Besonderheiten computervermittelter Kommunikation und individueller Lernerfolg


Hausarbeit, 2016

29 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kommunikation und Kommunikationsmodelle
2.1 Kommunikation
2.1 Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver (1949)
2.2 Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick, Beavin und Jackson (1967)
2.2.1 Erstes Axiom: Kommunikation ist nicht möglich
2.2.2 Zweites Axiom: Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
2.2.3 Drittes Axiom: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
2.2.4 Viertes Axiom: menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
2.2.5 Fünftes Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär
2.3 Kommunikationsmodell nach Jürgen Habermas (1981)
2.4 Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun (1998)

3 Computervermittelte Kommunikation
3.1 Besonderheiten der Computervermittelten Kommunikation (CvK)
3.2 Medienökologisches Rahmenmodell nach Döring
3.2.1 Theorien zur Medienwahl
3.2.2 Theorien zu Medienmerkmalen
3.3.3 Theorien zum medialen Kommunikationsverhalten

4 Lernen und Bildung
4.1 Bildung und Neue Medien
4.2 Lernerfolg durch Educasts
4.3 Vor- und Nachteile eines Educasts

5 CvK am Beispiel eines ausgewählten (Youtube)Videos
5.1 Eigenschaften des Videos
5.2 Passung von Medienart und Aufgabe
5.3 Datenerhebung und Auswertung

6 Fazit

Anlage 1

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Modell für den Signalübertragungsprozess (nach Shannon & Weaver, 1949, p.7)

Abbildung 2: Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun (Institut für Kommunikation)

Abbildung 3: Medienökologisches Rahmenmodell nach Döring (2013, S. 424)

Abbildung 4: Postulierte Pfade von Medienwirkungen (ebd., S. 37)

Abbildung 5: Media-Richness-Modell (nach Reichwald et al., 1998, S. 57)

Abbildung 6: Videostatistik zum Mathe-Song (vgl. Youtube)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auflistung geeigneter Medien je nach Kommunikationsaufgabe..

Tabelle 2: Überblick Views-Bewertungen Mathe-Song..

Zusammenfassung

Spätestens seit den 90er Jahren sind Begriffe wie „Multimedia“ und „Internet“ ein fixer Bestandteil der Informationsgesellschaft und ein nicht mehr weg zu denkendes Werkzeug sowohl im Bereich der publizistischen Medien, der Politik, jeglicher wissenschaftlicher Fachdiskurse, aber auch im Kreis der Freunde und Familie, wo sich ein Großteil der Kommunikation in virtuellen Sphären abspielt. Mit der computervermittelten Kommunikation ändern sich die Bedingungen für funktionierende Kommunikation. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach den (lern)didaktischen Potentialen de cvK im Rahmen eines Youtube-Educast-Videos. Dazu werden verschiedene Kommunikationsmodelle vorgestellt und Begriffe wie Lernen, Bildung und Neue Medien theoretisch fundiert. Mit Hilfe der Media Richness Theory nach Daft und Lengel wird die These unterstützt, dass die Informationsverarbeitungsleistung und der individuelle Lernerfolg mit einem Mathematik Educast gesteigert werden.

Schlüsselwörter: computervermittelte Kommunikation (cvK), medienbasierte Kommunikation, Neue Medien, Bildung, Lernen, Youtube, Educast

