Die Qual der Wahl bei der Entscheidungsfindung. Entscheidungstheoretische Konzepte und der Pfad des Erkenntnisgewinns

Entscheidungstheorien angewandt auf den Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege


Bachelorarbeit, 2016

32 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abstract Deutsch

Abstract English

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit und Fragestellung
1.3 Methodik
1.4 Gliederung der Arbeit

2 Begriffsdefinitionen Entscheidung
2.1 Entscheidung in der Soziologie
2.1.1 Die Soziologie
2.1.2 Begriffsdefinition in der Soziologie
2.2 Entscheidung in der Psychologie
2.2.1 Die Psychologie
2.2.2 Begriffsdefinition in der Psychologie
2.3 Entscheidung in der Philosophie
2.3.1 Die Philosophie
2.3.2 Begriffsdefinition in der Philosophie
2.4 Entscheidung in der Wirtschaftswissenschaft
2.4.1 Die Wirtschaftswissenschaft
2.4.2 Begriffsdefinition in der Wirtschaftswissenschaft

3 Arten der Entscheidungsfindung / Entscheidungstheoretische Ansätze
3.1 Normative / Präskriptive Entscheidungstheorie
3.2 Deskriptive Entscheidungstheorie
3.3 Defensive Entscheidung
3.4 Intuitive Entscheidung
3.5 Entscheidungen unter Sicherheit
3.6 Entscheidung unter Unsicherheit

4 Ergebnisdarstellung und Beantwortung der Forschungsfragen

5 Conclusio und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

Vorwort

Immer wieder in der täglichen Arbeit, in der Funktion des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege, muss der Verfasser der vorliegenden Arbeit Entscheidungen treffen. Zumeist müssen diese Entscheidungen, beispielsweise in Notfallsituationen, sehr schnell und präzise getroffen werden. Dies passierte meist unbewusst. Im Laufe des Studiums konnte in zahlreichen Lehrveranstaltungen der Horizont und somit auch die Wahrnehmung des Verfassers erweitert werden. Das Thema der Entscheidungsfindung und des Entscheidungsprozesses wurde für den Verfasser erst so wirklich interessant, als es an der Zeit war ein Thema für die Bachelorarbeit zu finden. Trotz stundenlangen Brainstormings und dem Zeichnen von Mindmaps gelang es dem Autor einfach nicht, sich für ein Thema zu entscheiden. In der Hoffnung auf eine inspirierende Eingabe beschloss dieser, einen seiner Lieblingsfilme A Beautiful Mind anzusehen. Die Handlung des Films beruht auf dem Leben von John Forbes Nash. Mister Nash war ein amerikanischer Mathematiker, der vor allem im Bereich der Spieltheorie arbeitete. Bekannt wurde er durch den besagten Film, in welchem er das sogenannte Nash-Gleichgewicht beschrieb. Inspiriert durch diesen Film in Kombination mit der eigenen Situation der Entscheidungsfindung, machte sich der Verfasser auf den Weg zu den ersten Gesprächen mit Herrn Professor Schulze. Aufgrund vorhergegangener Vorlesungen war für den Autor klar, dass genannter Professor die beste Wahl für dieses Thema sein würde. Nach den ersten Besprechungen formte sich in den Gedanken des Verfassers eine Vision für den Inhalt und das Thema der vorliegenden Arbeit.

Der Reiz dieses Themas liegt vor allem darin, dass alle Menschen damit in jedem Moment ihres Lebens konfrontiert sind. Nach den ersten Grobrecherchen zu diesem Thema kam dem Verfasser folgender, an die Aussage von Paul Watzlawick über Kommunikation angelehnte, Gedanke: Es ist nicht möglich, nicht zu entscheiden.

Auf den folgenden Seiten wird nun der Pfad des Erkenntnisgewinns durch den Verfasser dargelegt.

Abstract Deutsch

Entscheidungen zu treffen stellt eine Kernfunktion des Managements, ungeachtet der Branche, dar. Der Begriff der Entscheidung und der Prozess der Entscheidungsfindung werden von vielen Wissenschaften versucht zu definieren oder zu beschreiben. Die vorliegende Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über vorhandene Definitionen des Begriffs Entscheidung in den Wissenschaften zu bieten. Außerdem zeigt sie einen Überblick über beforschte Entscheidungstheorien auf. Folgende Forschungsfragen wurden in dieser Arbeit behandelt: Was ist eine Entscheidung, und was bedeutet dieser Begriff vor dem Hintergrund der subjektiven und der systemischen Perspektive? Wie ist der Begriff der Entscheidung in der Literatur definiert? Welche Arten der Entscheidungsfindung sind in der Literatur beschrieben?

