Fußball und Wettbetrug. Die Methoden der Wettspielmafia und Prävention


Seminararbeit, 2018
23 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung/Abstract/Resumen

Inhalt

Internationale Wett-Syndikate durch die Jahre

Sportwetten-Plattformen

Medienberichterstattung

Medienethische Überlegungen

Rechtliche Überlegungen

Anhang „Wettfachbegriffe“

Zusammenfassung/Abstract/Resumen

Immer wieder geraten die Sportler, die Trainer und die Fußballklubs in die Schlagzeilen. Längst hat die Zockermafia nach der Fußballwette gegriffen. Inzwischen sind die Wettmöglichkeiten so vielfältig geworden, dass der Laie den Überblick längst verloren hat. Was sind die kritischen Punkte? Welche sind die zwielichtigen Gestalten? Wo liegen die Gefahren für den Nachwuchs? Gibt es Knackpunkte, wie die Geldwäsche und die fragwürdigen Methoden der Bestecher abzustellen sind? Will man die Bestechung überhaupt abstellen, oder sind die Verlockungen, die durch den Geldfluss ermöglicht werden nicht eigentlich Ansporn für tausende von Kindern und Jugendlichen in die Kader zu gelangen?

Again and again, the athletes, the coaches and the football clubs in the headlines. The gambling mafia has long since resorted to the football bet. Meanwhile, the betting opportunities have become so diverse that the layman has long lost the overview. What are the critical points? Which are the shady characters? What are the dangers for the offspring? Are there any sticking points on how to stop money laundering and the buggers' questionable methods? Do you want to stop the bribe at all, or are the temptations made possible by the flow of money not really an incentive for thousands of children and young people to get into the squad?

Una y otra vez, los atletas, los entrenadores y los clubes de fútbol en los titulares. La mafia del juego hace mucho que ha recurrido a la apuesta de fútbol. Mientras tanto, las oportunidades de apuestas se han vuelto tan diversas que el lego ha perdido la visión general.

¿Cuáles son los puntos críticos? ¿Cuáles son los personajes sombríos? ¿Cuáles son los peligros para la descendencia? ¿Hay algún obstáculo sobre cómo detener el lavado de dinero y los métodos cuestionables de los abusadores? ¿Desea detener el soborno, o son las tentaciones posibles gracias al flujo de dinero que realmente no son un incentivo para que miles de niños y jóvenes ingresen al escuadrón?

Internationale Wett-Syndikate durch die Jahre

Jahrzehnt Ereignis in der medialen Berichterstattung

1970er Nach ersten Berichten aus dem Jahre 1971 (Deutsche Bundesliga, 53 Spieler und Trainer gesperrt wegen Spielverschiebung) war es zunächst Jahrzehnte nahezu komplett still um den Wettbetrug im Fußball.

1980er Ende der 1980er Jahre begann der Abstieg der Sportmarketing Firma ISL, die in den Konkurs schlitterte und dabei mit Schmiergeldzahlungen in Verbindung gebracht wurde.

1990er Anfang der 90er Jahre kam es dann zu Korruptionsermittlungen im Rahmen der englischen Premiere League. Die Polizei in Hongkong zerschlug im Umfeld des englischen Cupfinales drei Wettbüros und nahm 21 Personen fest. Außerdem wurden 850.000 Euro beschlagnahmt. 1994 kam es zu Berichten über Unregelmäßigkeiten bei Olympique Marseille beim Spiel gegen ZSKA Moskau.

1998 wurden in Hongkong 85 Personen festgenommen sowie ca. 60 Mio. Euro an illegalen Wetteinsätzen beschlagnahmt.

2000er 2002 wurde von Bestechungsversuchen berichtet, die im Zuge der WM in Südkorea und Japan zu erwarten wären.

Schon damals berichtete das Handelsblatt, es wäre „fester Bestandteil des organisierten illegalen Glückspiels in Asien“ Fußballspiele zu manipulieren. Auch war schon bekannt, dass in Fernost viele Millionen Dollar bei Wetten in den europäischen Ligen umgesetzt werden.

