Die Postdemokratie nach Colin Crouch


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Demokratiebegriff

3 Crouch’S Postdemokratie
3.1 Demokratie und Postdemokratie
3.2 Bürgerbeteiligung als Kriterium für das Gelingen von Demokratie?
3.3 Externe Einflusskräfte von Politik

4 Theoretische Verortung des Ansatzes

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im vorangegangenen Seminar haben wir uns mit dem Thema der Postdemokratie nach Colin Crouch beschäftigt. Im Hinblick auf sein Werk lässt sich festhalten, dass Crouch sich nach dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs die Frage stellte, wie sich Demokratie im darauf Folgenden Jahrzehnt entwickelt hat und wie sich Demokratie heute definiert.

Crouch gilt als Ursprung dieses Begriffs und hat ihn durch verschiedene Werke geprägt. Er versucht mit seinem Modell der „Postdemokratie“ einen Maßstab dafür zu finden, inwiefern sich die Demokratie global entwickelt und führt hierzu eine Studie zur Entfaltung der globalen Demokratie an.

Ferner kommt er zu dem Schluss, dass die Demokratie seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts einer paradoxen Situation unterliegen würde.1

Ziel dieser Arbeit soll es sein, Crouchs Thesen zur Postdemokratie herauszuarbeiten und herauszustellen wie Crouch zur Auffassung der „Postdemokratie“ kommt und was Postdemokratie überhaupt ist. Um dies erläutern zu können, wird zudem eine kurze Definition von Demokratie als Vergleich dargelegt.

Im Folgenden werde ich zu aller erst eine Definition darüber abgeben, was Demokratie überhaupt bedeutet, um anschließend auf Crouchs Werk der „Postdemokratie“ einzugehen. Hierbei werde ich zum einen auf die „Ideale“ Demokratie nach Crouch eingehen und zum anderen darauf, wieso Crouch es für Notwendig erachtet, den Begriff der „Postdemokratie“ einzuführen. Des Weiteren werden die Gedanken weiterer Politikwissenschaftler zum Vergleich herangezogen. Es folgt zu dem ein Blick auf zwei zentrale Bestandteile von Crouchs Theorie, nämlich der Bürgerbeteiligung und den externen Einflussfaktoren. Abschließend folgt eine Theoretische Verortung inklusive einem Hervorbringen von wichtigen Kritikpunkten.

Im Schlussteil erfolgt eine Zusammenfassung mit einem Rückblick auf die zuletzt diskutierten Fragen.

2. Der Demokratiebegriff

Der Ursprung des Wortes „Demokratie“ leitet sich vom griechischen „demos“ zu Deutsch „herrschen“ aus. Demokratie bedeutet demnach die „Herrschaft des Volkes“.

Die Anfänge der Demokratie finden sich bereits im fünften vorchristlichen Jahrhundert. Zu dieser Zeit war die Praxis der Demokratie ein Entscheidungsverfahren von öffentlichen Dingen, an dem alle als frei geltenden Bürger nicht nur passiv, als Mitberater und Wähler, sondern auch aktiv, als Inhaber nahezu aller staatlichen Ämter der Regierung, Verwaltung und Rechtsprechung teilhaben durften. Die Demokratie war demnach eine Herrschaft von Freien über Freie, die von jedem Einzelnen erwartete und jeden Einzelnen ermächtigte, vorhandene politische Rollen mit Ausnahme der des obersten Kriegsherrn und einiger weniger technischer Verwaltungsfunktionen im politischen Apparat abwechselnd ausfüllen zu können.2 Salzbom ist der Auffassung, dass Demokratie allgegenwärtig sei, unterstreicht jedoch, dass es keine anerkannte Begriffsdefinition von Demokratie geben würde. Demokratie könne als ein „Verfahren der Legitimation, der Kontrolle und der Kritik politischer Herrschaft“ verstanden werden.3 Allgemein spricht man immer dann von Demokratie, wenn in einem Land (freie) Wahlen abgehalten werden. Das Wahlen jedoch nicht unbedingt ein Merkmal für eine lupenreine Demokratie sind, sieht man bereits an der Tatsache, dass ebenfalls in Diktatorischen Staaten wie Nordkorea, im Iran oder auch in der ehemaligen DDR abgehalten werden bzw. wurden.4 Zudem wird Demokratie in zwei Formen unterteilt. Zum einen in die direkte/plebiszitäre Form, in welcher direkt durch das Volk entscheiden wird und in die indirekte Form, in welcher das Volk Stellvertreter wählt, welche stellvertretend für das Volk herrschen. Pelinka führt weiter aus, dass jede Demokratie aus Indirekten/plebiszitären (z.B. Parteien) und direkten/repräsentativen (z.B. Volksabstimmung) Elementen bestehen würde, wobei immer ein Element stärker betont werden würde.5 Im folgenden beziehe ich mich auf zwei Demokratiedefinitionen, von denen eine aus dem HumanDevelopment Report aus dem Jahr 2002 entspringt: „Democracy is defined as a system withinstituionalized procedures for open and competitive political participation, completely elected chief executives and substantial limits on the powers oft he chief executive.6

Eine zweite Definition wurde im Jahr 2004 von Larry Diamond und Leonardo Morlino formuliert. Deren Demokratiebegriff umfasst acht Dimensionen, welche unteranderem zur Qualitätsprüfung von Demokratie dienen können.

