Sprachbewusster Unterricht. Ein Unterrichtsentwurf für das Fach Politik und Wirtschaft


Hausarbeit, 2018

22 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Unterrichtsplanung
2.1. Lernziele
2.2. Stundenverlaufsplan
2.3. Sachanalyse
2.4. Didaktische Analyse
2.5. Methodische Analyse

3. Materialvorstellung
3.1. Planungsrahmen
3.2. Konkretisierungsraster

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„Sprache [ist] gleichermaßen Mittel und Ziel von schulischer Bildung“ (Tajmel / Hägi-Mead 2017: 7).

Betrachtet man Bildung in der Bundesrepublik Deutschland, ist diese dezentral reguliert und fällt primär in den Zuständigkeitsbereich der Länder, sodass in vielerlei Hinsicht Differenzen, beispielsweise bezüglich der Lehrpläne, bestehen. Unabhängig all dieser Unterschiede ist den Fächern, Schulen und Klassen jedoch eines gemein: Deutsch fungiert als zentrales Kommunikationsmittel für den Wissenstransfer sämtlicher Lehr- und Lernsituationen[1]. An dieser Stelle wird deutlich, dass die deutsche Sprache die Basis für einen erfolgreichen schulischen Werdegang darstellt (vgl. ebd.). Ferner kann ihr die Funktion als Gatekeeper zugeschrieben werden. Diese Annahme mündet in der Konsequenz, dass ein fächerübergreifender bewusster Umgang mit Sprache notwendig ist. Es ist somit Aufgabe der Lehrkraft alle relevanten sprachlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Außerdem sollte sie einen Lernkontext schaffen, der fach- und sprachdidaktische Ansätze vernetzt (vgl. Budde 2012: 7), um in sprachheterogenen Klassen zu garantieren, dass alle SuS[2] sprachhandlungsfähig sind. Ziel des Unterrichts ist es folglich die Förderung von Sprache und Fachinhalten zu integrieren und beide Bereiche gemeinsam im Unterricht zu begünstigen.

Diesen Ansatz unterstützend schrieb Pudszuhn bereits 1994: „Integrative Konzepte von Fach- und Sprachunterricht haben […] zunehmende Bedeutung“ (1994: 9) und es lässt sich eine über Jahrzehnte anwachsende Auswahl an Literatur zu diesem Thema finden, wobei sich die vorliegende Arbeit primär an Tajmel und Hägi-Mead 2017 orientiert.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist die sprachbewusste Planung einer Unterrichtsstunde im Fach Politik und Gesellschaft. Hierfür werden zuerst die Lernziele und der Unterrichtsverlauf dargestellt, um anschließend den Unterrichtsinhalt in einer Sachanalyse zu erörtern und die didaktischen sowie methodischen Überlegungen genauer zu analysieren. In einem weiteren Kapitel sollen die verwendeten Materialien untersucht und auf ihre Verwendung hin begründet werden. Dem folgend werden anhand eines Konkretisierungsrasters und eines Planungsrahmens, anlehnend an Tajmel und Hägi-Mead 2017, die Unterrichtsplanung bezüglich sprachlicher Aspekte reflektiert. Abschließend werden im Fazit die Hauptaspekte und Kernaussagen festgehalten.

2. Unterrichtsplanung

Bedingungsfeld der geplanten Unterrichtsstunde stellt das Fach Politik und Gesellschaft sowie eine siebte Klasse dar. Es handelt sich weiterhin um die Planung einer Doppelstunde. Die Klasse besteht aus 28 SuS, sodass sie im Unterrichtsverlauf in sieben Gruppen à vier SuS aufgeteilt werden können. Zudem stellt die Stunde einen Einstieg in eine neue Unterrichtsreihe zum Thema „Recht und Rechtsstaat“ dar.

2.1. Lernziele

Groblernziel: Die SuS lernen die Merkmale eines Rechtsstaats (Rechtsgleichheit, Rechtsicherheit, Rechtsweggarantie, Richterunabhängigkeit), das Öffentliche sowie Private Recht kennen und erweitern ihren Wortschatz um spezifisches Fachvokabular (s.o.).