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde eine systemische Literaturrecherche angewandt. Die Ergebnisse der Recherche wurden im Sinne einer hermeneutischen Herangehensweise vom Verfasser analysiert und zusammengefasst dargestellt. Als Ergebnis brachte diese Arbeit hervor, dass der Begriff der Entscheidung in den Wissenschaften nicht hinreichend und ausgiebig beschrieben und definiert ist. Je nach Ausrichtung der Wissenschaft wird der Begriff mit anderen Begriffen, wie zum Beispiel Verstand oder Moral, in Verbindung gebracht. Eine genaue Beschreibung oder Klarifikation des Begriffs wäre als Grundlage für weitere Forschungen notwendig. Vor allem die Bedeutung der Entscheidungskonzepte im Kontext der Pflege bedarf weiteren und vertiefenden Untersuchungen.

Schlüsselwörter: Entscheidung, Entscheidungstheorie, Entscheidungsfindung

Abstract English

Irrespective of the industrial sector decision making is one oft he core elements of modern management. The term itself as well as the process of decision making has been manifoldly defined throughout various scientific disciplines.

This thesis aims to illuminate several definitions of the term and shall provide the reader with a thorough overview. Moreover it will give a summary oft he most relevant decision making theories.

This thesis is motivated by three research questions:

1. How is the term defined in literature?
2. What does the term actually stand for especially in the context of a subjective and systemic perspecitve?
3. What models of decision making does the literature describe?

In order to answer these questions a literature research was done. The results of this research were hermeneutically analyzed and summarized. The findings from this reseach illustrate that even though the term is frequently used, decision making has not yet been sufficiently described an defined. Depending on the focus of the respectice scientific discipline, the term is often associated with other terms such as reason or moral. Hence an exact definition of the term is inevitable in order to serve as basis for further reserach.

Particulary in the field of medical care the importance of decision making models requires deepend examination.

Key terms: decision, decision making, decision theory, decision making model

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Tag täglich werden von Menschen Entscheidungen getroffen. Sowohl im privaten, als auch im beruflichen Umfeld. Der deutsche Hirnforscher Ernst Pöppel (2008, S.19) beschreibt, dass dies rund 20.000-mal pro Tag, teils unbewusst, passiert. Ergänzend dazu hat John-Dylan Haynes im Jahre 2008 (S. 543 – 545), am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, mittels Computertomographie nachgewiesen, dass das Gehirn bereits 10 Sekunden vor der bewusst erlebten Entscheidung aktiv wird.

Auch im Bereich des Managements finden Entscheidungen einen großen Stellenwert. In den folgenden Quellen wird der Begriff Management als Funktion bzw. Aufgabe einer Führungsposition in einem Unternehmen verstanden. Amstutz und Zängl (2015, S. 169) zeigen auf, dass Managerinnen so wie Manager oft als Entscheiderinnen bzw. Entscheider gesehen werden. Umgangssprachlich werde der Terminus etwas managen und etwas entscheiden oftmals synonym verwendet. Des Weiteren besagen sie, dass das Entscheiden bzw. Entscheidungen selbst, ein wichtiges Thema für Organisationen ungeachtet deren Branche sei. (Amstutz & Zängl, 2015, S. 169). Wie häufig diese synonyme Verwendung der Begrifflichkeiten geschieht wird von den Autoren nicht angegeben. Es finden sich auch keine weiteren Details, wie häufig Managerinnen beziehungsweise Manager als Entscheiderinnen oder Entscheider gesehen werden. Diese Beschreibungen lassen sich unter anderem auch in der Definition von Duden wiederfinden (Duden, 2016). Dass das Treffen von Entscheidungen eine Aufgabe im Bereich des Managements ist wurde unter anderem von Wöhe (2010, S. 99) beschrieben. Diese Beschreibung findet sich auch im Wirtschaftslexikon wieder. Hier wird die Entscheidung dem Bereich der Planung zugeordnet (Gabler, 2016).

