Abbau von Bildungsungleichheit in Kommunalen Bildungslandschaften


Hausarbeit, 2018
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1 Bildung
2.2 Bildungsungleichheit
2.3 Soziale Ungleichheit
2.4 Chancengleichheit

3. Kommunale Bildungslandschaften
3.1 Beispiel ״Bildungslandschaft Altstadt Nord“ (Köln)
3.2 Auswirkungen von Bildungslandschaften auf Bildungsungleichheit

4. Fazit

5. Literaturverzei chni s

1. Einleitung

Pierre Bourdieu, der französische Soziologe, prägte in den 70er - Jahren den treffenden Begriff des Bildungskapitals. Das Kapital der Bildung, bildet in der heutigen Gesellschaft eine zentrale Ressource für die individuellen Lebensbedingungen und -chancen. Die Voraussetzung eines guten Bildungsabschlusses kann Grundlage sein, das Leben eigenverantwortlich und mit mehr Möglichkeiten zu gestalten.

Die Bildungsexpansion in den 60em und 70ern forderte Chancengleichheit, damit jedes Kind, egal welcher Schicht es angehört, gleiche Chancen beim Zugang zur Bildung hat. Das Thema Bildung im Zusammenhang mit sozialer Herkunft geriet jedoch nach der Bildungsexpansion immer weiter aus dem Sichtfeld der Öffentlichkeit. Erst die Ergebnisse der PISA-Studien von 2001 haben das Thema Bildung wieder verstärkt in das öffentliche Interesse und die Politik gerückt. Durch die PISA-Studien wurde nicht nur deutlich, dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich stark zurückliegen, sondern auch, dass der Zusammenhang zwischen Leistungskompetenz und sozialer Herkunft immer noch stark vertreten ist. Dadurch kam die Debatte um soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit im Bildungssystem wieder auf.

Im Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes wird eine Vorgabe getroffen, niemand wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen zu benachteiligen oder zu bevorzugen1. Wie kommt es also dazu, dass trotz gesetzlich propagierter Chancengleichheit diese in Bezug auf die soziale Herkunft im Bildungssystem nicht besteht? Dass Kinder aus unteren Schichten weniger häufig eine Gymnasialempfehlung bekommen wie Kinder aus mittleren oder höheren Schichten?

Bildungslandschaften haben es sich zum Ziel gesetzt eine gut ausgebaute, konzeptionell aufeinander bezogene und verlässlich miteinander verknüpfte Bildungsstruktur zu schaffen. Dies soll die gesellschaftliche Teilhabe der Bürgerinnen eines Gemeinwesens fördern und zu mehr Chancengleichheit und Bildungsgleichheit beitragen. Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten sollen so angemessen gefördert und ihre Chancen auf dem späteren Arbeitsmarkt vergrößert werden.

Im Zuge dieser Arbeit soll überprüft werden inwiefern eine kommunale Bildungslandschaft in der Lage ist soziale Ungleichheit in Bezug auf Bildung zu verringern.

2. Begriffserklärungen

2.1 Bildung

In der heutigen Gesellschaft gewinnt Bildung als ״inkorporiertes kulturelles Kapital“2, wie es Bourdieus versteht, immer mehr an Bedeutung. Diese Form der Bildung zeichnet sich dadurch aus, dass sie persönlich durch Lernen erworben werden muss. Es muss also persönliche Lebenszeit und Arbeit investiert werden, um diese Form von kulturellem Kapital zu erwerben. Die Familie und damit einhergehenden Erziehung fällt auch unter diesen Begriff. Je nachdem kann das erworbene kulturelle Kapital aus der Familie Vor- oder Nachteile in der Schule bedeuten. Das inkorporierte Kapital wird zu einem Bestandteil der Person selbst, es wird zum Habitus und ist damit nicht mehr von der Person zu trennen, die es besitzt. Das bedeutet aber auch, dass man es nicht kurzfristig verschenken oder vererben kann und damit eine kurzfristige Weitergabe unmöglich wird.

Etwa ein Viertel der Lebenszeit wird heutzutage in Bildungseinrichtungen verbracht. Dies ist wichtig, da die modernen ״postindustrielle Gesellschaften“ mehr Wissen für die komplexen politischen, gesellschaftlichen und technischen Zusammenhänge erfordern. Bildung ist mittlerweile die wichtigste Grundlage für materiellen Wohlstand.

Bildung als solches wird definiert als ״Vermittlung von Werthaltungen, Einstellungen, Wissensbeständen und Fertigkeiten, die Menschen benötigen, um ihre sozialen Rollen als Erwachsene in einer Gesellschaft ausüben zu können.“3 Bildung kann also als selbstverantwortliches Kapital betrachtet werden, welches stark von der Umgebung abhängt, in der man aufwächst.

2.2 Bildungsungleichheit

Bildungsungleichheiten sind ein Strukturmerkmal moderner Gesellschaften. Ungleichheit in der Bildung kann durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst werden, wie beispielsweise den Bildungsort, durch soziale Barrieren oder schichtspezifische Sprachentwicklungen. Die Entfaltung der persönlichen Bildungsmöglichkeiten können dadurch positiv wie auch negativ beeinflusst werden.

