In Deutschland leben rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Einer der häufigsten Gründe für eine Einweisung in ein Pflegeheim sind Schlafstörungen der Erkrankten. Könnte eine therapeutische Lichtexposition diese reduzieren? Klaus Schrage stellt die konkrete Anwendung und die Vorteile einer solchen Therapie vor.
Er untersucht den positiven Einfluss von Lichtexpositionen auf die circadiane Rhythmik von Demenzkranken und erklärt anhand einer fiktiven Projektplanung, wie diese im Pflegealltag praktisch eingesetzt werden können. Hierbei stellt er die erforderlichen Management-Tools vor und arbeitet mit modernster, energieeffizienter LED-Technik.
Schlafstörungen sind eine häufige Begleiterscheinung von Demenz und stellen besondere Anforderungen sowohl an die Betreuung als auch an die medikamentöse Intervention. Ein besonderer Vorteil der Lichttherapie könnte in der möglichen Reduzierung von Arzneimitteln gegen nächtliche Unruhe liegen. Gleichzeitig wird das Risiko nächtlicher Stürze gesenkt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 MEDIKAMENTÖSE INTERVENTION
1.2 TAGESSTRUKTURIERENDE- UND AKTIVIERENDE MAßNAHMEN
1.3 DAS FORSCHUNGSPROJEKT ST. KATHARINA IN WIEN 2011
1.4 LICHTEXPOSITION
1.5 THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER LICHTEXPOSITION IN ABGRENZUNG ZUR LICHTEXPOSITION FÜR DIE UNTERSTÜTZUNG DER CIRCADIANEN RHYTHMIK BEI DEMENZ
2 KONZEPTION –METHODISCHES VORGEHEN
2.1 EVALUATION IN DER GESUNDHEITSFÖRDERUNG
2.2 ENTSCHEIDUNGSKRITERIEN FÜR DAS PROJEKT
2.3. STRATEGIEN UND TAKTIKEN DES VORGEHENS
2.4 ASPEKTE MODERNEN MANAGEMENTS
2.5 ETHISCHE ASPEKTE
3. DARSTELLUNG DER PROJEKTPLANUNG
3.1 PROJEKTKRITERIEN (PMV 1)
3.2 PROJEKTBESCHREIBUNG
3.2.1 ENTWURFSLISTE FÜR PRODUKTIVE ZIELFORMULIERUNGEN (PMV 3)
3.2.2 BETEILIGTEN-UMFELD-ANALYSE (PMV 6)
3.2.2.1 FÜHRUNG UND MANAGEMENT
3.2.2.2 KUNDEN/NUTZER
3.2.2.3 PARTNER/UNTERSTÜTZER
3.2.3 KRAFTFELD–ANALYSE (PMV 7)
3.2.4 PHASENPLANUNG (LEANMILESTONES- APP)
3.2.5 PROJEKTSTRUKTURPLAN (PMV 8)
3.2.6 PROJEKTBESCHREIBUNG IM ÜBERBLICK
3.3 GESAMTAUFWAND UND GESAMTKOSTEN
3.4 KOMPETENZANALYSE (PMV15)
3.5 RISIKOPLANUNG (PMV 13)
3.6 GESAMTRISIKOBETRACHTUNG
4. DISKUSSION
4.1 HÜRDEN
4.2 ÜBERLEGUNGEN ZUR „PRO-EVALUATION“
4.3 KRITISCHE EINSCHÄTZUNG VON FOLGEN UND ERGEBNISSEN DES PROJEKTES
4.4 AUSBLICK
7. ANLAGEN
7.1 ABBILDUNGEN
7.2 LICHTKONZEPT
7.2.1 TECHNISCHE UMSETZUNG
7.2.2 POSITIONIERUNG UND EIGENSCHAFTEN DER BELEUCHTUNGSKÖRPER
7.2.3 LICHTSZENARIEN
7.2.4 ASPEKTE DER PRAKTISCHEN UMSETZUNG
7.2.5 MATERIALKOSTEN DER BELEUCHTUNGSKÖRPER
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Evaluationsbogens, um die Wirksamkeit eines Lichtkonzeptes zur Unterstützung der circadianen Rhythmik bei an Demenz erkrankten Patienten zu prüfen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie eine therapeutische Lichtexposition objektiv und anwenderfreundlich im Klinikalltag dokumentiert werden kann, um eine evidenzbasierte Basis für die Sturzprophylaxe und die Reduzierung nächtlicher Unruhe zu schaffen.
- Therapeutische Lichtexposition bei Demenz
- Methodische Konzeption und Projektplanung
- Evidenzbasierte Pflege und Wirksamkeitsnachweis
- Risikomanagement in klinischen Projekten
- Partizipative Einbindung von Stakeholdern
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Die Demenz ist eine progressive Erkrankung mit zunehmenden geistigen Verfall und ausgeprägter Verwirrtheit. Die gestörte Hirnfunktion macht sich auch in einem veränderten Schlafverhalten bemerkbar (DGSM 2011: 8). Bei demenziell erkrankten Menschen sind die Tiefschlafphasen in ihrer Anzahl reduziert. Auch die Traumschlafphasen (REM-Schlaf) sind häufig stark verkürzt, infolgedessen die Schlafqualität eingeschränkt ist (DGSM a. a. O.). Als weitere Folgeerscheinung gerät der Tagesrhythmus völlig aus dem Gleichgewicht, gekennzeichnet durch lange Schlafphasen tagsüber und Wachsein in der Nacht (Tag-Nacht-Umkehr). Neben Inkontinenz ist diese Art der Schlafstörung der häufigste Grund für eine Einweisung der Betroffenen in ein Pflegeheim, da sie für Betreuungspersonen eine große Belastung darstellen (DGSM a. a. O.). Die Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die Diagnosen der Zirkadianen Schlaf-Wachrhythmusstörungen in der Systematik der ISD-2 und ihre Kodierung nach ICD-10.Basis für die Tabelle ist die vorläufige Version ICD-10-GM (DIMDI-Pressestelle 2008).