Feinlernziele:

Kognitive Lernziele

Die SuS…

1. … lernen Merkmale des Rechtsstaats (Rechtsgleichheit, Rechtsicherheit, Rechtsweggarantie, Richterunabhängigkeit) kennen.
2. … ordnen Sachverhalte dem privatem oder öffentlichem Recht zu, indem sie den Textinhalt und eigene Erfahrung begründet in einen Zusammenhang stellen.
3. … arbeiten den Unterschied zwischen Regeln und Gesetzen heraus. Sprachliche Lernziele
4. … erweitern ihren Wortschatz, indem sie sich mit neuen Begriffen (Rechtsstaat, Rechtsgleichheit, Rechtsicherheit, Rechtsweggarantie, Richterunabhängigkeit, Öffentliches Recht, Privates Recht) auseinandersetzen und diese in ihr Glossar aufnehmen.
5. …erarbeiten lexikalische Eigenschaften folgender Begriffe: Rechtsgleichheit, Rechtssicherheit, Rechtsweggarantie, Grundgesetzbindung, Richterunabhängigkeit, Öffentliches Recht, Privates Recht.
6. …üben sich in der Ausformulierung eigener Gedankengänge, indem sie ihre erarbeiteten Ergebnisse in einem Gallery Walk vortragen und andere Ergebnisse kommentieren.
7. … üben sich in Wortfeldarbeit, indem sie den Begriff „Recht“ umschreiben und Assoziationen finden.
Methodische Lernziele
8. … überprüfen eigene Ergebnisse, indem sie ihre Resultate mit den Textinformationen vergleichen.
9. … gestalten Lernplakate, indem sie kreativ und produktorientiert arbeiten.
10. … üben sich im Präsentieren erarbeiteter Ergebnisse, indem sie im Gallery Walk ihre Plakate vorstellen. Affektive Lernziele
11. …werden für die Relevanz und Notwendigkeit von Rechten sensibilisiert.

2.2. Stundenverlaufsplan

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

2.3. Sachanalyse

Rechtsstaat ist die Bezeichnung für einen Staat, in dem Regierung und Verwaltung nur im Rahmen der bestehenden Gesetze handeln dürfen. Basis hierfür stellen die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger dar, die durch den Staat garantiert werden müssen. Zudem müssen staatliche Entscheidungen von unabhängigen Gerichten überprüft werden können. Zu den grundlegenden Prinzipien eines Rechtsstaates zählen die Rechtsgleichheit, die allen Bürgern[3] die Gleichheit vor dem Gesetz garantiert. Die Rechtssicherheit besagt, dass Gesetze veröffentlicht werden müssen, sodass sich alle Bürger über die Gesetzeslage informieren können und die Rechtsweggarantie, die jedem Bürger den Anruf eines Gerichts sichert, um die eigenen Rechte einzuklagen. Weiterhin obliegen die Richter der Unabhängigkeit, sodass sie nur aufgrund von Gesetzen urteilen dürfen. Das deutsche Recht unterscheidet zudem zwischen Öffentlichem und Privatem Recht. Das Öffentliche Recht regelt die Beziehung zwischen dem Staat und seinen Bürgern, während das Private Recht die Rechte und Pflichten der Bürger untereinander organisiert (vgl. BPB 2018).