So kann nun zusammengefasst werden, dass Entscheidungen stete Begleiter der Menschen sind. Ungeachtet des Settings, trifft der Mensch seine Entscheidungen, bis zu 10 Sekunden bevor diese Entscheidung bewusst erlebt wird. Im beruflichen Kontext finden die Entscheidungen, vor allem im Bereich des Managements, einen hohen Stellenwert.

Im folgenden Punkt wird nun die Problemstellung beschrieben, mit der sich die vorliegende Arbeit befasst.

1.1 Problemstellung

Wie einleitend beschrieben ist es ein Kernelement der Funktion des Managements Entscheidungen zu treffen (Amstutz & Zängl, 2015, S. 169). Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann geht noch einen Schritt weiter, indem er sagt, dass es Entscheidungen und deren Kommunikation sind, die eine Organisation zu einer Organisation machen. (Luhmann, 2000, S. 9) Die Anzahl von Wegen oder Möglichkeiten, wie die jeweilige Entscheiderin beziehungsweise der jeweilige Entscheider zu einer für sie oder ihn guten Entscheidung kommt, ist nicht festmachbar. Dennoch gibt es sogar Literatur, die sich zuschreibt, den Weg zu einer optimalen Entscheidung aufzeigen zu können. Wird der Begriff des Entscheidungsbaumes in der Suchmaschine Google eingegeben, so liefert dies 62.900 Ergebnisse (Google, #Entscheidungsbaum). Eine Abfrage desselben Begriffs bei Google Scholar liefert 7330 Ergebnisse (Google Scholar, #Entscheidungsbaum). Dies zeigt auf, wie häufig dieser Begriff beziehungsweise diese Thematik allein im deutschsprachigen Raum bereits von Autorinnen beziehungswiese Autoren sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verwendet und bearbeitet wurde.

Aufgrund dieser Überlegungen und Erfahrungen durch die Grobrecherche, gelangte der Verfasser der vorliegenden Arbeit zu untenstehenden Fragestellungen.

1.2 Ziel der Arbeit und Fragestellung

Ziel der Arbeit ist es, im Sinne des hermeneutischen Zirkels das Verständnis des Autors im Themenbereich der Entscheidungsprozesse zu verbessern, um in weiterer Folge die Bachelorarbeit II auf die gesammelten Erkenntnisse aufbauen zu können. Darüber hinaus ist es Ziel, Entscheidungen im Bereich des Pflegemanagements analysieren und rekonstruieren zu können. Es ist jedoch nicht Ziel der Arbeit, einen Pfad zur optimalen Entscheidung zu kreieren.

Folgende Fragestellungen sollen somit im Zuge der Arbeit beantwortet werden:

- Was ist eine Entscheidung, und was bedeutet dieser Begriff vor dem Hintergrund der subjektiven und der systemischen Perspektive?
- Wie ist der Begriff der Entscheidung in der Literatur definiert?
- Welche Arten der Entscheidungsfindung sind in der Literatur beschrieben?

1.3 Methodik

Zur Beantwortung der Fragestellungen wird ein literaturbasierter, deskriptiver Zugang gewählt. Im Sinne des hermeneutischen Zugangs soll durch eine systematische Analyse neues Wissen mit schon bestehendem Wissen einer Synthese zugeführt werden. Um die hermeneutische Distanz zu schmälern und das Verständnis im entsprechenden Themengebiet zu erweitern wird der hermeneutische Zirkel herangezogen. Es gilt, basierend auf einer Vorannahme, gewählte Texte auszulegen um dadurch eine Erweiterung des Erkenntnisstandes herbeizuführen. In diesem Sinne erfolgt eine Annäherung des persönlichen Wissensstandes an den Erkenntnisstand des jeweiligen Autors beziehungsweise der jeweiligen Autorin. Die daraus gewonnene Erkenntnis führt zu einem vertieften Vorverständnis. (Gadamer, 2010, S.272-276) Der von Gadamer beschriebene hermeneutische Zirkel sieht kein Ende vor. Gewonnene Erkenntnis führt zu weiteren Vorannahmen welche mittels auslegen von Texten wieder in ein Vorverständnis münden.

