Inklusion – ein inzwischen gängiger Begriff, mit dem fast jeder Deutsche in den letzten Jahren Berührungspunkte hatte. Seit der Verabschiedung des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderung (Convention on the Rights of Persons with Disabilities) im Jahr 2006 durch die Vereinten Nationen, wird sowohl international als auch national über das Thema Inklusion in der Schule intensiv diskutiert. Diese Erklärung der UN-Konvention ist seit 2009 in Deutschland rechtsgültig, wodurch das Thema in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit hierzulande erfährt. Doch was genau bedeutet der Begriff Inklusion, was ändert sich mit der Behindertenrechtkonvention (i. F. BRK) und welche Auswirkungen hat sie auf die Schulen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Problemstellung
2 Anforderungen der BRK und deren Umsetzung
2.1 Veränderungen in Deutschland
2.2 Anpassung in der Pädagogen Ausbildung deutschlandweit
2.2.1 Deutschlandweite Hochschulbefragung zum Thema Inklusion
3 Lehrer/innen Ausbildung und Fortbildung in Baden-Württemberg
3.1 Reform der Lehrerbildung
3.2 Fortbildungsprogramme für berufstätige Lehrkräfte
3.3 Inklusion als Prozess
4 Lehrer/innen Bildung – Wie könnte diese aussehen?
4.1 Inklusives Verständnis entwickeln
4.1.1 Praktika für Lehramtsstudierende an Inklusiven Schulen
4.2 Chancen der Heterogenität im Klassenzimmer
4.2.1 Heterogenes Unterrichten lernen
5 Das Zweilehrersystem – ein Muss um individuell unterrichten zu können?!
5.1 Voraussetzungen für die Umsetzung des Zwei-Lehrer-Systems
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die schulische Inklusion in Deutschland angesichts der aktuellen Lehrerausbildung realisierbar ist und inwiefern einzelne Lehrkräfte den Anforderungen an inklusiven Unterricht überhaupt gerecht werden können. Dabei wird der Fokus auf die strukturellen Gegebenheiten und notwendigen Anpassungen im Bildungssystem gelegt, wobei der Sinn des inklusiven Schulsystems als bereits beschlossene Tatsache vorausgesetzt wird.
- Anforderungen der Behindertenrechtskonvention (BRK) an das deutsche Schulsystem
- Differenzen in der Lehrerausbildung zwischen den deutschen Bundesländern
- Herausforderungen und Chancen heterogener Klassenverbände
- Notwendigkeit und Umsetzung eines Zwei-Lehrer-Systems (Team-Teaching)
- Verbesserungsmöglichkeiten für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Heterogenes Unterrichten lernen
Die Schulen in Deutschland brauchen professionalisierte Fachkräfte mit spezialisierten Kompetenzen, um inklusiv Lehren zu können; ein wichtiger Kompetenzbereich dabei ist zum einen die Individualisierung von Bildungsprozessen (vgl. Bylinski, 2015, S.225). D. h., dass auf einzelne Schüler/innen eingegangen wird, sie in ihren Stärken herausgefordert und in ihren Schwächen gefördert werden und dann Biografie orientiert speziell auf die Bedürfnisse eines jeden einzelnen geachtet wird, indem Lernziele zumindest teilweise individuell gestaltet sind (vgl. Sawalies et al., 2015, S.236). Denn Lehrkräfte, die meinen, dass „die gleichen Schüler beim gleichen Lehrer im gleichen Raum zur gleichen Zeit im gleichen Tempo die gleichen Aufgaben mit dem gleichen Ergebnis lösen“ (Scholz, 2016, S.12), unterrichten meist in einem Mittelweg, der zu anspruchsvoll für die einen und zu leicht für die anderen ist, wodurch sie demotiviert und unaufmerksam werden. Damit aber dieses individuelle Eingehen auf die Schüler/innen umgesetzt und die individuellen Lernziele erreicht werden können, müssen sie die Möglichkeit haben in Teilbereichen des Lerninhaltes selbst wählen zu können, so dass sie sich außerhalb der Gesamtheit Wissen und Fähigkeiten, ihren Möglichkeiten und Interessen entsprechend aneignen können (vgl. Ziemen, 2014, S.53).
