Die Aufklärung im Sinne des Zeitalters der Kritik. "Der Recensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt" von Gotthold Ephraim Lessing

Ein Stundenprotokoll


Elaboration, 2016
11 Pages, Grade: 1,3

Excerpt

Ergebnisprotokoll zur Sitzung am 03. 11. 2015

Gotthold Ephraim Lessing:

Der Recensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt

„Ästhetische Werturteile wissenschaftlich begründen zu wollen, ist ein naiver Traum. Es gibt keine wissenschaftlichen Normen über das Gute in der Kunst. Woher sollte auch die Wissenschaft solche Normen gewinnen? Aus dem, was ist, folgt niemals, ob etwas sein soll; aus bloßen Tatsachen kann man nicht ableiten, was als schön zu gelten hat. Und daß man aus irgendwelchen geheimnisvollen Oberbegriffen Regeln für die Künstler herausdestillieren könne, dieser Gedanke ist schlechtes achtzehntes Jahrhundert.“1

Gegenstand o. a. Sitzung war die Auseinandersetzung mit dem Textfragment Der Recensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt 2 aus dem Nachlass Gotthold Ephraim Lessings [= L], welches vermutlich um 1767/68 im Zuge eines seiner dramentheoretischen Hauptwerke, der Hamburgischen Dramaturgie (1767-1769)3, jener theaterkritischen Schrift, die in Auseinandersetzung mit dem französischen Klassizismus ein wirkungsästhetisches Tragödien- und Komödienmodell entwickelt, entstanden ist.

Einleitend nahm die Referentin mit Klaus L. Berghahn (1985) vorweg, dass „[d]ie moderne Literaturkritik […] in der Aufklärung [entstand], und so […] die Institution der bürgerlichen Kritik noch heute den Anspruch und die Widersprüche ihrer Entstehungszeit [zeigt].“4 Diese sind offenbar einer historischen Übergangssituation5 geschuldet, die präludierend anhand wesentlicher Marksteine – geliefert durch Rainer Baasners Literaturkritik in der Zeit der Aufklärung 6 – und rekurrierend auf Gustav Seibts (1996) in vorangegangener Sitzung diskutierte Literaturkritik 7, zunächst besprochen wurde, um hernach textimmanente Ambivalenzen hinreichend explizieren zu können.