Für die Durchführung einer strukturierten Literaturrecherche wurden aus den Fragestellungen Suchbegriffe formuliert, welche wiederum mit Synonymen in deutscher und englischer Sprache verknüpft wurden. Die Suche erfolgte per Datenbanken (Pubmed, Cinhal, EBSCOhost und Google Scholar) sowie einer Handsuche in der Bibliothek der Donauuniversität Krems. Um die Fragestellung, und hier vor allem die Definition, erschöpfend beantworten zu können, wurden Artikel und Bücher aus dem deutschen sowie dem englischen Sprachraum verwendet. Nach ersten Suchabfragen in den Datenbanken wurden die Suchergebnisse mittels Verwendung von Operatoren (AND, NOT, OR) sowie Trunkierungen auf ein überschaubares Maß eingeschränkt. In einem weiteren Schritt wurden die Artikel und Arbeiten nach Titel und Abstract auf deren Relevanz zur Beantwortung hin bewertet und weitere Quellen ausgeschlossen. Teilweise wurde weitere Literatur durch Anwendung des Schneeballprinzips ergänzt. Hierfür wurden die Literaturangaben in Büchern und wissenschaftlichen Artikeln zum Auffinden der Primärquellen genutzt. Die Literaturrecherche für die vorliegende Arbeit fand von Oktober 2015 bis März 2016 statt.

Im folgenden Punkt wird die Gliederung der vorliegenden Arbeit nähergebracht.

1.4 Gliederung der Arbeit

Im Kapitel eins der vorliegenden Arbeit finden sich Problemstellung, Zielsetzung sowie Forschungsfragen und Methodik. Im zweiten Kapitel erfolgt die Definition der, für den Verfasser, wesentlichen Begriffen für das bearbeitete Thema. Dies soll als Grundlage für das Kapitel drei dienen. Dort zeigt der Autor die unterschiedlichen, aus der Literatur herausgearbeiteten, Ansätze der Entscheidungstheorie auf. Im Kapitel vier findet sich eine zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse, welche die Beantwortung der Fragestellungen bildet. Im fünften und letzten Kapitel beschreibt der Verfasser in Form einer Conclusio den Erfahrungsgewinn sowie einen Ausblick auf die geplante Bachelorarbeit zwei.

2 Begriffsdefinitionen Entscheidung

Im folgenden Kapitel soll versucht werden, den Begriff der Entscheidung aus Sicht der unterschiedlichen Wissenschaften zu definieren. Hierfür hat der Autor die Wissenschaften der Soziologie, der Psychologie, der Wirtschaftswissenschaften sowie den Bereich der Philosophie ausgewählt. Doch zuerst sollte auch der Begriff der Definition beschrieben werden. Im Bereich der Methodologie und Definitionslehre gibt es dazu unterschiedlichste Ansätze. Walter Dubislav (1931, S. 2) beschreibt den Begriff Definition anhand von vier Lehren von der Definition. Dabei unterscheidet er zwischen der Sacherklärung, der Begriffsbestimmung, der Feststellung der Bedeutung eines Zeichens, sowie der Festlegung der Bedeutung eines neuen Zeichens. (Dubislav, 1931, S. 2)

Die folgenden Unterkapitel sind somit angelehnt an die Lehre der Sacherklärung sowie der Begriffsbestimmung. Und soll am Ende eine Definition des Begriffs der Entscheidung in den jeweiligen Fachgebieten ermöglichen.

2.1 Entscheidung in der Soziologie

In diesem Punkt versucht der Verfasser den Begriff der Entscheidung aus soziologischer Sicht heraus zu definieren. Dazu erfolgt zuerst eine Definition worum es sich bei der Soziologie handelt.

2.1.1 Die Soziologie

Max Weber (1980, S. 1) definiert den Begriff der Soziologie als eine Wissenschaft, die das soziale Handeln verstehen und Auswirkungen daraus ursächlich erklären will. Der Begriff des sozialen Handelns ist hierbei als menschliches Verhalten definiert, welches in seinem Ablauf auf das Verhalten anderer orientiert ist. (Max Weber, 1980, S. 1) Es geht also um das Verstehen und Erklären menschlichen Handelns in einem sozialen Gefüge. Aus diesem Verständnis heraus, welches sehr handlungsgeleitet ist, resultiert auch die Definition des Begriffs der Entscheidung.