1. Rechtsstaatlichkeit
2. Polit. Partizipation
3. Polit. Wettbewerb
4. Vertikale Kontrollen (Politiker können durch Wähler gewählt, oder auch abgewählt werden)
5. Horizontale Kontrollen (wechselseitige Machtbalance unterschiedlicher Institutionen)
6. Freiheit
7. Gleichheit7

Um Qualität von Demokratie messbar zu machen lässt sich zudem der „Freedom House Index“ nennen, welcher vergleichbare Kategorien aufstellt und Punkte vergibt um die Demokratie in verschiedenen Ländern messbar zu machen.8

3. Crouch’s Postdemokratie 3.1 Demokratie und Postdemokratie

Wie zuvor beschrieben, lässt sich festhalten, dass es zwar viele Definitionen von Demokratie gibt, sich jedoch keine allgemein gültige Definition treffen lässt. Das Ziel einer Definition ist es lediglich, die wesentlichen Merkmale von Demokratie herauszukristallisieren, wobei immer der jeweilige historische Hintergrund betrachtet und gedeutet wird. Crouch, ein renommierter Politikwissenschaftler, welcher den Begriff der Postdemokratie hervorgebracht hat, erachtet Demokratie als einen stetig wandelbaren Prozess und versucht ihre Entwicklung mit Hilfe von Indikatoren zu beschreiben. Das Resultat seiner Untersuchungen ist schließlich die Postdemokratie. Doch zu aller erst muss nนn geklärt werden, was Postdemokratie nach Crouch bedeutet und warum er sich gerade für diesen Begriff entschieden hat.

Zu Beginn seines Werkes beschreibt Crouch, dass sich die Demokratie zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einer paradoxen Situation befinden würde. Nach einer Studie zur globalen Demokratie zeigt sich, dass mit dem 21. Jahrhundert scheinbar eine stetig wachsende Zahl von Staaten die Demokratie als Regierungsform besitzt. Würde jedoch eine etwas strengere Definition von freien Wahlen verfasst werden, so stünde man plötzlich einer deutlich geringeren Zahl gegenüber. Er problematisiert zudem die Präsidentschaftswahlen der USA im Jahr 2000, in denen in Florida Ergebnisse schwerwiegend manipuliert worden sein. Das Problem welches Crouch darin sieht, ist zum einen das schwindende Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, als auch den Verlust der Handlungsfähigkeit der Politiker, da ihre Legitimation zunehmend in Zweifel gezogen würde.9

Crouch ist der Auffassung, dass es sich erst um eine Ideale Demokratie handelt, wenn die Masse der normalen Bürger die Gelegenheit habe, sich durch Diskussionen und im Rahmen unabhängiger Organisationen aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Lebens zu beteiligen. Jedoch würde diese ideale Demokratie voraussetzen, dass eine sehr große Zahl von Menschen lebhaft an ernsthaften politischen Debatten und an der Gestaltung der politischen Agenda beteiligt sein und nicht allein passiv auf Meinungsumfragen antworten würden. Dieser politische Idealtyp könne zwar niemals verwirklich werden und wird durch Crouch als „utopisch“ bezeichnet, lege jedoch einen wichtigen Maßstab für Demokratie an die Hand. Darauf aufbauend formuliert Crouch, dass Gesellschaften

[...]


1 Vgl.Crouch (2008): Postdemokratie, S.7

2 vgl.Meyer (2009): Was ist Demokratie?, S. 16.

3 vgl. Salzbom (2012): Demokratie, S.7-8.

4 Vgl. Gärtner (2008): Internationale Sicherheit. Definitionen von А-Z, S.57.

5 vgl. Pelinka (2004). Gmndzüge der Politikwissenschaft, S.28 ff.

6 Vgl. dazu den Human Development Report von 2002 zum Schwerpunkt „Demokratien“ online unter: :http://hdr.undp.org/en/reports/global/hdr2002/

7 Diamond/Larry, Morlino/Leonardo (2004), S. 22-27, inkl. der Indikatoren-Erläuterungen zit. aus: https://www.uni-klu.ac.at/wiho/downloads/QoD-text 03.pdf (letzter Abruf 20.03.2017).

8 Vgl. dazu online: https://freedomhouse.org/report/freedom-world/freedom-world-2017

9 vgl. Crouch (2008): S.?-S.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Postdemokratie nach Colin Crouch
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V450244
ISBN (eBook)
9783668841123
ISBN (Buch)
9783668841130
Sprache
Deutsch
Schlagworte
postdemokratie, colin, crouch
Arbeit zitieren
Thomas Pilarski (Autor), 2017, Die Postdemokratie nach Colin Crouch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450244

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