2005 kam es zum Skandal um den deutschen Schiedsrichter Robert Hoyzer, der der Spielmanipulation bezichtigt und später zu 2 ½ Jahren Haft verurteilt wird. Mit ihm werden weitere Spieler und Schiedsrichter verdächtigt, in die Manipulationen verwickelt zu sein. Hoyzer geriet unter Verdacht, er hätte mit der kroatischen Mafia – allen voran dem Wettpaten Ante Sapina, seinen Brüdern und anderen Mittätern – unter einer Decke gesteckt – der Vorwurf lautete organisierte Kriminalität. Ante Sapina wurde zu 2 Jahren und elf Monaten verurteilt. Die Spielmanipulationen liefen etwa über ungerechtfertigte Strafstöße, die zu Torerfolgen führten, unsportliche Spielzurückhaltung oder über Manipulation der Leistungsfähigkeit. Hoyzer wurde lebenslang gesperrt und auch andere Schiedsrichter erhielten Sperren.

Heimischer Fußball

Bereits 2006 hieß es, es gäbe „Spiele zu verkaufen“. 2009 wird das Strafverfahren gegen die Sturm-Trainer-Riege um Petrovic allerdings eingestellt. Auch gegen die Spieler Bojan Filipovic und Dragan Sarac wurde im Rahmen des in Deutschland öffentlich gewordenen Skandals um den Wettbetrüger und Drahtzieher Dragan Antic ermittelt. Der GAK wittert Betrug im Spiel um dien Aufstieg. Es wurden Erklärungen unterschrieben, die bestätigen sollten, dass sie mit Hartberg im Vorfeld nichts zu tun hatten, berichtet sport24/Österreich.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelte jahrelang und stellte 2009 fest, dass es eine ganze Reihe an der „Verschiebung“ verdächtiger Spiele gab – 200 Spiele in mehreren Ländern wurden eindeutig der Manipulation überführt – darunter auch 11 Spiele in Österreich. Die Hausdurchsuchungen und Verhöre ergaben noch weitere Verdachtsmomente woraufhin die Zahl der Verdächtigen Spiele auf 380 stieg.

Hausdurchsuchungen gab es in Österreich,Großbritannien, der Schweiz und Deutschland. Auch in Graz kam es zu Hausdurchsuchungen. Doch auf der Liste der Verdächtigen standen auch Erstliga-Spiele in Slovenien, der Türkei, Ungarn, Bosnien, Kroatien. In Deutschland waren 32 Begegnungen verdächtig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2010er 2011 kam es zur Anklage des Strum-Bosses Hannes Kartnig, der gemeinsam mit seinem Management-Team, der betrügerischen Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und Betrug verdächtig war. In der Zeit von 1998 bis 2006 soll er 8,5 Mio Euro Schaden verursacht haben, daneben 1,2 Mio Euro

Schaden durch die schlagend gewordene Ausfallshaftung des Landes durch den Club-Konkurs. Mit 53.000 Euro wurde die Bundesliga durch fingierte Eintrittskartenabrechnungen geschädigt, berichtet Die Presse am 9.3.2011.