2.1.2 Begriffsdefinition in der Soziologie

Dass die Definition des Begriffs der Entscheidung ein Problem darstellt, zeigt Niklas Luhmann (2000, S. 123) auf. „Fragt man die Literatur, die sich mit Entscheidungen befasst, so findet man bestenfalls die Auskunft es handele sich um eine Wahl (choice).“ (Luhmann, 2000, S. 123)

In den Werken von Luhmann werden Entscheidungen als soziale Ereignisse verstanden und nicht als bewusstseinsinterne Festlegungen. Luhmann (1984, S. 400) definiert dies folgendermaßen: „Von Entscheidungen soll immer dann gesprochen werden, wenn und soweit die Sinngebung einer Handlung auf eine an sie selbst gerichtete Erwartung reagiert.“

So ist also zuerst eine Erwartung an eine Handlung oder ein Verhalten erforderlich, um über eine Handlung oder ein Verhalten entscheiden zu können. Im Zuge seiner Ausführungen, angelehnt an die Systemtheorie, beschreibt Luhmann (2000, S. 46) dass Handlungen einen Überschuss an Möglichkeiten produzieren. Aus diesem Überschuss heraus kann im nächsten Schritt etwas Passendes ausgewählt werden. Typischerweise, so Luhmann, werden Entscheidungen rückblickend getroffen.

Dies bedeutet also, dass eine Entscheidung erst dann zustande kommen kann, wenn an ein Verhalten bzw. an eine Handlung Erwartungen gestellt werden. Diese Erwartungen wiederum sorgen für eine Vielzahl an Möglichkeiten wie entschieden werden kann. Dass die gesetzte Handlung eine Entscheidung war, wird nach Luhmann, der Entscheiderin bzw. dem Entscheider oft erst retrospektiv bewusst.

Doch nicht nur im Bereich der Soziologie finden sich spannende Ansätze um den Begriff zu definieren. Eine weitere Wissenschaft, welche sich mit menschlichem Verhalten auseinandersetzt ist die Psychologie.

2.2 Entscheidung in der Psychologie

Im folgenden Kapitel versucht der Verfasser den Begriff der Entscheidung im Rahmen der Psychologie zu definieren. Dazu wird zuerst eine geeignete Definition der Wissenschaft Psychologie formuliert, um darauf aufbauend den Begriff Entscheidung einer Definition zuzuführen.

2.2.1 Die Psychologie

Eine tiefergehende Recherche über den Begriff der Psychologie und dessen Bedeutung wirft nahe zu mehr Fragen auf als es Antworten bringt. Wilhelm Wundt (1896, S. 9-66) beispielsweise sagt über den Versuch der Definition des Begriffs, dass diese eine umfassende Kenntnis des zu definierenden Gegenstandes voraussetzt. Und eine Abgrenzung der einzelnen Wissenschaftsgebiete aufgrund deren Entstehung aus praktischen Motiven heraus, manchmal unmöglich ist. (Wundt, 1896, S. 9-66) Diese Darstellung deckt sich mit der Erkenntnis der Literaturrecherche des Verfassers. Die Psychologie dient als Grundlage für sämtliche Geisteswissenschaften und kann nicht allgemein und einfach definiert werden. Lang gehe es nicht mehr um eine reine Seelenwissenschaft oder der Wissenschaft der inneren Erfahrung. (Wundt, 1897, S. 1-4). Um zu einer Definition für die vorliegende Arbeit zu kommen, bedient sich der Verfasser dem Online-Wörterbuch Duden. Hier wird der Begriff definiert als „1. Wissenschaft von den bewussten und unbewussten psychischen Vorgängen, vom Erleben und Verhalten des Menschen; 2. Verständnis für, Eingehen auf die menschliche Psyche; 3. Psychische Verhaltensweise“. (Duden.de, #Psychologie)

Für die vorliegende Arbeit ist vor allem der Hinweis auf das Erleben und Verhalten von Menschen relevant.