Zur Literaturkritik im Zeitalter der Aufklärung

Charakteristisch für den Literaturdiskurs des 18. Jh.s ist u.a. der Umschlag einer Kritikkultur der Positivität, in welcher kritische Stellungnahmen als unziemlich gelten, in eine Streitkultur der Negativität. Sowohl Befürworter als auch Gegner derselben schärfen im Verlauf dieser Periode deren Positionen: Eine bedachtsame Verteidigung der Kritik [= K] erfolgt zunächst durch die Schweizer Philologen Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger.8 Vermehrt wird die Zunahme an Konfliktpotential in Form schriftlicher Fixierung konstatiert und die K selbst als kommunikationsförderndes Moment reflektiert, wodurch deren Akzeptanz innerhalb des Kunstsystems eine sukzessive Steigerung erfährt.9 In England und Frankreich vollzieht sich ein analoger Wandel, obgleich dieser bereits im ausgehenden 17. Jh. – zudem wesentlich vehementer – vonstattengeht, indes in Deutschland die Herausbildung einer literarischen sowie kritischen Öffentlichkeit erst beginnt.10 Diese hat zunächst das Ermitteln eines allgemeingültigen, konsensfähigen Literaturbegriffs als Teil eines neuen kulturellen Selbstverständnisses zum Ziel: Nach Jahrhunderten der Traditionsbewahrung wird K „zur eigentlichen Vernunfttätigkeit“.11 Im Zeitalter der Aufklärung – „das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muß“12 – stellt Literaturkritik „kein bloß innerliterarisches Phänomen umfassender Theorie- und Geschmacksbildung“13 dar, sondern trägt überdies – nebst dem sich für ein bürgerliches Publikum öffnenden Museum, dem kommerzialisierten Buchmarkt sowie dem entstehenden bürgerlichen Theater – zur Konstituierung einer ‚bürgerlichen Öffentlichkeit‘ als Gegensatz zur Obrigkeit bei, und etabliert somit die für einen, über Einzelpersonen hinausgehenden, Literaturdiskurs.14 Bzgl. der Obliegenheit des Autors, Kritikers oder Wissenschaftlers wird noch nicht differenziert, und darüber hinaus setzt die Entstehung der germanistischen Literaturwissenschaft erst im 19. Jh. ein.15 Mit der Expansion der sich inhaltlich und strukturell verändernden Printmedien einhergehend vollzieht sich auch die Herausbildung des Zeitschriftenwesens, ja im 18. Jh. „entsteht erst der literarische Journalismus und mit ihm die Kritik“16: Als „Kind der englischen Aufklärung“ manifestieren sich zu Beginn des 18. Jh.s die Moralischen Wochenschriften bzw. der Moraljournalismus.17 Die Konjunktur dieses neuen Zeitschriftentypus macht sich die für die erste Jahrhunderthälfte „bestimmende Figur“18 zunutze – der „[i]m Schnittpunkt dieser Entwicklung, zwischen alter und neuer Kritik“, stehende Johann Christoph Gottsched [= G], der seine bürgerlich-pädagogischen Intentionen anhand des französischen Klassizismus zu vermitteln versucht.19 Mit dessen Bestrebungen setzt sowohl die literarische Publizistik als auch die moderne Literaturkritik in Deutschland ein: Im Zuge des in dieser Periode stattfindenden Geschmackswandels – dem Schwinden des Verständnisses für Barockrhetorik und -poesie mit deren für ‚Schwulst‘ befundenen kühnen Metaphern zugunsten eines neuen Stilideals mit der Losung ‚Natürlichkeit‘ bzw. ‚Wahrscheinlichkeit‘ – „stellt“ G‘s Critische Dichtkunst (1730) „einen vorläufigen Höhepunkt [dieser] Reform- und Reinigungsbestrebungen dar.“20 So tragen abgesehen von Theaterschaubühnen, die von ihm gegründeten Moralischen Wochenschriften Die vernünftigen Tadlerinnen (1725-26) und Der Biedermann (1727-28) nicht zuletzt zur Popularisierung der K selbst, sondern zudem „erstmals in Ansätzen“ dazu bei, eine ‚bürgerliche Öffentlichkeit‘ herzustellen – „ein Forum, das sich schnell zur Plattform des neuen bürgerlichen Selbstverständnisses entwickelt.“21

