Die vorliegende Arbeit untersucht Chancen und Herausforderungen alternativer ökonomischer Tauschsysteme aus ökonomischer, ökologischer und sozialpädagogischer Perspektive.
Dazu erfolgt zunächst eine Definition von Tauschsystemen, bevor anschließend anhand explizit ausgewählter Beispiele eine Verdeutlichung und Typisierung der Tauschsysteme erfolgt.
Daran anschließend folgt eine Betrachtung der Systeme aus ökologischer, ökonomischer und sozialpädagogischer Perspektive, bevor eine abschließende Zusammenfassung erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Einführung
2 Die Definition der Tauschsysteme
3 Die Vorläuferformen der heutigen Tauschsysteme
4 Die Typisierung der heutigen Tauschsysteme
4.1 Der Private Tauschring
4.2 Die Barter-Clubs
4.3 Die Seniorengenossenschaften
4.4 Die gemischten Tauschringe
5 Die RegioSTAR eG
6 Die Betrachtung von Tauschsystemen
6.1 Die ökologische Betrachtung
6.2 Die ökonomische Betrachtung
6.3 Der Nutzen für die Soziale Arbeit
7 Der Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Tauschsystemen als alternative Wirtschaftsformen und deren Potenzial für die Soziale Arbeit. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie diese Systeme zur sozialen Integration und zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen, wie dem demographischen Wandel oder ökonomischen Krisen, beitragen können.
- Historische Herleitung und theoretische Definition von Tauschsystemen
- Differenzierung verschiedener Typen wie Tauschringen, Barter-Clubs und Seniorengenossenschaften
- Analyse des Fallbeispiels der RegioSTAR eG als zukunftsweisendes Modell
- Bewertung der ökologischen und ökonomischen Auswirkungen
- Erarbeitung des Nutzens von Tauschsystemen für die professionelle Soziale Arbeit
Auszug aus dem Buch
3 Die Vorläuferformen der heutigen Tauschsysteme
Als historische Beispiele, die vom Grundgedanken her richtungsweisend für die heutigen Tauschsysteme sind, sollen hier zwei Formen vorgestellt werden. Zum einen das Schwundgeld-Experiment von Wörgl und die Erwerbslosenbetriebe in Berlin. Beides waren notlösende Reaktionen auf die Weltwirtschaftskrise um 1930 und der damit verbunden Deflation.
Die Gemeinde Wörgl in Tirol hatte aufgrund der Krise mit anhaltender hoher Arbeitslosigkeit und der Schwächung des Handels- und Gewerbswesen zu kämpfen. Insgesamt war die finanzielle Lage des Ortes bedenklich. Inspiriert von der Freiwirtschaftslehre nach Silvio Gesell, gab der dortige Bürgermeister mit Zustimmung des Gemeinderats den Anstoß zum „Schwundgeld-Experiment“. Jenes wurde von Juli 1932 bis September 1933 durchgeführt und lief folgenden Maßen ab:
Der örtliche Wohlfahrtsverband entwarf Arbeitsbescheinigungen als Notgeld, deren Wertdeckung auf einem unabhängigen, lokalen Konto erfolgte. Diese Arbeitsbescheinigungen wurden wiederum vom Ort eingekauft und der Lohn der Arbeiter wurde bis hin zu 75% mit diesem Notgeld bezahlt. Um den Umlauf zu Gewährleisten war auf jede Bescheinigung entsprechend des jeweiligen Wertes eine Gebühr von einem Prozent pro Monat zu entrichten. Diese spezielle Gemeindesteuer floss der Armenfürsorge zu. Ferner konnten die Bescheinigungen jederzeit unter Einbehalt von zwei Prozent in die Landeswährung umgetauscht werden. Die Teilnehmer waren neben der Kommune und den privaten Haushalten, das örtliche Gewerbe. Letztlich erholte sich das örtliche Geschäftleben rasch und die Arbeitslosigkeit ging zurück. Deshalb gilt bei vielen Experten das Schwund-Geldexperiment als Vorzeigebeweis für die erfolgreiche Anwendung eines lokalen Währungssystems. Genauso kursieren aber auch gegenläufige Meinungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Grenzen des unendlichen Wirtschaftswachstums und stellt Tauschsysteme als regionale, nachhaltige Handlungsalternativen vor.
