Mit dem italienischen Überfall auf das Kaiserreich Abessinien begann einer der blutigsten und folgenreichsten Konflikte in der von Massengewalt erschütterten Epoche der Weltkriege. Dieser Konflikt unterscheidet sich in mehreren Aspekten von früheren Kolonialkriegen. Zum Ersten lag hierbei, von außen betrachtet, ein Konflikt zwischen zwei souveränen Staaten vor. Dies war insofern besonders, als das viele Ziele der europäischen Landnahme zum betreffenden Zeitpunkt nicht staatlich organisiert waren, Äthiopien aber schon. Auch in puncto Dauer und Heftigkeit der Kampfhandlungen durch die aufgebotenen Massenheere und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen sowie den hohe Opferzahlen. In Anbetracht des Forschungsstandes kann gesagt werden, dass es einige Historiker gibt, die den Abessinienkrieg als Vernichtungskrieg oder Totalen Krieg ansehen, wie zum Beispiel Giulia Brogini Künzi, Aram Mattioli oder auch Asfa-Wossen Asserate. Eine entschiedene Gegenposition dazu stellt Nicola Labanca dar. Eine ausführliche Darstellung der betriebenen faschistischen Propaganda stellt dagegen Petra Toerhoeven vor. Der deutsche Militärhistoriker Stig Förster soll hingegen als Grundlage dieser Arbeit dienen, wenn es darum geht festzustellen, was einen Totalen Krieg ausmacht.
In Anbetracht der erheblichen Unterschiede zu vorherigen Kolonialkriegen, soll diese Arbeit den Versuch darstellen, die Frage zu klären, ob beim Abessinienkrieg schon eine andere Form von Krieg vorlag, vielleicht sogar, beruhend auf dem Konzept von Stig Förster, ein Totaler Krieg. Außerdem soll geklärt werden, warum es zu einer solchen Entgleisung der Gewalt kommen konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stig Försters Konzept eines Totalen Krieges
2.1 Die italienische Invasion Abessiniens – ein Totaler Krieg?
2.2 Die Asymmetrie – Ein Faktor für die Entgleisung des Abessinienkonflikts?
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage des Konzepts von Stig Förster, ob der italienische Abessinienkrieg (1935/36) als Totaler Krieg oder Vernichtungskrieg zu klassifizieren ist, und analysiert in diesem Kontext die Ursachen für die radikale Entgleisung der Kriegsgewalt.
- Analyse des "Totalen Krieges" nach Stig Förster
- Klassifizierung des Abessinienkrieges im Vergleich zu klassischen Kolonialkriegen
- Untersuchung der Eskalationsfaktoren (Technik, Taktik, Ideologie)
- Rolle des Giftgaseinsatzes und der faschistischen Propaganda
- Bedeutung der Asymmetrie im Konfliktverlauf
Auszug aus dem Buch
Die italienische Invasion Abessiniens – ein Totaler Krieg?
Diese Arbeit soll nun also, basierend auf Stig Försters Konzept eines Totalen Krieges, der Frage nachgehen, ob es sich beim Abessinienkrieg noch um einen verspäteten Kolonialkrieg oder doch um „den ersten neuzeitlichen Vernichtungskrieg auf kolonialem Boden“22 gehandelt hat. Denn laut Mattioli war dies kein „verspätetes Kolonialunternehmen“ sondern ein „mit ausgeklügelter Logistik, immensem Aufwand und modernster Technologie geführter Angriffs- und Eroberungskrieg, der das Tor zu neuen Dimensionen kriegerischer Gewalt aufstiess“23, welcher in einigen Bereichen schon die Zerstörungskraft des Zweiten Weltkriegs prophezeite. Im Zuge der Untersuchung der Richtigkeit von Mattiolis Aussage werden im Folgenden Försters vier Aspekte (siehe 2.) des Totalen Krieges auf den italienisch-äthiopischen Krieg von 1935/36 übertragen, um zu analysieren inwiefern sie auf diesen Konflikt zutreffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des italienischen Überfalls auf Abessinien ein und stellt die Forschungsfrage nach der Einordnung des Konflikts als Totaler Krieg im Gegensatz zu früheren Kolonialkriegen.
2. Stig Försters Konzept eines Totalen Krieges: In diesem Hauptteil wird das theoretische Modell des Totalen Krieges nach Stig Förster dargelegt, welches als analytischer Rahmen für die anschließende Untersuchung dient.
2.1 Die italienische Invasion Abessiniens – ein Totaler Krieg?: Dieses Kapitel überträgt die vier Grundelemente des Totalen Krieges auf den Abessinienkrieg, um zu prüfen, inwieweit italienische Kriegsziele, Methoden, Mobilisierung und Kontrolle dem Konzept entsprechen.
2.2 Die Asymmetrie – Ein Faktor für die Entgleisung des Abessinienkonflikts?: Hier wird untersucht, wie die technologische und militärische Diskrepanz zwischen der italienischen Armee und den äthiopischen Truppen die Entgleisung der Gewalt, insbesondere durch Giftgaseinsätze, kausal mitbestimmte.
3. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass der Abessinienkrieg ein Schlüsselereignis der Weltkriegsepoche darstellt, dessen Charakter als "unvollkommener Totaler Krieg" durch eine Mischung aus totalen Elementen und asymmetrischen Faktoren geprägt war.
Schlüsselwörter
Abessinienkrieg, Stig Förster, Totaler Krieg, Vernichtungskrieg, Italienischer Faschismus, Mussolini, Giftgaseinsatz, Asymmetrische Kriegführung, Kolonialismus, Massengewalt, Äthiopien, Kriegspropaganda, Haile Selassie, Militärgeschichte, Entgrenzung der Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den italienischen Angriffskrieg gegen Abessinien (1935/36) unter dem theoretischen Blickwinkel des "Totalen Krieges" nach Stig Förster.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Untersuchung militärischer Strategien, die Rolle des Giftgaseinsatzes, die Wirksamkeit faschistischer Propaganda sowie die logistischen und finanziellen Aspekte der italienischen Kriegsführung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob der Abessinienkrieg lediglich als verspäteter Kolonialkrieg oder als moderner Vernichtungskrieg bzw. Totaler Krieg einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse, indem er die Merkmale des "Totalen Krieges" nach Stig Förster auf die historischen Gegebenheiten des italienisch-äthiopischen Konflikts überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Konzept des Totalen Krieges und eine empirische Analyse der vier Försterschen Aspekte (Ziele, Methoden, Mobilisierung, Kontrolle) in Bezug auf den Abessinienkrieg sowie eine Diskussion der asymmetrischen Eskalationsfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Abessinienkrieg, Totaler Krieg, Vernichtungskrieg, Asymmetrische Kriegführung, Faschismus, Giftgas und Massengewalt.
Warum wird der Einsatz von Giftgas in der Arbeit so intensiv diskutiert?
Der systematische Giftgaseinsatz wird als zentrales Indiz für die Entgleisung der Kriegsgewalt und die Missachtung völkerrechtlicher Normen gewertet, was die Argumentation für einen "Totalen Krieg" maßgeblich stützt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Völkerbundes in diesem Konflikt?
Der Völkerbund wird als weitgehend wirkungslos beschrieben, da er weder den Rüstungswettlauf stoppen noch ein politisches Gleichgewicht herstellen konnte, was Italien wiederum Spielraum für sein aggressives Vorgehen ließ.
- Citar trabajo
- Julian Pilger (Autor), 2018, Stig Försters Modell eines Totalen Krieges und Italiens Besetzung von Abessinien 1935/36, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452265