Klassizistische Regelpoetik vs. sensualistische Wirkungsästhetik

Aus heutiger Perspektive gilt L als „wichtigste[r] Autor der Aufklärung“22 sowie als „zentrale[] Kritikerfigur“23 derselben; ihm kam und kommt für die Praxis der Literaturkritik die Bedeutung zu, die Immanuel Kant für die Theorie hatte: „Alles, was Lessing getan, gebildet, versucht und gewollt hat, läßt sich am füglichsten unter dem Begriff der Kritik zusammenfassen.“24 Denn in der Retrospektive auf die Entwicklungsgeschichte der Literaturkritik ist er es, der ihre Innovation um 1750 am konsequentesten forciert: Nach seiner Redaktionstätigkeit25 für die Berlinerische Privilegierte Zeitung (die spätere Vossische Zeitung) sind dessen Rezensionen nicht zuletzt ihres subjektiven Stils in Ich-Form, sondern vielmehr der darin innewohnenden Polemik wegen als provokativ, gar aggressiv, weithin berüchtigt, worauf unten noch eingegangen wird. Richtungsweisend für eine zukünftige K in Deutschland ist die von Friedrich Nicolai verlegte und zusammen mit Moses Mendelssohn begründete Zeitschrift Briefe die neueste Literatur betreffend 26 (1759-1765) [= Briefe ]; mit seinem Beitrag zu jenem genuin literaturkritischen Gemeinschaftsprojekt markiert L einen erheblichen Qualitätssprung in der zeitgenössischen Literaturkritik: Eingedenk seiner wirkungsästhetischen Auffassung von K im Hinblick ihrer möglichen Diskursivität kann diese sich nunmehr fernab theoretischer Poetik oder praktischer Rezensionen in ihren neu arrangierten Formen, wie hier in Gestalt sachlicher bis höchst persönlich entworfener fiktionaler Freundesbriefe, entfalten.27 In dem berühmten 17. seiner Briefe vom 16. Februar 1759 rechnet L hinsichtlich der aktuellen Theaterdiskussion28 radikal mit G‘s Postulaten ab: „Es wäre zu wünschen, dass sich Herr Gottsched niemals mit dem Theater vermengt hätte. Seine vermeinten Verbesserungen betreffen entweder entbehrliche Kleinigkeiten, oder sind wahre Verschlimmerung-en.“29 Dieser bewusst ungerechte, dafür allerdings publikumswirksame Angriff L’s expliziert den Wendepunkt in der literarischen Entwicklung des 18. Jh.s: Der Rationalismus cartesianischer Provenienz weicht dem Sensualismus. Bei dieser Auffassung ergibt sich jedoch ein Problem für die K und ihre Begriffsbestimmung hinsichtlich der objektivierenden Begründung von Bewertungsmaßstäben, die mit deren Wirkungsästhetik vereinbar ist. „Zugespitzt formuliert: Das Verfahren der Beurteilungssicherung verunsichert den Urteilenden“30 in Ermangelung universaler, „objectiver Geschmacksgesetze“31 und in Anbetracht des Wandels, der sich in der literaturtheoretischen Diskussion seit der Jahrhundertmitte vollzieht, weshalb es gilt, einen Weg zu finden, „um Negation sowie Negation von Negation anerkennen zu können.“32 Angesichts zunehmender Ressentiments gegenüber dem Metier des Kritikers sieht sich dieser nunmehr vor die Schwierigkeit gestellt, sein kritisches Urteil legitimieren zu müssen, um wiederum Anspruch auf gesellschaftliche Akzeptanz desselben erheben zu können. Allen voran L weiß dieses Problem zu lösen, indem er bei der Evaluation eines Werkes andere beispielhafte Werke vergleichend heranzieht, da der „Kunstrichter“ im Gegensatz zum „Mann von Geschmack“ sein „Mißfallen“ nicht allein „auf die bloße Empfindung beruf[t], [sondern] seine Empfindung mit Gründen unterstütz[t]“.33

Besonders irritiert schienen die TeilnehmerInnen des Kolloquiums auf Grund der Tatsache, dass diese Gründe laut L „Schlüsse [seien], die er […] auf die Grundbegriffe des Vollkommnen und Schönen zurückgeführt hat.“34 Denn dies ist ebenso wie Nachstehendes noch immer vergleichbar mit der Argumentation G’s und bringt noch keinen Innovationsbegriff L’s hervor: „Der wahre Kunstrichter folgert keine Regeln aus seinem Geschmacke, sondern hat seinen Geschmack nach den Regeln gebildet, welche die Natur der Sache erfordert.“35 Der Geschmack gerät gegenüber den Regeln noch ins Hintertreffen, allerdings geht L im Verlauf seiner HD nicht mehr deduktiv von Regeln aus wie G, sondern von einzelnen Stücken, und entwickelt hernach anhand des Dramas Beurteilungskriterien – induktiv und individuell. Obzwar Aristoteles dennoch L’s Autorität bleibt, und er bei einer vernunftgemäßen Fundierung der K bleibt, ist hier entgegen Sascha Michel zu sagen, dass weder die Regelpoetik noch die Aristotelische Poetik „nach wie vor normativ in Kraft“ seien,36 da L’s Beurteilung einerseits flexibler ist, und andererseits beginnt er, Theateraufführungen unter dem Gesichtspunkt der emotionalen Wirkung des Textes auf den Zuschauer zu bewerten. Insofern das Publikum als Adressat einbezogen wird, bindet er dessen Geschmacksurteil mit ein; indem er zwischen Regeln und Rezipienten zu vermitteln sucht, vermag er dessen Wirkungstheorie des Dramas zu fundieren. Somit wird überdies konträr zu G des Dichtwerks Kommunikationsaspekt miteinbezogen. Demnach tritt mit L ein unkonventionellerer Kritiker auf die literarische Bühne, welcher G’s regelpoetisch fundierter „‚Katheder‘-Kritik“ ein moralisch begründetes, wirkungsästhetisches Verständnis von K entgegensetzt, und sich somit „von der normativen Kunst-Kritik der Gottsched-Schule befreit.“37

