Techniken wissenschaftlichen Arbeitens. Die Grundformen des Lernens

Eine analytische Betrachtung


Term Paper, 2017
12 Pages, Grade: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Lernen
2.1 Was ist Lernen
2.2 Die Abgrenzung von Mensch zu Tier
2.3 Kategorisierungsmodelle zum Begriff Lernen
2.3.1 Formales Lernen
2.3.2 Nicht-formales Lernen
2.3.3 Informelles Lernen

3. Die Lernformen
3.1 Reiz-Reaktions-Lernen
3.2 Instrumentelles Lernen
3.3 Begriffsbildung und Wissenserwerb
3.4 Handeln und Problemlösen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lernen ist eine Aufgabe, die sich Menschen ihr ganzes Leben lang in unterschiedlichen Ausprägungen stellt. Dabei geht es nicht nur um das aneignen von faktischem Wissen, wie mathematische Formeln oder Vokabeln, welches beispielsweise intentional in der Schule oder in anderen Institutionen und Bildungseinrichtungen vermittelt wird, sondern ebenso um die Dinge, denen inzidentell oder implizit im Alltag begegnet wird und das Verhalten wie auch die inneren kognitiven Prozesse beeinflussen. Als Säugling lernt er sich zu bewegen und später als Kleinkind, motorische Fertigkeiten wie Sprechen, Laufen und Schreiben. Ebenso lernt er Regeln beim Spielen und Regeln, die allgemeingeltend in der Gesellschaft vorhanden sind. Als Erwachsener schließlich lernt er Dinge die wichtig sind, sich sowohl im privaten als auch im beruflichen Alltag zurechtzufinden und auch im fortgeschrittenen Alter lernt er noch Dinge, welche sich aus der immerwährenden Entwicklung der Technik ergeben und das Leben beeinflussen (vgl. Kiesel 2012, S.11). Doch wie funktioniert nun eigentlich Lernen und ist es möglich, bestimmte Grundformen des Lernens zu unterscheiden?

Im Rahmen dieser Seminararbeit soll zunächst anhand verschiedener Definitionen versucht werden zu klären, was unter dem Begriff Lernen zu verstehen ist, nicht aus etymologischer, sondern aus psychologischer Sicht. Daraufhin sollen die Unterschiede vom Lernen beim Menschen und dem bei Tieren kurz erläutert und anschließend, die drei Kategorisierungsmodelle in Bezug auf das wo gelernt wird kurz ausgeführt werden. Den Hauptteil dieser Arbeit bildet eine analytische Betrachtung der verschiedenen Lerntheorien hinsichtlich ihrer Konzeptionen und Besonderheiten, als auch in ihrer Abgrenzung zueinander um zu verdeutlichen, wie gelernt wird. Es ist nicht das Ziel dieser Arbeit eine Neubestimmung des pädagogischen Begriffs durchzuführen, sondern einen Umriss über die verschiedenen Theorien zum gegenwärtigen Forschungsstand zu gewähren und eine mögliche Gliederung in Grundformen zu formulieren. Die Theorien, welche hierbei betrachtet werden sollen, richten sich nach der Ordnung von Walter Edelmann, die er im Jahr 2000 in seinem Werk „Lernpsychologie“ beschreibt und nach denen er vier unterschiedliche Formen differenziert: 1. Reiz-Reaktions-Lernen, 2. instrumentelles Lernen, 3. Begriffsbildung und Wissenserwerb und 4. Handeln und Problemlösen. Im Schluss dieser Arbeit sollen die untersuchten Lerntheorien und die Antwort auf die Eingangsfrage im Fazit formuliert werden.

2. Der Begriff Lernen

Um eine analytische Betrachtung der Grundformen des Lernens aufstellen zu können ist zunächst notwendig zu klären, was unter dem Begriff Lernen genau zu verstehen ist. Dies soll im Folgenden unter 2.1 anhand verschiedener Definitionen erfolgen und anschließend in 2.2 erläutert werden, weshalb Tiere anders lernen als Menschen und eine konkrete Gleichstellung dieser beiden Lebewesen nicht ohne weiteres möglich ist. Anschließend soll in 2.3 ein Überblick über die gängigen Kategorisierungsmöglichkeiten erfolgen mit Schwerpunkt darauf, wo gelernt wird.

