Liberalisierung und Deregulierung der nationalen Märkte haben seit dem Zweiten Weltkrieg entscheidende Veränderungen der Weltwirtschaft mit sich gebracht. Neue Informationstechnologien und der technisch-zivilisatorische Fortschritt haben ihren Teil dazu beigetragen. Dieses als "Globalisierung" bekannte Entwicklung wirkt sich auch besonders auf die Medienbranche aus. Zum einen muß die Wirtschaftsmacht ausgebaut werden, um sich in der neuen Wirtschaftsordnung als "Global Player" zu etablieren. Zum anderen bieten neue Medien wie das Internet oder der Mobilfunk ungeahnte Möglichkeiten der Distribution. Erstmals in der Geschichte der Massenmedien ist reale Echtzeit-Interaktion der Konsumenten mit den Anbietern möglich. Um diese Möglichkeiten voll ausschöpfen zu können, sind Kooperationen oder Merger der etablierten Medienkonzerne mit Unternehmen der neuen Medien nötig. Aktuellstes Beispiel ist die Fusion der kanadischen Getränke- und Unterhaltungsgruppe Seagram mit dem französischen Mischkonzern Vivendi. Der größte "Coup" in diesem Bereich ist aber zweifellos dem Internet-Dienstleister "America Online" (AOL) mit dem Aufkauf des Medienkonzerns Time Warner 1999 gelungen. Der daraus entstandene Mediengigant nimmt nun (Stand 2000) international den ersten Platz unter den Medienkonzernen ein. Das so entstandene Geflecht von Medienunternehmen bietet neue Möglichkeiten in bezug auf die Wertschöpfung und Distribution der Produkte. Die Distributionsstruktur und -politik von Time Warner/AOL ist Thema der vorliegenden Arbeit.
Um die Strukturen von Time Warner/AOL betrachten zu können, muß zunächst ein Blick auf die Firmengeschichte und ihre Entwicklung geworfen werden. Hierzu werden die Unternehmen getrennt betrachtet, da die Fusion erst im November 1999 angekündigt wurde und noch nicht in "trockenen Tüchern" ist (Stand 2000).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unternehmensgeschichten
2.1. Time Warner
2.2. AOL
2.3. Die Fusion
3. Distributionsstruktur und -politik
3.1. Printmedien
3.2. Audio Medien
3.3. Audiovisuelle Medien
3.4. Kabelnetze
3.5. Das Internet
3.6. Mobilfunk
3.7. Zusammenfassung
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Distributionsstruktur und -politik des Medienkonzerns Time Warner nach der Fusion mit dem Internet-Dienstleister America Online (AOL). Das primäre Ziel ist es, die neuen Möglichkeiten der Wertschöpfungskette und die strategischen Ansätze zur Verbreitung von Medienprodukten über verschiedene Kanäle – insbesondere das Internet – zu analysieren.
- Analyse der Unternehmensgeschichten und des Fusionsprozesses von Time Warner und AOL.
- Untersuchung der herkömmlichen und digitalen Vertriebswege für Printmedien, Audio- und audiovisuelle Produkte.
- Evaluation des Internets als zentralem Zukunftsmarkt und neuem Distributionsinstrument.
- Bewertung der ökonomischen und medienpolitischen Auswirkungen der entstandenen Informationsmacht.
Auszug aus dem Buch
3.5. Das Internet
Das Internet ist ein neues Medium für den Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen. Besonders interessant ist das Internet für den Verkauf „digitalisierbarer“ Produkte, d.h. Texte, Bilder, Filme, Musik und Software. Bei diesen Produkten ist nicht nur das Werben, die Bestellung und die Bezahlung im Internet möglich, sondern sie können auch über die Datenautobahn übertragen und gleichzeitig dupliziert werden. Letzteres bedeutet für den Anbieter, daß er nur noch die digitale Information zur Verfügung stellen muß, den Datenträger stellt der Kunde. Der Vertrieb über das Internet ist schnell, unkompliziert und zu jeder Zeit und an jedem Online-Rechner möglich. Allerdings birgt Digitalisierbarkeit, durch Piraterie, auch eine große Gefahr für die Medienbranche.
Schon vor der Fusion mit AOL war Time Warner im Online Geschäft tätig. Allerdings hat dies nun eine völlig neue Dimension erreicht. Bisher wurden vor allem die Printmedien, Videos und Tonträger von Time Warner auch im Internet vertrieben. Das Time Magazine, Warner Bros. Home Video und die Warner Bros. Music Group beispielsweise, bieten auf ihren Homepages einen Bestellservice an. Gezahlt wird per Kreditkarte oder per Nachname. Im Prinzip ist diese Vertriebsform aber ähnlich wie eine Telefonbestellung. Geliefert wird das physische Produkt durch einen Transportdienstleister. Diese Transaktion, der Online-Verkauf, ist e-commerce im weiteren Sinn, da nur der Kaufvertrag und zum Teil die Bezahlung im Netz abgewickelt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die globalen Veränderungen in der Medienbranche durch Globalisierung und neue Technologien, gipfelnd in der Fusion von Time Warner und AOL.
2. Unternehmensgeschichten: Dieses Kapitel zeichnet die getrennte Historie von Time Warner und AOL nach und beschreibt die Entstehung des Megakonzerns durch die Fusion im Jahr 1999.
3. Distributionsstruktur und -politik: Hier werden detailliert die vertrieblichen Ansätze in den Bereichen Print, Audio, Video, Kabel und Internet analysiert sowie die Wertschöpfungsketten betrachtet.
4. Fazit: Das Fazit stellt die Dominanz des neuen Medienriesen fest, hebt die strategische Ausrichtung auf das Internet hervor und warnt vor den medienpolitischen Gefahren der Machtkonzentration.
Schlüsselwörter
Distributionspolitik, Medienkonzerne, Time Warner, AOL, Fusion, Wertschöpfungskette, Internet, E-Commerce, Digitalisierung, Distributionsstruktur, Massenmedien, Global Player, Absatzwege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie der Medienkonzern Time Warner nach der Fusion mit AOL seine Distributionsstrategien angepasst hat, um seine Produkte über klassische und digitale Kanäle effizient zu vertreiben.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Zentrum stehen die Firmengeschichten der Partner, die verschiedenen Distributionsstrukturen für Print-, Audio- und audiovisuelle Medien sowie die strategische Bedeutung des Internets.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die neuen Möglichkeiten der Produktvermarktung im Zuge der entstandenen Informationsmacht zu beleuchten und den Wandel der Wertschöpfungskette aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse der Unternehmensstrukturen und -politiken unter Einbeziehung aktueller Wirtschaftsdaten, Berichte und Fachquellen des Jahres 2000.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der verschiedenen Mediensektoren sowie eine umfassende Analyse der Internet-Strategien von AOL und Time Warner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Schlagworte sind Distributionspolitik, Global Player, Wertschöpfungskette, Digitalisierung und Medienkonzentration.
Wie hat die Fusion die Vertriebswege für Printmedien beeinflusst?
Neben dem klassischen Versand- und Einzelhandel nutzt der Konzern nun verstärkt digitale Plattformen und E-Commerce-Ansätze, um die Reichweite der Produkte zu erhöhen.
Warum wird das Internet als kritischer Faktor für den Konzern bewertet?
Das Internet fungiert als neuer, revolutionärer Vertriebskanal, der durch "digitalisierbare" Produkte wie Musik oder Filme die bisherige Trennung von Inhaltsproduzenten und Netzbetreibern aufhebt.
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- Dr. Michael Krupp (Author), 2000, Distributionsstruktur und -politik von Medienkonzernen: Time Warner/AOL, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4519