuzeigen und zu analysieren, wie Kriminalität diskursiv geformt und polizeilich behandelt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen historisch-praxeologischen Ansatz innerhalb der Kriminalitätsgeschichte, gestützt auf eine quellenkritische Analyse von Polizeihandbüchern und einer spezifischen Kriminalakte von 1834.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Konfigurationen von Polizei, polizeiliche Ermittlungsstrategien wie "Profiling" und Patrouillen sowie die gesellschaftlichen Diskurse rund um Sicherheit, insbesondere im Kontext des Waldes als Gefahrenraum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Polizeiarbeit, Kriminalitätsgeschichte, Sattelzeit, Sicherheitsdiskurs, Räuberbanden, "Social Profiling" und historische Praxeologie.

Warum spielt der Wald in dieser Untersuchung eine so bedeutende Rolle?

Der Wald fungierte im 19. Jahrhundert als „Unort“ und Rückzugsraum für Delinquenten, was ihn zu einem zentralen Agitationsraum für Überfälle und zu einem Fokus polizeilicher Kontrollbemühungen machte.

Welche Rolle spielten die sogenannten „Polizeihandbücher“ für die Arbeit?

Sie dienen als maßgebliche Quellen, um das theoretische Wissen und die Normvorgaben zu verstehen, an denen sich die Polizeipraktiker in ihrem administrativen Alltag orientierten.

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Details

Title
Polizeiarbeit im 19. Jahrhundert. Verbrecherprofile, Ermittlungsstrategien und Sicherheitsdiskurse
Author
Franziska Völkel (Author)
Publication Year
2019
Pages
106
Catalog Number
V450012
ISBN (eBook)
9783960954965
ISBN (Book)
9783960954972
Language
German
Tags
Diskurs Zeugenvernehmung Beweissicherung Kriminalistik Kriminalitätsgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Völkel (Author), 2019, Polizeiarbeit im 19. Jahrhundert. Verbrecherprofile, Ermittlungsstrategien und Sicherheitsdiskurse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450012
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