Die Unfähigkeit zu trauern von Alexander und Margarete Mitscherlich unter Bezugnahme von Norbert Elias' Studien über die Deutschen


Referat (Ausarbeitung), 2002
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Staatsgesellschaft Deutschland

3. Die Verliebtheit in den Führer

4. Emigration als Makel

5. Schluss

1. Einleitung

Der 2. Weltkrieg hat in Deutschland tiefe Wunden hinterlassen, die größtenteils selbst heute, nach einem halben Jahrhundert, nicht verheilt sind.

Ich möchte mich aus diesem Grund mit dem Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ von Alexander und Margerete Mitscherlich befassen, in welchem sie darlegen, weshalb die Deutschen nicht imstande waren, ihre gemeinsam erlebte Vergangenheit wahrzunehmen und zu verarbeiten, also Trauerarbeit zu leisten.

Aus diesem Buch verwende ich zwei Kapitel, zum einem das Kapitel „Die Verliebtheit in den Führer“, in dem beschrieben wird, was diese Hörigkeit, diese Lust am Führer ausgemacht hat und warum es so schwer war und immer noch ist, davon loszukommen.

Das zweite Kapitel „Emigration als Makel“ beschreibt die nichtobjektive Erinnerung der Menschen nach dem 2. Weltkrieg, wie sie die Geschichte nach ihren Gunsten färbten.

Weiterhin ziehe ich das Buch „Das Vokabular der Psychoanalyse“ von J. Laplanche und J.-B. Pontalis zur Rate, um Begriffe besser erklären zu können.

Es reicht jedoch nicht, die nach dem Krieg aufgetretenen Symptome aus dem 2. Weltkrieg heraus zu erklären. Es ist notwendig zu beschreiben, wie und warum es überhaupt möglich war, dass Menschen das taten und daran glaubten, was im 2. Weltkrieg zu beobachten war.

Um diese Entwicklung der Deutschen aufzuzeigen möchte ich dafür das Buch „Studien über die Deutschen“ von Norbert Elias verwenden, in welchem Entwicklungen des nationalen Habitus der Deutschen herausgearbeitet werden, die den Entzivilisierungsschub der Hitler – Epoche ermöglicht haben.

2. Entwicklung der Staatsgesellschaft Deutschland

Wenn man heutzutage Menschen nach den Ursachen des 2. Weltkrieges befragt, so bekommt man meistens zu hören, dass die schlechten ökonomischen Verhältnisse dazu geführt hätten.

Natürlich darf man die Wirtschaft nicht ausklammern. Wenn die Menschheitsentwicklung jedoch als ein langfristiger Prozess zu verstehen ist, so ist die Ökonomie nur ein Teil von einer Gesamtentwicklung, an der Menschenfigurationen beteiligt sind.

Die Entwicklung zum 2. Weltkrieg und der Folgen dürfen demnach nicht nur aus der kurzen Zeit davor erklärt werden.

Heute ist es wissenschaftlicher Kanon, dass Erfahrungen der Vergangenheit bei Einzelmenschen auch für die Gegenwart fortwirken.

Genauso verhält es sich mit der Entwicklung einer Nation, hier der deutschen. Eine Nation besteht ebenfalls aus Menschen, die alle ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit in der Gegenwart und Zukunft weitergeben.

Selbst heute noch besteht vielerorts die Überzeugung, dass das Deutsche Reich für lange Zeit ein schwacher Staat war und somit in der Konkurrenz bzw. der Hierarchie der europäischen Staaten eine verhältnismäßig niedrige Position einnahm (Elias 1998, 233). Da man es immer mit Menschen zu tun hat, litt aus diesem Grund das Selbstwertgefühl der damaligen Menschen, sie fühlten sich gedemütigt.

