Semantik, Kognition und Prototypentheorie


Hausarbeit, 2007
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stellung der Prototypentheorie innerhalb der Semantik
2.1 Gegenstand der Semantik
2.2 Gegenstand der Kognitionstheorie
2.3 Bedeutung der Prototypentheorie

3. Kognitive Semantik
3.1 Bedeutung, Denotation und Ausdruck
3.2 Semantisches Konzept, Kategorie

4. Kategorisierung
4.1 NHB-Modell und Prototypentheorie
4.2 Probleme der Kategorisierung oder: Binarität Vs. Gradualität
4.3 Die Frage nach dem Prototypen selbst

5. Das Verhältnis von Kategorien zueinander
5.1 Definition der Basisebene
5.2 Charakteristika der Basisebene

6. Résumée

7. Fußnoten

8. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Bezug auf die Konnexion zwischen Aspekten der als real angenommenen Aussenwelt, die uns vor dem Hintergrund eines gewissen ״intuitiven Wissens“ Sinnhaftigkeit sind, und den Modalitäten einer Darstellungsform derselben, die uns die Verwendung eines Zeichensystems ermöglicht, wird die Fragestellung nach Repräsentation, nach ihrer Geartetheit, vor dem Hintergrund des Bewusstseins für Referentialität in Verwendung jenes Systems thematisierbar. Die unmittelbare Konfrontation mit jeweiligen als sprachlich identifizierten Gegebenheiten erlaubt diesbezüglich eine Schematisierbarkeit des Sprachlichen dergestalt, dass ihre jeweiligen Systemierungen als Resultate derselben im so genannten ,Wort’ - als intuitiv schon präsente Individualisierung geistiger Natur - ihre atomare Grundparzelle finden. Da die Linguistik diejenige Wissenschaft darstellt, die die Eigenschaften des Phänomens der Sprachlichkeit - auf Grundlage dieser Möglichkeit - eben systemisch zu beschreiben bzw. generell zu thematisieren gedenkt, bleibt die Fragestellung relevant, inwieweit ihre sich zu dieser subsumtiv verhaltende Teildisziplin namens Semantik, jene Konnexion in somit impliziter Schematisierung fasste und inwieweit ihre somit getroffenen Postulate einem Denken, oder besser: dem Denken der Teilnehmer einer Sprachgemeinschaft insoweit verpflichtet bleiben, dass dieses selbst ausschlaggebender Gegenstand einer jeglichen Thematisierung werden kann, die Sprachlichkeit, Theorie, wie auch ihre Anbindung an das Reale, welche man ebenso mit dem Begriff der ,Referentialität’ bezeichnen könnte, zu begreifen anstrebt.

Insofern bleibt es legitim und omnirelevant ein Verhältnis zwischen so genannter Kognition, einem Be-Deuten, wie auch der hierbei bezüglich seienden Elemente oder Objekte von Welt und der hierüber ebenso thematisierten Sprachlichkeit selbst zu diskutieren. Ich gedenke somit in meiner hier vorliegenden Hausarbeit das Modell der Prototypentheorie und ihre Anwendung innerhalb der Disziplin der Semantik zu skizzieren und dabei diverse Aspekte einer Kognitionstheorie inhaltlich mit zu berücksichtigen.

2.Stellung der Prototypentheorie innerhalb der Semantik

2.1 Gegenstand der Semantik

Die linguistische Teildisziplin der Semantik beschäftigt sich mit dem Sinn bzw. der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke auf lexikalischer, pragmatischer, wie syntagmatischer Ebene. Als grundlegende Einheiten fungieren jeweils die lexikalischen Einheiten, die wir alltäglich und gemeinhin ,Worte’ nennen, die so genannten Paradigmen als Flexionsmuster, ״[...] die sich als morphologisch und syntaktisch bestimmte Formen aus einem Lexem ableiten lassen [.] , wie auch die Syntagmen, die in der sie gegenseitig determinierenden, hierbei festgeschriebenen Verbindung einzelner Wörter bestehen. Man verbleibt in der Diskussion der hier thematisierten Prototypentheorie standardgemäß auf dem Terrain der sogenannten lexikalischen Semantik, die das Wort als lexikalische Einheit als ihre eben kleinste individualisierte Parzelle betrachtet, auch wenn ihr konzeptioneller Ansatz streng genommen auch auf paradigmatische oder syntagmatische Ebene ausweitbar wäre. Die Semantik umfasst - von ihrer Thematisierung her - also lexikalische, paradigmatische, als auch syntagmatische Ebenen, trägt die Fragestellung nach Sinn und Bedeutung konkreter, sprachlicher Parzellen an sie heran. Die Pragmatik, die sich als Teilgebiet eher der komplexeren Interpretation diverser ganzheitlicherer Äußerungsakte widmet, wird gemeinhin ebenfalls unter sie gezählt, da das für jene essentielle Moment der Referentialität die Konkretheit eines Be-Deutens der eben komplexeren oder ganzheitlicheren Äusserung mit zum Gegenstand hat. Da jedoch das Auffassen von Sinn oder Bedeutung im Sinne einer Informationsverarbeitung vom Denken konkretisiert wird bzw. mit den von uns oftmals als ,kognitiv’ bezeich- neten Prozessen scheinbar in Verbindung steht, ist die essentielle Thematik der Semantik ebenso über eine Theorie der Kognition zu beleuchten.

