"Globalisierung ist eine Weltanschauung" - Der Wissensstand der deutschen Bevölkerung über wirtschaftliche Themen


Seminararbeit, 2000

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsangabe:

1. Einleitung

2. Wissensstand Wirtschaft
2.1. Themenrahmen Globalisierung
2.2. Themenrahmen Börse
2.3. Themenrahmen Standortfaktoren
2.4. Zusammenfassung
2.5. Wissensgewinn durch das Internet ?

3. Fazit

Tabellen/Abbildungen:

Abb. 1: Top Themen in den Medien

Abb. 2: Die Wirtschaft im Spiegel der Tagesschau

Abb. 3: Globalisierung: Information tut not

Abb. 4: Globalisierung: Die meisten sehen schwarz

Abb. 5: Globalisierung: Nur wenige wissen Bescheid / Reisen bildet

Abb. 6: Wirtschaft im TV: Was junge Leute wissen

Tab. 1: Auswahl der Wirtschaftssendungen und -beiträgen verschiedener TV-Sender auf Video

Abb. 7: Investitionen in der Berichterstattung

1. Einleitung

Nach Legislative, Judikative und Exekutive werden die Massenmedien mittlerweile als „neue“ vierte Gewalt genannt. Massenmedien erfüllen in der modernen Gesellschaft einen wichtigen Teil öffentlicher Aufgaben. Neben „Willens- und Meinungsbildung“ auf Gesellschaftsebene und „Kritik und Kontrolle“ auf der Organisationsebene gehört die „Informationsfunktion“ auf Individuenebene zu den klassischen politischen Funktionen der Massenmedien. Umfassende Information ist die Basis für die Aufgaben auf der Organisations- und Gesellschaftsebene. Der freie Informationsfluss ist eine Grundlage für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Daher ist „die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk [und](,) Film“[1] und Presse im Grundgesetz verankert. Durch umfassende, objektive und verständliche Berichterstattung soll den Bürger ermöglicht werden sich eine Meinung zu bilden und sich am politischen Leben zu beteiligen. Diese Aufgabe der Massenmedien ist auch auf den Bereich der Wirschaftsberichterstattung übertragbar. Auch hier ist gute Information die Basis einer fundierten Meinung über Wirtschaftspolitische Entscheidungen. Es wird aber vorallem die Verständlichkeit der Beiträge kritisiert. Ob Medien ihrer Informationsfunktion auch im Bereich Wirtschaft gerecht werden ist fraglich. Der Wissenstand der Bevölkerung über wirtschaftliche Themen kann als Barometer für die Erfüllung dieser Aufgabe betrachtet werden. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, daß auch der beste wirtschaftliche Bericht nicht zum Wissensstand beitragen kann, wenn er mangels Interesse nicht beachtet wird.

Diese Arbeit soll einen Überblick über den Wissenstand der deutschen Bevölkerung in Bezug auf Wirtschaftsfragen geben und das Ergebnis mit der Berichterstattung in Verbindung bringen.

2. Wissensstand Wirtschaft

Um einen Einblick in den Wissenstand der Deutschen über Wirtschaftsthemen zu bekommen, werden im folgenden einige Themengebiet herausgegriffen und analysiert. Für die Beispiele soll auch ein Bezug zur Berichterstattung in den Medien hergestellt werden. Art und Umfang von Beiträgen der Medien stehen in engem Zusammenhang mit dem Wissenstand der Deutschen Bevölkerung. Es wird aber auch deutlich, daß nicht nur die Information durch Medien das Wissen über bestimmte Sachverhalte beeinflussen. Der Wissenstand ist also, wie in der Einleitung bereits erwähnt, kein hundertprozentiger Indikator für die Qualität oder Akzeptanz der Wirtschaftsberichterstattung.

2.1. Themenrahmen Globalisierung

Die Globalisierung, als relativ neues Thema in der Wirtschaftsberichterstattung ist ein gutes Beispiel um den Wissenstand der Deutschen darzustellen. Trotz der immensen Bedeutung für die Wirtschaft, wird Globalisierung in den Medien stiefmütterlich behandelt. So tauchen unter den 10 Top Themen der Massenmedien 1999 (vgl. Abb. 1) mit der Europäischen Währungsunion lediglich ein internationales, rein wirtschaftliches Thema auf. Die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter könnte auch dazu gezählt werden, da sie auch Folgen für einige Unternehmen hat. Sie hat aber nur indirekt mit globalen Wirtschaftsfragen zu tun.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Top Themen in den Medien 1999[2]