Bildung ist heutzutage anders als früher, als unter anderem Stellung, Besitz und familiäre Herkunft über den sozialen Status Auskunft gab, der Wichtigste ständebildende Unterschied. Unterschiede der Bildung wirken sich nicht nur auf den eigenen Bildungsverlauf und den damit verbundenen Berufseinstieg aus, sondern setzten vor allem soziale Schranken.4

Innerhalb der Bildungsungleichheit kann unterschieden werden zwischen sozial bedingter Ungleichheit (z.B. erschwerter Zugang zu Bildungseinrichtungen zu Beginn der Bildungslaufbahn) und herkunftsbedingte Bildungsungleichheit (wenn der soziale Kontext des Elternhauses ausschlaggebend ist und nicht die von der sozialen Herkunft unabhängige Motivation und Leistungsfähigkeit). Dies kann sich nachhaltig auf die Übergänge zwischen den einzelnen Bildungsphasen auswirken.

2.3 Soziale Ungleichheit

Unter sozialer Ungleichheit versteht Stefan Hradil die unterschiedliche Verfügbarkeit von Ressourcen, die in einer Gesellschaft als wertvoll gelten. Die sozialen Lebensbedingungen werden günstiger, je mehr einzelne Menschen von diesen materiellen und immateriellen Gütern besitzen. Menschen, die über relativ viele wertvolle Güter verfügen, haben einen Vorteil, da sie dadurch besser gestellt sind und sich ein höheres Maß an Wohlbefinden und persönlicher Entfaltung sichern können.

Geschichtlich betrachtet, hat sich soziale Ungleichheit je nach Zeit und Gesellschaft in Betrachtung auf die einzelnen Personen stark gewandelt. In der vorindustriellen Gesellschaft war die gesellschaftliche Stellung eines Menschen stark von der familiären Herkunft abhängig. Durch die industrielle Gesellschaft (ab 1850) wurden materielle bzw. immaterielle Güter immer wichtiger. Das Geldkapital und der Besitz industrieller Produktionsstätten entschied über die Lebensbedingung der Menschen und nicht mehr, wie in der vorindustriellen Zeit, die Herkunft. Etwa ab 1950 in der nachindustriellen Zeit wurden zunehmend Bildung und Berufspositionen gesellschaftlich relevant und nicht nur das Kapital und Besitz entschied in Bezug auf Schlüsselpositionen. Heute wird soziale Ungleichheit durch Dimensionen wie (Aus-)Bildung, Qualifikation, Einkommen, Vermögen und Prestige bestimmt. Soziale Lage oder Schicht bezeichnet in dem Zusammenhang Gruppierungen von Menschen mit ähnlich hohen Status in einer oder mehrerer dieser Dimensionen.5

2.4 Chancengleichheit

״Chancengleichheit im Bildungswesen besteht dann, wenn alle unabhängig von leistungsfremden Merkmalen wie zum Beispiel von Bildung, Prestige und Geld der Eltern, von Geschlecht, Wohnort, Beziehungen, Religion, Hautfarbe, politische Einstellung, persönlicher Bekanntschaft oder Familienzugehörigkeit die gleiche Chance zur Leistungsentfaltung und Leistungsbestätigung eingeräumt wird.“6

Da Bildung die Voraussetzung für zukünftige Berufspositionen und Lebenschancen darstellt, ist dies nur dann für jeden Einzelnen legitimierbar, wenn Leistung objektiv bemessen wird, sodass jedes Mitglied der Gesellschaft gleiche Chancen im Erlangen von Bildung hat.

3. Kommunale Bildungslandschaften

״Lokale Bildungslandschaften“ sind

- langfristige,

- professionell gestaltete,

- auf gemeinsames, planvolles Handeln abzielende,

- kommunalpolitisch gewollte

- Netzwerke zum Thema Bildung, die -

- ausgehend von der Perspektive des lernenden Subjekts -

- formale Bildungsorte und informelle Lernwelten umfassen und

- sich auf einen definierten lokalen Raum beziehen.“7

[...]


1 Grundgesetz: http://www.bundestag.de/bundestag/aufgaben/rechtsgmndlagen/gmndgesetz/gg_01.html (Stand: 13.03.14)

2 vgl. Bourdieul992, 55f

3 Andorka (2001), s. 340

4 vgl. Max Weber 1922, 247-248

5 vgl. Hradil2001, s. 160-165

6 Hradil 1999, S.149

7 Dr. Anja Durdel und Peter Bleckmann: Lokale Bildungslandschaften. Perspektiven für Ganztagsschulen und Kommunen (2009)

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Details

Titel
Abbau von Bildungsungleichheit in Kommunalen Bildungslandschaften
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V452235
ISBN (eBook)
9783668849983
ISBN (Buch)
9783668849990
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abbau, bildungsungleichheit, kommunalen, bildungslandschaften
Arbeit zitieren
Nina Hamberger (Autor), 2018, Abbau von Bildungsungleichheit in Kommunalen Bildungslandschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452235

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