Eine Langzeitstudie, welche an der LMU München durch die Entwicklungspsychologin Mechthild Schäfer durchgeführt wurde ergab, dass sich in der Bundesrepublik Deutschland unter 25 Schülerinnen und Schülern je ein Kind befindet, welches mindestens einmal pro Woche durch seine KlassenkameradInnen gemobbt wird. Demzufolge können in Deutschlands Schulen über eine halbe Millionen Kinder und Jugendliche als Mobbingopfer angesehen werden.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung klingen erschreckend, vor allem wenn man bedenkt, dass sich diese Statistik nur auf die Zeitspanne begrenzt, in der die Kinder und Jugendlichen in der Schule sind. Bei Freizeitaktivitäten in Vereinen oder Jugendgruppen, aber auch innerhalb der Clique, müssen Mädchen und Jungen sicherlich genauso häufig Mobbingattacken über sich ergehen lassen.
Auch ich beobachtete während meiner Schullaufbahn und in den von mir bisher besuchten Vereinen immer wieder Mobbingszenen. Dabei wusste ich oft nicht wie ich diesen Geschehnisse in geeigneter Weise entgegen treten kann. Weil mir damals das Hintergrundwissen zu „Mobbing unter Kindern und Jugendlichen während ihrer Schul- und Freizeit“ fehlte und man mit dieser Problematik auch in der sozialpädagogischen Kinder- und Jugendarbeit konfrontiert ist, habe ich mich dazu entschieden die vorliegende Studienarbeit über dieses Thema zu verfassen.
Im Folgenden werde ich nun die bereits genannte Thematik mittels der W-Fragen detailliert beleuchten.
Wenn ich von nun an in meinen Ausführungen bei Personen die männliche Form verwende, geschieht das um eine sich ständig wiederholende und im Text teilweise unschöne Unterscheidung zu vermeiden. Hier ist mit eingeschlossen, dass alle beteiligten Personen weiblich oder männlich sein könnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Hauptteil
2.1 Beschreibungswissen
2.1.1 Was ist der Gegenstand?
2.1.2 Was geschieht?
2.2 Erklärungswissen
2.2.1 Warum entsteht Mobbing?
2.2.2 Warum bleibt Mobbing lange unerkannt?
2.2.3 Warum sollte sich Soziale Arbeit mit dem sozialen Problem „Mobbing unter Kindern und Jugendlichen“ befassen?
2.3 Wertewissen
2.3.1 Welche Werte sind verletzt worden?
2.3.2 Woraufhin sollte das Problem verändert werden?
2.4 Handlungswissen
2.4.1 Wie und mit welchen Mitteln könnte das soziale Problem bearbeitet oder gelöst werden?
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Studienarbeit setzt sich zum Ziel, das Phänomen Mobbing unter Kindern und Jugendlichen mittels der W-Fragen wissenschaftlich zu beleuchten, um ein tieferes Verständnis für die Dynamiken, Ursachen und Interventionsmöglichkeiten in der Sozialen Arbeit zu entwickeln.
- Definition und Erscheinungsformen von Mobbing
- Psychosoziale Ursachen für Mobbing-Dynamiken in Gruppen
- Die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Prävention und Intervention
- Folgen von Mobbing für Opfer und Täter
- Praktische Handlungsansätze und ganzheitliche Präventionsprogramme
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Was ist der Gegenstand?
Nach dem berühmten, schwedische Psychologe Dan Olweus, welcher seit den 70er Jahren verschiedenste Forschungsprojekte zur Problematik Mobbing und Gewalt unter Kindern und Jugendlichen durchführt, spricht man von „ (...) Mobbing oder Plagen, wenn ein Kind wiederholt und systematisch den direkten oder den indirekten negativen Handlungen eines oder mehrerer Kinder ausgesetzt ist.“
Diese Definition verweist schon recht deutlich auf zwei prägnante Anzeichen einer Mobbingsituation. Zum einen ist das Kind, das sogenannte Opfer, wiederholt und zum anderen systematisch, den negativen Handlungen der anderen Kinder, den Tätern, ausgeliefert. Wesentlich für die Systematik ist, dass der Täter sich immer Mitläufer sucht, die sich mit ihm verbünden und ihn bei seinen Attacken gegenüber dem Opfer unterstützen. Zwar gibt es meist auch Helfer, die dem Opfer zur Seite stehen, doch haben diese auf die Gesamtdynamik kaum Einfluss. Erst bei sich öfters wiederholendem Aufbau dieser Konstellation könnte man davon ausgehen, dass ein Fall von Mobbing vorliegt.
Die aggressiven Angriffe von den Tätern auf das Opfer, in Olweus’ Definition mit dem Begriff negative Handlungen betitelt, werden generell in direkte und in indirekte Formen unterteilt. Zu ersteren zählt man physische Handlungen wie beispielsweise das Schlagen, Festhalten oder das Einsperren des Opfers in bestimmte Räumlichkeiten und verbale Handlungen wie zum Beispiel das Anschreien oder Auslachen des Kindes. Hier wird deutlich, dass die direkten Formen von unbeteiligten Kindern, Jugendlichen, Lehrern und Gruppenleitern als solche wahrgenommen werden könnten. Die indirekten Angriffe hingegen finden auf einer sehr subtilen Ebene statt. So gehören zu dieser versteckten Form des Mobbings neben Verhaltensweisen, welche die soziale Situation des Opfers verschlechtern auch nonverbale und paraverbale Handlungen. Bei letzteren versuchen die Täter dem Opfer ihre aggressive Botschaft über das Schneiden von Grimassen hinter dessen Rücken oder über dass Anheben der Stimmlautstärke innerhalb ihrer Clique, zu vermitteln.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Prävalenz von Mobbing an Schulen und motiviert die Themenwahl durch die Notwendigkeit von sozialpädagogischem Hintergrundwissen.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert Mobbing durch die Kategorien Beschreibungswissen, Erklärungswissen, Wertewissen und Handlungswissen.