2.1 Was ist Lernen

Sucht man nach einer Definition des Begriffs Lernen so stößt man zunächst auf viele Definitionen, die sich teilweise überschneiden, jedoch meist unterschiedliche Aspekte behandeln. Um einen ersten Eindruck von diesem Begriff zu erlangen ist die Definition des Lernpsychologen LeFrancois hilfreich, welche er in seinem Werk „Psychologie des Lernens“ formulierte und Lernen als „alle relativ dauerhaften Veränderungen im Verhaltenspotential, die aus Erfahrung resultieren, aber nicht durch Müdigkeit, Reifung, Drogengebrauch, Verletzung oder Krankheit verursacht sind“ (Lefrancois 2006, S.6) beschreibt. Allgemein formuliert, steht diese erste Definition von Lernen als die Bezeichnung für nahezu jeglichen Veränderungsprozess ausschließlich auf das Verhalten bezogen, der als Ergebnis individueller Erfahrung auftritt (vgl. Mazur 2006, S.20). Mazur erweitert hier den Lernbegriff, zwar immer noch bezogen auf das Verhaltenspotential, jedoch in individueller Form also nicht zwingend parallel für jedweden Organismus, das heißt abhängig vom Subjekt. Ein weiterer wichtiger Faktor dieser Definition ist die Formulierung einer zeitabhängigen Komponente, die hier eine Abgrenzung zu kurzfristigen Veränderungen schafft. Philip Zimbardo und Richard Gerrig weiten diesen ersten Umriss aus, indem sie Lernen als einen erfahrungsbasierten Prozess beschreiben, welcher als Resultat die vorher genannten relativ dauerhaften Veränderungen aufweist (vgl. Zimbardo/Gerrig 2004, S.243). Die inneren Veränderungen verdeutlicht auch Rolf Arnold, der Lernen als „die kontinuierliche Auseinandersetzung des Subjekts mit den Anregungen, Aufgaben und Anforderungen seiner Umwelt, d.h. seiner Lebenswelt und seiner Gewohnheiten“ (Arnold 2012, S.13) beschreibt. Diese Veränderungen vollziehen die Lernenden in sich selbst „indem sie vorhandene Deutungs- und Handlungsmuster differenzieren oder versachlichen oder auch neue Formen des Denkens, Fühlens und Handelns, an sich heranlassen, erproben und einüben“ (Arnold 2013, S.56). Lefrancois fasst dies zusammen, indem er Lernen als „das, was im (menschlichen oder nichtmenschlichen) Organismus als Resultat von Erfahrung geschieht“ beschreibt und die daraus resultierenden „Verhaltensänderungen (..) lediglich Belege dafür (sind; der Verf.) dass Lernen stattgefunden hat“(Lefrancois 2006, S.6). Nach eingehender Betrachtung des Begriffs und der Beschäftigung mit verschiedenen Definitionen lässt sich festhalten, dass er äußerst komplex zu erfassen ist und eine Definition immer anhand des Kontextes erfolgen muss, in Bezug auf ihre Brauchbarkeit. Einer Auffassung von Martin Fromm zufolge kann man die weitgefächerten Lerndefinitionen idealtypisch drei Typen zuordnen, nämlich einer äußerlichen Verhaltensänderung, einer inneren Prozessänderung und der Verbindung beider Formen die den dritten Typus darstellt, einer inneren Prozess- und äußeren Verhaltensänderung (vgl. Fromm 2017, S.26).

