Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Multiperspektivität in Schulen. Sie stellt einen Unterrichtsentwurf vor, bei dem insbesondere das Buch "Das Mädchen Wadjda" als Material dient.
Die gesellschaftliche kulturelle Vielfalt spiegelt sich nicht nur in der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung eines Landes, sondern auch in dessen Schulen wider. In den Jahren 2013/2014 waren im Durchschnitt 29,3% der Schülerinnen und Schüler der obligatorischen Schulen der Schweiz fremdsprachig, das heißt die Muttersprache dieser Kinder stimmte nicht mit der allgemeinen Unterrichtssprache überein.
Ferner waren 25,6% aller Kinder, die die obligatorische Schule besuchten, Ausländer. Diese Interkulturalität stellt viele Herausforderungen für die Lernatmosphäre sowie den Lernprozess der Schüler dar und zeigt die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Interkulturalität stärker auseinanderzusetzen.
Der in Basel ansässige Verlag Baobab Books nimmt sich dieser Gegebenheit an und publiziert interkulturelle Kinderliteratur. Eines dieser Bücher ist die Grundlage für den BuchBesuch, einem Projekt, das Schülerinnen und Schülern der Primarstufe auf praxisnaher Ebene die kulturelle Mannigfaltigkeit der heutigen globalen Gesellschaft näherbringt. Hierbei spielen interkulturelle Kompetenzen eine wichtige Rolle, die es Individuen ermöglichen, neuen Kulturen offen zu begegnen, diese kennenzulernen sowie ein gemeinsames Zusammenleben zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Abstract
2 Einleitung
2.1 Fragestellungen und Ziele
2.2 Baobab Books
2.2.1 Entstehung
2.2.2 Werte und Ziele
2.3 Kolibri
2.4 BuchBesuch
3 Buchauswahl
3.1 Auswahlmöglichkeiten für den BuchBesuch
3.2 „Das Mädchen Wadjda“
3.2.1 Inhaltsangabe
3.2.2 Hintergründe
3.3 Begründung der Wahl
3.4 Welches Potential in Bezug auf die Ziele des BuchBesuchs bietet „Wadjda?“
4 Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen
4.1 Was sind interkulturelle Kompetenzen?
4.1.1 Definition Kultur
4.1.2 Definition Interkulturalität
4.1.3 Definition interkulturelle Kompetenz
4.1.4 Ebenen der interkulturellen Kompetenz nach Eicke & Zeugin
4.1.5 Entwicklungsmodell zur interkulturellen Kompetenz nach Bennett & Bennett
4.1.6 Fazit und Ausblick
4.2 Identifikation
4.2.1 Definition Identifikation
4.2.2 Identifikation, Empathie und Perspektivenwechsel
4.3 Multiperspektivität
4.3.1 Definition Multiperspektivität
4.3.2 Multiperspektivität als Voraussetzung zur Entwicklung interkultureller Kompetenzen im Literaturunterricht
4.4 Inwiefern stehen interkulturelle Kompetenzen, Identifikation, Empathie und Multiperspektivität in Verbindung zueinander?
4.5 Didaktische Methoden zur Entwicklung interkultureller Kompetenzen im Literaturunterricht
4.5.1 Unterrichtsmethoden
4.5.2 Adaption auf den BuchBesuch
5 Der BuchBesuch
5.1 Lernziele
5.1.1 Interkulturelle Kompetenzen im Lehrplan 21
5.1.2 Lernziele des BuchBesuchs
5.2 Exkurs: Leseanimation
5.3 Planung der Unterrichtseinheit
5.4 Erste Durchführung des BuchBesuchs
5.4.1 Erste Verlaufsplanung
5.4.2 Evaluation und Anpassungen
5.5 Zweite Durchführung des BuchBesuchs
5.5.1 Angepasste Verlaufsplanung
5.5.2 Evaluation und Anpassungen
5.6 Definitive Verlaufsplanung für den BuchBesuch
6 Reflexion des Arbeitsprozesses
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, wie interkulturelle Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern der Primarstufe durch den Einsatz von interkultureller Kinderliteratur im Unterricht gefördert werden können, wobei das Projekt "BuchBesuch" anhand des Kinderbuchs "Das Mädchen Wadjda" als praktisches Instrument dient.
- Entwicklung interkultureller Kompetenzen bei Kindern
- Die Rolle von Identifikation, Empathie und Multiperspektivität
- Didaktische Konzepte und Methoden zur Leseanimation
- Praktische Erprobung und Evaluation in der Primarschule
Auszug aus dem Buch
3.4 Welches Potential in Bezug auf die Ziele des BuchBesuchs bietet „Wadjda“?
Diese Arbeit soll aufzeigen, welche Möglichkeiten eine Lehrperson hat, ihre Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Literaturunterrichts die Entwicklung interkultureller Kompetenzen zu fördern. Ein wichtiges Instrument zur Erreichung dieses Ziels ist unter anderem das Lesen von Geschichten, in denen fiktive Figuren eine Rolle spielen. Zu Recht betonen Gottschall (2012) und Bury (2013) die Relevanz von fiktiver Literatur und ihren Protagonisten. Nicht nur wird der Leser bzw. die Leserin von fingierten Personen emotional beeinflusst, sondern auch die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen und ihre Gefühle nachzuvollziehen, wird profiliert (Gottschall, 2012).
