Grammatik im mehrsprachigen Klassenzimmer


Studienarbeit, 2018
10 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Aufgabe 1

a. Die Sprache der Menschen ist nicht angeboren. Ein Baby kommt nicht sprechend zur Welt. Es macht viele Prozesse durch, bis es schlussendlich sein erstes Wort spricht. Nach ca. 12-18 Monaten kann es Sätze mit einem Wort sprechen. Allerdings kann es dies auch nur, weil es seine Umgebung belauscht und die Worte vertraut sind. Dieses Phänomen lässt sich bei den stummen „Wilden“ nachweisen.

Es gibt verschiedene Kinder, die in unterschiedlichem Alter in der Wildnis entdeckt wurden. Viele dieser Kinder konnten weder sprechen noch hatten sie Erinnerungen. Sie waren motorisch eingeschränkt und auch unempfindlicher gegenüber Temperatureinflüssen. Da diese Kinder in einer sprachfreien Umgebung aufwuchsen, wurden sie nicht an die Sprache gewöhnt und können sie somit nicht nachahmen. Bei ihnen ist die sensible Phase des Spracherwerbs bereits vorüber. Nach dem nativistischen Ansatz haben sie zwar die angeborenen, grundlegenden Fähigkeiten der Universalgrammatik, allerdings unterliegen diese einem Reifeprozess, der von außen gefördert werden muss. Die grammatischen Regeln müssen erlernt werden, da die Kinder dies im Umweltangebot in der wilden Natur nicht finden konnten. Nach der psychologischen Theorie gibt es eine solche Universalgrammatik allerdings nicht und auch keine angeborenen sprachspezifischen Fähigkeiten. Das Emergenzmodell beschränkt sich auf den kommunikativen Kontext und der Theorie der „radikalen Mitte“.

Bei den stummen „Wilden“ kann nachgewiesen werden, dass es sog. Fenster zum Spracherwerb gibt. Sind diese Zeiträume vorüber, kann die Sprache nicht mehr erlernt werden. Das Vokabular ist durchaus noch erlernbar. Die Grammatik wird hingegen nicht mehr angelegt, wenn die Kinder nicht bis zum Eintritt der Pubertät mit der Grammatik in Berührung gekommen sind und diese erlernt haben. Kinder, die in einer wohlbehüteten Umgebung aufwachsen, erwerben vom 12. bis zum 18. Lebensmonat etwa 50 Wörter, ab dem 18. Monat setzt der Wortschatzspurt ein, damit sie mit 2 Jahren ungefähr 200 Wörter beherrschen. Im Gegensatz zu den stummen „Wilden“, die sich laut Zimmer „im Naturzustand … der Mensch minus alle Zivilisation“ befinden. (Zimmer 1989, Seite 8) Kinder fügen ihrem Wortschatz ab dem 2. Lebensjahr jeden Tag ca. 9 Wörter hinzu. Sie erweitern auch im Erwachsenenalter stetig ihren Wortschatz, der unendlich ist. Denn Erwachsene verwenden auch Fremd- oder Fachwörter, die im Kindesalter noch nicht von Bedeutung sind.

b. Grammatik ist das, was unsere Sprache ausmacht. Ohne Grammatik gibt es keine Struktur in den Sätzen, keinen Sinn der aneinander gereihten Wörter und auch keine Schriftsprache, die einheitlich funktioniert. Heutzutage wird Grammatik häufig durch Symbole ersetzt. Besonders die moderne Technik wie die Smartphones machen manche Sätze überflüssig. Emoji-Bilder ersetzen Sätze und auch die Kurznachrichten, die mit den Smartphones versendet werden, sind oft nicht grammatikalisch korrekt geschrieben. Hier wird weder die Groß- und Kleinschreibung noch die Zeichensetzung beachtet, was das Lesen einer solchen Nachricht sehr erschwert. Viele Jugendliche sind sich nicht sicher, wie sie die Grammatik überhaupt anwenden sollen.