Unter langandauernder Demütigung leidet irgendwann das Selbstwertgefühl des Menschen. Dieses Gefühl der Schwäche bzw. Machtunterlegenheit schlug ins Gegenteil um, als der vormals lockere und später integrierte Staat durch bzw. im Zusammenhang mit dem siegreichen Krieg von 1871 geeint wurde (Elias 1998, 233).

Die tiefgreifenden Gefühle nationaler Erniedrigung wandelten sich zu stark betonten Gefühlen der eigenen Größe und Macht. Der nationale Entscheidungsspielraum um die Großmachtstellung stand nun weiter offen, und daraus wurde, wie das im Macht – und Prestigekampf von Staaten oft der Fall ist, die Entschlossenheit um die Vormachtstellung in Europa.

Dieser sogenannte Pendelschwung, vom Extrem der Erniedrigung zum Extrem der Erhöhung, bewirkte, dass immer mehr Menschen der damaligen deutschen Führungsschichten glaubten, sich zum Kampf gegen das übrige Europa, wenn nicht der Welt, bereitzumachen (Elias 1998, 233).

Wie in vielen Konkurrenzsituationen zwischen interdependenten Menschenfigurationen verwandelte sich in Deutschland eine zuvor gedemütigte in eine hochmütige, eine unterdrückte in eine unterdrückende Gruppe (Elias 1998, 233). Da die Integration Deutschlands, der Aufstieg zu einer Supermacht in Europa, so spät erfolgte, mussten sich die führenden Schichten das ganze Zubehör einer Großmacht, dessen man im zwischenstaatlichen Konkurrenzkampf brauchte, so schnell wie möglich und so symbolhaft und auch so gewalttätig wie möglich zulegen.

Der Sieg im Jahre 1871 war ein Sieg des Hof – und Militäradels, es war zugleich eine Niederlage des deutschen Bürgertums, die ihr Selbstwertgefühl, relativ erniedrigt vom Adel, nur durch Kompensation an das deutsche Kaiserreich beibehalten konnten (Elias 1998, 234).

Das deutsche Bürgertum war gezwungen, sich an den Machtstärkeren zu orientieren, wie es in jeder Etablierten – Außenseiter – Beziehung zu beobachten ist. Es assimilierte sich, es bildete sich ein so genanntes Kriegerethos, eine sogenannte Romantik der Macht heraus (Elias 1998, 235).

Die Identifizierung von Mensch zu Mensch ging allmählich verloren, es entwickelte sich eine immer mehr ausgeprägte nationale Identifizierung, vermengt mit einer hohen Verehrung des Militärs.

Alles in allem muss man, wenn man nach den Ursachen des 1. und 2. Weltkrieges sucht, und beide haben zweifellos gewisse Strukturähnlichkeiten, immer die große Linie der Entwicklung Deutschlands im zwischenstaatlichen Gefüge, also in der Macht – und Statushierarchie der Staaten vor Augen haben.

Eine Trennung von außen – und innenpolitischen Entwicklungslinien ist nicht angemessen.

Von diesem eher abstrakten zum nächsten Kapitel, in dem es um die Frage geht, wie die Menschen so eine große Hörigkeit und Verliebtheit dem damaligen Führer Adolf Hitler gegenüber entwickeln konnten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Unfähigkeit zu trauern von Alexander und Margarete Mitscherlich unter Bezugnahme von Norbert Elias' Studien über die Deutschen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Soziologie und Sozialpsychologie)
Veranstaltung
Zur Sozialpsychologie der Vergangenheitsbewältigung
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V45074
ISBN (eBook)
9783638425469
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unfähigkeit, Alexander, Margarete, Mitscherlich, Bezugnahme, Norbert, Elias, Studien, Deutschen, Sozialpsychologie, Vergangenheitsbewältigung
Arbeit zitieren
Lars Neumann (Autor), 2002, Die Unfähigkeit zu trauern von Alexander und Margarete Mitscherlich unter Bezugnahme von Norbert Elias' Studien über die Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45074

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