1 Einleitung

Noch nie hat sich menschliche Kommunikation so rasch verändert wie in den letzten 100 Jahren. Die Definition von Kommunikation als Austausch von Sprache wurde bereits 1833 in Göttingen durch die elektrische Übertragung von kodierten Signalen durch Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Eduard Weber überholt (vgl. Wikipedia-Eintrag zur Erfindung des Telefons). Vom ersten Telefon Mitte des 19. Jh. bis zur ersten E-Mail im Jahr 1962 vergingen fast 100 Jahre. Die Firma Arpanet, eine Forschungsgruppe der USA, verwendete den Vorläufer des heutigen Internets, zum Austausch von Daten in kleinen Paketen (vgl. Online-Bericht von „Die Welt“ zur ersten E-Mail). Kaum zu glauben, dass alles, was danach noch folgte, sich so rasant weiter entwickelte. Tim Berners-Lee machte das World Wide Web-Projekt am 6. August 1991 weltweit verfügbar (vgl. Wikipedia-Eintrag zu World Wide Web). An die Zeit vor dem Internet kann man sich heute kaum noch erinnern. Wie hat man die Öffnungszeiten der lokalen Pizzeria gefunden? Wie seinen Urlaub geplant? Wie hat man einen Lebenslauf oder ein Bewerbungsschreiben verschickt? Das sind nur einige der heute selbstverständlichen Möglichkeiten, die das World Wide Web bietet. Soziale Netzwerke spielen eine immer größere Rolle. Ob zum Posten von privaten Inhalten, zum Austauschen von Informationen oder für eine Jobsuche, Online- Austauschplattformen sind mittlerweile ein beliebtes Medium nicht nur der jungen Generation geworden.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale von Vod/Educasts in der Bildung mit Hilfe der Theorien computervermittelter Kommunikation, (im Folgenden mit cvK abgekürzt) und deren Auswirkung auf die virtuelle Kommunikation und den Lernerfolg der Nutzer des Educasts. Zu Beginn werden in einem theoretischen Teil verschiedene Kommunikationsmodelle vorgestellt, bevor die cvK definiert wird, um sie für die formulierte Fragestellung relevant zu machen. Ein weiterer Fokus liegt auf der theoretischen Analyse von Lernen, Bildung und Neuen Medien, wobei der Lernerfolg durch Blogs und Educasts wissenschaftlich hinterfragt und die Vor- und Nachteile eines Educasts reflektiert werden. Am Beispiel des ausgewählten Youtube-Videos der Binomischen Formel von Dorfuchs werden die Kriterien der cvK hinsichtlich ihrer Relevanz zum Educast analysiert. Zudem wird die Frage verfolgt, ob das Video eine Auswirkung auf den Lernerfolg der Nutzer hat oder nicht. In wie fern das gewählte Medium zur Lösung der Aufgabe, in diesem Fall das Verstehen der Binomischen Formel, geeignet ist, wird mit Hilfe der Media Richness Theory nach Daft & Lengel (1986) untersucht. Diese Theorie geht von der Annahme aus, dass die Informationsverarbeitungsleistung in der CvK zwischen Individuen oder in einer Gruppe umso größer ist, desto besser das Medium eine zur Anforderung der Aufgabe passende Reichhaltigkeit der zu vermittelnden Information gewährleistet (Boos, 2011, S.32). Die Reichhaltigkeit einer Information wird dabei über den Grad definiert, in dem sie das Verständnis für ein Thema in einem bestimmten Zeitintervall ändern kann (Boos, 2011, S.33) . Die Daten für die empirische Untersuchung werden aus den mehr als 2.000 Kommentaren zum Video gesammelt und analysiert. In einem abschließenden Fazit wird die Arbeit in Bezug auf die gewonnenen Daten reflektiert und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen abgeglichen.

