Fusionen liegen im Trend. Die Rede ist von "Megafusionen"1, von "Fusionitis- und Aufkauf-Welle"2 oder vom "Fusionsfieber"3. Unternehmensfusionen sind begrifflich durch das Paradigma der Betriebswirtschaftslehre geprägt. Unter Fusion versteht man „den Zusammenschluß zweier oder mehrerer rechtlich selbständiger Betriebe [...] zu einer rechtlichen Einheit. Zwei oder mehr Vermögensmassen werden zu einer verschmolzen; mindestens eine Firma geht als rechtliche Einheit unter.“4 Fusionen erscheinen vielen Unternehmen jedmöglicher Branche als notwendige Strategie, um in einem zunehmend von Globalisierungstendenzen geprägten Markt überleben zu können. Um als Marktführer auf dem Weltmarkt zu agieren, wenigstens große Anteile zu halten, beteiligen sich immer mehr Nationen am internationalen Handel. Seit 1998 wurden weltweit mehr als 25.000 Unternehmenszusammenschlüsse gezählt.5 In der Automobilindustrie haben beispielsweise 1997 750 Fusionen und Übernahmen stattgefunden.6 Experten wie VW-Chef Piech prognostizieren für die nächsten zehn bis 15 Jahre eine Fortführung dieses Konsolidisierungstrends, so daß weltweit nur noch fünf bis zehn Automobilherstellergruppen existieren werden.7
Inhaltsverzeichnis
1) EINFÜHRUNG
2) DIVERSITY IM INTERNATIONALEN UNTERNEHMEN
2.1 Was ist Diversity?
2.2 Warum sich mit Diversity beschäftigen?
2.3 Wie glaubt man, Diversity in den Griff zu bekommen?
3) UNTERSUCHUNGSFELD, UNTERSUCHUNGSMETHODE, AUSWAHL- UND INTERPRETATIONSVERFAHREN
3.1 Untersuchungsfeld: Fakten zur Unternehmensfusion von Daimler und Chrysler
3.1.1 Zeitleiste
3.1.2 Vorgeschichte der Fusion
3.1.3 Die Verschmelzung
3.1.4 Die Integration der Konzerne
3.1.5 Nach der Fusion
3.2 Wahl der Untersuchungsmethode
3.3 Auswahl der zu Befragenden
3.4 Auswertung der qualitativen Interviewdaten
3.5 Problematisierung der Methode
3.6 Beschreibung der Untersuchungsgruppe
4) EMPIRISCHER TEIL
4.1 Themen aus der Dokumentenrecherche
4.1.1 Auswirkungen auf die Wirtschaft
4.1.2 Auswirkungen auf das Unternehmen
4.1.3 Auswirkungen auf die Mitarbeiter
4.1.4 Vorteile durch die Fusion
4.1.5 Nachteile durch die Fusion
4.1.6 Unbewertete Unterschiedlichkeiten
4.1.7 Interpretation
4.2 Themen aus den Interviews
4.2.1 Thema Fusion
4.2.2 Interkulturelle Zusammenarbeit
4.2.3 Vergleich der beiden Interviews
5) ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE
6) SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht interkulturelle Chancen und Barrieren bei Unternehmensfusionen am Beispiel der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler aus der subjektiven Sicht von Mitarbeitern, um zu analysieren, ob die angestrebte Verschmelzung zu einem "Gemeinsam sind wir stark"-Effekt geführt hat.
- Kulturelle Dimensionen und Diversity im internationalen Unternehmen
- Analyse des Untersuchungsfeldes (Fusionshistorie Daimler und Chrysler)
- Methodik der qualitativen Experteninterviews
- Auswertung von Presseberichten zur Fusion
- Gegenüberstellung von Mitarbeitererfahrungen und öffentlicher Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
Die Vorgeschichte von Daimler-Benz
„Deutschlands größter Konzern hat mit dem Wechsel von Reuter auf Schrempp 1995 einen Paradigmenwechsel vollzogen, wie er innerhalb eines Jahrzehnts kaum krasser ausfallen könnte.“ [APPEL].
In den Jahren 1984-1995 entwickelte sich Daimler-Benz vom Automobilhersteller zum integrierten Technologiekonzern. Hierzu wurden Akquisitionen wie AEG, Dornier, MTU, Deutsche Airbus u.a. und Firmengründungen bzw. Umgruppierungen wie debis, Deutsche Aerospace durchgeführt. Grund hierfür waren Zukunftsängste um das Stammgeschäft, dem Automobil- und Nutzfahrzeugbau, das durch zusätzliche Standbeine in den anderen Geschäftsbereichen Elektronik, Luftfahrt, Bahn, Finanz- und IT-Dienstleistungen abgesichert werden sollte.