Demenzerkrankte Menschen benötigen Studien zufolge, im Vergleich zu nicht dementiell erkrankten älteren Menschen längere Einschlafzeiten. Außerdem wachen sie häufiger auf und bleiben länger wach. In diesen Wachphasen sind sie häufig sehr aktiv (IGAP 2010: 4). Pflegende beobachten bei Demenzerkrankten Phänomene wie „Hinundherwerfen“ oder „Wühlen im Bett“. Ursächlich dafür ist das Suchen nach Berührungs- und Bewegungsrückmeldungen zum Spüren ihres Körpers. Es dient der Orientierung und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit, nimmt Angst und hilft beim Wiedereinschlafen (vgl. IGAP a. a. O.). Finden die Demenzkranken in dieser Situation nicht die Wahrnehmung die sie suchen, so kann es zu nächtlichem Herumlaufen – sofern der Betroffene noch mobil ist – oder Schlaflosigkeit kommen. In diesem Zusammenhang wird als Dauerfolge eine Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus beschrieben. Als Folge des Schlafmangels, wird während des Tages häufig kleinere „Schläfchen“ eingelegt, woraus wiederum fehlende Müdigkeit am Abend resultiert (vgl. IGAP a. a. O.).
Schlafstörungen bei Demenzkranken stellen besondere Anforderungen an die medikamentöse Intervention. Medikamente wirken bei Demenzerkrankungen oft paradox. Beispielsweise wird statt einer beruhigenden Wirkung, eine anregende Wirkung erzeugt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Schlafproblematik bei Demenz und stellt die therapeutische Lichtexposition als potenziell evidenzbasierte Alternative zur medikamentösen Intervention vor.
2 KONZEPTION –METHODISCHES VORGEHEN: Dieses Kapitel definiert den theoretischen Rahmen und die methodische Vorgehensweise zur Evaluation des geplanten Lichtkonzeptes im klinischen Setting.
3. DARSTELLUNG DER PROJEKTPLANUNG: Hier werden das methodische Projektmanagement, die Rollen der Stakeholder, die Zeitplanung und eine detaillierte Risikoanalyse systematisch dargelegt.
4. DISKUSSION: Das Kapitel diskutiert die Implementierungsschritte, Hürden bei der praktischen Umsetzung und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Arbeit für die evidenzbasierte Pflege.
7. ANLAGEN: Die Anlagen enthalten die detaillierte Beschreibung des technischen Lichtkonzeptes sowie ergänzende Abbildungen und Tabellen zum Projekt.
Schlüsselwörter
Lichtexposition, Demenz, Schlafstörungen, Circadiane Rhythmik, Evaluation, Projektmanagement, Sturzprophylaxe, LED-Technik, Pflegewissenschaft, Melatonin, Gesundheitsförderung, Patientenwohlbefinden, Datenerhebung, Risikomanagement, evidenzbasierte Pflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Evaluationsinstrumentes, um die Wirksamkeit eines Lichtkonzeptes auf die circadiane Rhythmik von Menschen mit Demenz wissenschaftlich belegen zu können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Licht auf das Schlafverhalten, das Management von Projekten im Gesundheitswesen sowie die systematische Dokumentation in der stationären Altenpflege.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erstellung eines anwenderfreundlichen Evaluationsbogens, der es dem Pflegepersonal ermöglicht, den Rückgang nächtlicher Unruhe bei Patienten durch Lichttherapie strukturiert zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt methodische Ansätze des Projektmanagements, inklusive Stakeholder-Analysen, Kraftfeld-Analysen und einer detaillierten Risikoplanung zur systematischen Implementierung der Intervention.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Konzeption und methodische Planung des Projekts, einschließlich der Ressourcenkalkulation, der Risikoanalyse und der organisatorischen Vorbereitungen für die Datenerhebung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Kernbegriffe sind unter anderem Lichtexposition, circadiane Rhythmik, Demenz, Evaluation, Projektmanagement, Sturzprophylaxe und evidenzbasierte Pflege.
Welchen Stellenwert nimmt die Rolle der Angehörigen ein?
Angehörige werden als wichtige Informationsquelle für das Schlafverhalten vor der stationären Aufnahme und als Vermittler für das Verständnis der neuen Therapiemethode gesehen.
Wie wird das Risiko des Scheiterns bewertet?
Der Autor führt eine umfassende Risikoplanung durch, die von der Akzeptanz der Mitarbeiter bis hin zu technischen oder betriebsinternen Hindernissen reicht, um den Erfolg des Projekts proaktiv abzusichern.
Warum ist die Unterscheidung von Lichttherapie und Lichtexposition wichtig?
Der Autor betont die Unterscheidung, da klassische Lichttherapie oft hohe Lichtstärken erfordert, während die therapeutische Lichtexposition zur Unterstützung der circadianen Rhythmik sanftere, dynamische Szenarien nutzt, die besser in den Pflegealltag integrierbar sind.
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- Klaus Schrage (Author), 2018, Therapeutische Lichtexposition zur Unterstützung der circadianen Rhythmik von Demenzkranken. Evaluation und Wirksamkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450069