Nach fast einem Jahr folgte das Urteil: 5 Jahre Haft für Kartnig und 6,637 Mio Euro Geldstrafe wegen grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, schweren Betrugs und Steuerhinterziehung. Auch Sportdirektor Heinz Schilcher und ein weiterer Mitarbeiter wurde zu Geldstrafen verurteilt. Heiz Schilcher gar zur Zahlung von 1,895 Mio. Euro. Weitere ehemalige Vorstandsmitglieder wurden zu unbedingten Geldstrafen zw. 1,3 und 3,8 Mio. Euro verurteilt. Außerdem wurden bedingte Haftstrafen zwischen sechs und zwölf Monaten verhängt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch der Stadtrivale GAK gerät im har 2011 unter Druck: Vier ehemalige Präsidenten des Vereines sind in den Fokus der Ermittler geraten, der Abgabenhinterziehung und der Schwarzgeldzahlungen schuldig zu sein. Diese sollen sich in den Jahren 2000 bis 2006 zugetragen haben und in einer Gesamthöhe von 4,5 Mio. Euro befunden haben. Eine ehemalige GAK-Buchhalterin habe sich im Rahmen ihrer Verurteilung wegen Untreue in Aussagen diesbezüglich verstrickt. Roth weist die Vorwürfe zurück. „Wir haben immer gesagt, sie soll die Wahrheit sagen, es ist nur um Sachfragen gegangen, sie hat als einzige Einblick in unsere Finanzen gehabt und es hat eben einige Dinge zum Aufklären gegeben“, so der Präsident im Interview mit dem ORF Steiermark zu Jahresende 2011. Roth weist die Anschuldigungen sie terrorisiert zu haben zurück. Der Verein ging zwei Jahre nach dem Ende der Präsidentschaft Roths in Konkurs. Er weist ebenfalls die Verdächtigungen der Schwarzgeldzahlungen und des Eintrittskartenabrechnungsgetrickses zurück.1

Am 18. Feber 2011 wird in einem Artikel der Kleinen Zeitung der Vorwurf laut, Ex-GAK-Präsident Mag. Rudi Roth habe sich 2005 einen Steuernachlass von 3,8 Mio. Euro erschlichen. Dies bestätigt ein Ergänzungsgutachen im Auftrag des Gerichtes, das drei Ex-Präsidenten der fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen (Konkursverschleppung) beschuldigt. Gegen Roth werden Vorwürfe des schweren Betrugs und der Steuerhinterziehung laut. Roth habe bei der Finanz um einen Steuernachlass ersucht und argumentiert, auch die Stadt Graz und die GKK haben Nachlässe ermöglicht und so würde nur die Finanzschuld für einen neuerlichen Konkurs des Traditionsvereins ursächlich sein. Die Finanz gewährte den Nachlass, es wurde jedoch später bekannt, dass die Außenstände bei Stadt Graz und GKK bezahlt worden sind. Der Tatbestand lautet daher auf Erschleichen einer Abgabennachsicht und dies ist strafbar. Gutachter Fritz Kleiner würdigte aber die virtuose Bilanzierungspraxis des GAK in seinem Bericht „Ein nicht geschulter Bilanzleser erkennt diese bilanzielle Malversion erst auf den dritten Blick.“2

Im April 2012 postulieren die früheren GAK-Präsidenten Stephan Sticher und Peter Svetits vollmundig gegenüber dem Kurier, dass es keine Schwarzgeldzahlungen an GAK-Spieler gegeben hätte. Die Staatsanwaltschaft habe nur vage Verdachtsmomente, so die ORF-Berichterstattung.

2012 kommt es zum vierten Insolvenzverfahren des Grazer Athletik Clubs. Die ersten drei Verfahren liefen 2007 (2 x: März und November) und 2009 (Dezember). Strafgutachter Fritz Kleiner, der auch bei Sturm als Gutachter tätig war, legt ein 80 Seiten starkes Werk vor, das nicht unbrisant ist, danach scheidet er wegen Befangenheit aus dem Verfahren aus und wird von Ex-Bawag-Gutachter Thomas Keppert ersetzt. Das Ergänzungsgutachten Kleiners berücksichtigt sehr wohl Schwarzgeldzahlungen via Scheinrechnungen an Spielervermittler und Eintrittskartenerlöse. Besonders dieEr meint, die Zahlungsunfähigkeit habe bereits 2000 bestanden. Die Ergänzungsgutachten wurden von Roth als irrelevant bezeichnet.

Inzwischen war Milan Sapina, der Bruder von Ante Sapina, geständig und sagte aus, dass Spieler vom Kapfenberger SV und dem Zweitligisten Hartberg im Cup gegen Zwettel manipuliert wurden. Im Dezember 2012 hebt das Landesgericht Bochum wegen Verfahrensfehlern das Urteil gegen Ante Sapina teilweise auf.

