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Materialisierung und Bannung des Göttlichen: Bilderverbot und Fetischismus

Title: Materialisierung und Bannung des Göttlichen: Bilderverbot und Fetischismus

Term Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andrea Heß (Author)

Cultural Studies - Basics and Definitions
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Im Kontext der Erscheinungsformen des Fetischismus möchte ich in dieser Arbeit die Hintergründe und Auswirkungen des Bilderverbots JHWHs im Alten Testament beleuchten. Inwiefern es gegeben wurde, um davor zu bewahren, durch Materialisierung Gott in ein Objekt zu bannen und seine Kraft somit auf einen Fetisch zu reduzieren, und wie weitreichend die Folgen des Gebots waren. Hier werde ich auf die Besonderheit der Gottesoffenbarung eingehen, die eine Textreligion mit fetischähnlichem Textkult hervorbrachte. Weiter werde ich über die Inkarnation Gottes in Jesus zu Ikonen und ihrer Verehrung kommen und die Auswirkung des Bilderverbots in dieser Hinsicht bis hinein in die moderne gegenstandslose Kunst aufzeigen.
Meine These ist, dass das Bilderverbot nicht dazu dienen soll, dem Menschen jede Vorstellung oder Aneignung Gottes in jedwelchem Medium zu untersagen, was ihn letztlich zum Verstummen verurteilte, sondern es Ausdruck der Besonderheit der Beziehung Gottes mit seinem Volk darstellt. Aufgrund der dynamischen, nicht determinierbaren Interaktion, die das Gottesverhältnis prägen soll, warnt das Verbot vor Statik und vermeintlicher Verfügung, was die Charakteristika von Fetischen ausmacht. Fetische und die Gefahr der Fetischisierung sind in vielerlei Hinsicht beobachtbar, wo Transzendenz, Göttliches und Religion sich manifestieren. Ich werde versuchen darzulegen, inwieweit JHWH im AT bis hin zu Christus stets zu Unrecht, aber dem Bedürfnis des Menschen gemäß, gebannt und reduziert wurden, wobei ich in meiner Argumentation eine deutliche Trennung ziehe zwischen Glaubensbeziehung und Religionssystemen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Materialisierung des Göttlichen als Fetischismus

2. Bilderverbot und Fetischisierung

2.1.Fetischismus

2.2.Alttestamentarische Gottesoffenbarung und Fetischisierung

2.3.Zusammenfassung

3. Bilderverbot und Wortoffenbarung als kultische Novität

3.1.Exklusivität der Offenbarung

3.2.Textkult und Fetischismus

3.3.Ausdehnung des Bilderverbots auf das Wort und Überwindung des Textkultes in Jesus

3.4.Zusammenfassung

4. Bilderverbot als abstrakte Unzumutbarkeit?

4.1.Bilderpolemik und Bilderverteidigung

4.2.Bild und Fetischisierung im christlichen Abendland: Ikonen

4.3.Alteritätsmarkierung oder Annäherung an Transzendenz durch Negation

4.4.Zusammenfassung

5. Bilderverbot als Ausdruck einer dynamischen Gottesbeziehung

5.1.Zugriffsverweigerung als Beziehungsgrundlage

5.2.JHWH versus religiöses Repräsentationssystem

5.3.Zusammenfassung

6. Von der Unmöglichkeit die Bilderversuchung zu überwinden

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Bilderverbot im Alten Testament sowie dessen Auswirkungen auf die Gottesbeziehung und die Gefahr der Fetischisierung. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern das Verbot vor einer statischen Fixierung Gottes schützt und wie sich dies von einem dynamischen, beziehungsorientierten Gottesverständnis unterscheidet.

  • Das Spannungsfeld zwischen Bilderverbot und menschlichem Bedürfnis nach Anschaulichkeit.
  • Die Analyse von Textkult und Inkarnation als Formen der Gottesbeziehung.
  • Die Rolle der Ikonen im christlichen Abendland im Kontext von Fetischisierung.
  • Die Abgrenzung von lebendiger Glaubensbeziehung und starrem Religionssystem.
  • Moderne ästhetische Ansätze als Form der Alteritätsmarkierung.

Auszug aus dem Buch

2.1.Fetischismus

Um sich der Aussage zuwenden zu können, jegliche Materialisierung des Göttlichen führe zum Fetischismus, bedarf es vorab einer Annäherung an diesen Begriff. Der Fetisch, im religionswissenschaftlichen Sinne, zeichnet, als Objekt, das spirituell aufgeladen ist, den Versuch des Menschen nach, mit dem Göttlichen in Verbindung zu treten und zu bleiben, sich Verfügungsgewalt sowie Kontrollierbarkeit über außernatürliche Kräfte zu sichern. In ihnen gewinnt das Bedürfnis nach Unmittelbarkeit zum Übernatürlichen und gleichzeitig dessen fassbare Eingrenzung und Bannung Form. Fetische stellen somit einen sinnlich- erfassbaren, da überschaubaren Mikrokosmos dar, der die unfassbare Größe des Universums, der Zeit, der transzendenten Kräfte, Mächte und Gewalten in einen greifbaren, vermeintlich regierbaren Kontext stellt und somit Sicherheit, Stabilität und Kontrolle suggeriert. Ein einzelnes Objekt also, das in verdichteter, verdinglichter Form, nach dem pars pro toto- Prinzip, die Gesamtheit des Göttlichen repräsentiert.