2 Kommunikation und Kommunikationsmodelle

2.1 Kommunikation

Der Anthropologe Tomasello (2011) behauptet, dass jeglichem Gebrauch der Sprache der Gebrauch natürlicher Gesten vorangeht. Erst die sozio-kognitive und sozio-motivationale Infrastruktur, die diese neuen Formen der Kommunikation ermöglichte, wirkte dann als eine Art psychologische Plattform, auf der die verschiedenen Systeme konventioneller sprachlicher Kommunikation (alle 6000 existierenden) aufgebaut werden konnten (Tomasello, 2011, S. 13). Ein gemeinsamer begrifflicher Hintergrund, gemeinsame Aufmerksamkeit, geteilte Erfahrung, gemeinsames kulturelles Wissen sind laut Tomasello entscheidende Dimensionen aller menschlichen Kommunikation. Boos (2013) spricht von Kommunikation als soziales Verhalten, in dem Lebewesen aufeinander bezogen agieren oder reagieren, wobei die verbale und non-verbale Sprache als Vermittlungsinstanz der Kommunikation definiert wird (Boos, 2013, S. 14f.). Boos teilt Kommunikation in folgende Definitionsbestandteile ein: Kommunikation ist ein wechselseitig aufeinander gerichtetes soziales Handeln, ein Mittel zum Zweck und medienvermittelt. Im Gabler Wirtschaftslexikon wird der Kommunikationsbegriff als Prozess der Übertragung von Nachrichten zwischen einem Sender und einem oder mehreren Empfängern definiert. Ebenso spricht man dort von Kommunikationswissenschaft, wobei es sich um einen Austausch von Botschaften oder Informationen zwischen Personen handelt. Als Kommunikationskanäle werden die Sprache einerseits sowie die Körpersprache (nonverbale Kommunikation), u.a. Mimik, Gestik, Blickkontakt, räumliche Distanz verwendet. In der wissenschaftlichen Analyse werden die kommunizierenden Personen meist Kommunikator und Rezipient genannt, die zwischen beiden vermittelnde Nachricht auch Mitteilung oder (allg.) Zeichen (vgl. Wirtschaftslexikon Gabler online Definition von Kommunikation).

Der Inhalt der Mitteilung wird vom Kommunikator und vom Rezipient miteinander geteilt. Im Jahr 2013 entwarf der Mannheimer Anbieter von Web-Konferenzen und Online-Meetings Mikogo eine Infografik zur Geschichte der Kommunikation. Sowohl im Jahre 6.000 v.Chr., wo die Menschen mittels Trommeln im alten Afrika miteinander kommunizierten, bis herauf zum ersten Postwesen bei den Persern im Jahre 500 v.Chr. über erste Brieftaubensysteme bis hin zum ersten Handy und schließlich zu den sozialen Netzwerken und Twitter, immer steht am einen Ende der Kommunikation ein Kommunikator und am anderen Ende ein Rezipient, welche eine Mitteilung miteinander teilen.

Mittlerweile unterscheidet die Kommunikationswissenschaft verschiedene Kommunikationsmodelle, die die Aspekte des Kommunikationsprozesses untersuchen. Im folgenden Kapitel werden einige dieser Modelle vorgestellt.

2.1 Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver (1949)

Claude E. Shannon und Warren E. Weaver untersuchten die Kommunikation unter mathematischen Aspekten. Im Jahr 1949 veröffentlichten sie gemeinsam das Buch mit dem Titel „The Mathematical Theory of Communication“. Obwohl der Terminus der Kommunikation in diesem Werk aus einer mathematischen Perspektive betrachtet wird, hat sich dieses Kommunikationsmodell mittlerweile weltweit etabliert. Sie verfolgten in ihrem Werk primär technisch-physikalische Probleme (Boos, 2013, S. 17). Weaver spricht von drei Ebenen von Kommunikationsproblemen:

- Das technische Problem – wie genau kann Kommunikation übermittelt werden?
- Das semantische Problem – wie genau können die übermittelten Signale die beabsichtigte Botschaft übermitteln?
- Das Problem der Wirksamkeit – wie effektiv beeinflussen die übermittelten Signale das Verhalten in der gewünschten Art und Weise? (Shannon & Weaver, 1949, p.4).

Shannon und Weaver stellten die Kommunikation in einem linearen Prozess dar (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell für den Signalübertragungsprozess (nach Shannon & Weaver, 1949, p.7)

