Trailer als filmische Paratexte. Alte und neue Paradigmen


Hausarbeit, 2016
8 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der aktuelle Stand der Trailerforschung
1.1 Die klassische Struktur
1.2 Die Mischform als Übergang von der klassischen zur Zweidrittel-Struktur
1.3 Die Zweidrittel-Struktur

2. Analyse eines Trailers der klassischen Struktur: On the Waterfront (USA 1954)

3. Analyse eines Trailers der Zweidrittel-Struktur: American History X (USA 1998)

4. Der kontinuierliche Wandel der Trailer

5. Abbildungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

7. Quellenverzeichnis für Bilder

1. Der aktuelle Stand der Trailerforschung

Trailer sind die heutzutage wohl populärsten filmischen Paratexte. Dennoch ist die wissenschaftliche Disziplin der Trailerforschung als Teil der Filmwissenschaft verhältnismäßig unerforscht. Die umfassendste Untersuchung von Filmtrailern stammt von dem Filmwissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Hediger aus dem Jahre 1999 und ist unter dem Titel Das vorläufige Gedächtnis des Films - Anmerkungen zu Morphologie und Wirkungsästhetik des Kinotrailers veröffentlicht.

Zu den Ergebnissen der Untersuchung des zählt eine Unterteilung der Trailer in verschiedene Modi, die sich durch eine unterschiedliche Morphologie auszeichnen. Laut Hediger gibt es unter den Trailern von 1912 bis 1998 zwei vorherrschende Strukturen; darüber hinaus existiere eine Mischform sowie Trailer, die von der bekannten Morphologie abweichen und Ausnahmen bilden. Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen die von Hediger herausgearbeiteten Modi kurz erläutert werden und anschließend je ein Trailer eines populären Dramas der beiden vorherrschenden Strukturen hinsichtlich ihrer Morphologie unter der Berücksichtigung Hedigers Ergebnisse analysiert werden.

1.1 Die klassische Struktur

Die historisch erstauftretende Form von Trailern mit einer ähnlichen Grundstruktur bezeichnet Hediger als Trailer der klassischen Struktur. Die klassische Struktur hat ihren Ursprung in der Mitte der 1920er Jahre und geht aus den vorherigen Trailern hervor, die in ihrem Auftreten „eher an Filmplakate und Inserate erinnern“[1] und als „Anhängsel“[2] am Ende der Filmvorführung gezeigt wurden.[3]

Trailer der klassischen Struktur beginnen mit einer Exposition, in der kurz eine einleitende Szene[4] gezeigt wird und der Titel des Filmes gezeigt wird. Auf die Exposition folgen Szenen, die nicht zwingend einer narrativen Struktur folgen und keine lineare Spannung aufbauen sollen, in der Regel verbunden mit der Nennung der Schauspieler, die hier im Gegensatz zur Handlung als Verkaufsargument des Filmes angeführt werden. Abschließend wird noch einmal der Filmtitel genannt. Hauptsächlich wird bei Trailern der klassischen Struktur nicht mit einer kommentierenden Sprecherstimme aus dem Off gearbeitet, sondern mit Texteinblendungen.[5] Oft ist eine pseudojournalistische Einleitung, die den Film als Neuheit oder Sensation bewirbt, Teil der klassischen Struktur.[6]

1.2 Die Mischform als Übergang von der klassischen zur Zweidrittel-Struktur

Zu Beginn der 1960er war immer noch die klassische Struktur die vorherrschende. Allerdings entstand in den folgenden Jahren nun eine Mischform, die sich an der klassischen Struktur orientiert, aber im Laufe des Trailers einen Spannungshöhepunkt aufbaut, indem sie etwa zwei Drittel der Handlung des Filmes vorgibt und somit neben den Schauspielern auch die Handlung als Verkaufsargument vorstellt.[7]

1.3 Die Zweidrittel-Struktur

Gegen Ende der 1970er Jahre wurde nun die klassische Struktur mehr und mehr durch eine reine Handlungsdarstellung ohne explizite Nennung der Schauspieler im Kontext des Storyplots verdrängt. Nach der Exposition folgt ein Ereignis, das eine Konfrontation mit der Handlung auslöst, von der nun ungefähr zwei Drittel vorgegeben werden. Dabei liegt ein linearer Spannungsaufbau vor, der auf dem Höhepunkt beziehungsweise mit einem Cliffhanger endet und gleichzeitig deutlich macht, mit welchen Sujets der Zuschauer in dem Film zu rechnen hat. Anstelle der Texteinblendungen tritt eine Sprecherstimme, die zusätzliche Hintergrundinformationen preisgibt.[8]

Der Zweidrittel-Modus entspricht seit Anfang der 1980er bis zum Zeitpunkt von Hedigers Studie im Jahr 1999 der Struktur der meisten Filmtrailer. Seine Vorteile gegenüber der klassischen Struktur liegen auf der Hand: Durch die vorgegebene Handlung können desinteressiere Zuschauer und somit schlechte Rezensionen abgewendet werden und durch die durch das Fernsehen gegebene Möglichkeit, Filme zum wiederholten Male anzuschauen, ist ein Geheimnis um die Handlung nicht mehr von Nöten.[9]

