Erzählstruktur und Gewalt in David Finchers "Fight Club" (1999)


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Strukturanalyse des Films „Fight Club“
2.1 Erzählstruktur
2.2 Der Erzähler
2.3 Hauptfiguren
2.3.1 Jack
2.3.2 Tyler Durdan
2.3.3 Marla Singer

3. Gewaltanalyse des Films „Fight Club“
3.1 Gewalträume
3.1.1 Der Keller
3.1.2 Taylors Haus
3.1.3 Die allgemeine Öffentlichkeit
3.2 Gewaltakteure
3.2.1 Der „Fight Club“ und das „Projekt Chaos“
3.2.2 Die zwei Persönlichkeiten von Jack/Taylor

5. Schluss

6. Abbildungsverzeichnis

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Die erste Regel des Fight Club lautet: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club!“1

Doch über diesen Film, der als einer der Einflussreichsten der 90er Jahre gilt, lohnt es sich in jedem Fall zu sprechen. Die Verfilmung beruht auf dem gleichnamigen, 1996 erschienenen, Roman von Chuck Palahniuk, und setzt – mit dem Hintergrund der New Age Bewegung - ein deutliches Zeichen gegen eine verweichlichte, feministische und konsumorientierte Gesellschaft2.

Diese Arbeit soll im Rahmen einer kurzen Strukturanalyse die Erzählstruktur und -weise sowie die Hauptfiguren des Films erläutern und nach diesem Überblick eine Gewaltanalyse anstellen. Dies geschieht zunächst über die Darstellung konkreter Beispiele zu den wichtigsten Gewalträumen, wobei besonders auf die filmische Umsetzung der jeweiligen Bereiche und die darin vorkommende Gewalt geachtet werden soll. Anschließend wird auf die beiden wichtigsten Gewaltakteure eingegangen und Ferner mit der Begründung abgeschlossen, warum Fincher mit seiner Umsetzung ein wahres Meisterwerk der Filmgeschichte gelungen ist.

2. Strukturanalyse des Films „Fight Club“

2.1 Erzählstruktur

Der Vorspann, in dem eine Kamera rückwärts durch das menschliche Nervensystem rast und sich schließlich über Synapsen, Hautporen und Schweißtropfen einen Weg nach „außen“ bahnt, schlägt eine perfekte Brücke zur ersten Sequenz des Films. Das Publikum erblickt das schweißgebadete Gesicht des Protagonisten Jack3, dem ein Pistolenlauf in den Mund gehalten wird, und erfährt, dass anscheinend eine Art Bombenanschlag bevorsteht. Während der Plan mittels Off-Stimme des Protagonisten erläutert wird, „fällt“ die Kamera viele Stockwerke bis in den Keller des Hochhauses, in dem sich die Szene abspielt, hinunter und zeigt anschließend, indem sie durch ein Einschussloch in das Innere eines Vans fährt, seinen hochexplosiven Inhalt.

Weitere Kommentare der Off-Stimme von Jack und der Stimme des anderen Mannes, Taylor, die noch nicht wirklich einen Zusammenhang für den Zuschauer ergeben, folgen und enden damit, dass auch die Vorausblende endet. Dieser rasante Einstieg mithilfe eines Flash-forwards erzeugt Spannung beim Publikum und wirft viele Fragen auf, die es beantwortet haben möchte.

Nach einem Match Cut befindet sich Jack in einer Selbsthilfegruppe und kurz darauf in seinem Bett, da er beschließt doch lieber noch etwas früher mit seiner Erzählung zu beginnen.4 Diese ersten drei, in Kürze aufeinanderfolgenden, Sprünge in der Zeit lassen die Erzählung sehr unruhig beginnen und steigern die Erwartung an ihre Komplexität und ihren Anspruch. Ab diesem Zeitpunkt läuft die Geschichte dann, bis auf einige kurze Rückwendungen5, chronologisch weiter und es folgt eine eher ruhige Phase des Films, die von Jacks Beschreibungen getragen wird.

Als Marla Singer erstmals auftritt6, kommt es zum ersten Wendepunkt, da Jacks Scheinlösung, durch das Besuchen der Selbsthilfegruppen wieder schlafen zu können, durch sie zerstört wird. Wenig später stellt das Eintreten Taylors7 den zweiten wichtigen Wendepunkt der Geschichte dar, weil er Jacks Leben ändert und schließlich mit ihm zusammen den „Fight Club“ gründet. Weitere plot points sind der Übergang vom „Fight Club“ zum „Projekt Chaos“ und ganz zentral der Punkt an dem sich Jack seiner Schizophrenie, durch einen Rückblick auf die Geschehnisse, bewusst wird.8 Obwohl die Dynamik und Spannung des Films schon während der Suche nach Taylor stark angestiegen ist, erreicht sie nun ihren Höhepunkt, der sich bis zum Ende durchzieht, da Jack begreift, dass nur er das „Ende“, das auch dem Publikum durch die Vorausblende bekannt ist, verhindern kann, womit ein regelrechtes Rennen gegen die Zeit beginnt.