2.2 Die Abgrenzung von Mensch zu Tier

In Abgrenzung zu Tieren wird der Mensch mit einer relativ schwachen Ausprägung der Instinkte geboren und muss sich in der Konsequenz daraus seiner sich häufig ändernden (Um-) Welt aus unterschiedlichen Gründen anpassen (vgl. Göhlich/Zirfas 2007, S.7). Die Formulierung einer äußeren Verhaltensänderung die beim Lernen eintritt kann ohne weitere Einschränkungen sowohl auf Menschen, als auch auf Tiere bezogen werden. Fromm schreibt, dass dies „artenübergreifende und –vergleichende Betrachtung und Untersuchung“ (Fromm 2017, S.26) erleichtere, da man sich auf „konkret beobachtbare, intersubjektiv zugängliche Phänomene“ (ebd.) konzentriere. Diese Theorie muss jedoch eingeschränkt werden, da die Lernfähigkeit des Menschen den angeborenen Instinkten der Tiere direkt abgegrenzt werden kann und der Mensch nicht auf Instinkte angewiesen ist. Die Untersuchung des menschlichen Lernens muss vor dem Hintergrund der Notwendigkeit betrachtet und die darin liegenden Möglichkeiten mit einbezogen werden. Von einer Gleichsetzung von menschlichem und tierischem oder auch pflanzlichem Lernen kann somit nicht ohne weiteres ausgegangen werden (vgl. Göhlich/Zirfaß 2007, S.7), da sie ausschließlich auf die vorher angeführten äußeren Verhaltensänderungen abzielt. Ob die beobachtbaren und vergleichbaren äußeren Veränderungen auch die inneren Prozesse beeinflussen lässt sich dadurch, dass innere Aktivitäten von außen nicht erkennbar sind, nicht nachweisen. Um dies tun zu können müssen sowohl verbale, als auch nonverbale Äußerungen der beobachteten Person entnommen werden. Beschränkt man sich also bei der Formulierung eines Lernbegriffs ausschließlich auf die Veränderungen des äußeren Verhaltens, da diese zwischen Mensch und Tier vergleichbar sind, klammert man die inneren Prozesse und Vorgänge aus, wodurch der Mensch als solcher nicht mit all seinen Möglichkeiten erfasst werden würde (vgl. Fromm 2017, S.26-27). Durch das Unterlassen einer solchen Beschränkung werden, so Fromm weiter, „Veränderungen von Kognitionen (etwa von Erwartungen, Plänen und Wünschen) zu Lernvorgängen, selbst wenn sie niemals zu beobachtbaren Aktivitäten führen“ (ebd.). Die inneren Prozesse können uns jedoch wie zuvor erwähnt nur vermittelt bekanntgegeben werden, was die Überprüfbarkeit einschränkt und zu Fehlern führen kann. Schlussfolgerung daraus ist der zuvor genannte dritte Lerntypus, der beide Typen miteinander verbindet und den Lernbegriff von ausschließlich beobachtbaren Verhaltensänderungen um Veränderungen des Denkens und Erlebens erweitert. Mit einer Entscheidung für diesen Lernbegriff werden Lernprozesse berücksichtigt, welche ebenso vergleichbar bei Tieren festzustellen sind. (vgl. ebd.). Jedoch ist außerdem festzuhalten, dass die Variabilität des Verhaltens und die Flexibilität der Lernprozesse zunimmt, sodass bei höher entwickelten Arten Lernprozesse feststellbar sind, die niedriger entwickelte Arten nicht zeigen (ebd., S.28).

2.3 Kategorisierungsmodelle zum Begriff Lernen

Zur formalen Systematisierung der vielen, in den unterschiedlichsten Kontexten, sowohl bewusst als auch unbewusst stattfindenden und höchst unterschiedlich organisierten Lernprozessen ist eine Reihe von Kategorisierungen entstanden um festzuhalten, wo gelernt wird. Sie orientieren sich an der Organisationsform, dem Grad der Strukturierung, der Lernumgebung und den zugrundeliegenden Informationen. Besonders herauszuheben ist dabei das Memorandum über lebenslanges Lernen der Kommission der europäischen Gemeinschaften von 2000, welches Formales, Nicht-formales und Informelles Lernen unterscheidet und gegenüberstellend betrachtet (vgl. Kommission der europäischen Gemeinschaften 2000, S.9f.). Diese Orientierungen der Kategorien sollen im Folgenden kurz erläutert werden.

2.3.1 Formales Lernen

Unter formalem Lernen wird dasjenige Lernen verstanden, das üblicherweise in Bildungs-und Ausbildungseinrichtungen mit Curricula stattfindet. Es ist somit strukturiert in Bezug auf die Lernziele, Lernzeit und Lernförderung und unterliegt, als Teil des offiziellen Bildungssystems, staatlichen Regelungen. Den Abschluss dieses Typs bildet eine Zertifizierung des erworbenen Wissens (meist eine formale Prüfung). Komplizierter zu erfassen sind die Bereiche des nicht-formalen und informellen Lernens.

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Details

Title
Techniken wissenschaftlichen Arbeitens. Die Grundformen des Lernens
Subtitle
Eine analytische Betrachtung
College
University of Stuttgart
Grade
1,0
Author
Year
2017
Pages
12
Catalog Number
V451208
ISBN (eBook)
9783668842830
ISBN (Book)
9783668842847
Language
German
Tags
Lernen, Lernpsychologie, Pädagogik, Pädagogische Psychologie
Quote paper
Christian Schmitt (Author), 2017, Techniken wissenschaftlichen Arbeitens. Die Grundformen des Lernens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451208

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