Die Phänomenologische Pädagogik befasst sich mit der Lebenswelt von Heranwachsenden. In der sie umgebenden Umwelt existieren unzählige Ereignisse, die ihrem Charakter Form und Prägung verleihen. Sei es die Erfahrung der familiären Nähe oder der, zunächst anonymen, Schulklasse. Geschehnisse die zum ersten Male wahrgenommen werden, wirken mitunter befremdlich und erzeugen ein Gefühl von Unbehagen. Als phänomenlogisch ausgerichteter Pädagoge versucht man das wahrgenommene Ereignis an sich zu sehen. Vielleicht so zu sehen, wie es das Kind sieht. Es gilt zu verstehen, was den Zögling daran so begeistert, wenn es eine Kugel bergab rollen sieht oder wenn zwei zusammen spielende Kinder plötzlich anfangen sich zu streiten. Aus welchen Gründen ist es fasziniert oder verärgert. In diesen Momenten muss der Erzieher erklärend oder schlichtend eingreifen, ohne aber die natürlich gegebenen Bewältigungsstrategien der Heranwachsenden zu untergraben. Das Pädagogische an sich zu klären und anschließend aufzuzeigen, welche Eigenschaften der phänomenologischen Pädagogik zuzuordnen sind, wird Aufgabe des ersten Teils dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. PHÄNOMENOLOGISCHE PÄDAGOGIK
1.1. WAS IST DAS PÄDAGOGISCHE
1.2. WELCHEN ANSPRUCH HAT DAS PÄDAGOGISCHE
1.3. DAS WESEN DES PÄDAGOGISCHEN
1.4. DIE PÄDAGOGISCHE KOMPETENZ
1.5. WELCHEN EINFLUSS HAT DIE PHÄNOMENOLOGISCHE PÄDAGOGIK
2. KINDHEIT UND GEHEIMNISSE
2.1. WAS SIND GEHEIMNISSE
2.2. WIE UND WO ERFAHREN WIR GEHEIMNISSE
2.2.1. DER GEHEIME RÜCKZUGSORT / DAS VERSTECK
2.2.2. GEHEIME FÄCHER, SCHUBLADEN UND KISTEN
2.2.3. GEHEIME ERSCHEINUNGEN UND PHANTASIEN
2.3. KINDHEIT UND IHRE GEHEIMNISSE
2.4. DER VERRAT EINES GEHEIMNISSES
2.5. PÄDAGOGISCHER UMGANG MIT GEHEIMNISSEN
2.6. DER ZWECK FÜR DIE ENTWICKLUNG DER PERSÖNLICHKEIT
3. SCHLUSS
4. LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die phänomenologische Pädagogik, insbesondere im Kontext der Konzepte von Max van Manen, um ein tieferes Verständnis für die Erziehungsbeziehung sowie die Bedeutung von Geheimnissen im Kindesalter zu entwickeln.
- Grundlagen der phänomenologischen Pädagogik und das Wesen des Pädagogischen.
- Die pädagogische Kompetenz als dynamisch-funktionales System.
- Phänomenologie des Geheimnisses: Formen, Entstehung und pädagogische Bedeutung.
- Bedeutung der Privatsphäre und des Rückzugs für die Persönlichkeitsentwicklung.
- Verantwortung und Rolle des Erziehers im pädagogischen Prozess.
Auszug aus dem Buch
2.1. WAS SIND GEHEIMNISSE
Geheimnisse sind ein Phänomen der Kindheit, wie auch der Erwachsenenwelt. Es ist die Fähigkeit das Wissen über das ‚eigenste’ im Innersten verbergen zu können. Geheimnisse existieren an örtlichen oder geistigen persönlichen Plätzen und variieren von fantasierten - kaum nachvollziehbaren Geheimnissen; anvertrauten, preisgegebenen, bis hin zu mit nur ausgewählten Menschen geteilten Geheimnissen. Geheimnisse handeln von persönlichen Dingen die eventuell das Verhältnis zu Eltern, Geschwister, Freunden oder Lehrern widerspiegeln. Es gibt nette, intime, tiefgründige, soziale, schreckliche, peinliche, furchtbare, gespenstige oder widerspenstige Geheimnisse. Die Konsequenzen Macht, Strafe, Scham, Schuld, Fürsorge, Liebe und Hass können mit Geheimnissen verbunden sein.
