Die Arbeit diskutiert anhand einer umfassenden Analyse der monochromen Partie der Sockelzone in der Arena-Kapelle zu Padua die kunsthistorische Tragweite des Kunstschaffens von Giotto di Bondone, der die Fresken im Innenraum gestaltete und auch als Architekt der Kapelle vermutet wird. In Bezug auf dessen Stellung als herausragende Gestalt der so genannten Protorenaissance wird ein allumfassender Bezug zur Referenz auf die Kultur des römischen Reiches und noch einmal genauer auf die Beeinflussung der Fresken durch die römische Wandmalerei, die in allen ihren überlieferten Stilrichtungen beschrieben wird, hergestellt. Hierbei ist es genauer die Bedeutung und die Tradition der "Monochromie", die einen bestimmten historischen Zusammenhang von der Intention des Schaffenden her erschließt. 12 monochrom dargestellte allegorische, gemalte "Schein"figuren referieren auf die gesamte Narration eines Innenraumes und lassen einen geisteshistorischen Bezug im Einklang mit dem konkreten künstlerischen Schaffen entstehen, das als eine Vorausschau auf den späteren Universalismus des Renaissance-Genies gewertet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Bedeutung und Leben Giottos
2. Cappella degli Scrovegni
2.1. Geschichte und architektonischer Aufbau
2.2. Intérieur
2.2.1. Bildnerische Narration der Fresken
3. Monochromie und Grisaille
4. Die Sockelzone
4.1. Darstellung und Aufbau
4.2. Ideengeschichtlicher Hintergrund
4.3. Bedeutung für das Gesamtwerk
5. Einschätzung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die künstlerische Bedeutung der monochromen Sockelzone in der Cappella degli Scrovegni und analysiert, inwiefern Giotto di Bondone durch diese spezifische Gestaltung sowie durch Rückgriffe auf antike Wandmalereiprinzipien eine innovative, protohumanistische Kunstauffassung entwickelte, die über die rein didaktische mittelalterliche Tradition hinausgeht.
- Analyse der monochromen Malerei und Grisaille als Gestaltungsmittel.
- Untersuchung der Sockelzone als architektonisches und inhaltliches Fundament.
- Ideengeschichtliche Herleitung der Tugenden und Laster unter Einbezug antiker Tugendlehren.
- Darstellung der Cappella degli Scrovegni als Gesamtkunstwerk durch die Verbindung von Architektur, Skulptur und Malerei.
- Einordnung Giottos als Wegbereiter der Renaissance (Protorenaissance).
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung – Bedeutung und Leben Giottos
Der Maler Giotto di Bondone (1266 – 1337) gilt als einer der wesentlichsten Erneuerer und Mitinitiator einer modernen Kunstauffassung. Sämtliche einschlägige Autoren der italienischen Renaissance wie Alberti, Boccaccio oder auch Dante, ferner ebenso die weniger bekannten Filippo Villani, der Erfinder des kunsttheoretischen Begriffes des „disegno“, oder aber auch sein Onkel der florentiner Geschichtsschreiber Giovanni Villani rühmen Giotto in ihren Schriften für seine Kunst der Naturnachahmung, der Naturgetreue, der täuschend echten Abbildung der Realität.
Beispielgebend ist hierbei auch die durch Giorgio Vasari überlieferte Legende von Giottos O., die im Italienischen sprichwörtlich geworden ist. So beschreibt Vasari in seinen Künstlerviten, dass Papst Benedikt IX., der derzeit den Plan gehabt haben soll einige Malereien für St. Peter in Auftrag zu geben, einen seiner Hofleute zu Giotto in die Toskana geschickt hatte, da sich der Ruf Giottos als genialer Künstler zu ihm herumgesprochen hatte. Nachdem dieser Hofmann in der Darstellung Vasaris in Giottos Atelier eingetreten war und ihm vom Ersuchen des Papstes berichtete, skizziert Vasari die Legende über Giottos O. wie folgt:
„Giotto, der sehr höflich war, nahm ein Blatt und einen Pinsel mit rother Farbe, legte den Arm fest in die Seite, damit er ihm als Zirkel diene, und zog, indem er nur die Hand bewegte, einen Kreis so scharf und genau, daß es in Erstaunen setzen mußte; […]. Der Abgesandte, welcher wohl sah, daß er sonst nichts erhalten könne, ging sehr mißvergnügt fort, und zweifelte nicht, daß er gefoppt sey, dennoch aber, als er dem Papste die Zeichnungen und die Namen derer sandte, welche sie verfertigt hatten, schickte er auch die von Giotto, und erzählte, in welcher Weise er den Kreis gezogen habe, ohne den Arm zu bewegen und ohne Zirkel; hieran erkannten der Papst und viele sachkundige Hofleute, wie weit Giotto die Maler seiner Zeit übertraf. Als diese Sache bekannt wurde entstand das Sprichwort: D u b i s t r u n d e r a l s d a s O. d e s G i o t t o , […].”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Bedeutung und Leben Giottos: Das Kapitel führt in die historische Bedeutung Giottos als Erneuerer der Kunst ein und beleuchtet seine Rolle als Mitinitiator einer modernen Kunstauffassung.