2.4. Didaktische Analyse

Der Lehrplan für Politik und Gesellschaft in Hessen sieht für die Sekundarstufe I den inhaltlichen Schwerpunkt „Jugend und Recht, Rechtswesen“ vor. Hierfür sind 14 Stunden angesetzt. In der Begründung fordert das Hessische Kultusministerium, dass „[d]ie Schülerinnen und Schüler […] erkennen [sollen], dass die Rechtsordnung das friedliche Zusammenleben von Menschen regelt und garantiert“ (Hessisches Kultusministerium 2018: 14). Außerdem soll „[d]er Unterricht […] Orientierungswissen zu den inhaltlichen Kernbereichen „Recht“ und „Rechtsstaatlichkeit“ [vermitteln]“ (ebd.). Die vorliegende Unterrichtsstunde stellt den Einstieg in die Thematik „Recht und Rechtsstaat“ dar. Ziel des Politik- und Wirtschaftsunterrichts ist unter anderem über ein Grundverständnis für politische oder gesellschaftliche Sachverhalte zu verfügen, um verantwortlich im Staat und in der Gesellschaft mitwirken zu können (vgl. ebd.: 2). Daher sollten die Lernenden einen Überblick über den Rechtsstaat und ihre damit verbundenen Rechte erhalten. Hierzu müssen die SuS im Einstieg zuerst durch den stillen Impuls ihr Wissen zu dem Begriff „Recht“ aktivieren und Assoziationen finden. Dieser Begriff wurde gewählt, da es sich um eine zentrale Bedeutung handelt, welche Voraussetzung für das Behandeln des Schwerpunktes „Jugend und Recht, Rechtswesen“ ist. Außerdem werden auf diese Weise die SuS in ihrer Lebenswelt abgeholt und jeder Einzelne kann seine eigenen Gedanken einbringen. In diesem Unterricht stehen die zentralen Begriffe: Rechtsstaat, Rechtsgleichheit, Rechtsicherheit, Rechtsweggarantie, Richterunabhängigkeit, Öffentliches Recht und Privates Recht im Vordergrund. Die SuS sollen die Merkmale eines Rechtsstaats kennenlernen und die daraus folgenden Rechte (Privates und Öffentliches Recht) für sich selbst erkennen. Im weiteren Schritt sollen in der Erarbeitungsphase Vorgehensweisen aufgezeigt werden, wie sich die Lernenden fremde Begriffe selbst erschließen können. Hier werden den SuS zu zweit jeweils einer der zentralen Begriffe (Rechtsstaat, Rechtsgleichheit, Rechtsicherheit, Rechtsweggarantie, Richterunabhängigkeit, Öffentliches Recht, Privates Recht) ausgeteilt. Zunächst werden die SuS aufgefordert sich mit dem Partner über den vorgegebenen Begriff auszutauschen. Dazu sollen sie erste Assoziationen zum jeweiligen Wort diskutieren. Im weiteren Verlauf sollen sie in Partnerarbeit lexikalische Eigenschaften zu ihrem zugeteilten Begriff finden. Hinzuzufügen ist, dass der Unterricht an vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten der SuS anknüpfen und diese nutzen bzw. die Kompetenzen erweitern soll (vgl. Hessisches Kultusministerium 2018: 3). Da das Ziel der Stunde ist, den SuS die Möglichkeit zu geben die neuen Begriffe in ihren Wortschatz zu integrieren, muss den Lernenden die Semantik des Begriffs bewusst werden. Um diese Begriffe auch korrekt in einen Satz einbauen zu können, müssen die SuS lexikalische Eigenschaften, wie das Genus oder die Pluralform kennen. Aus diesem Grund sollen die Lernenden lexikalische Eigenschaften zu den vorgegebenen Fachbegriffen finden. Die SuS müssen sich hierbei intensiv mit ihrem zugeteilten Wort auseinandersetzen und ihr bestehendes Wissen aktivieren. Gleichzeitig formulieren sie dies mündlich, sodass die sprachliche Handlung des Sprechens relevant ist.