Der Signalübertragungsprozess nach Shannon und Weaver verläuft im Wesentlichen nach folgenden Schritten: eine Informationsquelle erzeugt eine Nachricht in Form von Worten, Bildern, Musik usw., die von einem Sender über einen Kommunikationskanal zu einem Empfänger geschickt wird. Beim Beispiel des Telefons wäre der Sender das Telefon, der Kommunikationskanal ein Draht oder ein Kabel, das Signal wären Stromimpulse und der Empfänger wäre ebenfalls ein Telefon. Während der Übertragung können unerwartete Störungen auf das Signal einwirken (Shannon & Weaver, 1949, p. 7). Auf der Website von Mediamanual wird das Modell von Shannon & Weaver einigen Überlegungen unterzogen. Woher kommen die Nachrichten? Wie werden sie für die Übermittlung vorbereitet? Was genau ist ein Signal? Wie bewegen sich Signale von einem Ort zum anderen? Erhält der Empfänger genau dasselbe Signal, das der Sender gesendet hat? Welche Wirkung hat der Empfang des Signals auf den Empfänger? Muss es überhaupt eine Wirkung auf den Empfänger haben? (vgl. Mediamanual Online). Da das Signal vom Sender erschaffen und vom Empfänger „wahrgenommen“ wird, muss es etwas Physisches sein. Laut Shannon repräsentiert das Signal ein Muster oder eine Störung und zwar in einer Substanz, die einen Teil der Umwelt bildet, die sowohl Sender als auch Empfänger umgibt. Sender und Empfänger sind umhüllt von dieser Substanz, die üblicherweise als Medium der Kommunikation bezeichnet wird. Der Sender schafft ein Signal, indem er das Medium formt, verändert oder eine Störung darin erzeugt, der Empfänger bemerkt das Signal indem er diese Veränderungen erkennt (vgl. Mediamanual).

Ziel der Kommunikationstechnik laut Shannon und Weaver ist es, dafür zu sorgen, dass die gesendeten Signale möglichst verlustfrei beim Empfänger ankommen. Ursachen für ausbleibende oder unerwartete Reaktionen des Empfängers können nach Shannon und Weaver Fehler bei Kodierung und Dekodierung sein (z. B. durch Übersetzungsfehler bei unterschiedlicher Sprache oder Mehrdeutigkeiten), die dazu fuhren, dass sich gesendete und empfangene Botschaft nicht völlig entsprechen. So kann etwa eine mehrdeutige Aussage beim Empfänger auf falsche Weise interpretiert werden und so nicht die erhoffte Reaktion bewirken. Wie bereits erwähnt, konzentriert sich das Modell auf die technischen Aspekte der Kommunikationsübertragung und nicht so sehr auf die inhaltlichen, dennoch führt das Modell das Prinzip der Enkodierung und Dekodierung von Signalen ein, was ein Merkmal aller Kommunikationsprozesse ist und in die zwischenmenschliche Interaktion auf verschiedene Art und Weise einfließt (Boos, 2013, S.17). Im nächsten Abschnitt wird anhand des Kommunikationsmodelles nach Paul Watzlawick, Beavin und Jackson Kommunikation als Interaktion analysiert.

2.2 Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick, Beavin und Jackson (1967)

Die Besonderheit des Kommunikationsmodells nach Watzlawick, Beavin und Jackson besteht darin, dass in diesem Modell Kommunikation in Anbetracht zwischenmenschlicher Beziehungen untersucht wird, als Medium der beobachtbaren Manifestationen menschlicher Beziehungen (Watzlawick et al., 1967/2000, S. 22). Das Modell baut auf fünf Grundregeln, sog. Axiomen auf, die zeigen, wie eng die verbale Kommunikation mit Beziehung und Emotion verknüpft ist. Laut Watzlawick und Kollegen leben wir in einer selbst konstruierten Welt, die uns positiv oder negativ beeinflussen kann. Jeder kann dabei selber bestimmen, wie die veränderbare Wirklichkeit aussehen soll. Nachfolgend werden die fünf Axiome kurz erläutert (vgl. Online Artikel auf kikidan).

2.2.1 Erstes Axiom: Kommunikation ist nicht möglich

Unter dem Aspekt der nonverbalen Kommunikation (Gesten, Mimik und Verhalten) kann man laut Watzlawick nicht nicht kommunizieren. Nicht nur der Inhalt ist entscheidend für Kommunikation, sondern auch wie man etwas sagt (oder nicht sagt) oder wie man sich verhält (ebd.)

2.2.2 Zweites Axiom: Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Ausschlaggebend für dieses Axiom ist die Beziehung zum Gesprächspartner. Die Gesten und der Tonfall sind entscheidend für die Kommunikation. Der Beziehungsaspekt bestimmt den Inhaltsaspekt. Wird eine negative Beziehung auf der Inhaltsebene ausgetragen, kann dies eine gestörte Kommunikation zur Folge haben (vgl. paulwatzlawick online).