2 Die Definition der Tauschsysteme: Dieses Kapitel erläutert Tauschsysteme als organisierte, bargeldlose Verrechnungssysteme zur Förderung der lokalen Selbsthilfe.
3 Die Vorläuferformen der heutigen Tauschsysteme: Hier werden historische Ansätze wie das Schwundgeld-Experiment in Wörgl und Berliner Erwerbslosenbetriebe analysiert.
4 Die Typisierung der heutigen Tauschsysteme: Das Kapitel kategorisiert aktuelle Tauschsysteme in Private Tauschringe, Barter-Clubs, Seniorengenossenschaften und gemischte Tauschringe.
5 Die RegioSTAR eG: Die RegioSTAR eG wird als umfassendes Modell vorgestellt, das verschiedene Verrechnungssysteme unter einem Dach vereint.
6 Die Betrachtung von Tauschsystemen: Dieser Abschnitt bewertet Tauschsysteme aus ökologischer, ökonomischer und sozialarbeiterischer Perspektive.
7 Der Schluss: Das Fazit unterstreicht das Potenzial von Tauschsystemen zur sozialen Integration und empfiehlt eine aktive Unterstützung durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Tauschsysteme, RegioSTAR, Komplementärwährung, Schwundgeld, Selbsthilfe, Soziale Arbeit, Nachhaltigkeit, Zeitwährung, Barter-Clubs, Gemeinwesenarbeit, Lokale Ökonomie, soziale Integration, Wirtschaftsmodell, Altersvorsorge, Genossenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Tauschsysteme als alternative Wirtschaftsmodelle und untersucht deren praktische Anwendung sowie Relevanz für gesellschaftliche Belange.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf historischen Vorbildern, der Typisierung aktueller Systeme, dem Modell der RegioSTAR eG sowie einer ökologischen, ökonomischen und sozialarbeiterischen Bewertung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Beitrag von Tauschsystemen zur sozialen Integration und zur Bewältigung gegenwärtiger wirtschaftlicher sowie demographischer Herausforderungen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Studienarbeit, die auf Literaturanalyse, der Darstellung historischer Beispiele und der Analyse eines konkreten Fallbeispiels (RegioSTAR eG) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Beschreibung verschiedener Tauschsystem-Typen, die detaillierte Vorstellung der RegioSTAR eG sowie die systematische Betrachtung ihrer Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter kennzeichnen die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Tauschsysteme, Komplementärwährungen, Selbsthilfe, soziale Integration und Gemeinwesenarbeit definieren.
Wie unterscheidet sich die RegioSTAR eG von anderen Tauschringen?
Die RegioSTAR eG zeichnet sich dadurch aus, dass sie drei verschiedene Verrechnungssysteme (Sterntaler, Talent-Buchgeld und ein Altersvorsorge-Zeitkonto) in einem gemeinsamen genossenschaftlichen Konzept integriert.
Warum wird das Schwundgeld-Experiment von Wörgl als wichtiges Beispiel genannt?
Es gilt als erfolgreicher Vorzeigebeweis für die lokale Anwendung von Währungssystemen zur Wirtschaftsbelebung in Krisenzeiten durch eine Umlaufgebühr, die das Horten von Geld unattraktiv macht.
Welchen konkreten Nutzen sieht die Autorin für die Soziale Arbeit?
Die Autorin sieht in Tauschsystemen ein Instrument, um die soziale Integration zu fördern, Einsamkeit vorzubeugen und benachteiligten Menschen Teilhabe durch das Einbringen eigener Talente zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Franziska Rief (Autor:in), 2010, Können bargeldlose Tausschsystem zur sozialen Integration beitragen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452587