Das Problem daran ist, dass sie erst im Laufe ihres Heranwachsens merken werden, dass sie die Grammatik brauchen werden. Spätestens, wenn sie ins Berufsleben eintreten, werden sie feststellen, dass Grammatik - nicht nur geschrieben, sondern auch gesprochen - eine wichtige Rolle spielt. Man muss sich täglich mit Kollegen, Vorgesetzten, Berufsschullehrern und Kunden unterhalten oder diese anschreiben. In diesem Umfeld wird eine gute Grammatik vorausgesetzt, damit alle miteinander kommunizieren können. „Wer mit grammatischen Problemen vertraut ist, wird es leichter haben.“ (Strecker, 2007; S. 311)

c. In der Schule - auch in meiner schulischen Laufbahn - begegnete einem die Grammatik nur in Form von Arbeitsblättern oder Schulbüchern. Der Sinn dahinter, wieso und weshalb man die Grammatik beherrschen soll, erschließt sich einem oft erst im beruflichen Werdegang. Im Deutschunterricht ist die Grammatik ein Thema, das behandelt werden muss. Es ist Pflicht, macht den Schülerinnen und Schülern aber selten Spaß. Die Frage sollte sein, wie man ihnen die Freude an der Grammatik vermitteln kann. Denn das Thema Grammatik führt meistens zu einem verzweifelten Aufstöhnen im Klassenzimmer. Grammatik ist wichtig, egal, ob für die Klassenarbeiten in der Schule, die Prüfungen in der Berufsschule oder später auch im Studium für die Haus- und Seminararbeiten. Aber auch im Privatleben sollte man die Grammatik beherrschen. So kann man sich sowohl schriftlich als auch mündlich der Umgebung anpassen und angemessen kommunizieren.

Das Fatale am Thema Grammatik ist, dass die Schülerinnen und Schüler noch nicht die Weitsicht haben, die Bedeutung dieser bereits in der Schule zu erkennen. Sobald man beginnt, seine Bewerbungen zu schreiben, wird schließlich jeder feststellen, dass die Ausdrucksweise nicht gleichgültig ist.

Die moderne Technik kann, richtig angewendet, aber auch helfen. Denn mittlerweile gibt es verschiedene Apps, die einem die deutsche Grammatik näher bringen und explizit erklären. So kann man zumindest Schadensbegrenzung betreiben und sich die gröbsten Fehler abtrainieren.

Es wäre toll, wenn die Grammatik des Deutschen zukünftig Spaß macht und nicht das ganze Klassenzimmer aufstöhnt, sobald es an das Thema Grammatik geht.

Aufgabe 2

a. Die Schülerin oder der Schüler befindet sich in der 12. Klasse und hat diese über den Seiteneinstieg erreicht.

In der Sprachprobe ist erkennbar, dass der Verfasser sich mit der deutschen Grammatik auseinander gesetzt hat. Die Grammatik befasst sich mit den Stellungen der Elemente in einem Satz. Der Autor formuliert vollständige, umfangreiche und aussagekräftige Sätze. Er verwendet Satzzeichen und macht sinnvolle Texteinteilungen. Im ersten Abschnitt bezieht er sich auf These eins, im zweiten Abschnitt erläutert er die zweite These und im dritten Abschnitt beginnt er mit seiner Analyse.

Die Rechtschreibung bzw. die korrekte Wiedergabe, auch auf der morpho-syntaktischen Ebene, gelingt ihm in den meisten Fällen. Die Substantive werden durch den Verfasser richtig erkannt und dementsprechend groß geschrieben.

Allerdings sieht man bei den Fehlern ein wiederkehrendes Muster. Hieran muss noch gearbeitet werden. „Geschriebene Sprache wird gesellschaftlich höher bewertet als gesprochene.“ (Fiehler 2007, S. 462)

In der Tabelle sind beispielhaft einige Fehler des Verfassers hervorgehoben.

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Bereits im ersten Satz der Sprachprobe steht das Verb an der falschen Stelle. „In der ersten These Benno von Wiese sagt uns, dass…“ Hier müsste das Verb an der zweiten Stelle stehen, damit der Satz grammatisch und morpho-syntaktisch korrekt ist.