2.1 Beschreibungswissen: Dieses Kapitel definiert Mobbing nach Dan Olweus und unterscheidet zwischen direkten und indirekten Angriffsmethoden.
2.1.1 Was ist der Gegenstand?: Es wird das theoretische Fundament gelegt, um Mobbing als wiederholte, systematische Handlung gegen ein Opfer zu identifizieren.
2.1.2 Was geschieht?: Hier werden die Gruppendynamiken, die Rollenverteilung (Täter, Mitläufer, Opfer) und das oft verdeckte Agieren im Verborgenen beschrieben.
2.2 Erklärungswissen: Dieses Kapitel ergründet die Ursachen von Mobbing, sowohl auf individueller als auch auf familiärer Ebene.
2.2.1 Warum entsteht Mobbing?: Es werden familiäre Erziehungsstile und die Abweichung von Gruppennormen als potenzielle Einflussfaktoren analysiert.
2.2.2 Warum bleibt Mobbing lange unerkannt?: Das Kapitel diskutiert die Hemmschwellen der Opfer, sich mitzuteilen, und die Schwierigkeiten für Lehrkräfte oder Gruppenleiter, dies zu bemerken.
2.2.3 Warum sollte sich Soziale Arbeit mit dem sozialen Problem „Mobbing unter Kindern und Jugendlichen“ befassen?: Hier wird der professionelle Auftrag der Sozialen Arbeit zur Förderung des Wohlergehens und der Problemlösung in menschlichen Beziehungen begründet.
2.3 Wertewissen: Es wird erörtert, welche ethischen Standards durch Mobbing verletzt werden und warum eine aktive Veränderung der Situation notwendig ist.
2.3.1 Welche Werte sind verletzt worden?: Das Kapitel beschreibt die psychische und physische Schädigung der Kinder sowie die Beeinträchtigung ihrer persönlichen freien Entwicklung.
2.3.2 Woraufhin sollte das Problem verändert werden?: Hier wird die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen und der Einbeziehung aller Beteiligten (Kinder, Eltern, Lehrer) betont.
2.4 Handlungswissen: Dieses Kapitel stellt konkrete Interventionsmöglichkeiten vor.
2.4.1 Wie und mit welchen Mitteln könnte das soziale Problem bearbeitet oder gelöst werden?: Es wird das Anti-Mobbing-Programm nach Dan Olweus als ganzheitlicher Strukturansatz vorgestellt und diskutiert.
3 Schluss: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Schule und Sozialarbeit.
Schlüsselwörter
Mobbing, Soziale Arbeit, Gruppendynamik, Intervention, Prävention, Dan Olweus, Sozialpädagogik, Schüler, Gewaltprävention, Schulumfeld, Beziehungsprobleme, Opfer-Täter-Dynamik, Soziale Gerechtigkeit, Psychosoziale Gesundheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sozialen Problem des Mobbings unter Kindern und Jugendlichen und untersucht dieses aus einer sozialpädagogischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Erscheinungsformen von Mobbing, die Entstehungsursachen in Gruppen und Familien sowie Interventions- und Präventionsstrategien.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Mobbing-Dynamik zu schaffen und aufzuzeigen, wie Sozialpädagogen durch fundiertes Wissen zur Linderung und Lösung dieser Problematik beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Autorin strukturiert ihre Arbeit anhand der sogenannten W-Fragen, um die Thematik systematisch aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln (Beschreibung, Erklärung, Werte, Handeln) zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Beschreibungswissen, Erklärungswissen, Wertewissen und Handlungswissen, die jeweils spezifische Aspekte von Mobbing analysieren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mobbing, Interventionskonzepte, Gruppendynamik, Prävention und das Modell von Dan Olweus.
Warum bleibt Mobbing laut Autorin oft so lange unentdeckt?
Mobbing bleibt oft unentdeckt, da Opfer aus Angst vor Rache schweigen, sich schämen oder sich selbst verantwortlich fühlen, während Lehrkräfte und Gruppenleiter das Phänomen mangels Fachkenntnis oder durch die subtile Art der Durchführung oft nicht rechtzeitig wahrnehmen.
Welche Rolle spielt das familiäre Umfeld bei der Entstehung von Mobbing?
Laut der Arbeit haben Familien einen wesentlichen Einfluss; so können sowohl inkonsequente Erziehung als auch familiäre Gewalt oder die Unfähigkeit, selbständiges Verhalten zu fördern, Kinder anfälliger für die Rolle als Opfer oder Täter machen.
Welche konkrete Empfehlung gibt die Autorin für Schulen?
Die Autorin plädiert dafür, dass Schulen verstärkt mit Sozialpädagogen zusammenarbeiten und ganzheitliche Präventionsprogramme, wie beispielsweise das Modell von Dan Olweus, implementieren, um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten.
- Citation du texte
- Franziska Rief (Auteur), 2008, Mobbing unter Kindern und Jugendlichen im Schulalltag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452583