2.2 Gegenstand der Koqnitionstheorie

In der oder einer Kognitionstheorie bzw. der Kognitionswissenschaft wird die Reaktions- und Funktionsweise unseres Denkens im Zusammenhang mit dem Auffassen der Bedeutung als systematische Informationsverarbeitung untersucht.

Der Sprecher bleibt hier als angenommenes verarbeitendes System sprachlich modulierende Instanz, die aus einem bestimmt aufgenommenen äußeren Signal eines Inputs über ein Verstehen, welches auf der Identifikation einer Bedeutung basiert, über eine diverse, eben kognitive Reaktion ein weiteres mit ebensolcher Sinnhaftigkeit konnektiertes und hierbei weiterhin sprachliches - im Sinne eines Outputs - aussendet. Kognition selbst, als hierbei verhältnismäßig vager Begriff, kann in etwa als Gesamtheit mentaler Strukturen und Prozeduren gelten, wobei auf Grundlage der Teilbarkeit der Kognition in Untersysteme die Sprachlichkeit als mental initiierende und funktionierende Informationsverarbeitung derjenige thematische Fokus bleibt, der das Themengebiet der Kognitiven Linguistik umreißt. Sprachlichkeit, ergo: die Fähigkeit des Menschen - als einzigem in einem linguistischen Sinne informationsverarbeitendem Lebewesen - zu sprechen, generell sprachlich tätig zu sein, fundiert somit ein diverses, thematisierbares Untersystem der Kognition. Eine sehr eng gefasste, aber dennoch wohl eher funktionale Definition des Kognitiven von RICKHEIT/ STROHNER sieht den Begriff der Kognition gar als ״[...] eine Kurzform für den Begriff der kognitiven Informationsverarbeitung.

Inwieweit demgemäß Sprachlichkeit im Sinne ihrer Verquicktheit mit anderweitiger Applikation kommunikativer Systematiken (s. konzeptuelle Ebene des moduláris- tischen Ansatzes4 ) einwandfrei von zahlreichen anderen konzipierbaren Unter­systemen abzutrennen ist, bleibt fraglich. Die Fragestellung des Zusammenwirkens der eben linguistischen Informationsverarbeitung mit anderen Untersystemen kann und muss sogar diesbezüglich essentieller Gegenstand derjenigen Wissenschaft sein, die als Kognitive Linguistik in ihrer Definition eher vager Teilbereich einer Kognitionstheorie genereller Natur zu sein scheint. Die Identifikation von Sinn und Bedeutung sprachlicher Einheiten erführe als Thematik einer kognitiven Semantik im Anknüpfen an mentale Faktoren und Prozeduren somit einen höheren Grad des Einfließens von diesbezüglich konkreter Referentialität. Der einzelne Akt einer Informationsverarbeitung legt letztendlich ein höherwertiges Rekurrieren auf die gegenständliche Bedingtheit (entspr. einer direkteren Konnexion der Aspekte einer außersprachlichen Realität) des Verstehens, d.h. der am angenommenen Input aufgenommenen Information, welche hierbei eine grundlegend mentale ist, nahe.