International ist gerade der Dezember des Jahres 2012 interessant: Der südafrikanische Fußballverband SAFA suspendiert Präsident und Offizielle. Die FIFA legt Berichte zu verdächtigen Spielen Südafrikas gegen Thailand, Bulgarien, Kolumbien und Guatemala vor. Auch in Italien wurden Unregelmäßigkeiten beim SSC Neapel und anderen Vereinen protokolliert. In China wird der bislang größte Schmiergeldskandal der Fußballgeschichte publik. Tumulte waren die Folge. Trotz der Haftstrafen gegen 39 Funktionäre, die nebenbei bemerkt in China hohes Ansehen besaßen und Bewunderung genossen, wird von Seiten der Fans nach Urteilsverkündung der Ruf nach der Todesstrafe für korrupte Fussballfunktionäre laut. 3

Im Januar 2013 sperrt die FIFA 41 koreanische Spieler wegen Spielmanipulationen, die schon 2011 bei Ermittlungen bekannt geworden sind.

Die EUROPOL ist zuständig, wenn zumindest zwei EU-Länder betroffen sind – etwa bei Terrorismus, organisiertem Verbrechen und Internetkriminalität. Die Organisation hat 520 Mitarbeiter und 150 Verbindungsbeamte in 27 EU- Ländern. Die 18-Monate-lange Ermittlungen der Europol ergaben erneut, dass viele Spiele in Europa, auch in Österreich manipuliert wurden.

Es findet sich in diesem Zusammenhang ein Bericht des ORF Vorarlberg, der den Trainer der Vorarlberger Fußballakademie als an den Manipulationen Beteiligten denunziert. Parallel dazu sickern auch Informationen über Manipulationen von 17 Spielen in der österreichischen Bundesliga und der Ersten Liga in die Medien durch. Diese sollen sich in den Jahren 2004 bis 2012 ereignet haben. Die beteiligten Vereine sind etwa Austria Lustenau, der SV Grödig, Altach und Leoben. 4

Die Zahl von 700 manipulierten Spielen wurde bei der Pressekonferenz am 4. Februar 2013 im Europäischen Polizeiamt öffentlich. Die Ermittlungen erstreckten sich von 2008 bis 2011 und ergaben 380 Spiele allein im europäischen Profi- Fußball, bei denen sich auch Spuren nach Österreich verfolgen lassen. Gegen 20 Personen wurden Verfahren wegen Geldwäsche und Betrug eingeleitet. Insgesamt gab es 425 Verdächtige, berichtet der Kurier online. Am selben Tage informiert die Frankfurter Allgemeine, die in der Rubrik Fussball einen langen Artikel online stellt, dass russischsprachige Gangs und ein asiatisches Verbrechersyndikat involviert sind, die Begegnungen in Asien, Zentral -und Südamerika sowie in Afrika manipuliert haben.

2013 wird der Fußball Großbritanniens von einem Missbrauchskandal erschüttert, der vom ehemaligen Fußball-Profi Andy Woodward ins Rollen gebracht wurde und unter der Schützenhilfe von Wayne Rooney in der Presse breites Echo fand. Der frühere Jugendtrainer Barry Bennell wird verdächtigt, zahlreiche Jugendliche missbraucht zu haben. Es wird eine Hotline eingerichtet, bei der sich 700 Personen melden. Benell hatte bei Manchester City , Stoke City , Crewe Alexandra und weiteren Mannschaften im Nordwesten Englands als Jugendtrainer gearbeitet. Er wurde 1994 wegen der Vergewaltigung eines Jungens in Florida zu 4 Jahren Haft verurteilt, später wegen Übergriffen auf Jungen in England 1996. Schließlich trat er 2015 eine weitere Haftstrafe an. Auch Ex-Teamspieler Paul Stewart (Tottenham Hotspur) ist eines der Opfer eines namentlich nicht genannten Jugendtrainers geworden, der damals drohte, seine Familie zu töten,wenn er nicht über den Missbrauch schwiege, berichtet der Stern online am 25.11.2016.5

