Wie beeinflussen "Board Interlocks" die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens?

Ein kritischer Überblick zum Stand der Theorie und zu Ergebnissen ausgewählter, empirischer Studien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen und Arbeitsdefinitionen zum Zusammenhang von „Board Interlocks und Innovation
2.1 „Board Interlocks
2.2 Innovation

3 Theoretische Erklarungsansatze zum Zusammenhang von „Board Interlocks und Innovationsfahigkeit
3.1 Die „Agency-Theory“
3.2 Die „Resource-Dependency-Theory”

4 Ausgewahlte empirische Ergebnisse zum Zusammenhang von „Board Interlocks auf Innovationsfahigkeit
4.1 Methodisches Vorgehen
4.2 Direkter Zusammenhang von „Board Interlocks und Innovation
4.3 Moderatoren zum Zusammenhang von „Board Interlocks und Innovation

5 Managementimplikationen

6 Grenzen dieser Arbeit und zukunftige Forschungsgebiete

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Allgemeines Forschungsmodell: „Board Interlocks“ und Innovationsfahigkeit

Abb. 2: Das Modell der „Agency-Theory“

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Empirischer Zusammenhang von „Board Interlocks“ und FuE Intensitat

1 Einleitung

Im Zuge der Globalisierung und der damit einhergehenden Vernetzung von Volkswirtschaften, Kulturen, politischen Systemen, Finanzund Handelsmarkten sowie Unternehmen, entstand eine immer schnelllebigere Umwelt, in dem sich Unternehmen heutzutage beweisen mussen, um langfristig erfolgreich zu sein und ihr wirtschaftliches Uberleben zu sichern (Hartmann & Beyer, 2017). Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren fur langfristigen Unternehmenserfolg ist die Innovationsfahigkeit und somit die Zukunftstrachtigkeit eines Unternehmens. Aus diesem Grund investieren Unternehmen und Konzerne immer hohere Summen in die Forschung und Entwicklung (FuE) (ebd.). Um diese Investitionsentscheidungen nicht in absoluter Unsicherheit zu treffen, bedienen sich Unternehmen verschiedenster Informationsquellen, um Marktintelligenz, Ressourcen und Innovationspotentiale zu generieren und somit einen langfristigen Wettbewerbsvorteil auf Grund ihrer FuE-Entscheidungen zu realisieren (Srinivasan, Wuyts, & Mallapragada, 2018: 132). Die aktuelle Forschung sieht die Firmenfuhrung als eine der relevantesten Informationsquellen, um strategische Investitionsentscheidungen mit Knowhow zu fundieren und somit die Innovationsfahigkeit eines Unternehmens zu beeinflussen (Feng, Morgan, & Rego, 2015: 1 ff.). Insbesondere das „Board of Directors“ eines Unternehmens und dessen Vernetzung mit anderen Firmen auf Grund von sogenannten „Board Interlocks“ ruckt hierbei immer mehr in den Vordergrund der aktuellen Forschung (Srinivasan et al., 2018: 132). Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich deshalb mit folgender Forschungsfrage: Wie beeinflussen „Board Interlocks“ die Inno­vationsfahigkeit eines Unternehmens? Hierbei liegt folgendes Forschungsmodell zu Grunde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Allgemeines Forschungsmodell: „Board Interlocks^ und Innovationsfahigkeit (eigene Grafik)

Um diese Fragestellung zielorientiert zu beantworten, gliedert sich diese Seminararbeit wie folgt: Nach diesem ersten, einfuhrenden Kapitel werden in Kapitel zwei die Arbeitsdefinitionen der Forschungsvariablen „Board Interlocks“ sowie Innovation gegeben, um eine wissenschaftliche Arbeitsgrundlage zu schaffen. Das dritte Kapitel stellt die theoretischen Erklarungsansatze der „Resource-Dependency-Theory“ (Pfeffer & Salancik, 2003) sowie der „Agency Theory“ (Fama & Jensen, 1983: 301-325; Jensen & Meckling, 1976: 305-360) gegenuber, um Hypothesen und mogliche Wirkungszusammenhange von „Board Interlocks“ auf die Innovationsfahigkeit eines Unternehmens zu generieren. Diese Hypothesen sollen mit Hilfe von ausgewahlten, empirischen Studien in Kapitel vier uberpruft werden. Hierbei gliedert sich Kapitel vier in das methodische Vorgehen bei der Erstellung dieser Arbeit, die Betrachtung eines direkten Zusammenhangs von „Board Interlocks“ auf die Innovationsfa­higkeit und beleuchtet auBerdem relevante Moderatoren, wie die Homogenitat der Industrie oder die Rolle der Direktoren des „Boards“. Das funfte Kapitel versucht Theorie und Empirie zu integrieren und auf Grundlage der erlangten Forschungsergebnisse mogliche Praxishinweise im Sinne des „Evidence-Based-Managements“ abzuleiten. Das sechste und letzte Kapitel fasst die Ergebnisse dieser Arbeit kurz zusammen, benennt mogliche Lucken und zukunftige Felder der Forschung in Bezug auf „Board Interlocks“ und Innovationsfahigkeit.