In diesem Gestus der Bannung wird die Bewegungsrichtung zwischen Mensch und Göttlichem sichtbar. Der Mensch sucht die Nähe und Unmittelbarkeit der transzendenten (Götter-) Welt, die er erfährt und außer sich selbst weiß, indem er selbst schafft und formt und sakralisiert, um dadurch die Mächte, die das Fetischobjekt inkorporiert in Zaum zu halten, zu manipulieren, zu besänftigen oder anzurufen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Materialisierung des Göttlichen als Fetischismus: Die Einleitung legt das Fundament für die Untersuchung der Hintergründe des Bilderverbots und stellt die These auf, dass dieses eine dynamische Gottesbeziehung bewahren soll.

2. Bilderverbot und Fetischisierung: Dieses Kapitel definiert den Fetischbegriff und beleuchtet, wie der Gott des Alten Testaments sich durch das Bilderverbot jeder direkten Objektivierung entzieht.

3. Bilderverbot und Wortoffenbarung als kultische Novität: Hier wird analysiert, wie die Wortoffenbarung einerseits eine Alternative zum Bilderkult darstellt, andererseits aber selbst in einen Textkult münden kann.

4. Bilderverbot als abstrakte Unzumutbarkeit?: Das Kapitel diskutiert die christliche Bildpolemik und die Entwicklung hin zur Ikonenverehrung sowie moderne Ansätze in der Kunst.

5. Bilderverbot als Ausdruck einer dynamischen Gottesbeziehung: Es wird dargelegt, warum die Unfassbarkeit Gottes die Grundlage einer lebendigen, nicht durch Religionssysteme verhärteten Beziehung sein muss.

6. Von der Unmöglichkeit die Bilderversuchung zu überwinden: Das Fazit fasst zusammen, dass das Bilderverbot zwar eine ständige Herausforderung bleibt, aber notwendig ist, um die Dynamik des göttlichen Gegenübers zu wahren.

Schlüsselwörter

Bilderverbot, Fetischismus, JHWH, Gottesbeziehung, Transzendenz, Textkult, Ikonen, Inkarnation, Religionssystem, Fetischisierung, Alteritätsmarkierung, negative Theologie, Materialisierung, Offenbarung, Dynamik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung des alttestamentarischen Bilderverbots und dessen Funktion als Schutz vor einer Vereinnahmung Gottes durch fetischartige Materialisierung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Fetischismus, die Dynamik der Gottesbeziehung, die Rolle von Bildern und Sprache in der Religion sowie die philosophische Reflexion von Transzendenz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass das Bilderverbot nicht bloßes Verbot von Bildwerken ist, sondern der Bewahrung einer dynamischen, nicht festlegbaren Beziehung zwischen Gott und Mensch dient.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen kultur- und religionswissenschaftlichen Ansatz sowie religionsphilosophische Perspektiven, um das Spannungsfeld zwischen der Unfassbarkeit Gottes und dem menschlichen Bedürfnis nach Anschauung zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Bilderverbots, die Gefahren des Textkultes, die christliche Ikonen-Debatte sowie die Bedeutung der Gottesbeziehung gegenüber starren Religionssystemen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem Bilderverbot, Fetischismus, JHWH, Transzendenz und die Unterscheidung zwischen Glaubensbeziehung und Religionssystem.

Welche Rolle spielt die Inkarnation Jesu in der Argumentation?

Die Inkarnation wird als Herausforderung für das Bilderverbot diskutiert, da sie einerseits eine konkrete menschliche Gestalt bietet, andererseits aber den radikalen Übergang zu einer neuen Beziehungsqualität einleitet.

Wie unterscheidet der Autor zwischen einer Glaubensbeziehung und einem Religionssystem?

Eine Glaubensbeziehung wird als offen und dynamisch beschrieben, während ein Religionssystem zur Verdinglichung und Statik neigt, was die Gefahr der Fetischisierung birgt.

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Details

Title
Materialisierung und Bannung des Göttlichen: Bilderverbot und Fetischismus
College
Humboldt-University of Berlin  (Kunst- und Kulturwissenschaften)
Course
Fetischismus und Gesellschaft
Grade
1,0
Author
Andrea Heß (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V45009
ISBN (eBook)
9783638424936
Language
German
Tags
Materialisierung Bannung Göttlichen Bilderverbot Fetischismus Gesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Heß (Author), 2004, Materialisierung und Bannung des Göttlichen: Bilderverbot und Fetischismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45009
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