Hinzu kommt, daß sich die Art und Weise der Berichterstattung verändert hat. So tendiert z.B. die Tagesschau dazu nationale Wirtschaftsthemen mit internationalem Ausmaß auf Kosten rein internationaler Beiträge ausführlicher zu behandeln. Dies gilt sowohl für den Anteil der Beiträge am gesamten Wirtschaftsteil als auch für die Dauer der Beiträge. Allerdings ist der Gesamtanteil der Beiträge mit internationalem Hintergrund zurückgegangen. Wenn man die Sendedauer hinzunimmt kann gesagt werden, daß über weniger internationale Zusammenhänge länger berichtet wird (vgl. Abb. 2)

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Abb. 2: Die Wirtschaft im Spiegel der Tagesschau[3]

Im gleichen Zeitraum hat sich auch die Plazierung der Wirtschaftsbeiträge verändert. 1980 wurden sie noch über die ganze Sendung gestreut, während sie 2000 als Block nach der Innenpolitik ausgestrahlt werden. Das zeigt zwar, daß der Sender den Beiträgen mehr Wichtigkeit beimißt, es macht aber auch gezieltes Ab- bzw. Umschalten möglich.

Globalisierung ist ein Thema, das in Schulen bis heute eher am Rande oder gar nicht betrachtet wurde. So kann angenommen werden, daß Massenmedien diesbezüglich die Hauptinformationsquelle der Bundesbürger darstellen. Wie in Abb. 3 zu sehen ist gaben 1998 über die Hälfte der Befragte an, von Globalisierung wenig oder gar keine Ahnung zu haben. Ein Unterschied zwischen Ost und West ist quasi nicht vorhanden. Allerdings scheint die Erwerbstätigkeit Einfluß auf das Interesse an dieser Thematik zu haben. Erschreckend hoch ist, vorallem bei der Gesamtbetrachtung der Anteil der völlig Desinteressierten. Hier ist allerdings problematisch, daß Personen, die sich nicht geäußert haben, ebenfalls zu Desinteressierten gezählt wurden.

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Abb. 3: Globalisierung: Information tut not[4]

Aus der Grafik geht nicht hervor das Alter, Einkommen und Bildung auch relevant für die Antworten waren. So sind ältere Menschen weniger über weltwirtschaftliche Zusammenhänge informiert als junge. Ebenso spielt das Einkommen eine rolle, Menschen mit mehr Einkommen legen auch mehr Wert auf gute Information über globale Wirtschaftsereignisse. Auch der Bildungsgrad beeinflußt das Ergebnis. Innerhalb der Akademiker und Abiturienten halten sich 66% für „gut“ oder „sehr gut informiert. Bei Befragten mit Volks- oder Hauptschulabschluß liegt dieser Anteil bei 22%[5].

Für weitere Betrachtung empfiehlt sich auch der Blick auf die Erwartungen die Bürger an die Globalisierung haben. Globalisierung wird in allen Medien kontrovers diskutiert. Zunehmend werden auch kritische Stimmen laut. Die Größten Differenzen liegen dabei zwischen den radikalen politischen Lagern und der politischen Mitte. So ist z.B. von Vertreten der äußersten linken zu hören, Globalisierung sei eine Erfindung der Arbeitgeber um Tariflöhne zu drücken. Allerdings haben sich auch ehemalige Befürworter und Gewinner der globalen Wirtschaftsordnung inzwischen kritisch geäußert. George Soros z.B., der mit Währungsspekulationen ein Vermögen verdient hat und inoffizieller Wirtschaftsberater des US Präsidenten ist, warnt in seinem Buch „Die Krise des Globalen Kapitalismus“ eindringlich vor den Risiken des freien Kapitalflusses und fordert Regulierungsmaßnahmen.[6] Diese Diskussion, ob Globalisierung nun „Fluch oder Segen“ für die Deutsche Wirtschaft spiegelt sich auch in den Erwartungen der Bevölkerung wider (vgl. Abb. 4).

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Abb. 4: Globalisierung: Die meisten sehen schwarz[7]

Hier besteht ein klarer Zusammenhang mit dem Wissenstand der Befragten. Von den „gar nicht gut informierten“ Befragten glaubten nur ca. 20% an positive Auswirkungen der Globalisierung auf die Deutsche Wirtschaft. Bei „sehr gut Informierten“ liegt dieser Anteil bei fast 56%. Es kann also gesagt werden: je höher der Wissensstand ist, desto optimistischer fällt die Erwartung aus.