Zum Text

„Ich bin […] immer beschämt oder verdrüßlich geworden, wenn ich zum Nachteil der Kritik etwas las oder hörte […] wie die Krücke dem Lahmen wohl hilft, sich von einem Orte zum anderen zu bewegen, aber ihn nicht zum Läufer machen kann: so auch die Kritik. Wenn ich mit ihrer Hilfe etwas zustande bringe, welches besser ist, als es einer von meinen Talenten ohne Kritik machen würde: so kostet es mich so viel Zeit, […] – Endlich fiel man darauf, selbst das, was mich zu einem so langsamen […] Arbeiter macht, selbst das an mir nutzen zu wollen: die Kritik. Und so entsprang die Idee zu diesem Blatte.“38

Aufgrund offenkundiger Verständnisschwierigkeiten der TeilnehmerInnen des Kolloquiums hinsichtlich der zu erörternden Textaussage in Bezug auf L‘s Position zur K wurde o.a. Zitat aus dessen HD hinzugezogen, da aus diesem dessen allgemeine Wertschätzung der Leistungen von K wesentlich expliziter hervorgeht. Seine Nobilitation derselben begründet sich in ihrer analytischen Funktionalität in Bezug auf deren Zweck, den sie zu erfüllen hat: So sieht er diese als produktives Vehikel, als positive, die Imaginationskraft des Autors entzündende, und letztlich zum Wahren durchdringende, Kraft, deren Aufgabe demnach darin besteht, ein neues Kunstwerk überhaupt erst zu ermöglichen.39

Bereits des Fragments programmatischer Titel stellt eine Provokation dar und zwar vornehmlich für all jene etwas zarter gestimmten Gemüter von Kunstliebhabern, deren Kunstgenuss sich stets durch die Negativität der K gestört sah oder die das Genie gegen des Kritikers Tadel zu verteidigen wähnten. Dieses „[Genie! Genie! schrei[ende]] Geschlecht selbst von Kritikern, deren beste Kritik darin besteht, – alle Kritik verdächtig zu machen“40 ‚ sieht im Kritiker lediglich einen der Haarspalterei ergebenen, von Missgunst getriebenen, launenhaften Nörgler, der bar jeglichen dichterischen Ingeniums sich allein auf das Räsonieren verstünde: „Ein Rezensent, siehst du, das ist ein Mann, der alles weiß und gar nichts kann!“41 Diese Haltung gegenüber der K kulminiert im finalen Vers in Goethes Gedicht Rezensent: „Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent.“42 Offenbar sah sich auch L mit dem zumeist provokant formulierten Appell an den Kritiker konfrontiert, welcher seit jeher für diese Art von Gegenkritik erhoben wurde: Beweise als Kritiker zunächst, dass du es besser zu machen vermagst, ehe du der Künstler Werke kritisierst! Diesem entgegnet er mit der simplen Wahrheit, dass man als Kritiker nicht Koch sein müsse, um eine Suppe für versalzen zu befinden.43 Ganz entgegen Goethes

[...]


1 Ludwig Reiners: Stilkunst. Ein Lehrbuch deutscher Prosa, München: Beck, 1988 (= Beck’sche Sonderausga-ben), S. 47.

2 Vgl. Gotthold Ephraim Lessing: Der Recensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt. In: Texte zu Theorie der Literaturkritik. Hg. v. Sascha Michel, Stuttgart: Reclam, 2008 (= RUB; Nr. 18549), S. 36-38. [= Der Recensent ].

3 Vgl. Lessing: Werke. Hg. v. Herbert G. Göpfert in Zusammenarbeit mit Karl Eibl et al., Bd. IV: Dramatische Schriften. München: Carl Hanser Verlag, 1973 (= Lizenzausgabe 1996 für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft). [= HD].

4 Klaus L. Berghahn: Von der klassizistischen zur klassischen Literaturkritik. In: Geschichte der deutschen Literaturkritik (1730-1980). Hg. v. Peter Uwe Hohendahl, Stuttgart: Metzler, 1985, S. 10-75.

