„Entwicklungshilfe wurde schon vor der Erfindung dieses Namens praktiziert“ (Bierschenk 1997: 34). Seit Beginn der zwanziger Jahre wurde sie systematisch von den Kolonialherren in Afrika angewandt, die der Auffassung waren, sie müssten den „unterentwickelten Schwarzen“ helfen, höhere Entwicklungsstufen der Evolution zu erreichen (Sottas 1992: 15). Erst später fand ein Konzeptwechsel von der „Hilfe“ durch Entmündigung, zu einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ statt. Seither spricht man von „Entwicklungszusammenarbeit“ und nicht mehr von „Entwicklungshilfe“. Bis heute gibt es nicht viele Ethnologen in der Entwicklungszusammenarbeit. Dies führt dazu, dass die Experten oft gar keinen Bezug zu dem kulturellen Umfeld haben, in dem sie arbeiten sollen. Immer noch werden zum Teil alle Vorbereitungen und Entscheidungen zu einem Projekt im Geberland getroffen, ohne dass auch nur eine Person aus dem Team das Empfängerland vorher besucht hätte. Dadurch kann es leicht passieren, dass gut funktionierende traditionelle Gesellschaften zum Negativen hin verändert werden. Vielerorts wird durch die Entwicklungszusammenarbeit das Ungleichgewicht zwischen arm und reich gestärkt, da die ohnehin westlich orientiere Elite auf Kosten der Ureinwohner gefördert wird.
Seit den siebziger Jahren hat sich die internationale Entwicklungszusammenarbeit auf die Länder südlich der Sahara konzentriert um die Lebensbedingungen der dort ansässigen Menschen zu verbessern. Dies sollte vor allem durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage geschehen, die eine positive Veränderung der gesellschaftlichen und sozialen Lage mit sich bringen sollte (Bierschenk 1997: 7). Warum diese Hilfe jedoch ihre Ziele weitgehend verfehlt hat, soll im Folgenden analysiert werden. Des Weiteren möchte ich anhand zweier Beispiele einen Überblick über die Problematik der Erfolgschancen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit geben und analysieren, inwiefern Ethnologen den Erfolg beeinflussen können. Die Projekte wurden beide Ende der sechziger Jahre in Dahomey, dem heutigen Benin initiiert, das eine unterstützt durch die FAO (Food and Agricultural Organisation), das andere durch den DED (Deutscher Entwicklungsdienst).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entwicklungshilfe in Afrika
- Der „Club des Jeunes Agriculteurs d'Ayou“
- Ziele des Vereins
- Erfolge des Vereins
- Das Scheitern des Vereins
- Gründe für das Scheitern des Vereins
- Die Wirtschaftskrise
- Mangelhafte Unterstützung
- Das Projekt der Dorfentwicklung in Gbeniki
- Voraussetzungen des Projektes
- Vorbereitungen der Ethnologin
- Ziele des Projektes
- Arbeitsfelder der Entwicklungshelfer
- Gesundheitswesen
- Wohnverhältnisse
- Arbeit mit Frauen
- Alphabetisierung
- Landwirtschaft
- Schlussanalyse
- Quellennachweis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Rolle von Ethnologen in der Entwicklungszusammenarbeit und untersucht anhand zweier praktischer Beispiele aus Benin, wie Ethnologen den Erfolg von Entwicklungsprojekten beeinflussen können. Sie beleuchtet die Problematik der Entwicklungshilfe in Afrika und untersucht kritisch, warum diese trotz großer finanzieller Mittel oft ihre Ziele verfehlt.
- Die Bedeutung der Einbeziehung ethnologischer Expertise in Entwicklungsprojekte
- Die Herausforderungen der Entwicklungshilfe in Afrika und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft
- Die Rolle der Ethnologen als Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen und Interessen
- Die Notwendigkeit, traditionelle Gesellschaften zu verstehen und zu berücksichtigen, um nachhaltige Entwicklung zu fördern
- Die Analyse von Erfolgsfaktoren und Scheiterngrünen von Entwicklungsprojekten
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den historischen Kontext der Entwicklungshilfe und die Rolle von Ethnologen darin dar. Sie kritisiert die negative Vergangenheit der Entwicklungshilfe und plädiert für eine stärkere Einbeziehung von Ethnologen, um die Erfolgschancen von Projekten zu erhöhen.
Kapitel 1 beleuchtet die Entwicklungshilfe in Afrika und ihre Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Es wird deutlich, dass die Hilfe oft zu Abhängigkeiten führt und die wirtschaftlichen Probleme nicht löst.
Kapitel 2 analysiert den „Club des Jeunes Agriculteurs d'Ayou“, ein Projekt zur Förderung der Landwirtschaft in Benin. Es werden die Ziele, Erfolge und Gründe für das Scheitern des Vereins untersucht. Die mangelnde Unterstützung und die Wirtschaftskrise werden als zentrale Ursachen für das Scheitern identifiziert.
Kapitel 3 befasst sich mit dem Projekt der Dorfentwicklung in Gbeniki, das verschiedene Bereiche wie Gesundheitswesen, Wohnverhältnisse, Arbeit mit Frauen, Alphabetisierung und Landwirtschaft umfasst. Es werden die Voraussetzungen, Ziele und Arbeitsfelder des Projektes detailliert dargestellt.
Schlüsselwörter
Ethnologie, Entwicklungszusammenarbeit, Afrika, Benin, Entwicklungshilfe, Tradition, Kultur, Nachhaltigkeit, Projektmanagement, Erfolgsfaktoren, Scheiterngrünen, Randgruppen, wirtschaftliche Entwicklung, soziale Ungleichheit, politische Machtverhältnisse.
- Quote paper
- Lotte von Lignau (Author), 2003, Arbeit von Ethnologen in der Entwicklungszusammenarbeit oder als Beobachter von Aktionen der Entwicklungszusammenarbeit: praktische Beispiele aus Afrika (Benin), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45057