2 Grundlagen und Arbeitsdefinitionen zum Zusammenhang von „Board Interlocks^ und Innovation

In diesem Kapitel sollen die grundlegenden Arbeitsdefinitionen der Forschungsvariablen geschaffen werden. Hierzu wird in Kapitel 2.1 die unabhangige Variable des vorliegenden Forschungsmodells, namlich der Begriff der „Board Interlocks“, kurz erlautert, um ein, fur diese Arbeit, allgemeingultiges Verstandnis zu generieren. Kapitel 2.2 definiert den Begriff der Innovation, die abhangige Variable des Forschungsmodells, und nennt vor allem die in den hier verwendeten Studien gangigen Messmethoden und GroBen von Innovation.

2.1 „Board Interlocks

Um den Begriff der „Board Interlocks“ zu verstehen, gilt es zunachst den Begriff des „Boards“ bzw. des „Boards of Directors“ zu definieren. Im Allgemeinen bezeichnet das „Board“ die rechtlich anerkannte Unternehmensfuhrung, die von den Shareholdern eines Unternehmens gewahlt wird (Scott, 1997: 3). Zu den Aufgaben des „Boards“ gehort es, bspw. die Firmeninteressen gegenuber anderen Parteien zu vertreten, Vertrage fur das Unternehmen abzuschlieBen, strategische Ziele zu definieren und gesetzliche Verpflichtungen im Auge zu behalten (Scott, 1997: 3). Da jedem Land ein anderes Gesellschaftsrecht zu Grunde liegt, muss zwischen dem sogenannten monistischen und dem dualistischen System eines „Boards“ unterschieden werden (Scott, 1997: 4 ff.). Das monistische „Board“ konstituiert sich hierbei aus sogenannten „executive directors“ und „non-exective directors“ oder auch „inside-“ bzw. „outside directors“ genannt (Scott, 1997: 4). Die „executive directors“ treffen im Wesentlichen die strategisch relevanten Entscheidungen fur das Unternehmen und verkorpern somit das Alltagsgeschaft und die damit verbundene Verantwortung fur den Unternehmenserfolg (ebd.). Die „non-executive directors“ beeinflussen diese strategischen Ent­scheidungen weniger direkt als die „executive directors“ und erfullen hierbei eher eine beratende und kontrollierende Funktion im „Board of Directors“ (A.a.O.). Das Gesellschafts­recht von Osterreich, Deutschland oder auch der Schweiz trennt das „Board“ allerdings in einen Unternehmensvorstand („executive directors“) und einen Aufsichtsrat ^non-execut­ive directors“), wodurch das dualistische „Board“-System entsteht (Scott, 1997: 5 ff.). Da die fur diese Arbeit verwendete, meist anglo-amerikanische, Literatur sich hauptsachlich dem Verstandnis des monistischen Systems bedient, gilt diese Annahme fortan auch fur die vorliegende Arbeit, wenn von dem „Board“ oder dem „Board of Directors“ gesprochen wird. Dies dient der Einheitlichkeit der hier verwendeten Begriffe und wurde sonst den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