5 Vgl. ebd., S. 21f.

6 Vgl. Rainer Baasner: Literaturkritik in der Zeit der Aufklärung. In: Literaturkritik. Geschichte – Theorie – Praxis. Hgg. v. Thomas Anz u. Rainer Baasner, 4. Aufl., München 2007 (= Beck’sche Reihe; 1588), S. 27-36.

7 Vgl. Gustav Seibt: Literaturkritik. In: Grundzüge der Literaturwissenschaft. Hgg. v. Heinz Ludwig Arnold u. Heinrich Detering, München: Deutscher Taschenbuch-Verl., 1996, S. 623-637. Wie von den TeilnehmerInnen des Kolloquiums in der Sitzung am 27. 10. 2015 konstatiert wurde, ist Seibts Text für einen Handbuchartikel seines recht programmatischen Charakters wegen eher unüblich, und überdies aufgrund seiner z.T. ahistorischen Argumentation: Seibt nennt z.B. Rationalismus und Regelpoetik in einem Atemzug, zudem mutet der zwischen Semiotik und Regelpoetik gezogene Vergleich verhältnismäßig kühn an (vgl. ebd., S. 628).

8 Vgl. Johann Jakob Bodmer/ Johann Jakob Breitinger: Die Discourse der Mahlern: Vier Teile in einem Band. Hildesheim: G. Olms, 1969 [= Reprograf. Nachdr. d. Ausg. Zürich 1721-1723], 1. Teil, I. Discours, S. 2f.

9 Vgl. Steffen Martus: Werkpolitik. Zur Geschichte kritischer Kommunikation vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Mit Studien zu Klopstock, Tieck, Goethe und George. Berlin; New York: de Gruyter, 2007 (= Historica Hermeneutica. Series Studia; 3), S. 101-103.

10 Vgl. Berghahn 1985, S. 20f.

11 Ebd., S. 14. Berghahn nimmt hier Bezug auf das Dictionaire historique et critique (1695) Pierre Bayles und merkt an, dass für ihn K zwar „im engeren Wortsinne noch Textkritik“ sei, er sie jedoch in ihrer weitläufigeren Bedeutung als kritische Methode auf alle Wissensbereiche ausdehne (vgl. ebd.).

12 So apodiktisch Immanuel Kant in seiner Vorrede zu seiner ersten Kritik von 1781 (ders.: Werke in sechs Bänden, Bd. II: Kritik der reinen Vernunft. Hg. v. Wilhelm Weischedel, Wiesbaden: Insel-Verl., 1956, Anm. A, XI, XII, S. 13); vgl. ferner ders.: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Kant, Hamann, Herder, Lessing, Mendelssohn, Riem, Schiller, Wieland. Hg. v. Ehrhard Bahr, Stuttgart: Reclam, 2008 (= RUB; Nr. 9714), S. 9-17.

13 Berghahn 1985, S. 16.

14 Zu den Voraussetzungen zur Konstituierung einer ‚bürgerlichen Öffentlichkeit‘ vgl. Hans Erich Bödeker: Die bürgerliche Literatur- und Mediengesellschaft. In: Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte, Bd. II: 18. Jahrhundert. Vom späten 17. Jahrhundert bis zur Neuordnung Deutschlands um 1800. Hgg. v. Notker Hammerstein u. Ulrich Herrmann, München: Beck, 2005, S. 499-520, hier S. 516ff. [= HB II]; vgl. ferner Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit: Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Mit einem Vorwort zur Neuauflage 1990, unveränd. Nachdr. d. 4. Aufl., Frankfurt/ M.: Suhrkamp, 1995 [zugl.: Marburg, Univ., Habil.-Schr., 1961], (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft; 891).

15 Vgl. Stefan Neuhaus: Literaturkritik. In: Handbuch Literarische Rhetorik. Hg. v. Rüdiger Zymner, Berlin; Boston: de Gruyter, 2015 (= Handbücher Rhetorik; 5), S. 193-220, hier S. 201. Berghahn 1985, S. 19; Da die Inhalte der Aufklärung und deren Formen einander wechselseitig bedingten, wie Barbara Stollberg-Rilinger befindet, ließe sich diese Epoche eher durch die Formen und Medien der Kommunikation gewisser Ideen als anhand dieser Ideen selbst nachvollziehen (vgl. dies.: Einleitung: Politische und soziale Physiognomie des aufgeklärten Zeitalters. In: HB II, S. 1-27, hier S. 20f.).