Nach Erhebungen veröffentlichen die Österreichischen Lotterien unter dem Titel „Wettskandal: Stickler fordert Aktionsplan für Österreich“ am Jahresende 2013 ein 7-Punkte-Programm gegen Match Fixing. Er fordert die Einrichtung des Tatbestandes im Strafrecht zum Thema Sportwettenbetrug und strengere Sanktionen, ähnlich dem Dopingtatbestand, effektive Maßnahmen gegen illegale Wettanbieter und Aufklärung und Prävention. Er setzt sich für Schulungen ein und will die Vereine zur Wahrung der Integrität (Play Fair Code) anhalten sowie die Österreichischen Sportverbände dazu bringen, Regelungen für Wetten und Matchfixing aufunehmen. Keine Wetten für Sportler auf den eigenen Sport, sofortige Meldepflicht bei Verdachtsmomenten. Darüber hinaus hält er Monitoringsysteme – etwa nach dem Vorbild von tipp3 – für vorbildlich, denn sie registrieren auffällige Wetteinsätze. Neben der Regulierung von Sportwetten – etwa das Verhindern von Wetten auf Gelbe Karten oder bei Jugendwettbewerben – fordert er mehr internationale Zusammenarbeit der Behörden. 6

Einem Artikel in den Salzburger Nachrichten vom 2.12.2013 zufolge gilt die Vermutung, dass in jeder Runde zumindest ein Spiel manipuliert ist. Als Urheber wird hier ein Insider zitiert, der sich der Kleinen Zeitung gegenüber als Wett-Profi ausgab und die verhältnismäßig geringen Gehälter in der Ersten Liga (1500 Euro Fixum) als Grund nennt. Daneben vermutet er, dass nur die 17 Partien der albanischen Tätergruppe ans Licht der Öffentlichkeit gelangten, mögliche Verschiebungen der Gruppen aus Slowenien, Kroatien etc. werden nicht erwähnt, obwohl es auch hier – speziell gegen Ende der Saison – ebenfalls zu Manipulationen kommt. Das Frühwarnsystem schlägt nicht an, weil das meiste über variantenreichere asiatische Wettanbieter läuft. Wird eine Wette verloren, so muss der verantwortliche Spieler das nächste Mal ein Spiel „gratis“ verschieben.

Und noch eine SN -Schlagzeile darf in Sachen „österreichischer Wettskandal“ erwähnt werden: „Wettskandal: Strafverfahren geht von Salzburg nach Graz“ vom 2. 12. 2013. Rund um die von Grödig -Spieler Dominique Taboga ins Rollen gebrachte Affäre ergibt sich folgende Situation: Es seien nicht 17 sondern 19 Spiele manipuliert worden und 30 Spieler stünden unter Verdacht, davon wurden 20 zeitgleich einvernommen. Verhaftet wurden sechs Personen (weitere sechs befanden sich bereits in Haft), darunter Ilir N., Arben T., beide albanischer Herkunft sowie Ex-Team-Kicker Sanel Kuljic, der seine Karriere dereinst beim SV Grödig begann sowie seinen Komplizen Sulim D., der als „der Tschetschene“ durch die weitere Berichterstattung verschiedener Blätter Erwähnung findet. Auch Dominik Taboga (SV Grödig) wird verhaftet. Die Häftlinge werden nach Graz überstellt, wo Seitens der Staatsanwaltschaft seit 2010 wegen „Spielmanipulation und Geldwäsche“ ermittelt wird. In diesem Zusammenhang wurden 15-Liga-Spiele zwischen 2009 und 2011 untersucht. 7