Nun teilt die Lehrkraft einen Informationstext zu allen vorgegebenen Begriffen aus. Dieser Informationstext wurde didaktisch reduziert, jedoch nur in geringem Maße. Der Text war bereits kompakt und verständlich formuliert. Nur wenige irrelevante Passagen wurden reduziert (quantitative Reduktion) und die Aufgabenstellungen wurden umformuliert (qualitative Reduktion), sodass die SuS klare Anweisungen erhalten (vgl. Brand 2015: 204f). Anhand dessen werden die SuS von der Lehrkraft aufgefordert mit ihrem Partner eine Definition zu ihrem Begriff zu formulieren. Hier wird also das Medium „Lesen“ verwendet, sodass die SuS dem neuen Begriff auf eine andere Weise begegnen. Zentrale Aspekte der Wortschatzarbeit sind sprachliche Handlungen des Hörens, Sprechens, Lesens und Schreibens, da so die Wörter in verschiedenen Facetten wahrgenommen, verstanden und angewendet werden (vgl. Lehmann, Pliz / Sarich 2013: 21ff). Daran anlehnend sollen die SuS im Unterricht den neuen Begriffen auf unterschiedliche Art begegnen, damit sich die Lernenden neue Wörter besser einprägen können. Des Weiteren reflektieren die Lernenden hier ihre bereits gesammelten Ergebnisse aus der Partnerarbeit und vergleichen diese mit den Informationen aus dem Text, wodurch sie sich noch intensiver mit dem Begriff auseinandersetzen. Ihre Ergebnisse sollen sie letztendlich in ihrem Glossar festhalten. Das Medium des Schreibens wird also zusätzlich aufgenommen. In der Sicherung teilt die Lehrkraft die Lernenden in sieben Gruppen mit jeweils vier Personen ein, sodass alle SuS, die dasselbe Wort bearbeitet haben, sich in einer Gruppe befinden. Hier sollen sie Lernplakate (siehe Anhang) mit dem jeweiligen Fachbegriff erstellen. Die Gruppenmitglieder können ihre Ergebnisse untereinander austauschen und ihre Ergebnisse auf dem Plakat festhalten. Vier Gruppen (Rechtsstaat, Rechtsgleichheit, Rechtsicherheit, Rechtsweggarantie) werden darauf hingewiesen, dass sie das Fugenelement-s in ihre Ergebnisse einbeziehen und auf ihrem Lernplakat festhalten sollen. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Klasse das Thema „Wortart“ bereits im Deutschunterricht behandelt hat und die SuS Kompositum bzw. Derivation kennen und dies auch korrekt im Glossar ausfüllen können. Schließlich werden die Ergebnisse aus der Stunde in einem Gallery Walk wiederholt und gefestigt. Durch die Präsentationen lernen alle SuS die gesamten erarbeiteten Begriffe der Stunde kennen und den Lernenden werden Vorgehensweisen der Mitschüler/innen aufgezeigt. Nach dem Gallery Walk ergänzen alle Lernende ihr Glossar um die gesamten Begriffe. Somit haben die SuS einen Überblick über die relevanten Begriffe und halten alles im Glossar fest. Außerdem bleiben die Lernplakate während der gesamten Unterrichtseinheit hängen, damit die SuS immer wieder einen Blick auf diese werfen können. In der Vertiefung fordert die Lehrkraft die SuS auf Gesetze aus dem Alltag dem Öffentlichen bzw. Privatem Recht zuzuordnen. Hier wird ein Lebensweltbezug hergestellt und Erfahrungen oder Ideen der SuS mit dem Gelernten verbunden. Darüber hinaus wenden die Lernenden ihre neuen Kenntnisse aus der Stunde an Beispielen an. Sie schaffen also einen Transfer und werden letztendlich für das Thema „Recht und Rechtsstaat“ sensibilisiert. Die Unterrichtsstunde endet mit dem Aufgeben einer Hausaufgabe, bei der die SuS anhand eines Beispiels (Regel: In der Schule ist es verboten durch die Flure zu rennen.) den Unterschied zwischen Regeln und Gesetze zu erarbeiten. Hier müssen sich die Lernenden mit dem Begriff „Regeln“ und „Gesetze“ auseinandersetzen und den Unterschied zwischen beiden Begriffen erarbeiten, um diese voneinander abzugrenzen.

2.5. Methodische Analyse

Einstieg: Den Einstieg der Unterrichtsstunde bildet ein „Stiller Impuls“ in Form eines offenen Unterrichtsgespräches. Alle SuS sollen angesprochen werden und jeder soll die Möglichkeit haben sich zu beteiligen. Auch ruhige oder leistungsschwache SuS haben hier die Chance sich zu beteiligen. Die Lernende können jegliche Erfahrungen oder Assoziationen einbringen. Durch das Erstellen einer Mind-Map üben sich die Lernenden in Wortfeldarbeit, wo sie verschiedene Assoziationen zu dem Wort „Recht“ in Beziehung setzen können. Da der Begriff und die Bedeutung von „Recht“ als Grundlage für den weiteren Unterricht dient, soll das Wissen der SuS aktiviert werden.

[...]


[1] An dieser Stelle werden bilinguale Schulformen und bilingualer Unterricht vernachlässigt.

[2] Die Abkürzung soll im Folgenden für Schüler und Schülerinnen verwendet werden.

[3] Im Folgenden der Ausarbeitung steht das Wort „Bürger“ für weiblich und männlich (Bürgerinnen und Bürger).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Sprachbewusster Unterricht. Ein Unterrichtsentwurf für das Fach Politik und Wirtschaft
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V451356
ISBN (eBook)
9783668845251
ISBN (Buch)
9783668845268
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Deutschunterricht, sprachbewusster Unterricht, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Sprachbewusster Unterricht. Ein Unterrichtsentwurf für das Fach Politik und Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451356

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