Einfühlungsvermögen ist eine wichtige Komponente der Multiperspektivität und somit eine Voraussetzung zur Akzeptanz und Toleranz anderer Kulturen (Sader, 2002). Insbesondere im Kindesalter ist es wichtig, diese mit interkulturellen Inhalten in Form von fiktiven literarischen Figuren aus anderen Kulturen zu konfrontieren und ihnen die Chance zu bieten, sich in diese Person hineinzuversetzen. In diesem Kontext darf jedoch die vertiefte Auseinandersetzung mit den Charakteren und der Geschichte im Literaturunterricht nicht fehlen, um die zum Verständnis der Handlung nötigen Reflexion in Gang zu bringen.
„Das Mädchen Wadjda“ bietet eine ideale Grundlage zur Auseinandersetzung mit den Themen interkulturelle Kompetenzen, Identifikation, Akzeptanz, Toleranz und Multiperspektivität in einer Primarklasse. Die Lernenden können sich nicht nur in die Protagonistin Wadjda hineinversetzen, sondern auch in den Nachbarsjungen Abdullah sowie in die Mutter oder die Rektorin. Darüber hinaus geht Al Mansours Kinderbuch mit wichtigem kulturellem und religiösem Hintergrund zur arabischen Welt und der Weltreligion Islam einher. Viele in der Schweiz einheimische Kinder haben zwar muslimische Freunde, kennen oftmals jedoch ihren kulturellen Hintergrund nicht oder sie sind fremden Kulturen und Religionen abgeneigt. Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen ist eines der grössten Probleme in der heutigen globalen Welt (Sader, 2012: 13 sowie Holzbrecher, 2011: 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Abstract: Eine kurze Übersicht über die Problemstellung der kulturellen Vielfalt im Schulunterricht und die Zielsetzung der Arbeit, interkulturelle Kompetenzen durch das Projekt BuchBesuch zu fördern.
2 Einleitung: Vorstellung des Projekts BuchBesuch durch den Verein Baobab Books sowie Definition der Forschungsfragen und Zielsetzung der Arbeit.
3 Buchauswahl: Darstellung der Kriterien für die Auswahl des Kinderbuchs "Das Mädchen Wadjda" und dessen Potential für den Unterricht.
4 Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen: Theoretische Auseinandersetzung mit zentralen Begriffen wie Kultur, Interkulturalität und interkultureller Kompetenz sowie deren Modellen und didaktische Einordnung.
5 Der BuchBesuch: Detaillierte Planung und Durchführung der Unterrichtseinheit inklusive der Lernziele und Evaluationsergebnisse der beiden Testdurchläufe.
6 Reflexion des Arbeitsprozesses: Rückblick auf die Planung, die Zusammenarbeit mit der Leseanimation und die gewonnenen Erfahrungen während der Arbeit.
7 Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der Ergebnisse, welche die Eignung des Konzepts für die Mittelstufe unterstreicht.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, BuchBesuch, Baobab Books, Das Mädchen Wadjda, Primarschule, Literaturunterricht, Identifikation, Empathie, Multiperspektivität, Perspektivenwechsel, Leseanimation, Lehrplan 21, Kultur, Toleranz, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie interkulturelle Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern der Primarstufe durch gezielte Leseanimation und die Arbeit mit einem ausgewählten Kinderbuch im Unterricht gefördert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung von interkultureller Kompetenz, Identifikation mit fiktiven Charakteren, Empathiebildung sowie die didaktische Umsetzung durch das Projekt BuchBesuch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie man durch interkulturelle Literatur und entsprechende Methoden das Verständnis für fremde Kulturen und die Reflexion über eigene Vorurteile bei Kindern stärken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur in Kombination mit einer praxisorientierten Umsetzung und Evaluation des Projekts "BuchBesuch" in einer vierten Primarklasse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen zum Thema Kompetenzentwicklung, die Analyse des Kinderbuchs "Das Mädchen Wadjda" sowie die konkrete Verlaufsplanung und Auswertung der Unterrichtseinheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind interkulturelle Kompetenz, Multiperspektivität, Identifikation, Literaturunterricht und das spezifische Projekt BuchBesuch.
Warum wurde das Kinderbuch "Das Mädchen Wadjda" als Beispiel gewählt?
Das Buch eignet sich besonders gut, da die Protagonistin eine Identifikationsfigur für Kinder ist und durch die kulturellen Unterschiede zum Lebensumfeld der Schweizer Schüler wertvolle Diskussionsgrundlagen für Multiperspektivität bietet.
Welche zentrale Rolle spielt die Leseanimation im BuchBesuch?
Die Leseanimation fungiert als Brücke, indem sie die Schüler aktiv in die Welt des Buches einbindet und durch methodische Interventionen, wie Perspektivenwechsel, das Einfühlungsvermögen in die fremde Kultur fördert.
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- Admire Alihodzic-Zuberi (Author), 2016, Die Entwicklung interkultureller Kompetenzen in der Schule. Die Bedeutung der Multiperspektivität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451610