Welchen Einfluss hat das Selbstkonzept auf die Wahl einer Sportart? Planung eines Forschungsprojekts in der Sportwissenschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodik
2.1 Hypothesenherleitung
2.2 Datenerhebung
2.3 PSDQ - Physical Self Description Questionnaire
2.4 Stichprobeneingrenzung
2.5 Erlauterung des Onlinefragebogens
2.6 Potenzielle Storquellen

3. Ergebnis

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Frei dem Motto Heinz von Foersters: „Lehrer konnen nur Lehrer sein, wenn sie Forscher sind", unternimmt nun auch die Universitat Wurzburg den Versuch, den Lernhorizonts seiner Sportstudenten1 um den Aspekt der Forschung zu erweitern. Dies soll vornehmlich durch das Seminar sportwissenschaftliches Arbeiten/ Forschen aus padagogischer Sicht, also dem Modul 17 bewerkstelligt werden. Im Wintersemester 2011/12 fand eines dieser Seminare unter der Leitung Prof. Dr. Harald Langes statt. Inhalte waren hierbei zunachst verschiedene Theorien und Konzepten des Bewegungslernens, welche durch Presentation seitens der Studenten eingefuhrt wurden. Analog dazu bekamen die Studenten eine grundlegende Einfuhrung und Erlauterung in die sportwissenschaftlichen Forschungs- und Arbeitsweisen. Ziel war, den Inhalt der Vortrage mit einer exemplarischen Forschungsarbeit zu verknupfen.

Ein Thema, welches auf besondere Resonanz bei den Studenten traf, war die Personlichkeitsentwicklung von Schulern und die damit aufkommende Vermutung, dass sich eine starke Korrelation von Personlichkeit und Sport erkennen lasse. Fragen wie Was bedeutet Personlichkeit? Was fur unterschiedliche Eigenschaften gibt es? Nimmt man Unterschiede deutlicher wahr als Gemeinsamkeiten? Hat Personlichkeit auch was mit dem Sportinteresse beziehungsweise mit der sportlichen Aktivitat von Schulern zu tun?, zeigen deutlich, dass dieses Thema verschiedene Forschungsansatze hervorbringen konne.

Bevor man sich jedoch nun intensiver mit dem Thema beschaftigt, ist es notwendig sich vorab mit der Vielzahl von theoretischen Zugangen zur Personlichkeitsentwicklung vertraut zu machen und diese gegebenenfalls auch fur die Forschungszwecke einzuschranken. Personlichkeit ist ein Begriff, der nicht uneinheitlicher definiert sein konnte. Es finden sich hierzu unzahlige von Definitionen unterschiedlichster Autoren. Wenn man die Forschung auf diesem Gebiet vorantreiben mochte, dann muss man auf diese Verschiedenheit der Definitionen durchaus hinweisen. Sie jedoch im Detail zu thematisieren, ware wiederum schon fast eine eigene Forschungsarbeit und sollte auf Grund der Relevanz zum Thema so kurz wie moglich gehalten werden.

Einige der prominentesten Theorieansatze, vornehmlich aus der englischsprachigen Forschung basieren auf den sogenannten Eigenschaftsparadigmen.

Im Eigenschaftsparadigma wird unter Personlichkeit die organisierte Gesamtheit der Eigenschaften (engl.: Traits) verstanden, die einem Menschen zugeordnet werden kann. Dabei wird davon ausgegangen, dass es sich bei Eigenschaften um uber die Zeit hinweg relativ stabile Personlichkeitsmerkmale handelt, die fur unterschiedliche Situationen und langere Zeitraume relativ genaue Erlebens- und Verhaltensvorhersagen ermoglichen (Conzelmann et al, 2011, S. 21).

Als eine bis dato anerkannte und weit verbreitete Theorie ist hierbei das Funf - Faktoren - Modell der Personlichkeit, oder auch die „Big Five" zu nennen.

Weiterhin interessant, da aktuell haufig diskutiert, ist der Ansatz bezuglich der Personlichkeitsentwicklung im Sport, namlich dem Selbstkonzept. Zu diesem, vornehmlich kognitiven Ansatz wird im Folgenden Bezug genommen.