Andererseits muss es neben den individuellen Unterrichtsangeboten auch Phasen der Zusammenarbeit geben, damit das gegenseitige Unterstützen und voneinander profitieren der Schüler stattfinden kann. Die Schwierigkeit hierbei liegt darin, einen ausgeglichenen Weg zu finden, der diese beiden Aspekte (voneinander profitieren & individuelles Lernen) beinhaltet. Hochschulen sollten hierbei methodische Vorgehensweisen vermitteln und die Studierenden möglichst praxisnah vorbereiten. Anwendung sollten diese direkt im Praxissemester finden, in denen reflektiert wird und Austausch, sowohl mit den begleitenden Lehrkräften, als auch zwischen Studierenden selbst, stattfindet (vgl. Rumpold, 2015, S.276). Um zukünftig die Studierenden optimal unterstützen zu können, „werden modifizierte Formen der Praxisbegleitung notwendig, die Kompetenzentwicklungsprozesse anregen (Rumpold, 2015, S. 277).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der schulischen Inklusion nach der UN-Behindertenrechtskonvention ein und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich der Lehrerausbildung.
2 Anforderungen der BRK und deren Umsetzung: Es werden die rechtlichen Rahmenbedingungen der BRK beleuchtet und aufgezeigt, dass die Umsetzung in Deutschland bisher bundesweit uneinheitlich und lückenhaft verläuft.
3 Lehrer/innen Ausbildung und Fortbildung in Baden-Württemberg: Das Kapitel analysiert spezifisch die Reformen in Baden-Württemberg, inklusive neuer Module in der Ausbildung und der Kritik an bestehenden Fortbildungsangeboten für berufstätige Lehrkräfte.
4 Lehrer/innen Bildung – Wie könnte diese aussehen?: Hier werden didaktische Ansätze diskutiert, wie ein inklusives Verständnis durch Praktika und den konstruktiven Umgang mit Heterogenität im Unterricht gestärkt werden kann.
5 Das Zweilehrersystem – ein Muss um individuell unterrichten zu können?!: Dieses Kapitel prüft die Notwendigkeit von Team-Teaching und die strukturellen Voraussetzungen, um eine individuelle Förderung durch zusätzliche personelle Unterstützung zu gewährleisten.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über den aktuellen Umsetzungsstand und fordert ein einheitlicheres Bildungssystem sowie eine praxisnähere Ausbildung.
Schlüsselwörter
Inklusion, Behindertenrechtskonvention, Lehrerausbildung, Sonderpädagogik, Heterogenität, Bildungssystem, Team-Teaching, Individualisierung, Schulentwicklung, Praxissemester, Bildungsreform, Inklusionsrate, Fortbildung, Lehrerprofessionalität, Unterrichtsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung der schulischen Inklusion in Deutschland und der zentralen Frage, ob und wie Lehrkräfte durch ihre Ausbildung und Fortbildung auf diese Aufgabe vorbereitet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der UN-Behindertenrechtskonvention, Unterschiede in der Lehrerausbildung der Bundesländer, der Umgang mit Heterogenität im Unterricht sowie das Konzept des Team-Teachings.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den Anforderungen an inklusiven Unterricht und der tatsächlichen professionellen Vorbereitung der Lehrkräfte aufzuzeigen und Lösungswege zu skizzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Forschungsstand, bildungspolitische Standards und repräsentative Umfrageergebnisse zur Inklusion aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden rechtliche Anforderungen, die Ausbildungssituation in Baden-Württemberg, didaktische Strategien für heterogene Klassen und die Potenziale des Zwei-Lehrer-Systems detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Inklusion, Lehrerausbildung, Heterogenität, Zweilehrersystem, Sonderpädagogik und Inklusionspädagogik.
Warum wird im Beispiel Baden-Württemberg so detailliert betrachtet?
Baden-Württemberg dient als Fallbeispiel, um die theoretische Diskrepanz zwischen der UN-Konvention und der konkreten Umsetzung in einem Bundesland sowie die Auswirkungen einer spezifischen Bildungsreform zu verdeutlichen.
Welche Bedeutung kommt dem Team-Teaching zu?
Das Team-Teaching wird als notwendige Unterstützung für Regellehrkräfte angesehen, um der komplexen Anforderung der individuellen Förderung von Schülern mit sonderpädagogischem Bedarf in großen Klassen gerecht zu werden.
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- Anonym (Autor), 2016, Inklusion als Herausforderung für Lehrkräfte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451363