Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte des Fremdsprachenunterrichts in Deutschland seit dem Mittelalter. Zu Beginn soll die institutionelle Entstehung des Fremdsprachenunterrichts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 geschildert werden. Ich möchte eingangs festhalten, dass der Zeitraum von 1933-1945 unter der Herrschaft der Nationalsozialisten kaum bis keinerlei Erwähnung in der Abhandlung finden wird, weil darüber eine eigenständige Arbeit geschrieben werden könnte. Die Darstellung des geschichtlichen Verlaufs bezieht sich auf die Einführung der jeweiligen Fremdsprachen zu einem bestimmten Zeitpunkt unter gleichzeitiger Beachtung der gesellschafts-politischen Umstände. Des Weiteren richtet sich parallel dazu der Blick auf die Ausbildung zum Fremdsprachenlehrer.
Einen Teil des zweiten Kapitels widme ich der Beschreibung des fremdsprachlichen Unterrichts nach 1945, wobei die Besatzungszonen sowie später die BRD und DDR einzeln behandelt werden.
Im letzten Kapitel gehe ich noch mal speziell auf die Geschichte der beiden Unterrichtsfächer Französisch und Russisch an deutschen Schulen ein. Es ist interessant an dieser Stelle bereits einfließen zu lassen, dass Französisch im Mittelalter eine vorrangige Position in der Fremdsprachenfolge einnahm und als Modesprache galt, während das Russische in der ehemaligen DDR ebenfalls erste Fremdsprache war, die jedoch aus politischen Gründen in den Schulunterricht aufgenommen werden musste und zu ideologischen Zwecken missbraucht wurde. Unter diesem Gesichtspunkt kann man nachvollziehen, dass Russisch sich nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Osten nicht etablieren konnte. Es bleibt zu überlegen, warum Französisch seine Stellung als erste Fremdsprache nicht weiter behaupten konnte, oder warum es innerhalb einer Gesellschaft, die sich immer mehr gegenüber ihren europäischen Nachbarländern öffnet, in fortwährender Konkurrenz zum Lateinischen steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Überblick über die Entstehung des schulischen Fremdsprachenunterrichts unter Berücksichtigung der besonderen Situation des geteilten Deutschlands
2.1. Die institutionelle Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts bis 1945
2.2. Neue Perspektiven des Fremdsprachenunterrichts nach 1945
2.2.1. Der Fremdsprachenunterricht in den Jahren der Besatzung
2.2.2. Die Organisation des Fremdsprachenunterrichts auf bundesrepublikanischem Gebiet
2.2.3. Einblicke in den Fremdsprachenunterricht in der DDR
3. Die Geschichte der Unterrichtsfächer Französisch und Russisch in Deutschland
3.1. Der Französischunterricht
3.2. Der Russischunterricht
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des schulischen Fremdsprachenunterrichts in Deutschland vom Mittelalter bis zur Nachwendezeit. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der institutionellen Entwicklung, den politischen Rahmenbedingungen des geteilten Deutschlands sowie der spezifischen Geschichte der Unterrichtsfächer Französisch und Russisch.
- Institutionelle Genese des Fremdsprachenunterrichts in Deutschland
- Einfluss politischer und gesellschaftlicher Faktoren auf die Sprachenwahl
- Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts in der BRD und der DDR
- Historische Rolle und Wandel des Französisch- und Russischunterrichts
- Entwicklung der Ausbildung von Fremdsprachenlehrern
Auszug aus dem Buch
2.1. Die institutionelle Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts bis 1945
Der schulische Fremdsprachenunterricht beginnt im Mittelalter mit der systematischen Einführung des Lateinischen. Im Jahre 793 beauftragt Karl der Große Alkuin aus York, den gesamten Klerus mit der Gründung von Schulen. Damit wird bereits festgelegt, dass zwei wichtige kirchliche Institutionen als Lehranstalten fungieren sollen: Bistümer und Klöster. Nach dem Untergang des Römischen Reiches und der damit einhergehenden Auflösung der staatlichen und städtischen Ordnung scheint lediglich die Kirche tauglich für den Neuaufbau eines Bildungswesens. Latein hat in den kirchlichen Schulen den Status des mündlichen sowie schriftlichen Kommunikationsmittels, das den Schülern mit Lehr- und Lesebüchern, Gespräch- und Grammatikbüchern vermittelt wird, erreicht.