Mit dem Erkennen des ä-Umlautes hat der Verfasser in diesem Text etwas Probleme. Bei dem Satzbeginn „Ich erleute…“ hat er zum einen das Graphem nicht umgewandelt, e zu ä, und zum anderen hat er das Verb nicht korrekt konjugiert. „Ich erläutere…“. Auch bei „…dieser Gesprech…“ wurde das Graphem nicht umgewandelt. Zusätzlich wurde hier die Kasus-Numerus-Genus-Kongruenz nicht hergestellt. Hätte der Verfasser diese beachtet, müsste er in diesem Fall den Dativ benutzen: „diesem Gespräch“.

Bei dem Adjektiv „tot“ ist der Verfasser von einem Nomen ausgegangen. Allerdings wird das Nomen mit d beendet, im Gegensatz zu dem Adjektiv, dessen Abschluss ein t bildet. Das Adjektiv wurde substantiviert, was in manchen Fällen legitim ist, aber in diesem Zusammenhang nicht korrekt.

Ein weiterer Wiederholungsfehler fällt bei den Personalpronomen auf. Diese sind auch im Zusammenhang der Kasus-Numerus-Genus-Kongruenz fehlerhaft „Marie will ihm beruhigen…“ und zusätzlich wird das falsche Pronomen verwendet „Er glaubt sie nicht…“. Im ersten Fall der KNG-Kongruenz müsste ein Akkusativ stehen „ihn“ und im zweiten Beispiel muss die Singularform nicht im Nominativ, sonder im Dativ stehen „ihr“.

Im Gesamtüberblick hat der Verfasser hier eine gute Sprachprobe geliefert. Er verwendet wechselnde Satzanfänge, formuliert sachlich verständliche und klare Sätze und er verfügt über das Wissen, um diese Sprachprobe zu verfassen. Er hat die Lektüre dementsprechend gelesen und versteht, worum es darin geht.

b. Nun muss er in den sich wiederholenden Fehlern geschult werden, um hier noch sicherer zu werden und nicht wegen grammatikalischer oder morpho-syntaktischer Fehler Gefahr zu laufen, dass er schlechter bewertet wird.

Ein Förderziel könnte die intensive Arbeit mit den topologischen Feldern sein. Somit wird dem Verfasser klar, wann er ein Wort in die linke Klammer, in das Mittelfeld oder in die rechte Klammer setzen kann bzw. muss. Er könnte Satzteile und Konstituenten, zusammengehörige, untrennbare Satzelemente, und die Möglichkeiten der verschiedenen Positionen des Verbs erkennen und umsetzen. „Die grundlegenden Einheiten der geschriebenen Sprache sind der Buchstabe, das Wort, der Satz und der Text.“ (vgl. Duden)

Außerdem kann man aufgrund seiner Sprachprobe erkennen, dass er die Verwendung von Pronomen und die damit zusammenhängende Kasus-Numerus-Genus-Kongruenz noch nicht genügend beherrscht.

Das Förderziel zu dem topologischen Feldermodell zur Steigerung des Verständnisses zur Stellung des Verbs könnte wie folgt lauten: „Lege eine Tabelle mit den topologischen Feldern in deinem Heft an. Analysiere die folgenden Sätze nach dem topologischen Feldermodell.“

Um die Kasus-Numerus-Genus-Kongruenz zu fördern, muss man sich mit verschiedensten Sätzen und Inhalten auseinandersetzen. Ein Förderziel könnte folgendermaßen formuliert werden: „Unterscheide, in welchem Kasus, Numerus und Genus die nachfolgenden Sätze stehen. Suche das dazu passende Verb oder Substantiv aus der Liste. Schreibe die Lösung in dein Heft.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Grammatik im mehrsprachigen Klassenzimmer
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
10
Katalognummer
V451320
ISBN (eBook)
9783668846760
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grammatik, klassenzimmer
Arbeit zitieren
Daniela Noe (Autor), 2018, Grammatik im mehrsprachigen Klassenzimmer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451320

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