Etwa zur gleichen Zeit erscheint ein Buch des ESPN-Reporters Brett Forrest, das ua. die Manipulationen im italienischen Fußball thematisiert: 15 Clubs und 24 Spieler, Schiedsrichter und Trainer gelangten in die internationalen Verwicklungen. Die türkische Polizei verhaftete 100 Fußballspieler und ein chinesischer Schiedsrichter wurde zu 5 Jahren Haft verurteilt. Das unter dem Titel „Schattenspiele“ erschienene Werk befasst sich mit dem Wettboom in Macao, der Las Vegas fast um das 10fache toppt, und dabei gewissermaßen den Wirtschaftsboom in China begünstigt. Daneben berichtet er von„Mikrofonen in Torpfosten“, die die Teams abhören. Die FIFA wird wegen ihrer Untätigkeit diesbezüglich kritisiert. Sie sollte zumindest Zeichen setzen, tut sie aber nicht. Aus Sicht des Autors sollte der Markt der Spielmanipulationen genauso bekämpft werden wie der Waffen- oder Drogenhandel. Zuvor hatte schon Benjamin Best mit seinem Buch „Der gekaufte Fußball – Manipulierte Spiele und betrogene Fans“ für Aufsehen und Aufklärung gesorgt. 8 9

Das Jahr 2014 scheint ein „Schwarzes Jahr“ für die FIFA gewesen zu sein, denn das FBI nimmt – so berichtet der Kurier online im August 2014 – acht Personen im Zuge eines Wettskandals im Rahmen der Fußball-WM in Brasilien fest. Diese Razzia habe in Las Vegas stattgefunden, allerdings ohne Hinweise auf manipulierte Spiele geendet. Die Verdächtigen haben in drei angemieteten Villen aufwendige Technik eingesetzt um Millioneneinsätze bei asiatischen, vorrangig philippinischen, Wettanbietern zu platzieren. Das Geld dafür kam von chinesischen Bankkonen (etwa 21 Mio. US-$). Geldwäsche wird vermutet.

2014 wird ein in Frankfurt ansässiger Sportwettenbetreiber ermordet. Die Spur führt nach Serbien, wo der Geschäftsmann Kontakte zum führenden Buchmacher am Balkan „Meridian Gaming“ in Belgrad hatte. Beide Unternehmen – also sowohl Meridian Gaming als auch „Happybet“, das Unternehmen des Opfers, war in Malta lizenziert worden und kooperierten um Marktanteile zu gewinnen. Zudem trat „Happybet“ als Sponsor von Bayer Leverkusen auf. Immer wieder tauchten Unterfirmen, die von den Profiten der „Mutterunternehmen“ profitierten, auf, was die Ermittlungen erschwert. In Deutschland sind Sportwetten zum Tatzeitpunkt dem Anbieter Oddset vorbehalten. Das Opfer war daher in einer Grauzone tätig gewesen, die einerseits durch den Sitz in Malta möglich war, aber durch die rechtlich unklare Situation zwischen EU-Recht und deutschem Recht geduldet sind. Sportwetten unterlagen lange dem Glückspielstaatsvertrag, einem staatlichen Monopol, doch die Ausgestaltung des Monopols war umstritten. Zudem gab es Erkenntnisse, dass es sich bei Sportwetten nicht um ein Glückspiel sondern ein wohlkalkulierbares Spiel bzw. Geschäft handle. Seit 2012 konnten sich private Anbieter um eine der 20 Lizenzen bewerben. Es gab bis zu 80 Antragsteller, darunter Tipico, Betfair, Bwin Party und MyBet. Es häufen sich die Beschwerden hinter vorgehaltener Hand, was die Genehmigungsverfahren betrifft.

Und währenddessen wird in Graz Gericht gehalten: In der oben erwähnten Causa zum österreichischen Wettskandal wird im August 2014 der Prozess eröffnet und die Verdächtigen gehört. Taboga und Kuljic wird – gemeinsam mit ihren 5 Komplizen – die (zumindest versuchte) Manipulation von 18 Spielen in der Zeit von 2004 bis 2013 zu Last gelegt. Ilir N. gesteht, behauptet aber, wie Sanel Kuljic, keinen Profit aus den Manipulationen gezogen zu haben. 10

