Im Rahmen des Seminars „Narrative Strukturen der Jugendbuchanalyse“ geht es im Folgenden um die Analyse des Adoleszenzromans „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von Thomas Brussig. Im Fokus steht hierbei die Fragestellung mit welchen strukturellen Faktoren der Narratologie explizit Jugendliche angesprochen werden. Um sich der Fragestellung nähern zu können soll hier im literaturwissenschaftlichen Kontext eine auf Genette und Stanzel bezogene strukturelle Analyse ausgewählter narratologischer Elemente stattfinden. Fokussiert wird hierbei wie das Erzählte auf der Ebene des discours dargestellt wird. Besondere Beachtung findet dabei die Erzählebene, welche nach Funktion, Struktur und nach der Gestaltung von Rahmen- und Binnenerzählungen fragt. Zudem steht die Erzählsituation im Fokus. Wer aus welchem Blickwinkel erzählt. Dabei geht es um die Erzählstimme oder die grammatische Person des Erzählers und um die auktoriale, personale oder neutrale Erzählsituation. Zu guter wird der Bereich der Faktualität in den Blick genommen. Hierbei wird erörtert, wie das Erzählte den jugendlichen LeserInnen glaubhaft vermittelt wird, so dass diesen ein identifikatorisches Lesen ermöglicht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und methodische Überlegungen
2. Theoretischer Hintergrund zum Roman
2.1 Der Adoleszenzroman
2.2 Thomas Brussig
2.3 Inhaltsangabe
3. Analyse
3.1 Diegese
3.2 Fokalisierung
3.3 Faktualität
4. Interpretation
5. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die narrativen Strukturen des Adoleszenzromans „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von Thomas Brussig im literaturwissenschaftlichen Kontext zu untersuchen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, durch welche strukturellen Faktoren der Narratologie explizit jugendliche LeserInnen angesprochen werden und wie durch diese Elemente eine identifikatorische Bindung sowie Glaubwürdigkeit erzeugt wird.
- Strukturelle Analyse der Rahmen- und Binnenerzählungen (Diegese)
- Untersuchung der Erzählsituation und Fokalisierung nach Genette und Stanzel
- Analyse der narrativen Strategien zur Erzeugung von Faktualität und Identifikationspotenzial
- Diskussion der Bedeutung von Adoleszenzthemen und Jugendsprache für die Rezeption
Auszug aus dem Buch
3.1 Diegese
Im Rahmen der Diegese stellt sich die Frage welche Bauart, Struktur, Funktion und Gestaltung die Rahmen- und Binnenerzählungen im Rahmen der gesamten Erzählung aufweisen.
Bei der Betrachtung des Gesamtzusammenhangs des Buches stellt sich das Leben von Michael Kuppisch und seiner Liebesgeschichte zu Miriam in der Sonnenallee im historischen Kontext der DDR als Extradiegese heraus. Innerhalb dieser Extradiegese lassen sich verschiedene Intradiegesen auffinden. Hier lassen sich diverse Episoden finden wie bspw. die Beziehung zwischen Mario und der Existentialistin, die Suche Wuschels nach der „Exile on Mainstreet“ Platte, Onkel Heinz Schmuggelaktionen sowie Frau Kuppischs Verwandlung. Diese komplexe Mehrsträngigkeit wird jedoch linear miteinander verknüpft. Die Kapitel, die größtenteils einzelne Episoden darstellen, weisen am Ende oder am Anfang des Kapitels jeweils Verknüpfungen zwischen den Kapiteln auf. Während bspw. das Kapitel vier von der Tanzschule handelt und das Kapitel fünf von Wuschels Plattensuche. Heißt es am Anfang dieses Kapitels:
„Wuschel ging nicht zur Tanzschule. So was interessierte ihn nicht. Wuschel interessierte sich auch sonst für nichts, außer für Musik.“ (Brussig 1999, S. 51)
Hier wird die gelungene Verknüpfung der Episoden deutlich. Durch Elemente wie diese wird im Laufe des Romans eine Gesamterzählung geschaffen. Auch wenn die Rahmendiegese, Michas Liebe zu Miriam, kaum einen Zusammenhang zu den einzelnen Szenen aufweist, da diese relativ unverbunden erscheinen, ist dennoch eine chronologische Reihenfolge und Parallelität der einzelnen Aktionen erkennbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und methodische Überlegungen: Einführung in die Fragestellung und den literaturwissenschaftlichen Rahmen der strukturellen Analyse nach Genette und Stanzel.
2. Theoretischer Hintergrund zum Roman: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Genre des Adoleszenzromans, dem Autor Thomas Brussig sowie eine Zusammenfassung der Romanhandlung.
3. Analyse: Untersuchung der erzähltechnischen Gestaltung hinsichtlich Diegese, Fokalisierung und Faktualität im Hinblick auf ihre Wirkung auf jugendliche Rezipienten.
4. Interpretation: Zusammenführung und Deutung der Analyseergebnisse, um zu erklären, wie die gewählten narrativen Mittel die Identifikation und das Leseverständnis bei Jugendlichen fördern.
5. Schluss: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Erzählstruktur und Ausblick auf weiterführende Forschungsaspekte.
Schlüsselwörter
Am kürzeren Ende der Sonnenallee, Thomas Brussig, Adoleszenzroman, Narratologie, Diegese, Fokalisierung, Faktualität, Erzählsituation, Identifikation, Jugendsprache, DDR-Literatur, Literaturdidaktik, strukturelle Analyse, Jugendbuch, Erzähler
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die narrativen Strukturen des Romans „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von Thomas Brussig unter Anwendung narratologischer Kategorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Bauart der Erzählung, die Rolle des Erzählers und die Frage, wie der Text Jugendlichen einen Zugang zur Geschichte ermöglicht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, mit welchen narrativen Faktoren Jugendliche gezielt angesprochen werden und wie durch diese Techniken eine glaubhafte Identifikation mit den Protagonisten entsteht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich primär auf die Theorien von Gérard Genette und Franz K. Stanzel stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Diegese (Rahmen- und Binnenerzählungen), der Fokalisierung (Erzählperspektive) sowie der Faktualität (Glaubwürdigkeit und Identifikationsmöglichkeiten).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Adoleszenzroman, Auktorialer Erzähler, Identifikatorisches Lesen, DDR-Kontext und die Erzählebene.
Wie verknüpft Brussig die episodische Struktur des Romans?
Brussig verknüpft die Kapitel durch inhaltliche Bezüge am Anfang oder Ende der Abschnitte, wodurch trotz episodenhafter Einzelereignisse ein kontinuierlicher Gesamtzusammenhang entsteht.
Warum ist die Identifikation für Jugendliche bei diesem Roman so zentral?
Die Identifikation ist wichtig, da sie Jugendliche durch die Thematisierung typischer Adoleszenzprobleme und die Verwendung bekannter Sprache an das literarische Werk bindet und die Glaubwürdigkeit erhöht.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2017, Narrative Strukturen der Jugendliteratur "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" von Thomas Brussig, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452458