Nach dieser Festlegung auf die Fokussierung auf das Selbstkonzept, stellten sich nun noch zwei weitere Fragen. Zum einen, welche Personlichkeitskonstrukte in Betracht gezogen werden konnen, um die Verbindung zwischen Sport und Personlichkeit empirisch zu belegen und zum anderen, welche Kausalrichtung der Interpretation zu wahlen ist. Recherchen zur Beantwortung dieser Fragen fuhrten vermehrt zur Berner Interventionsstudie Schulsport (BISS). In dieser Studie wird untersucht, inwiefern sich die Personlichkeitsentwicklung durch Schulsport beeinflussen lasse. Dabei konzentriert man sich vornehmlich auf die Selbstkonzeptansatze, auf Grund dessen es sich hierbei um ein Personlichkeitskonstrukt handelt, welches eine groGere Plastizitat aufweist als die zuvor beschrieben Traits, sich aber trotzdem fur Verhaltensvorhersagen eignet.

Das Selbstkonzept beschreibt die Gesamtheit der Wahrnehmungen und des Wissens um die eigene Person, d.h. das Wissen uber die eigenen Fahigkeiten, Eigenschaften und Gefuhle (Conzelmann et al, 2011)

Laut Conzelmann et al (2011) wird bei sportwissenschaftlichen Fragen zumeist der Ansatz des multidimensionalen, hierarchischen Selbstkonzeptmodelles von Shavelsons genutzt. So auch in der BISS. Dieses Modell teilt das Selbstkonzept in einen akademischen und einen nicht-akademischen Teil ein, wobei nur der nicht-akademische Teil mit seinen Untergruppen des sozialen, emotionalen und physischen Selbstkonzept fur die Studie eine Relevanz besitzt.

Des Weiteren beschrieb Conzelmann (2001) die verschieden Kausalrichtungen. Hierbei unterscheidet man in die Sozialisations- und die Selektionshypothese. Entscheidend fur die BISS war der Einfluss des Sportunterrichts auf das Selbstkonzept, ergo der Sozialisationshypothese.

Das empirische als hermeneutische Wissen auf diesem Gebiet nutzend, versucht diese Arbeit nun nicht herauszufinden welchen Einfluss der Sport auf das Selbstkonzept hat, sondern inwieweit ein schon vorhandenes, hauptsachlich die Physis betreffendes Selbstkonzept die Wahl des Individuums fur eine bestimmte Sportart beeinflusst. Hierbei wird der Versuch unternommen, Indizien zu finden, ob es dabei erkennbare Unterschiede zwischen Mannschaftssportlern und Individualsportlern abzeichnen.

2. Methodik

Folgenden Abschnitt beschreibt die in der Seminararbeit angewandte Methodik. Zuerst wird die Fragestellung eruiert, nachfolgend die Hypothese zur durchgefuhrten Studie im Detail erlautert und anschlieGend das Untersuchungsdesign, sowie der mogliche Fragebogen vorgestellt.

2.1 Hypothesenherleitung

Welchen Einfluss nimmt das physische Selbstkonzept auf die Wahl zwischen Mannschafts- oder Individualsportarten?

Die Frage nach der Korrelation der Variablen Sport und Personlichkeit gestaltet sich komplex. Zwar kann man in einem deskriptiven Schritt, ohne groGe Probleme beide Variablen in einer Aussage zusammenfuhren, die eigentliche Forschungsfrage bleibt jedoch nicht auf dieser oberflachlichen Ebene und versucht den gefundenen Zusammenhang zu einer allgemeinen Feststellung hin zu interpretieren.

Die angefuhrte Hypothese behandelt konkret den Einfluss der Personlichkeit auf die Auswahl einer Sportart. Damit wird von einer Wirkung der unabhangigen Variable Personlichkeit auf die abhangige Variable Sport ausgegangen. Nach Bos et al. (2000) versteht man unter der abhangigen Variable die ZielgroGe, welche untersucht werden soll und unter der unabhangigen Variablen das Merkmal, dessen Einfluss auf die ZielgroGe man festzustellen versucht. Die Prufung dieser sogenannten Selektionshypothese ware beispielsweise zur Talentauswahl geeignet, indem man nach Personlichkeitsmerkmalen sucht, welche die sportliche Leistung in einer bestimmten Sportart begunstigen. Es geht also darum die interindividuellen Differenzen zwischen Mannschaftssportlern und Individualsportlern zu beschreiben. Obwohl es laut Conzelmann (2001) noch keinen empirischen Nachweis fur eine Sportlerpersonlichkeit gibt, ist es wahrscheinlich, dass eine Korrelation zwischen der Personlichkeit und der Wahl einer Mannschafts- oder Individualsportart besteht. Ob diese dann nun eindeutig mit dem physischen Selbstkonzept zusammenhangt, gilt es zu klaren.