Hinsichtlich der Nötigung und der Erpressung war man zunächst geteilter Meinung, später lenkt der Albaner zumindest in der Frage der Spielmanipulation ein und bekennt sich schuldig in drei Spielen der Jahre 2004/05 mitgewirkt zu haben. Mit den Nötigungen und Erpressungen will er weiterhin nichts zu tun haben. Es werden die SMS „des Tschetschenen“ vorgelegt, wie Vienna Online am 25.8. 2014 berichtet. Tags darauf wird ein britischer Experte aufgeboten, der die Analyse-Ergebnisse vorstellt. Besonders Kapfenberg und Grödig seien in den Jahren 2012 und 2013 aufgefallen, so sein Kommentar. Anscheinend wurden in der Spielpause verdächtige Wetten getätigt, mutmaßt der britische Analytiker in einem Artikel der Oberösterreichischen Nachrichten am Tag neun der Verhandlung. Am 3.10.2014 werden acht der zehn Angeklagten für schuldig befunden und zu Haftstrafen verurteilt. Sanel Kuljic bekommt für schweren Betrug, Erpressung und Nötigung 5 Jahre und Dominique Taboga bringt es auf drei Jahre Haft wegen Betrugs (zwei davon bedingt). Kuljic wird mit einem Verbot der „Fußfessel“ belegt, einer in Österreich seit 2010 existierenden Form des elektronisch überwachten Hausarrests, bei dem mittels GPS-Technik die (nahezu) permanente Überwachung einer Person gewährleistet ist.11

Die ebenfalls unter Verdacht geratenen Hartberger, allen voran der Bosnier Ivo Istuk, der überraschend aus seinem Traineramt entlassen wurde, als die Affäre um den Wettskandal aufflog, wurden nicht weiter in Ermittlungen des Bundeskriminalamtes behelligt, da zu Tage trat, dass Hartberg schon länger mit den Behörden kooperierte, berichten die Oberösterreichischen Nachrichten am 20.10.2014.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der einstige Sturm-Boss wird im Zuge seiner Haftverbüßung Opfer eines heimtückischen Karzinoms. Es wurde entfernt und Hannes Kartnig zieht im 2015 erneut vor Gericht, um gegen seine Verurteilung Einsprüche geltend zu machen. Er hat – zumindest teilweise – Erfolg, denn der OGH kippt das Urteil gegen Kartnig, das nunmehr auf drei Jahre herabgesetzt wird, wie die Kleine online (11.09.2015) berichtet. Auch Sanel K. Arben T. Ilir N. und Dusko M. haben Berufung gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Graz als Schöffengericht vom 3.20.2014 eingelegt, allerdings wurden die gerichtAngesichts der verhältnismäßig geringen Haftstrafen ist auch immer wieder das überraschende Aufgreifen von Ex-Häftlingen bei Passkontrollen Thema in den Medien.

Inzwischen hat auch Dominique Taboga, gemeinsam mit Egon Theiner, ein Buch zum Wettskandal in Österreich verfasst, in dem er die Situation aus seiner Sicht schildert – von Selbstmordgedanken bis U-Haft. Es ist unter dem Titel „Schweres Foul – im Labyrinth des schönsten Spiels der Welt“ erschienen. Möglicherweise etwas, das auch anderen Spielern bei der Verarbeitung von Geschehnissen helfen kann.

Der Fußball und seine Wettskandale kommen seither nicht mehr aus den Schlagzeilen: 2016 wurde Italiens Teamchef Antonio Conte freigesprochen. Gegen ihn wurde im italienischen Wettskandal seit 2012 ermittelt. 2017 wird der spanische Fußball von einem Wettskandälchen heimgesucht. Erst im Mai 2018 wurde die Ukraine mit 50 Betrugsfällen im Fußball und der bemerkenswerten Zahl von 35 darin verwickelten Klubs auffällig. Und auch Griechenland verteilte dieses Jahr 58 Haftstrafen in Wettskandal-Verfahren. Erst jüngst erreichte den die Vorwürfe der Geldwäsche und Spielmanipulation Belgien und forderte prominente Opfer. Erneut kam es zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen in zahlreichen belgischen Vereinen, vor allem aber dem FC Brügge, dem amtierenden belgischen Meister. Die Frankfurter Allgemeine berichtet am 12.10. von 9 Haftbefehle, gegenüber Trainern und Schiedsrichter wegen Verdachts der Geldwäsche und Spielmanipulation. Zeitgleich fanden auch in Frankreich, Luxemburg, Zypern und Montenegro sowie in Mazedonien Hausdurchsuchungen statt. Ein Schiedsrichter sprach in diesem Zusammenhang davon, dass fast jedes Spiel manipuliert sei. Er sieht in den Vereinsbossen die eigentlichen Manipulanten, berichtet die Gratiszeitung Heute am 13.10.18.12

