In dieser Masterthesis sollen Richtgrößen und Kriterien zur angemessenen Honorierung von Ärztinnen mittels eines theoretischen und methodischen Untersuchungsteils erarbeitet werden. Bei dieser Untersuchung wird insbesondere die Berufsgruppe der Ärztinnen mit Sitz in Deutschland im Hinblick auf angemessene Vergütung für Fachvorträge, Beratungen und Moderationsleistungen Betrachtung finden. Für diese angemessene Marktvergütung wird in der Masterthesis, analog zur Literatur im Bereich Healthcare Compliance der Begriff Fair-Market-Value verwendet (FMV), welcher die angemessene Vergütung von Ärztinnen bei der Zusammenarbeit mit einem Pharma- oder Medizintechnikunternehmen beschreibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesetzliche Rahmenbedingungen
2.1 Hintergrund
2.2 Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen §§ 299 a, b StGB
2.3 Weitere relevante Antikorruptionsnormen
3. Industriekodizes der Pharma- und Medizintechnikindustrie
3.1 Gemeinsamer Standpunkt zur strafrechtlichen Bewertung der Zusammenarbeit zwischen Industrie, medizinischen Einrichtungen und deren Mitarbeitern
3.2 FSA Kodex Fachkreise
3.3 AKG Verhaltenskodex der Mitglieder
3.4 Kodex Medizinprodukte
4. Theoretische Überlegungen für die Festlegung von Kriterien zur Festlegung eines Fair-Market-Value
4.1 Begriffsdefinition Fair-Market-Value
4.2 Wissenschaftliche Publikationen zur Festlegung der Kriterien und Richtgrößen eines Fair-Market-Value
4.3 Beurteilung auf Basis des Vergütungsreferenzsystems des InEK
4.4 Beurteilung auf Basis der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)
4.5 Betrachtung der Urteile der Schiedsstelle des FSA e.V.
4.6 Betrachtung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM)
4.7 Zusammenfassung der theoretischen Überlegungen
5. Methodische Auswertung für die Festlegung von Kriterien zur Festlegung eines Fair-Market-Value
5.1 Online-Befragung mit Fachgruppenmitgliedern Healthcare Compliance des BCM
5.1.1 Fragebogenkonstruktion und Ablauf der Erhebung
5.1.2 Auswertung der Online-Erhebung
5.2 Auswertung des ZI-Praxis Panels
5.3 Fair-Market-Value am Beispiel von Honorarzahlungen der B. Braun Melsungen AG
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterthesis untersucht, wie Pharma- und Medizintechnikunternehmen in Deutschland angemessene Kriterien und Richtgrößen (Fair-Market-Value) für die Honorierung von Ärztinnen bei verschiedenen Dienstleistungen wie Fachvorträgen, Beratungen und Moderationen festlegen können, um gesetzlichen Antikorruptionsvorgaben und Compliance-Richtlinien zu entsprechen.
- Rechtliche Grundlagen und strafrechtliche Rahmenbedingungen (StGB).
- Industriekodizes und deren Compliance-Prinzipien (u.a. Äquivalenzprinzip).
- Theoretische Bestimmung von Kriterien für eine angemessene Vergütung.
- Methodische Analyse durch Expertenbefragungen und Praxisdaten.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die unternehmerische Praxis.
Auszug aus dem Buch
1. EINLEITUNG
„Ein niedergelassener, für die vertragsärztliche Versorgung zugelassener Arzt handelt bei Wahrnehmung der ihm in diesem Rahmen übertragenen Aufgaben (§ 73 Abs. 2 SGB V, hier: Verordnung von Arzneimitteln) weder als Amtsträger im Sinne des § 11 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. c StGB noch als Beauftragter der gesetzlichen Krankenkassen im Sinne des § 299 StGB.“ (Bundesgerichtshof 2012: 2)
Dieses Urteil wurde im März 2012 vom Großen Senat für Strafsachen des Bundesgerichtshofes verkündet. Die Verneinung der Anwendbarkeit von §§ 299, 331 ff. Strafgesetzbuch (StGB) auf niedergelassene Ärztinnen und der Appell des BGH an den Gesetzgeber, in diesem Bereich tätig zu werden, hat zur Notwendigkeit geführt die bisherigen Antikorruptionsnormen des Gesundheitswesens zu erweitern. Nach mehrfach diskutierten Versionen wurden am 04. Juni 2016 die §§ 299a, b StGB „Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen“ als Ergänzung von § 299 StGB eingeführt.