2. Analyse eines Trailers der klassischen Struktur: On the Waterfront (USA 1954)

Ein Trailer, der der klassischen Struktur folgt, ist der Trailer zu On the Waterfront von Elia Kazan mit Marlon Brando, Karl Malden, Lee J. Cobb und Eva Marie Saint in den Hauptrollen. Die Exposition beginnt mit einem Pfiff eines Hafenarbeiters, mit dem er die anderen Hafenarbeiter zu sich ruft. In der folgenden Sequenz verteilt er nun Aufgaben an von ihm ausgewählte Arbeiter. Diese Szene wird von großen weißen Texteinschüben überlagert, die sich von unten nach oben bewegen. In den Schriftzug wird zum einen der Filmtitel, sogar zwei Mal, genannt, zum anderen der Film aufgrund der Schauspielerleistung, Regieführung und Handlung als einer der gegenwärtig besten Filme deklariert. Der Erfolg des Filmes wird prophezeit und der Zuschauer dazu aufgefordert, den Film zu sehen.

Nach dieser Szene wird das Gesicht des Protagonisten Terry Malloy (gespielt von Marlon Brando) gezeigt. Es wird von einer Texteinblendung überdeckt, in dessen Brandos Name steht, welcher größentechnisch hervorgehoben wird. Gleichzeitig wird auch der Name seines Charakters genannt und seine Performance gelobt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Hauptcharakteristika des klassischen Trailers in einem Bild vereint: Der Schauspieler als Verkaufsargument, Texteinschübe und Pseudojournalismus.

Anschließend lässt Malloy Rückschlüsse auf seinen Charakter und einen Konflikt in der Handlung zu, indem er seine Lebensphilosophie erklärt: „Do it to him before he does it to you.“[10] Im Folgenden werden in gleicher Weise, aber kürzer und mit einsetzender dramatischer Musik Karl Maiden in seiner Rolle als Father Berry und Lee J. Cobb als Johnny Friendly vorgestellt. Eva Marie Saints Charakter wird nicht namentlich genannt, ihre Leistung aber durch die Texteinblendung als „unforgettable screen debut“[11] bezeichnet.

Nach einer Minute werden nun Szenen gezeigt, die Fragen bezüglich der Handlung aufwerfen. Es wird eine Liebesbeziehung zwischen Brandos und Saints Charakteren angedeutet. Letztere beklagt den Tod eines Joeys und Father Berry motiviert Leute, sich gegen etwas aufzulehnen. Ein Attentat auf einen Hafenarbeiter wird gezeigt. Mit einem Kuss zwischen Brando und Saint endet nun diese kurze Durchführung, in der mehr Unklarheiten entstehen als von der Handlung preisgegeben wird und ein Geheimnis um die Story entwickelt wird.

Eine Besonderheit des Trailers zu On the Waterfront ist, dass nicht lediglich der Filmtitel zum Abschluss genannt wird, sondern eine Art Abspann kreiert wurde, der Analogien zur Exposition aufweist. Es werden dramatischere Szenen gezeigt, die wiederrum von Texteinschüben überlagert werden. Beginnend mit dem Filmtitel wird eine nicht weiter erklärte Gefahr für Brando und Saint skizziert. In diesem Falle aber ist On the Waterfront ein Satzanfang, der mit den Wörtern „is all this...and more!“[12] weitergeführt wird. Darüber hinaus werden die vorher aufgestellten Vermutungen durch die Schrift noch einmal bestätigt: Der Film handelt von Liebe, einem Konflikt und Irrsinn. Zum erneuten Male wird die Sehenswürdigkeit des Filmes mit einer wiederholten Nennung des Filmtitels hervorgehoben und noch einmal Brandos Name genannt, verbunden mit einer kurzen Szene. Abschließend wird zum fünften Mal der Filmtitel eingeblendet, diesmal in Verbindung mit dem Produzenten Sam Spiegel und dem Regisseur Elia Kazan.

[...]


[1] Hediger (1999, S. 117).

[2] wörtliche Übersetzung des Wortes Trailer aus dem Englischen.

[3] Hediger (1999, S.112).

[4] Diese einleitende Szene kann eine thematische Einführung, aber auch das Hauptverkaufsargument des Filmes sein.

[5] Hediger (1999, S. 115-117).

[6] Hediger (1999, S. 118).

[7] Hediger (1999, S. 116f).

[8] Hediger (1999, S. 116f).

[9] Hediger (1999, S. 123f).

[10] Trailer zu On the Waterfront (1954, ab 00:00:33).

[11] Trailer zu On the Waterfront (1954, ab 00:01:02).

[12] Trailer zu On the Waterfront (1954, ab 00:02:09).

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Trailer als filmische Paratexte. Alte und neue Paradigmen
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
8
Katalognummer
V451679
ISBN (eBook)
9783668857896
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trailer, paratexte, alte, paradigmen
Arbeit zitieren
Ulli Armbrust (Autor), 2016, Trailer als filmische Paratexte. Alte und neue Paradigmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451679

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