2. Cappella degli Scrovegni: Hier werden die Geschichte, der architektonische Aufbau sowie das gesamte narrative Konzept der Fresken in der Arenakapelle detailliert beschrieben.
3. Monochromie und Grisaille: Dieser Abschnitt definiert die Begriffe der Monochromie und Grisaille sowie deren kunsthistorische Wurzeln und Bedeutung.
4. Die Sockelzone: Das Kapitel analysiert den Aufbau, den ideengeschichtlichen Hintergrund und die zentrale Bedeutung der monochromen Sockelzone für das Gesamtkunstwerk.
5. Einschätzung: Abschließend wird Giottos Leistung bewertet und als entscheidender Vorläufer der italienischen Renaissance eingeordnet.
Schlüsselwörter
Giotto di Bondone, Cappella degli Scrovegni, Monochromie, Grisaille, Sockelzone, Protorenaissance, Tugenden und Laster, Antike, Wandmalerei, Kunstgeschichte, Naturgetreue, Freskenzyklus, italienische Gotik, Bildnerische Narration, Ingenium.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der künstlerischen Leistung Giotto di Bondones in der Cappella degli Scrovegni, wobei ein besonderer Fokus auf der monochromen Gestaltung der Sockelzone liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Einordnung Giottos in die Protorenaissance, die Analyse monochromer Maltechniken (Grisaille) und die Untersuchung der allegorischen Darstellung von Tugenden und Lastern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedeutung der Sockelzone als integrierten Bestandteil des Gesamtkunstwerks zu diskutieren und Giottos Emanzipation vom mittelalterlichen Handwerker zum schöpferischen Individuum aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische Analyse der Fresken, vergleicht diese mit antiken römischen Vorbildern und zieht zeitgenössische literarische Quellen sowie kunsttheoretische Schriften heran.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der architektonische Rahmen der Kapelle, die Funktion der Sockelzone, die kunsthistorischen Definitionen von Monochromie und die ideengeschichtlichen Hintergründe der allegorischen Figuren detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Giotto, Arenakapelle, Monochromie, Sockelzone, Tugenden, Laster, Protorenaissance und Antikenrezeption.
Warum spielt die Zahl 7 in der Sockelzone eine wichtige Rolle?
Die Zahl 7 bezieht sich auf die traditionelle Aufteilung in 7 Kardinaltugenden und 7 Laster, welche Giotto als direkt gegenüberstehende Paare konzipiert hat, um eine intellektuelle Auseinandersetzung des Betrachters anzuregen.
Welche Verbindung sieht der Autor zwischen Giotto und der römischen Antike?
Der Autor identifiziert mehrere Merkmale, wie etwa die Verwendung von Scheinarchitektur (Trompe-l'œil) und die Zonenaufteilung der Wandfläche, die eine bewusste Auseinandersetzung Giottos mit römischen Wandmalereitechniken nahelegen.
Inwiefern bricht Giotto mit der mittelalterlichen didaktischen Kunstauffassung?
Indem Giotto eine komplexe, konzeptuelle Ordnung schafft, die den Betrachter zur aktiven Interpretation herausfordert, verlässt er das Modell des Künstlers als bloßen Handwerker, der nur didaktische Inhalte für die Kirche umsetzt.
- Arbeit zitieren
- Clemens Deparade (Autor:in), 2015, Die Bedeutung von Giottos Kunst anhand der monochromen Partie der Sockelzone in der Cappella degli Scrovegni, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450031