Durch die Aktualität der Gesetzesänderung ergibt sich für viele Unternehmen ein verstärktes Interesse detailliertere Richtgrößen und Kriterien festzulegen, um einen angemessenen Marktwert zu ermitteln, nachdem Honorarzahlungen an Ärztinnen bemessen werden können. Demnach haben laut einer Veröffentlichung von PricewaterhouseCoopers (PwC), 62 Prozent der Pharmaunternehmen in Deutschland die Befürchtung bei Referententätigkeiten mit niedergelassenen Ärztinnen ein mittleres bis hohes Risiko einzugehen, in Korruptionsvorwürfe verstrickt zu werden. Bei Verträgen über Beratungsdienstleistungen steigt der Wert auf 75 Prozent der befragten Pharmaunternehmen (vgl. Bussmann et. al. 2013: 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die gesetzliche Ausgangslage, die durch Urteile des BGH zur Strafbarkeit von niedergelassenen Ärzten entstand, und begründet die Notwendigkeit für Unternehmen, klare Kriterien für einen Fair-Market-Value zu etablieren.
2. Gesetzliche Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel behandelt die strafrechtlichen Grundlagen, insbesondere das Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen, und analysiert die Betroffenheit verschiedener Akteure.
3. Industriekodizes der Pharma- und Medizintechnikindustrie: Hier werden die maßgeblichen Branchenkodizes sowie die zentralen Compliance-Prinzipien vorgestellt, die als Leitlinien für die Zusammenarbeit zwischen Industrie und medizinischen Einrichtungen dienen.
4. Theoretische Überlegungen für die Festlegung von Kriterien zur Festlegung eines Fair-Market-Value: Das Kapitel definiert den Fair-Market-Value und erarbeitet Kriterien auf Basis wissenschaftlicher Literatur sowie bestehender Referenzsysteme wie der GOÄ oder dem InEK.
5. Methodische Auswertung für die Festlegung von Kriterien zur Festlegung eines Fair-Market-Value: Dieser Abschnitt beschreibt die empirische Untersuchung mittels einer Expertenbefragung, analysiert Daten des ZI-Praxis Panels und evaluiert unternehmensinterne Daten zur Festlegung von Honoraren.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, diskutiert die Anwendbarkeit der erarbeiteten Kriterien in der Praxis und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen im Bereich Healthcare Compliance.
Schlüsselwörter
Healthcare Compliance, Fair-Market-Value, Korruptionsbekämpfung, § 299a StGB, Äquivalenzprinzip, Honorarzahlungen, Medizinprodukteindustrie, Pharmaindustrie, Antikorruptionsgesetz, Compliance-Management, Vergütungsreferenzsystem, GOÄ, ärztliche Zusammenarbeit, Transparenzgebot, Dokumentationsprinzip
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung von Kriterien und Richtgrößen für die angemessene Vergütung (Fair-Market-Value) von Ärztinnen, die für Pharma- und Medizintechnikunternehmen in Deutschland als Referenten, Berater oder Mederatoren tätig sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die gesetzlichen Antikorruptionsnormen im Gesundheitswesen, die Rolle der verschiedenen Industriekodizes sowie die praktische Bestimmung marktgerechter Honorarhöhe unter Einhaltung von Compliance-Prinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Unternehmen ein theoretisch fundiertes und methodisch abgesichertes Schema an die Hand zu geben, mit dem sie Compliance-konforme Honorare festlegen können, um strafrechtliche Risiken zu minimieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Autorin kombiniert eine fundierte Literaturanalyse rechtlicher und theoretischer Grundlagen mit einer quantitativen/qualitativen Online-Befragung von Compliance-Experten sowie einer statistischen Auswertung von Praxisdaten.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Gesetze, die Analyse der Branchenkodizes, die theoretische Erarbeitung von Bewertungskriterien sowie die empirische Untersuchung dieser Kriterien anhand von Expertenmeinungen und internen Unternehmensdaten.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?
Die Arbeit zeichnet sich insbesondere durch Begriffe wie Healthcare Compliance, Fair-Market-Value, Äquivalenzprinzip, § 299a StGB und Transparenzgebot aus.
Warum wird die GOÄ als Referenzmodell so prominent diskutiert?
Da die GOÄ ein weit verbreitetes System zur Abrechnung ärztlicher Leistungen ist, wird sie von vielen Unternehmen als Orientierungshilfe genutzt, auch wenn sie im strikten Sinne für andere Leistungsarten konzipiert wurde.
Welche Bedeutung kommt dem Äquivalenzprinzip zu?
Es ist das grundlegende Prinzip der Arbeit, welches besagt, dass die Vergütung in einem angemessenen Verhältnis zur erbrachten, nachvollziehbaren Leistung stehen muss, um den Verdacht einer unlauteren Beeinflussung auszuschließen.
- Citation du texte
- Nadine Bliedung (Auteur), 2017, Healthcare Compliance. Richtgrößen und Kriterien für die Pharma- und Medizinprodukteunternehmen zur Festlegung des Fair-Market-Value für Honorarzahlungen an ÄrztInnen mit Sitz in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450227