2.2.2 Begriffsdefinition in der Psychologie

So vielseitig die Psychologie selbst ist, so vielseitig sind auch deren Zugänge zum Begriff der Entscheidung. Die Lernforschung bzw. Lernpsychologie beschäftigt sich z.B. mit der Wahl einer Ratte um den Weg durch ein Labyrinth zu finden (Davis, Staddon, Machado, & Palmer, 1993, S.320-341). Einen anderen Ansatz findet hier die Motivationspsychologie, welche vor allem die Motive, die einer Entscheidung zu Grunde liegen, beforscht. (Heckhausen, 1989, S.1ff) Eine allgemeine Definition zu dem Begriff der Entscheidung liefert Betsch. Er beschreibt die Entscheidung als einen „[…] Prozess des Wählens zwischen mindestens zwei Optionen, mit dem Ziel, erwünschte Konsequenzen zu erreichen und unerwünschte Konsequenzen zu vermeiden.“ (Betsch, 2011, S. 68)

Hier wird also der Begriff der Entscheidung als ein zielgerichteter Prozess beschrieben, der als Ergebnis einen Entschluss hervorbringt eine gewisse Handlung oder ein gewisses Verhalten vorzunehmen. Abgegrenzt wird dieser Begriff von den Begriffen Urteilen sowie Konflikt.

Einen weiteren Einfluss in die Definition bzw. Diskussion des Begriffs der Entscheidung stellt die Philosophie dar.

2.3 Entscheidung in der Philosophie

In den nun folgenden Zeilen versucht der Verfasser abzubilden, in welchem Ausmaß die Philosophie den Begriff der Entscheidung diskutiert. Dazu wird zuerst versucht die Philosophie selbst zu beschreiben um danach den Begriff der Entscheidung in diesem Kontext zu diskutieren.

2.3.1 Die Philosophie

In der Literatur finden sich Hinweise, dass der Begriff Philosophie bzw. philosophieren das erste Mal bei Herodot, einem griechischen Historiker auftaucht. Hier wurde der Begriff zur Beschreibung des Wissensdurstes von Solon, einem athenischen Staatsmann beschrieben (Duthel, 2013, S. 311 ).

Der Begriff der Philosophie stammt aus dem Griechischen (philos = Freund; Sophia = griechische Göttin der Weisheit) und bedeutet so viel wie Freunde der Weisheit. Der Begriff selbst wird beschrieben als „Streben nach Erkenntnis über den Sinn des Lebens, das Wesen der Welt und die Stellung des Menschen in der Welt[…] “ sowie eine „[…] persönliche Art und Weise, das Leben und die Dinge zu betrachten“.(Duden, #Philosophie).

Eine ähnliche Beschreibung für den Begriff findet sich bei Windelband (1915, S. 1ff). Dieser weist auch darauf hin, dass die Definition des Begriffes selbst davon abhängig ist, wer diesen zu definieren versucht und in welchem wissenschaftlichen Kontext diese Person tätig ist. Es sei lediglich möglich allgemein zu sagen, dass die Philosophie „[…] die wissenschaftliche Behandlung der allgemeinen Fragen von Welterkenntnis und Lebensansicht.“ sei. (Windelband, 1915, S. 1)

Somit kann gesagt werden, dass die Philosophie das Leben selbst und die Dinge darin betrachtet und diese wiederum versucht in Form von Fragestellungen zu diskutieren. Dabei wird das Ziel verfolgt, sowohl die Dinge um das fragende Subjekt herum als auch das fragende Subjekt selbst erkennen, verstehen und erklären zu können. Dieser Grundsatz findet sich auch in der von Gadamer beschriebenen Hermeneutik wieder. (Gadamer, 2010, S.272-273)

Wie ist nun der Begriff der Entscheidung im Bereich der Philosophie beschrieben?

2.3.2 Begriffsdefinition in der Philosophie

Aufgrund der bisherigen Ergebnisse der Recherche, sollte nach Auffassung des Verfassers, nicht die Rede von Definition des Begriffs sein, sondern vielmehr von Verständnis oder Beschreibung des Begriffs. Die Frage ist somit nicht: Wie definiert Philosophie den Begriff? Sondern: Was versteht die Philosophie unter dem Begriff?