17 Elke Maar: Bildung durch Unterhaltung: Die Entdeckung des Infotainment in der Aufklärung. Hallenser und Wiener Moralische Wochenschriften in der Blütezeit des Moraljournalismus 1748 -1782, Pfaffenweiler: Centaurus, 1995 [zugl.: Bochum, Univ., Diss., 1993], (= Bochumer Frühneuzeitstudien, Bd. 3), S. 14; vgl. ferner Jürgen Wilke: Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte, 2., durchges. u. erg. Aufl., Köln; Weimar; Wien: Böhlau, 2008.

18 Neuhaus (2015), S. 201.

19 Berghahn 1985, S. 22.

20 Monika Fick: Lessing Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. 3., neu bearb. u. erw. Aufl., Stuttgart; Weimar: Metzler, 2010, S. 56.

21 Neuhaus: Literaturkritik. Eine Einführung, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2004 (= UTB 2482), S. 38.

22 Ebd., S. 41.

23 Martus, S. 178.

24 Friedrich Schlegel: Vom Wesen der Kritik. In: Ders.: Schriften zur Literatur. München: Deutscher Taschenbuch Verl., 1972, S. 250-259, hier S. 250. An dieser Stelle sei auf Horst Steinmetz verwiesen, welcher zurecht das die Lessing-Auswahl-Ausgabe von 1804 einleitende Zitat Schlegels aufnimmt, und um einige entscheidende Punkte abändert: „Fast alles, was Lessing im Bereich der Poetik getan, gebildet, versucht und gewollt hat, hat er in der Form von Kritik en ausgeführt, in der Form von kritischen Besprechungen, von Rezensionen.“ (Ders.: Der Kritiker Lessing. Zu Form und Methode der ‚Hamburgischen Dramaturgie‘. In: Neophilologus, Bd. LII, Nr. 1 (1968), S. 30-47, hier S. 33.).

25 L redigierte die Critischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit (1750-54) sowie Das Neueste aus dem Reiche des Witzes (1751).

26 Einen detaillierten Überblick über L‘s frühere literaturkritische Schriften bietet Fick, S. 118 – 134; zu den Briefen s. auch S. 192 – 206.

27 Vgl. Wolfgang Albrecht: Literaturkritik, Stuttgart; Weimar: Metzler, 2001 (= Sammlung Metzler, Bd. 338), S. 102; s. dazu auch ders.: Kritik, Polemik und Ästhetik im Zeichen der Gelehrsamkeit, Lessings Beitrag zu den ‚Briefen, die neueste Literatur betreffend‘. In: Ders.: Streitbarkeit und Menschlichkeit: Studien zur literarischen Aufklärung Lessings, Stuttgart: Heinz, Akad. Verl., 1993 (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik; Nr. 277), S. 57-96. Thematisch entsprechen die Briefe den von L präferierten Disziplinen: Dramatik, Theologie, Übersetzung sowie dem Einschlagen neuer Wege in der Literatur (vgl.: Ders.: Gotthold Ephraim Lessing. Stuttgart; Weimar: Metzler, 1997 (= Sammlung Metzler, Bd. 297), S. 34f.).

28 Zu Gottsched und Lessing: Theaterreform in Theorie und Praxis vgl. Hans Jörg Grell: Theater. In: HB II, S. 521-532, hier S. 522ff.

29 Lessing: 17. Brief. Von den Verdienste des Herrn Gottscheds um das deutsche Theater. Auftritt aus dem Doctor Faust. Briefe die neueste Litteratur betreffend. 1. Theil, VII. Den 16. Februar 1759. Hgg. v. Gotthold Ephraim Lessing, Moses Mendelssohn u. Friedrich Nicolai, Berlin: Friedrich Nicolai, 1759, S. 97-107, hier S. 97. Zur Einsicht des Digitalisats s. die UB Bielefeld unter URL: http://www.ub.uni-bielefeld.de/diglib/aufkl/brieneulit/ brieneulit.htm [letzter Zugriff: 28.10.2016, 18:28].