Nachdem die Schnittstelle des Flash-forwards erreicht ist und der sich durchziehende Höhepunkt erst mit den letzten Sequenzen des Films abklingt, wird das Publikum mehr oder minder mit einem offenem Ende „stehen gelassen“, worauf im letzten Punkt der Arbeit noch genauer eingegangen wird.

2.2 Der Erzähler

Während des gesamten Films begleitet die oftmals ironisch klingende Stimme des Protagonisten Jack als Erzähler die Ereignisse. Diese Off-Monologe, in denen er manchmal auch in dritter Person über sich selbst und das allgemeine Geschehen spricht, kommentieren in unterhaltsamer Weise die Geschichte und bringen uns Jacks Gedanken näher. Oft wird das Publikum mit Sätzen wie „Sie kennen doch diesen Brustmuskelaufbau-Kurs im Spielprogramm […]“9 direkt angesprochen, um zu verdeutlichen, dass jeder ein Leben wie Jack führt. An manchen Stellen treibt Fincher diesen Effekt ins Extreme, nämlich dann, wenn Jack dabei auch noch direkt in die Kamera blickt und somit wie ein Reporter vor Ort einer Fernsehreportage wirkt.10 Als wäre das nicht schon absurd genug kommentiert hier auch Taylor dazwischen und kann plötzlich hören, was Jack erzählt.11 An dieser Stelle des Films findet außerdem eine Überschneidung von intradiegetischer und extradiegetischer Erzählung statt, da Tylors Manipulation im Film gezeigt und erklärt wird und gleichzeitig auch für das Publikum die Ränder des Filmmaterials sowie ein Ruckeln und Flimmern des Bildes zu sehen sind. Da dies im Laufe des Films öfter -manchmal kaum merkbar- geschieht könnte man sagen, „dass gerade diese unterschwellig eingeblendeten Bilder ein „Kopfkino“ evozieren, das sich erst in der am Ende offenbarten Doppelgängerei auflöst.“12

Des Weiteren ist die überwiegende Gefühlslosigkeit des Protagonisten gegenüber seiner eigenen Geschichte hervorzuheben, was man sowohl an seinem Ton als auch an der Wortwahl festmachen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist die nüchterne Beschreibung der möglichen Auslöser des Brandes in seiner geliebten Wohnung13 oder die abwertende Beschreibung aller Teilnehmer der Selbsthilfegruppen, die – im Gegensatz zu ihm - wirklich schwer krank sind. Abschließend ist also festzustellen, dass der Erzähler aus dem Off an einen Kommentator eines Dokumentarfilms erinnert, was hohen Anspruch an Wahrheit und Authentizität impliziert und den Zuschauer scheinbar unmittelbar an vergangenem und Gegenwärtigem teilhaben lässt.14 Die Wahl eines solch wahrheitsversprechenden Erzählers, für eine Geschichte, die sich eigentlich nur im Bewusstsein einer Person abspielt, ist wohl die gelungenste Art, das Publikum vorsätzlich zu täuschen.

[...]


1 Alle Angaben von Timecodes beziehen sich auf Fight Club (USA, 1999, David Fincher, Twentieth Century Fox Home Entertainment, DVD) hier: 00:41:10

2 Früchtl, Josef (2013, S. 41).

3 Da der Protagonist im Film (zunächst) keinen Namen besitzt, wird er im Folgendem immer „Jack“ genannt. Diesen Namen verwendet er selbst zum Ausdruck seiner Gefühle, da er einen Artikel gelesen hat, in dem die Organe eines gewissen „Jack“ sich selbst und ihre Funktionen vorstellen 00:37:14 – 00:37:35

4 Fight Club 00:03:42

5 Zum Beispiel als man erfährt, wie es dazu kam, dass Marla im Haus übernachtet hat Fight Club 00:48:12 – 00:50:10

6 Fight Club 00:11:07

7 Fight Club 00:21:04 bzw. schon früher durch Flimmern angedeutet und bei 00:18:56 bereits zu sehen, aber hier noch kein Kontakt zueinander

8 Fight Club 01:48:17 – 01:49:50

9 Fight Club 00:07:51

10 vgl. Mergenthaler, Jens (2008, S. 199).

11 Fight Club ab 00:31:10

12 Heidemann, Gudrun (2009, S. 87).

13 Fight Club 00:25:57 – 000:26:25

14 vgl. Mergenthaler, Jens (2008, S. 199).

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Details

Titel
Erzählstruktur und Gewalt in David Finchers "Fight Club" (1999)
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V450375
ISBN (eBook)
9783668841901
ISBN (Buch)
9783668841918
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erzählstruktur, gewalt, david, finchers, fight, club
Arbeit zitieren
Sabrina Kaindl (Autor), 2015, Erzählstruktur und Gewalt in David Finchers "Fight Club" (1999), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450375

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