1st ein Direktor nicht nur Mitglied eines „Boards“ sondern von mindestens zwei „Boards“ rechtlich unabhangiger Unternehmen, so spricht man von einem „Board Interlock“ (Connelly & van Slyke, 2012: 403). Der Haufigkeit, dass ein „Board“-Mitglied in zwei „Boards“ sitzt betragt weniger als 25%, in drei oder mehr „Boards“ noch weniger, so Connelly und Slyke (ebd.). Dennoch verbinden diese Direktoren somit eigentlich rechtlich und wirtschaftlich unabhangige Unternehmen durch ihre Person und kreieren hierbei ein diverses und breitgefachertes Netzwerk von Firmen, welches auch interlocking directorate genannt wird (A.a.O). Diese Netzwerke und die damit verbunden Vorund Nachteile fur ein einzelnes Unternehmen unterscheiden sich auf Grund verschiedenster Faktoren, sind sehr komplex und somit schwierig zu analysieren (Connelly & van Slyke, 2012: 404). Srinivasan et al. identifizieren allerdings die Rolle des interlocking directors“ (interne oder externer Direktor) sowie die Homogenitat der Industrie als wesentliche Moderatoren fur den Zusammenhang von „Board Interlocks“ und der Innovationsfahigkeit eines Unternehmens (Srini­vasan et al., 2018: 136 ff.).

Auf die genauen Vorund Nachteile der einzelnen Variablen wird in Kapitel drei und vier ausfuhrlich eingegangen, da dieses Kapitel einzig eine Arbeitsdefinition des Begriffs „Board Interlocks“ liefern soll. Im folgenden Kapitel wird nun eine Definition des Innovationsbegriffs gegeben, insbesondere, um zu klaren, was die hier verwendete Literatur darunter versteht und welche MessgroBen genutzt werden, um Innovationfahigkeit zu quantifizieren.

2.2 Innovation

Im Allgemeinen versteht man unter Innovation die erfolgreiche Umsetzung und Implementierung einer neuartigen Idee am Markt (Kaschny, Nolden, & Schreuder, 2015: 20). Hierbei ist vor allem die Differenzierung zwischen Invention und Innovation zu beachten: Die In­vention wird zu einer Innovation, wenn diese erfolgreich am Markt umgesetzt wird und der Kunde somit die Nutzlichkeit des neuen Produktes oder der Dienstleistung erkannt hat und dadurch Umsatze fur das Unternehmen generiert werden (Kaschny et al., 2015: 7). Eine MessgroBe fur die Inventionsfahigkeit eines Unternehmens ist beispielsweise die Anzahl der Patentanmeldungen (ebd.). Diese Kennzahl ist meist deutlich hoher als die Anzahl der Innovationen, da die wenigsten Patente mit Erfolg am Markt implementiert werden konnen (Kaschny et al., 2015: 8). Der Erfolg einer Innovation lasst sich im Allgemeinen daran messen, wie hoch die Verzinsung des dafur eingesetzten Kapitals ist (ebd.).

Da es eine Vielzahl von Innovationskategorien gibt, unterscheidet man grundsatzlich in diese drei ubergeordneten Kategorien (Kaschny et al., 2015: 19 ff.):

- Produktund Service-Innovationen
- Prozessinnovationen
- Konzeptinnovationen (z.B. Organisationsoder Geschaftsmodellorganisationen)

Die hier verwendete Literatur bezieht sich fast ausschlieBlich auf die Kategorie der Produktund Service-Innovationen, also der Schaffung von neuen Produkten oder Dienstleistungen (Kaschny et al., 2015: 20). Wenn also im Folgenden dieser Seminararbeit von Innovationen gesprochen wird, ist von einer Produktoder Service-Innovation auszugehen, sofern dies nicht anderweitig kenntlich gemacht ist.

Des Weiteren ist es in Anbetracht der vorliegenden Arbeit relevant, zwischen dem Grad der Neuheit einer Innovation zu differenzieren. Die Literatur unterscheidet im Wesentlichen zwischen einer inkrementellen und einer radikalen Innovation (Hauschildt, 2004: 14). Hier­bei ist die inkrementelle Innovation als eine geringfugige Abweichung oder Modifikation von bereits Bekanntem definiert, wobei die radikale Innovation durch eine fundamentale Neuerung gekennzeichnet ist (Hauschildt, 2004: 14; Kaschny et al., 2015: 21). Die Differenzierung des Neuheitsgrades einer Innovation ist notwendig, um die Unterschiedlichkeit der einzelnen Innovationen darstellen zu konnen (Hauschildt, 2004: 14). Radikale Innovationen bieten bspw. ein hoheres Erfolgspotential fur die Wettbewerbsfahigkeit des Unternehmens (z.B. die Erfindung des PCs, des Internets oder des Smartphones) als eine inkrementelle Innovation (z.B. ein neues Design einer Softdrink-Flasche oder eine verbesserte Rezeptur), sobald sie erfolgreich am Markt etabliert sind (Kaschny et al., 2015: 6). Allerdings ist zu beachten, dass radikale Innovationen auch mit hoheren Risiken und Kosten verbunden sind, da diese wesentlich seltener auftreten bzw. weniger erfolgreich umgesetzt werden (Kaschny et al., 2015: 7 ff.).