Aufbauend auf dem Selbstkonzept-Modell von Shavelson et al. (1976) wird das physische Selbstkonzept als der Teilbereich des allgemeinen Selbstkonzeptes aufgefasst, in dem alle selbstbezogenen Informationen subsummiert sind, die sich auf den eigenen Korper beziehen. Diese korperbezogenen Informationen beinhalten die korperlichen Fahigkeiten (Kraft, Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und Schnelligkeit) sowie Aspekte der physischen Attraktivitat und werden auf einer hoheren Ebene zum physischen Selbstwert zusammengefasst (Conzelmann & Hansel, 2008, S.19, zitiert nach Stiller, Wurth & Alfermann, 2004).

Dass sportliche Aktivitat Einfluss auf das physische Selbstkonzept hat, konnte durch verschiedene Studien bestatigt werden. So konnten beispielsweise Welk, Corbin und Lewis (1995) positive Effekte fur jugendliche Leistungssportler und Leistungssportlerinnen bestatigen. Dabei verweisen sie hauptsachlich auf eine bessere Bewertung der korperlichen Fahigkeiten im Vergleich zu sportlich Inaktiven. Mrazek und Hartmann (1989) zeigten ebenfalls den Einfluss von Sport auf das physische Selbstkonzept und stellten zusammenfassend fest, dass „Formen sportlicher Aktivitat das Selbstkonzept starker (positiv) beeinflussen als die Personlichkeitsfaktoren" (Conzelmann et al., 2008, S.21, zitiert nach Mrazek & Hartmann, 1989, S.225).

Nun stellt sich die Frage, in wie fern dazu auch reziprok das physische Selbstkonzept die Wahl der Sportart beeinflussen kann. Laut Conzelmann et al. gehen Brettschneier und Kleine (2002) davon aus, dass Jugendliche hauptsachlich dann im Sportverein tatig sind, wenn sie ein positives physisches Selbstkonzept haben. Daraus lasst sich schlieGen, dass das physische Selbstkonzept einen Einfluss darauf haben kann, ob man Sport macht oder nicht. Lasst sich diese Beobachtung nun noch dahingehend prazisieren, dass das Selbstkonzept Auswirkungen auf die Wahl von einer Mannschafts- oder Individualsportart hat? Dies gilt es im Folgenden herauszufinden. Auf Grund der oben erlauterten Hypothesenherleitung, ergibt sich nun folgende Annahme:

Es existieren Unterschiede zwischen Individualsportlern und Mannschaftssportlern im

Bezug auf das physische Selbstkonzept.

oder

Das physische Selbstkonzept ist ausschlaggebend fur die Entscheidung einer Person zwischen Mannschaftssport und Individualsport.

[...]


1 Aus Grunden der Lesbarkeit werden alle generischen Maskulina (wie beispielsweise Schuler, Lehrer und Spieler) in dieser Arbeit als geschlechtsunspezifische Allgemeinbegriffe verwendet.

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Details

Titel
Welchen Einfluss hat das Selbstkonzept auf die Wahl einer Sportart? Planung eines Forschungsprojekts in der Sportwissenschaft
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V450716
ISBN (eBook)
9783668859272
ISBN (Buch)
9783668859289
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Sport, Pädagogik, Forschung, Forschungsprojekt, Planung, wissenschaftlich, Arbeiten, physische Selbstkonzept, Selbstkonzept
Arbeit zitieren
Marcus Wenzel (Autor), 2012, Welchen Einfluss hat das Selbstkonzept auf die Wahl einer Sportart? Planung eines Forschungsprojekts in der Sportwissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450716

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