Eine konkrete Beschreibung für den Begriff konnte im Zuge der Recherche nicht gefunden werden. Obwohl der Begriff häufig in den Schriften und Werken verwendet wird, wird dieser selbst nicht direkt beschrieben. Olayiwola-Olosun (2003, S. 23) beschreibt dass „Das entscheidende Bindeglied zwischen einem Wunsch und dessen Realisierung die Entscheidung für eine Handlung“ ist. Hier findet sich also eine Verbindung des Begriffs der Entscheidung mit einem Handlungsansatz. Eng gekoppelt wird der Begriff in diesem Werk auch mit den Begriffen der Vernunft, der Moral sowie der Verantwortung. Dieser Handlungsansatz zur Begriffsbeschreibung findet sich auch bei Fries (2015, S. 20) in folgender Beschreibung: „Die Entscheidung wird durch Tun getragen. Hört man auf zu tun, verwelkt die Entscheidung.“ Einen weiteren Ansatz liefert ein Artikel von Beckermann (2005), welcher den Begriff der Entscheidung mit der Frage nach dem freien Willen zusammenbringt und sich dabei auf John Locke beruft. John Locke (1981, S. 390) beschreibt, dass Wille und Verstand zwei Kräfte sind die wirken. Erst die Ausübung dieser Kraft in dem eine Handlung gesetzt oder eben unterlassen werde sei das was als Wollen oder Begehren bezeichnet werden könne. (John Locke, 1981, S. 390 – 391)

So kann nach Zusammenschau der angeführten Werke gesagt werden, dass auch im Bereich der Philosophie keine eindeutige Begriffsklärung zu finden ist. Jedoch geht die Philosophie fast noch einen Schritt zurück und versucht zu klären, ob der Mensch in der Situation der Entscheidung überhaupt eine freie Wahl oder Entscheidungsmöglichkeit hat.

Der Begriff der Entscheidung findet sich jedoch auch noch in einer weiteren Wissenschaft. Hierbei handelt es sich um die Wirtschaftswissenschaften.

2.4 Entscheidung in der Wirtschaftswissenschaft

Ergänzend zu den vorgegangenen Wissenschaftsbereichen möchte der Verfasser auch die Wirtschaftswissenschaften in die Arbeit miteinbeziehen, um einen breiteren Blick auf den Begriff und die Bedeutung der Entscheidung zu bekommen. Dazu wird zuerst versucht die Wissenschaft selbst auf deren Gegenstand hin zu beschreiben um danach im Bereich dieser Wissenschaft nach Definitionen zu suchen.

2.4.1 Die Wirtschaftswissenschaft

Die Wirtschaftswissenschaft, so wie sie heute bekannt ist und gelehrt wird, ist noch eine relativ junge Wissenschaft. Im Mittalalter sowie im Altertum war die wirtschaftliche Meinung sehr stark von philosophischen sowie theologischen Strömungen beeinflusst. Laut Definition ist der „Gegenstand der Wirtschaftswissenschaft die Erforschung von Gesetzmäßigkeiten in der Wirtschaft.“ (Albach, o.S. 2016). Thielscher (2014, S. 5) grenzt die Definition noch etwas mehr ein und bringt vor allem die „finanzielle Bewertung von Gegenständen und Prozessen und damit verbundenen Optimierungsproblemen“ in den Vordergrund. Seiner Beschreibung nach würde dies die Wirtschaftswissenschaft am besten von anderen bestehenden Wissenschaften abgrenzen. Der Begriff der Wirtschaft wird als „rationaler Umgang mit knappen Gütern“ definiert (Albach, 2016).

In beiden Beschreibungen und Definitionen können Ansätze der Entscheidung gefunden werden. Vor allem wenn es um die Verteilung von knappen Gütern geht, müssen Entscheidungen getroffen werden. Wie die Wirtschaftswissenschaft daher den Begriff der Entscheidung definiert, versucht der Verfasser im folgenden Punkt darzulegen.

2.4.2 Begriffsdefinition in der Wirtschaftswissenschaft

In der Literatur zur Wirtschaftswissenschaft findet sich immer wiederkehrend der Begriff des Homo oeconomicus. Das Bild des Homo oeconomicus transportiert die Vorstellung, dass der Mensch grundsätzlich rational und zweckmäßig handelt. Dazu habe der Mensch auch ausreichende Kenntnis über seine Ziele, seine Bedürfnisse sowie den Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung. Der Mensch wählt dann jene Alternative, welche den höchsten Nutzen mit sich bringt. Diese Ansicht wird jedoch wieder teilweise verworfen, da kaum ein Mensch vollständige Kenntnis über alle genannten Faktoren besitzen kann. Es bleibt jedoch die Ansicht, dass Menschen grundsätzlich rational Entscheiden. Dies erfolge aufgrund von Informationssuche und darauf begründeter, nachvollziehbarer und stimmiger Entscheidung. (Rau, 2004, S. 1-2) Eine ähnliche Definition findet sich im Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft. Hier beschriebt Mag (1981) dass Entscheiden bedeutet, aus einer bestimmten Menge von bestehenden Alternativen eine Option auszuwählen. Eine optimale Entscheidung liegt dann vor, wenn die gewählte Alternative den höchsten Zielerreichungsgrad vorweist. Eine wichtige Rolle spielen hier auch die zur Verfügung stehenden Informationen. Informations- und Entscheidungsprobleme gehören zusammen und müssen demnach auch zusammen gelöst werden. Dabei verhält sich der Informationsgehalt so, dass eine anstehende Entscheidung zur Informationsquelle wird (der Entscheider versucht Informationen als Unterstützung zur Entscheidungsfinden zu bekommen), eine getroffene Entscheidung wird zur so genannten Informationssenke. (Mag, 1981, S. 478-479)