Van Manen und Levering unterscheiden drei verschiedene Formen von Geheimnissen. Es gibt existenzielle, kommunikative und persönliche Geheimnisse. Existenzielle Geheimnisse beschreiben das Wesen eines Menschen und seine Verborgene Innerlichkeit. Jede Person bleibt für einen Betrachter ein Geheimnis in dem Sinne, dass es nie eine völlige Klarheit und Öffentlichkeit zwischen den Menschen gibt. Der Mensch gegenüber bleibt ein Mysterium, ein nie ganz aufklärbares Geheimnis. Unter kommunikativen Geheimnissen verstehen die Autoren die Unfähigkeit beziehungsweise das Unvermögen das Innere und die Gefühle zu verbalisieren. Dies trifft vor allem auf Kinder zu. Es beschreibt die Grenzen der Mitteilbarkeit, sowie natürliche Grenzen des gegenseitigen Verstehens. Hierbei bleiben bestimmte Bereiche des Menschen vorenthalten. Persönliche Geheimnisse hingegen meinen das bewusste Verschweigen von Wissen, beziehungsweise von dem, was mitgeteilt werden könnte. Man ist nicht bereit oder hat Angst davor es mitzuteilen. Oft haben persönliche Geheimnisse Konsequenzen für zwischenmenschliche Beziehungen. Indem sie diese beeinträchtigen können, werden sie weniger offen, intim oder spontan. Teilt man aber offen und vertraulich persönliche Geheimnisse mit, wird die Beziehung intimer, enger und transparenter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PHÄNOMENOLOGISCHE PÄDAGOGIK: Das Kapitel führt in die Lebenswelt von Heranwachsenden ein und klärt das Wesen des Pädagogischen als Beziehungsform zwischen Erwachsenen und Kindern.
2. KINDHEIT UND GEHEIMNISSE: Dieser Abschnitt beleuchtet Geheimnisse als ein zentrales Phänomen der Entwicklung, das eng mit Identität, Intimität und der pädagogischen Verantwortung verknüpft ist.
3. SCHLUSS: Die Zusammenfassung unterstreicht die Rolle des Erziehers als Begleiter in einem dauerhaften Prozess, bei dem der Blickwinkel des Kindes entscheidend ist.
4. LITERATUR: Listet die verwendeten Quellen und weiterführende Literatur auf, insbesondere die Werke von Max van Manen.
Schlüsselwörter
Phänomenologische Pädagogik, Max van Manen, Erziehung, Kindheit, Geheimnisse, Lebenswelt, pädagogische Kompetenz, Privatsphäre, Identität, Persönlichkeitsentwicklung, Lehrer-Schüler-Beziehung, Sorgfalt, Situationserfahrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Grundlagen der phänomenologischen Pädagogik, insbesondere durch die Auseinandersetzung mit der Arbeit von Max van Manen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Wesen des Pädagogischen, die Bedeutung der pädagogischen Kompetenz sowie eine detaillierte Phänomenologie des Geheimnisses bei Heranwachsenden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das pädagogische Handeln besser zu verstehen, indem man das Wesen des Erziehens hinterfragt und die Bedeutung von Geheimnissen für die kindliche Entwicklung analysiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein phänomenologischer Ansatz gewählt, der versucht, Ereignisse und Situationen aus der Lebenswelt der Heranwachsenden, idealerweise aus deren Blickwinkel, zu betrachten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung des Pädagogischen und eine umfangreiche Analyse des Phänomens "Geheimnis" in seinen verschiedenen Formen und pädagogischen Konsequenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Phänomenologische Pädagogik, Kindheit, Geheimnisse, Identität, pädagogische Kompetenz und Erziehungsprozess charakterisiert.
Wie unterscheiden sich existenzielle und kommunikative Geheimnisse nach van Manen?
Existenzielle Geheimnisse betreffen das unauslotbare Wesen eines Menschen, während kommunikative Geheimnisse das Unvermögen bezeichnen, das innere Erleben sprachlich zu vermitteln.
Welche Rolle spielt die Privatsphäre laut dem Autor?
Privatsphäre wird als essenziell für die individuelle Entwicklung und Kreativität eingestuft, da ständige Observation durch Erziehende zu Auflehnung führen kann.
Warum ist der "Verrat eines Geheimnisses" pädagogisch relevant?
Der Verrat eines Geheimnisses führt zu Gefühlen wie Scham oder Schuld und tangiert das Vertrauensverhältnis, das für eine gelingende Erziehung grundlegend ist.
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- Ronny Steinbrück (Author), 2005, Phänomenologische Pädagogik am Beispiel Max von Manen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45037