2.2.3 Drittes Axiom: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Das Muster von Ursache (Reiz) und Wirkung (Reaktion) verstärkt sich durch seinen kreisförmigen Verlauf, wodurch beispielsweise im negativen Fall der bekannte Teufelskreis entsteht, eine Kommunikationsstörung, die zu einer negativen Stimmung beiträgt. Dieser Teufelskreis kann lediglich durch Metakommunikation unterbrochen werden, also durch Gespräche. Dieses Axiom zeigt, dass man in einer sich selbst konstruierten Wirklichkeit lebt (vgl. Online Artikel auf kikidan).

2.2.4 Viertes Axiom: menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

In der Unterscheidung von Watzlawick von analoger und digitaler Kommunikation wird die nonverbale Kommunikation bzw. die Beziehungsebene als analog definiert, während die inhaltliche Ebene als digitale Ebene definiert wird. Die gesamte Kommunikation besteht aus Inhalt, Gesten, Sprechweise und Mimik. Im Idealfall widersprechen sich die digitale und die analoge Ebene nicht. Dies nennt man das Gebot der Kongruenz. Da analoge Kommunikation mehrdeutig ist, können durch mögliche Fehlinterpretationen Konflikte zwischen den Kommunikationspartnern entstehen (vgl. paulwatzlawick online).

2.2.5 Fünftes Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Je nachdem, ob die Beziehungen zwischen Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit basieren, sind zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe entweder symmetrisch oder komplementär. Eine komplementäre Beziehung besteht zwischen unterschiedlichen Partnern, die sich in ihrem Verhalten ergänzen, wobei jemand die Oberhand hat. In einer symmetrischen Beziehung bemühen sich die Partner, Ungleichheiten untereinander zu minimieren (Streben nach Gleichheit). Man spricht von einer Störung, wenn es zu einer symmetrischen Eskalation kommt, wenn sich die Partner gegenseitig auszustechen versuchen. Watzlawick führt als sehr starre Komplementarität die Mutter-Tochter-Beziehung an, die sich in einem Wechselverhältnis gegenseitig ergänzt. Das Verhältnis des einen Partners bedingt das des Anderen und umgekehrt (ebd.). Watzlawicks formulierte Vorschläge alltägliche Kommunikationsprobleme zu lösen, finden auch heute noch Anklang in diversen Bereichen mit dem primären Aspekt, dass häufig eine Lösung das Problem selbst verkörpert (vgl. Online Artikel auf kikidan). Auch Habermas räumt in seinem Kommunikationsmodell der Kommunikation einen grundlegenden Stellenwert ein (Hartmann, 2013, S. 69).