3 Arten der Entscheidungsfindung / Entscheidungstheoretische Ansätze

In diesem Kapitel versucht der Verfasser einige der Ansätze aus dem Bereich der Entscheidungstheorien aufzuzeigen. Dabei wird versucht, angelehnt an Luhmann, die Komplexität der Thematik zu reduzieren, in dem eine Selektion durch den Verfasser vorgenommen wird (Luhmann, 1987, S. 6).

Der Bereich der Entscheidungstheorie beschäftigt sich mit dem Verhalten von Menschen. Anders als die restlichen Disziplinen beschäftigt sie sich vor allem mit den Begriffen wie Präferenzrelationen und Wahrscheinlichkeits- bzw. Nutzenfunktionen. Also jenen Begriffen, die menschliches Verhalten zu erfassen versuchen. Nicht immer kann davon ausgegangen werden, dass die handelnde Person wirklich eine Entscheidung hatte. Dies kann etwa bei Gewohnheitshandlungen als auch bei Handlungen welche unter massivem Druck gesetzt werden der Fall sein. Daher verleitet die Bezeichnung als Entscheidungstheorie oft dazu, falsche Assoziationen zu wecken. (Spohn, 1978, S. 1). Auch Wessler (2012, S. 1-2) beschreibt, dass es für die Entscheidungstheorie selbst keine einheitliche Definition gibt und auch nicht geben kann. Die Entscheidungstheorie entwickelt sich ständig weiter. Er fasst jedoch drei wesentliche Elemente zusammen:

- Entscheidungen setzen mindestens zwei Auswahlmöglichkeiten voraus. Dies ist auch dann erfüllt wenn Option A das Setzen einer Handlung und Option B das Unterlassen selbiger ist.
- Es ist eine mehr oder weniger vertiefende Kenntnis über die so genannten äußeren Umstände erforderlich.
- Das Ergebnis einer Entscheidung sollte mit einem messbaren Nutzen nachweisbar und bewertbar sein.

(Wessler, 2012, S. 1-2)

3.1 Normative / Präskriptive Entscheidungstheorie

In der Literatur finden sich unterschiedliche Bezeichnungen und Ansätze. Vermehrt wird jedoch nicht zwischen normativer und präskriptiver Entscheidungstheorie unterschieden.

Ziel der normativen bzw. präskriptiven Entscheidungstheorie ist es nicht Entscheidungsprozesse darzustellen, sondern vielmehr eine Hilfestellung anzubieten um zu einer rationalen Entscheidung zu kommen. Sie will also Antworten liefern auf die Frage wie ein Mensch in der jeweiligen Entscheidungssituation entscheiden soll. (Gillenkirch, Laux, & Schenk-Mathes, 2012, S. 3-4).

[...]


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Details

Titel
Die Qual der Wahl bei der Entscheidungsfindung. Entscheidungstheoretische Konzepte und der Pfad des Erkenntnisgewinns
Untertitel
Entscheidungstheorien angewandt auf den Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege
Hochschule
FH Krems
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
32
Katalognummer
V452336
ISBN (eBook)
9783668859494
ISBN (Buch)
9783668859500
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entscheidungsmanagement, Entscheidungstheorie, Pflegemanagement, ANP, Advanced Nursing Practise, Management im Gesundheitswesen, Gesundheitswesen, Pflege, Spieltheorie, Nursingmanagement
Arbeit zitieren
Oliver Kral (Autor), 2016, Die Qual der Wahl bei der Entscheidungsfindung. Entscheidungstheoretische Konzepte und der Pfad des Erkenntnisgewinns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452336

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