In dem seit 2007 offenen Verfahren des Grazer AK wurde noch keine Anklage erhoben, berichtet der ORF Steiermark am 1.4.2017. Zwar wurde ermittelt, voriges Jahr sogar die Akte von Graz zur Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft verlegt, aber man ist noch immer nicht sicher, ob Anklage erhoben wird. Die KSTA Wien wurde beauftrage, die Höhe der Schwarzgeldzahlungen und der hinterzogenen Abgaben neu zu berechnen. Sticher, der Ex-Präsident, wurde allerdings von der Finanzstrafbehörde „reingewaschen“, berichtet die Kleine Zeitung ebenfalls im April 2017.

[...]


1 https: //w ww.bing.co m/th ?id=OIP.Byh w _4hc5 GyLPlC so 9tc N AHaItw=167 h =181c =7 o=5pid=1.7 , 30.11.2018

2 https: //ku rier.at/ sp ort/fus sb a ll/gak -af faer e- fau l er-z auber - mit-bilanzen/7 51.98 8 , 24.11.2018

3 https: //w ww. welt.d e/politik/ a u slan d /article13 8763 89/Fan s - forder n -den -To d -fu er -k orru pte-Fussballfunktionaere.htm l ,24.11.2018

4 https: //vo rarlb erg.orf.at/n ew s/stori es /261 7549 / , 30.10.2018

5 https://www.stern.de/sport/fussball/missbrauchsskandal-erschuettert-englischen-fussball-7211938.html, 29.10.2018

6 https://www.lotterien.at/pressemitteilung/artikel/wettskandal-stickler-fordert-aktionsplan-fuer-oesterreich/ 29.10.2018

7 https://www.sn.at/sport/fussball/wettskandal-strafverfahren-geht-von-salzburg-nach-graz-4199860, 30.10.2018

8 https: //w ww.nach richt en.at/n ach r ichten/chronik/Fus sb all - Wetten-Nicht s- verdi ent;art58 , 1475373, 30.10.2018

9 „Moral und Ehre sind nicht wichtig“, Artikel im Kurier vom 15.02.2014

10 https: //www.nachricht en.at/sport/fussball/fu ssb all -intern ationa l/E s -war -kein e-i nten si ve-M anipulation -noetig -d amit -Kapfenberg -v erli ert;art19 189 1,146792 8 , 30.10.2018

11 Inzwischen kommt es in der Grazer Justizanstalt zu einer „Zellen-Teilung“ von Präsident Hannes Kartnig und Sanel Kuljic. Kuljic sitzt seit zwei Jahren in U-Haft und arbeitet in der Krankenstation, der Essensausgabe und ist als Dolmetscher tätig, berichtet die Kleine online am 21.12.2015.

12 https://www.handelsblatt.com/dpa/sport/fussball/fussball-korruptionsvorwuerfe-erschuettern-belgiensfussball/ 23169816.html?ticket=ST-782902-u9bI7gtjosfVkTWKWa1V-ap3, 30.10.2018

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Details

Titel
Fußball und Wettbetrug. Die Methoden der Wettspielmafia und Prävention
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Katholisch-theologische Fakultät)
Veranstaltung
Seminar
Note
3
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V451655
ISBN (eBook)
9783668888265
ISBN (Buch)
9783668888272
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußballwettbetrug, Sportwettbetrug
Arbeit zitieren
Dynamia Verlag Graz (Autor), 2018, Fußball und Wettbetrug. Die Methoden der Wettspielmafia und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451655

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