2.3 Kommunikationsmodell nach Jürgen Habermas (1981)

Laut Habermas` Theoriebildung des kommunikativen Handelns besteht Kommunikation aus rationalen Sprechakten, die einer gewissen Normativität unterliegen und gewisse Geltungsansprüche erheben (Hartmann, 2013, S. 69). Kommunikation fungiert dabei als elementare Ressource zur (Weiter-) Entwicklung einer Gesellschaft (vgl. Artikel Online zu Habermas). Im Sinne der Aufklärung sieht Habermas die rationalen Mechanismen der Handlungskoordinierung in kommunikativen Handlungsräumen gewahrt, wobei er die Medienkultur lediglich im Hinblick auf sprachliche Verständigung miteinbezieht. Dabei unterscheidet er zwischen Medien, die die sprachliche Verständigung als Mechanismus der Handlungskoordinierung ersetzen wie etwa das Geld und Medien, die darauf angewiesen bleiben, beispielweise die Medien der Massenkommunikation (Hartmann, 2013, S. 70). Habermas verfolgt die soziologische Grundfrage, wie soziales Zusammenleben von Menschen möglich ist. Der handelnde Mensch ist sowohl Produkt, als auch Schöpfer seiner sozialen Umwelt. Er differenziert zwischen gegenstandsbezogenem und sozialem Handeln, wobei das soziale Handeln wiederum in strategisches (erfolgsorientiertes) und verständigungsorientiertes Handeln unterteilt wird (vgl. Vorlesung TU-Berlin, S. 2). Für jegliches kommunikatives Handeln setzt Habermas eine kommunikative Kompetenz voraus. Dazu bedarf es eines hinreichenden semantischen und grammatischen Wissens zur korrekten Verwendung sprachlicher Ausdrücke und ein durch Sozialisation erworbenes Wissen, wie man Sätze angemessen in Redesituationen verwendet. Habermas` Universalistische Geltungsansprüche setzen Aufrichtigkeit im Hinblick auf Gefühle, Absichten und Meinungen in einem Gespräch voraus, damit dem Sprecher Glauben geschenkt werden kann (vgl. online Artikel zu Habermas auf kontexte-agentur.de). Bis in die 1980er Jahre wurde Habermas` subjektzentrierte Theorie sehr kontrovers diskutiert. In der weiteren Entwicklung von Medientheorien spielte sie eine weniger prägende Rolle. Als letztes Kommunikationsmodell wird im nächsten Kapitel noch kurz auf das Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation von Friedemann Schulz von Thun eingegangen, bevor die für diese Arbeit relevante computervermittelte Kommunikation erläutert wird.

2.4 Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun (1998)

Das Vier-Seiten-Modell oder Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun stellt eine Erweiterung der bisher vorgestellten Kommunikationsmodelle dar. In erster Linie wird in diesem Modell die Beschaffenheit einer Äußerung untersucht. Laut Schulz von Thun enthält ein und dieselbe Äußerung immer viele Botschaften gleichzeitig, daher unterscheidet er vier Seiten einer Äußerung: die Sachinhaltsseite, die Selbstoffenbarungsseite, die Beziehungsseite und die Appellseite (Althenthan et al., 2013, S. 447). Die Äußerung entstammt den „vier Schnäbeln“ des Senders und trifft auf die „vier Ohren“ des Empfängers, wobei beide für die Qualität der Kommunikation verantwortlich sind (vgl. Abb. 2). Die unmissverständliche Kommunikation ist aber der Idealfall und nicht die Regel (vgl. die Website von Schulz von Thun). Bei der Sachinhaltsseite geht es um die Sachinformation, bei der Selbstoffenbarungsseite um die Informationen über die Person des Senders, bei der Beziehungsseite, darum, wie der Sender zum Empfänger steht und was er von ihm hält und bei der Appellseite um den Aspekt, wozu der Sender den Empfänger veranlassen möchte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun (Institut für Kommunikation)

Störungen in der Kommunikation treten laut Schulz von Thun dann auf, wenn der Sender nicht alle vier Seiten einer Äußerung beherrscht oder auf der falschen Nachrichtenseite übermittelt oder wenn der Empfänger nicht imstande ist, alle vier Seiten einer Botschaft aufzunehmen oder nur eine Seite der Äußerung wahrnimmt (Althenthan et al., 2013, S. 449). Die soziale Kommunikation wird laut Schulz von Thun zusätzlich verkompliziert wegen der prinzipiell freien Auswahl des Empfängers, auf welcher Seite der Äußerung er reagieren will bzw. reagiert (ebd., S. 450). Im Gegensatz zu persönlicher bzw. mündlicher Kommunikation ist schriftliche Kommunikation stärker analytisch geprägt und erlaubt mehr Reflexion. Computervermittelte Kommunikation ist in der Regel schrift- bzw. textbasiert. Im Folgenden wird die cvK mit ihren Besonderheiten theoretisch fundiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Besonderheiten computervermittelter Kommunikation und individueller Lernerfolg
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
29
Katalognummer
V450874
ISBN (eBook)
9783668840256
ISBN (Buch)
9783668840263
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CvK, Kommunikationsmodelle
Arbeit zitieren
Nadia Casanova Stua (Autor), 2016, Besonderheiten computervermittelter Kommunikation und individueller Lernerfolg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450874

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