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach belegt allerdings, daß auch andere Faktoren Einfluß auf den Wissenstand haben. Ähnlich wie in Abb. 2 fällt auch hier die Frage nach dem Wissen über Globalisierung aus (vgl. Abb. 5). Bei den anschließenden Fragen stellt sich allerdings heraus, daß Fremdsprachenkenntnisse und Reisefreudigkeit (gemeint sind Reisen in nichteuropäische Länder) positiv mit der Information über Globalisierung korrelieren. Allerdings sind dies wohl eher Indikatoren für das Interesse an internationalen Themen generell, also auch an globalen Wirtschaftsberichten. Das kann daran liegen, daß Menschen die mehr bzw. weiter reisen oder eine Fremdsprache sprechen, sich allgemein mehr für fremde Kulturen und Gesellschaften interessieren. Oder es liegt daran, daß sie sich über Belange des Landes, dessen Sprache sie sprechen bzw. das ihr Reiseziel ist, informieren. Dies würde aber auch bedeuten, daß internationale Berichterstattung in den Massenmedien durchaus gut ist, aber zu wenig beachtet wird. Der Hund wäre dann bei der mangelnden Motivation für Information begraben. Also ist die Aufgabe der Medien nicht eine Verbesserung der Information sondern interessantere Darstellungsweise oder besserer Bezug auf Zusammenhänge, die auch weniger interessierte Bürger direkt ansprechen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Globalisierung: Nur wenige wissen Bescheid / Reisen bildet[8]

Eine Studie der Universität Koblenz-Landau beschäftigt sich speziell mit dem Wirtschaftswissen junger Erwachsener im Alter von 17-27 Jahren. Zwar ist der Informationsstand besser als in der Gesamtbevölkerung, er weist aber dennoch erhebliche Mängel auf. Gerade bei dem Thema Globalisierung fallen starke Wissenslücken auf (vgl. Abb.6). „Globalisierung ist eine Weltanschauung“ als schlechteste Antwort auf die Frage nach dem Inhalt des Wortes Globalisierung, ist in einem philosophischen Kontext zwar durchaus richtig, es müssen aber die Bedingungen dieser Befragung beachtet werden.

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Abb. 6: Wirtschaft im TV: Was junge Leute wissen[9]

Allen Teilnehmern wurde vor der Befragung eine Videoband mit einer Auswahl an Wirtschaftssendungen und -beiträgen verschiedener TV-Sender gezeigt (vgl. Tab. 1)

[...]


[1] Grundgesetz, Artikel 5 „Meinungs- und Pressefreiheit“, Absatz 1

[2] Medien Tenor Forschungsbericht 6. Jahrgang Nr.91, 15.12.1999

[3] Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Ausg. Nr.9, 2.03.2000, Jahrg. 26, S.2

[4] Informationsdienst IWD – Online, „Globalisierung – Die große Unbekannte“, http://www.iwkoeln.de/IWD/I-Archiv/iwd41-98-4.htm; 29.06.00; 13:15

[5] ebenda

[6] Soros, George, „ Die Krise des Globalen Kapitalismus“, Alexander Fest Verlag, Berlin 1998

[7] Informationsdienst IWD – Online, „Globalisierung – Die große Unbekannte“, http://www.iwkoeln.de/IWD/I-Archiv/iwd41-98/i41-98-4.htm; 29.06.00; 13:15

[8] Informationsdienst IWD – Online, „Globalisierung – Wenig Ahnung, viele Ängste“, http://www.iwkoeln.de/IWD/I-Archiv/iwd22-98/i22-98-8.htm; 29.06.00; 13:16

[9] Informationsdienst IWD – Online, „Wirtschaft im TV – Lauter böhmische Dörfer“, http://www.iwkoeln.de/IWD/I-Archiv/iwd20-98/i20-98-4.htm; 29.06.00; 13:26

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
"Globalisierung ist eine Weltanschauung" - Der Wissensstand der deutschen Bevölkerung über wirtschaftliche Themen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Wirtschaft und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Wirtschaft in den Medien
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V4518
ISBN (eBook)
9783638127851
ISBN (Buch)
9783638819558
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Wirkungsforschung, Berichterstettung, Globalisierung, Standortfaktoren, Börse, Wissensstand Wirtschaft, Wirtschaftsnachrichten
Arbeit zitieren
Dr. Michael Krupp (Autor), 2000, "Globalisierung ist eine Weltanschauung" - Der Wissensstand der deutschen Bevölkerung über wirtschaftliche Themen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4518

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