Eine wesentliche Theorie, die versucht jene Konnexion zwischen mentaler Verarbeitung, jeweiliger Bedeutung und der Determination auf Ebene der Lexik eines Begriffes oder gar eines irgend möglichen Äußerungsaktes selbst zu fassen, besteht eben in der hier des weiteren skizzierten so genannten Prototypentheorie, welche in Anknüpfung an jene Definition Kognitiver Linguistik sich in einem semiotischen Dreieck aus Ausdruck, Bedeutung und Denotation die jeweilige Grundseite aus Bedeutung und Denotation (als Akzentuierung des Mentalen) zum Gegenstand machte.

2.3 Bedeutung der Prototvoentheorie

Der eher holistische Ansatz der Prototypentheorie innerhalb der Semantik versucht im Wesentlichen den Zusammenhang zwischen konkreten, wie potentiellen Referen­ten der außersprachlichen Realität, der steten Konzeptualisierung ihrer jeweiligen Bedeutung durch den Sprecher und der durch die jeweilige Verwendung geschehen­den Determination ihrer lexikalisch fassbaren Denotation deskriptiv, über die Konzep­tion so genannter Prototypen, zu beschreiben. Obwohl diese Theorie sich in der hier vorliegenden Thematisierung selbstverständlich mit der Skizzierung sprachlicher Bedeutung befasst und somit als Element der linguistischen Teildisziplin der Semantik zu gelten hat, lag ihr ursprünglicher Ausgangspunkt nicht auf dem Terrain sprachwissenschaftlicher Betrachtung. Die Prototypentheorie erwirkt über ihre Konzeption des Prototypen als idealtypischen Vertreter einer bestimmten Bedeutung eines Begriffes eine Verbindung zur Ebene des realen, potentiell bezeichneten Objektes, untersucht also die Relation eines kognitiv, d.h. mental vorhandenen Konzeptes mit der jeweiligen Gegenständlichkeit potentieller Referenten.

Als Prototyp gilt somit ein als in etwa idealtypisch angenommener Fall eines Objektes oder Referenten, der in der jeweiligen Beziehung oder Relation zum damit in Verbindung stehenden Konzept des Sprechers steht. Kriterial ist hierbei demzu­folge die Beschaffenheit des jeweilig diskutierten Referenten, sofern er im Hinblick auf ein Konzept der vom Sprecher mental stetig modifizierten Bedeutung hin betrach­tet wird, was eine Entlehnung diverser Mechanismen aus der Merkmalsemantik ( bi­näres Zuschreiben des Besitzes konkreter, individualisierbarer Eigenschaften) im Nachhinein legitimierbar macht.

Bedeutsam ist für jene prototypische Art der Deskription eines Zusammenhangs der Geartetheit des Referenzobjektes, der sprecherbezogenen und be-deutenden Konzeptualisierung und dem jeweiligen Einfluss auf die individuelle Veränderbarkeit einer jeweilig zu Grunde liegenden Denotation vor allem der Begriff der Kategorie, da eine allseits notwendige Subsumtion von Gegebenheiten zugunsten der Wertbarkeit konkreter Einzelfälle, wie jeweiliger Thematisierungen über das Prinzip einer vom jeweiligen Prototypen gewährleisteten Kategorisierung besteht. Zur Überbrückung des rein binären kategorial-subsumtiven Gegensatzes einer Bestimmtheit konkreter Denotate ist der von WITTGENSTEIN durch ROSCH in die Semantik eingeführte Begriff der Familienähnlichkeit, welcher im Folgenden noch genauer thematisiert werden wird, ebenso omnirelevant.

3.Kognitive Semantik

3.1 Bedeutung, Denotation und Ausdruck

Die primäre thematische Akzentuierung einer kognitiv fundierten Semantik liegt (s. Pkt. 2.2 unten) - wie aus dem Verständnis der sprachlichen Akte als mentale und prozedurale Informationsverarbeitungen hervorgeht - eher in der Deskription eines Zusammenhangs zwischen einem mental präsenten und intentionalisierten Konzept seitens des Sprechers, welches jeweils den gegenwärtigen Status eines Be-Deutens bzw. der aktuellen Bedeutung selbst fundiert und der jeweiligen Determination der auf lexikalischer Ebene konventionalisierten Denotation.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Semantik, Kognition und Prototypentheorie
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V452192
ISBN (eBook)
9783668849709
ISBN (Buch)
9783668849716
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Semantik, Linguistik, Kognition, Prototyp, Prototypentheorie, Sprachwissenschaft, Bedeutung, Wort, NHB-Modell, Cue-Validity
Arbeit zitieren
Clemens Deparade (Autor), 2007, Semantik, Kognition und Prototypentheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452192

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