In diesem Sinne wurde 1989 die Automobil- und Nutzfahrzeugsparte in die neugegründete Mercedes-Benz AG ausgelagert, so daß die Daimler-Benz AG zu einer reinen Holding ohne eigenen Produktionsbereich wurde. Die Holding umfasste 1990 die vier Gesellschaften Mercedes-Benz, AEG, Deutsche Aerospace und debis, welche wiederum aus verschiedenen Firmen (MBB, Dornier, MTU, TEMIC u.a.) bestanden. Die Strategie des integrierten Technologiekonzerns erwies sich jedoch nicht als besonders erfolgreich.
Zusammenfassung der Kapitel
1) EINFÜHRUNG: Erläutert die wachsende Bedeutung von Unternehmensfusionen im globalen Markt und die zunehmende Relevanz sozio-kultureller Faktoren für deren Erfolg oder Scheitern.
2) DIVERSITY IM INTERNATIONALEN UNTERNEHMEN: Definiert den Begriff Diversity und diskutiert die Herausforderungen sowie das Leistungspotenzial plurikultureller Arbeitsgruppen in internationalen Konzernen.
3) UNTERSUCHUNGSFELD, UNTERSUCHUNGSMETHODE, AUSWAHL- UND INTERPRETATIONSVERFAHREN: Beschreibt den historischen Kontext der Daimler-Chrysler-Fusion und legt die qualitative methodische Vorgehensweise sowie die Auswahl der Interviewpartner dar.
4) EMPIRISCHER TEIL: Präsentiert die Ergebnisse der Dokumentenanalyse und führt die qualitativen Experteninterviews mit leitenden Mitarbeitern zur Bewertung der Fusion und interkulturellen Zusammenarbeit zusammen.
5) ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE: Synthetisiert die Ergebnisse, indem die Diskrepanz zwischen der eher negativen medialen Darstellung und der positiven Einschätzung der befragten Mitarbeiter herausgearbeitet wird.
6) SCHLUSSBEMERKUNG: Reflektiert, dass der Erfolg einer Fusion stark von der subjektiven Perspektive abhängt und betont die Notwendigkeit, kulturelle Unterschiede als Chance für Synergien zu begreifen.
Schlüsselwörter
Unternehmensfusion, DaimlerChrysler, Interkulturelle Kommunikation, Diversity-Management, Globalisierung, Unternehmenskultur, Experteninterview, sozio-kulturelle Integration, Synergie-Effekte, Arbeitsmodelle, Wissensmanagement, Qualitativer Forschungsansatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die interkulturellen Chancen und Barrieren, die bei einer großen Unternehmensfusion auftreten, am spezifischen Fallbeispiel des Zusammenschlusses von Daimler-Benz und Chrysler aus der Sicht der Mitarbeiter.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Diversity in internationalen Unternehmen, die sozio-kulturelle Integration von Firmenkulturen, die Analyse von Fusionsprozessen und der Einfluss von kulturellen Unterschieden auf die Arbeitsweise in binationalen Teams.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob die Verschmelzung der beiden Konzerne als geglückt angesehen werden kann und ob sich ein echter "Gemeinsam sind wir stark"-Effekt im Arbeitsalltag der Mitarbeiter eingestellt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, insbesondere problemzentrierte Experteninterviews, ergänzt durch eine umfangreiche Dokumentenrecherche in Presseartikeln und Unternehmensverlautbarungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung der Fusionshistorie, die methodische Herleitung der Untersuchung, eine Dokumentenanalyse zur öffentlichen Wahrnehmung der Fusion sowie die detaillierte Auswertung von Interviews mit zwei Mitarbeitern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Unternehmensfusion, interkulturelle Kommunikation, Unternehmenskultur, Globalisierung, Diversity-Management und sozio-kulturelle Integration beschreiben.
Wie bewerten die befragten Mitarbeiter die Fusion?
Im Gegensatz zur oft kritischen Berichterstattung in der Presse bewerten die interviewten Mitarbeiter die Fusion überwiegend positiv als eine spannende Herausforderung und persönliche Bereicherung.
Welche Diskrepanz besteht zwischen Presse und Mitarbeitern?
Die Presse konzentriert sich stark auf rein wirtschaftliche Faktoren wie Aktienkurse und Umsatz, während die Mitarbeiter die zwischenmenschliche Interaktion und das Lernen aus unterschiedlichen Arbeitskulturen als entscheidenden Mehrwert betrachten.
- Quote paper
- Florian Schoemer (Author), 2001, Unternehmensfusionen: Interkulturelle Chancen und Barrieren. Die Fusion von Daimler und Chrysler aus Sicht der Mitarbeiter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45263