30 Martus, S. 65.

31 So Schiller an Goethe in einem Brief vom 7. September 1794, aus welchem die tiefe Irritation hervorgeht: „Bey der Anarchie, welche noch immer in der poetischen Critik herrscht und bey dem gänzlichen Mängel objectiver Geschmacksgesetze befindet sich der Kunstrichter immer in großer Verlegenheit, wenn er seine Behauptung durch Gründe unterstützen will; denn kein Gesetzbuch ist da, worauf er sich berufen könnte.“ [Zit. n. Jörg Robert: Vor der Klassik. Die Ästhetik Schillers zwischen Karlsschule und Kant-Rezeption. Berlin; Boston; Mass.: de Gruyter, 2011 [zugl.: Würzburg, Univ., Habil.-Schr., 2009], (= Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte, Bd. 72 (306)), S. 302].

32 Martus, S. 65.

33 Lessing: Der Recensent, S. 36.

34 Ebd.

35 Lessing: HD, (19. Stück) [zit. n.: literaturkritik.de aus URL: http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5924 [letzter Zugriff: 19.11.2016, 21:07].

36 Sascha Michel: Einleitung. In: SB Michel [vgl. Anm. 1], S. 34-35, hier S. 34.

37 Wilfried Barner/ Gunter E. Grimm/ Helmuth Kiesel/ Martin Kramer: Lessing: Epoche – Werk – Wirkung, 6. Aufl., München: Beck, 1998 (= Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte), S. 143 u. 145.

38 Lessing: HD, S. 695.

39 Vgl. Berghahn: ‚Zermalmende Beredsamkeit‘. Lessings Literaturkritik als Polemik. Ein Essay. In: Lessing Yearbook/Jahrbuch, Bd. XXIV. Hg. v. Richard E. Schade, Wayne State Univ. Press: Detroit; Michigan, 1992, S. 25-43.

40 Ebd., S. 673. Zur Abwehr L’s des Kritikverdikts seitens der Genieästhetik, aus der zudem explizit hervorgeht, dass auch L nicht vollkommen auf Regeln zu verzichten gedenkt, wie manche TeilnehmerInnen annahmen, vgl. ebd.

41 S. den Ausspruch Ernst von Wildenbruchs (s. v. Rezensent in: Aphorismen von A – Z. Das große Handbuch geflügelter Definitionen. 6. Aufl. Hg. v. Lothar Schmidt, Wiesbaden: Drei-Lilien-Verl., 1985, S. 398).

42 Johann Wolfgang von Goethe: Da hatt‘ ich einen Kerl zu Gast1774. In: Ders.: Gedichte und Epen I. München: dtv, 1982 (= Hamburger Ausgabe I), S. 62 [zit. n. Sigrid Löffler: Die versalzene Suppe und deren Köche. Über das Verhältnis von Literatur, Kritik und Öffentlichkeit. In: Literaturkritik. Theorie und Praxis. Hgg. v. Wendelin Schmidt-Dengler u. Nicole Katja Streitler, Innsbruck; Wien: Studien-Verl., 1999 (= Schriftenreihe Literatur des Instituts für Österreichkunde, Bd. 7), S. 39, Anm. 1].

43 Vgl. Lessing: Der Recensent, S. 36.

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Details

Title
Die Aufklärung im Sinne des Zeitalters der Kritik. "Der Recensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt" von Gotthold Ephraim Lessing
Subtitle
Ein Stundenprotokoll
College
University of Leipzig  (Institut für Germanistik)
Course
Theorie und Praxis der Literaturkritik
Grade
1,3
Author
Year
2016
Pages
11
Catalog Number
V450753
ISBN (eBook)
9783668839717
ISBN (Book)
9783668839724
Language
German
Tags
Literaturkritik, Rezension
Quote paper
Jane Hübinger (Author), 2016, Die Aufklärung im Sinne des Zeitalters der Kritik. "Der Recensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt" von Gotthold Ephraim Lessing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450753

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