Die Komplexitat des Innovationsbegriffs lieBe sich an dieser Stelle noch tiefer aufgliedern und zeigt bereits die Schwierigkeit der Messbarkeit von Innovation auf. Diese weitere Aufgliederung wird allerdings nicht als sinnvoll erachtet, da es das Ziel dieses Kapitels ist, eine verstandliche Arbeitsdefinition des Innovationsbegriffs fur die vorliegende Arbeit zu generieren und nicht Innovation in allen Facetten zu erlautern.

Zusammenfassend lasst sich also sagen, dass fortan Produktund Service-Innovationen gemeint sind, wenn von Innovationen gesprochen wird und, dass diese in inkrementelle und radikale Innovationen klassifiziert werden mussen. Des Weiteren verwenden, die hier betrachteten Studien, teilweise Inventions-Kennzahlen wie Patentanmeldungen oder FuE-Ausgaben, um Innovation zu messen. Dies ist bei der Interpretation der Studienergebnisse zu beachten.

Nachdem nun die Begriffe des „Board Interlocks“ und der Innovation definiert wurden, wer­den im Folgenden nun die wesentlichen, theoretischen Ansatze gegenubergestellt, die den Zusammenhang von „Board Interlocks“ und der Innovationsfahigkeit eines Unternehmens erklaren sollen.

3 Theoretische Erklarungsansatze zum Zusammenhang von „Board Interlocks^ und Innovationsfahigkeit

Betrachtet man die Management-Forschung zum Zusammenhang von „Board Interlocks“ und Innovation, so identifiziert man hauptsachlich zwei Denkrichtungen, die die Aufgaben und Rollen der „Board“-Mitglieder erklaren (Ashwin, Krishnan, & George, 2015: 8): Zum einen die sogenannte „Agency-Theory“ (Fama & Jensen, 1983: 301-325; Jensen & Meckling, 1976: 305-360) und zum anderen die „Resource-Dependency-Theory“ (Pfeffer & Salancik, 2003). Da diese beiden Theorien durchaus gegensatzliche Schwerpunkte bei den Verpflichtungen und Rollen von „Board“-Mitgliedem setzen, sollen im Folgenden Kapitel beide Theorien gegeniiber gestellt werden, um den Zusammenhang von „Board Interlocks" und der Innovationsfahigkeit multiperspektiv zu beleuchten. Hierfur werden zunachst beide The­orien in ihrem Kern erlautert, um anschlieBend differenzierte Hypothesen und theoretische Erklarangen zum Einfluss von „Board Interlocks" auf die Innovationsfahigkeit abzuleiten. Diese Hypothesen werden dann auf Grundlage von ausgewahlten, empirischen Studien im vierten Kapitel kritisch uberpriift.

3.1 Die „Agency-Theory“

Grundlegend beschreibt die „Agency-Theory“ einen wirtschaftswissenschaftlichen Erklarungsansatz, der das Verhaltnis und die Entscheidungsfindung zwischen Wirtschaftssubjekten erlautert (Jensen & Meckling, 1976: 305-360). Die folgende Grafik verdeutlicht die Grundannahmen des „Agency“-Modells, welche anschlieBend naher erlautert werden:

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Der Prinzipal wird hierbei als Auftraggeber bezeichnet, der den Agenten gegen eine, meist monetare, Belohnung mit einem Auftrag betraut (Jensen & Meckling, 1976: 308). Auf Grand von ungleichen Zielen und Risikoneigungen kann es zu Konflikten zwischen Prinzi­pal und Agent kommen (ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Wie beeinflussen "Board Interlocks" die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens?
Untertitel
Ein kritischer Überblick zum Stand der Theorie und zu Ergebnissen ausgewählter, empirischer Studien
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V451168
ISBN (eBook)
9783668842397
ISBN (Buch)
9783668842403
Sprache
Deutsch
Schlagworte
board, interlocks, innovationsfähigkeit, unternehmens, überblick, stand, theorie, ergebnissen, studien
Arbeit zitieren
Torben Arndt (Autor:in), 2018, Wie beeinflussen "Board Interlocks" die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451168

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