Dennoch lässt sich keine Aussage über den didaktischen Wert der Bücher sowie die unterrichtliche Vorgehensweise mit ihnen treffen. Diese Entwicklung setzt sich bis in die spätmittelalterlichen, staatlich geführten Stadtschulen und der Kirche zugehörigen Universitäten, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zur wissenschaftlichen Bildung des Klerus eingerichtet werden, fort. Latein avanciert zur internationalen Bildungssprache und lingua franca, während für das Griechische als Bestandteil der spätantiken Bildungstradition kein praktischer Anwendungsbedarf mehr vorliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts in Deutschland, wobei die Zeit des Nationalsozialismus explizit ausgeklammert wird.
2. Historischer Überblick über die Entstehung des schulischen Fremdsprachenunterrichts unter Berücksichtigung der besonderen Situation des geteilten Deutschlands: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung von der Bedeutung des Lateinischen im Mittelalter bis zu den unterschiedlichen Systemen des Fremdsprachenunterrichts in BRD und DDR nach 1945 nach.
3. Die Geschichte der Unterrichtsfächer Französisch und Russisch in Deutschland: Hier wird detailliert auf die Etablierung, Bedeutung und den Wandel des Französisch- und Russischunterrichts sowie die Ausbildung der entsprechenden Lehrkräfte eingegangen.
4. Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die Folgen der politischen Wende von 1989 für den Fremdsprachenunterricht und stellt die heutige Herausforderung eines Spannungsfeldes zwischen modernen und altsprachlichen Unterrichtsfächern dar.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenunterricht, Deutschland, Geschichte, Französischunterricht, Russischunterricht, Latein, Bildungssystem, BRD, DDR, Sprachpolitik, Didaktik, Lehrpläne, Sprachenfolge, Fremdsprachenlehrer, Schulentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Geschichte des schulischen Fremdsprachenunterrichts in Deutschland von seinen Anfängen im Mittelalter bis zur Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung 1989.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen die institutionelle Entstehung des Unterrichts, den Einfluss politischer Zäsuren auf die Sprachenwahl sowie die spezifische Entwicklung in den zwei deutschen Staaten (BRD und DDR).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, den historischen Verlauf der Fremdsprachenvermittlung unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, politischer und kultureller Einflussfaktoren aufzuzeigen und dabei speziell auf die Fächer Französisch und Russisch zu fokussieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die sich auf Literaturrecherchen, amtliche Richtlinien, Lehrpläne und fachwissenschaftliche Publikationen stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss bis 1945, eine Untersuchung der Entwicklungen nach 1945 in beiden deutschen Staaten sowie eine spezifische Analyse der Geschichte der Unterrichtsfächer Französisch und Russisch inklusive der Lehrerausbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fremdsprachenunterricht, Geschichte, Sprachpolitik, Französisch, Russisch, Didaktik und die historisch-politische Situation in Deutschland charakterisiert.
Welchen Stellenwert hatte Latein historisch gesehen?
Latein war über Jahrhunderte die dominante Bildungssprache und galt als Grundlage des schulischen Lernens, bevor es durch das Aufkommen lebender Fremdsprachen zunehmend an Bedeutung verlor.
Warum konnte sich Russisch in der DDR durchsetzen, nach der Wende jedoch nicht?
In der DDR war Russisch als erste Fremdsprache politisch und ideologisch gefordert und als Pflichtfach verankert, während es nach der Wiedervereinigung aufgrund des Wegfalls dieser politischen Vorgaben und der Orientierung an westlichen Sprachen an Bedeutung verlor.
- Quote paper
- Daniela Weingartz (Author), 2003, Die Geschichte des Fremdsprachenunterrichts in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Französisch- und Russischunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45234